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Was trieb Ulrike Meinhof in den Fanatismus? Die Geschichte der vielleicht bekanntesten RAF-Terroristin beginnt lange vor den Anschlägen – und ließ keineswegs ihre spätere Radikalisierung erahnen. Bettina Röhl zeichnet ein vielschichtiges Bild ihrer Mutter und erzählt mit der Doppelbiographie ihrer Eltern und deren Zeitschrift konkret die Geschichte gleich zweier Schlüsselfiguren dieser Zeit. Eine mit viel Humor aufgezeichnete Familiengeschichte und ein spannendes Gesellschaftsporträt von den frühen Jahren der Bundesrepublik bis zum Beginn der Studentenrevolte 1968.…mehr

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Produktbeschreibung
Was trieb Ulrike Meinhof in den Fanatismus? Die Geschichte der vielleicht bekanntesten RAF-Terroristin beginnt lange vor den Anschlägen – und ließ keineswegs ihre spätere Radikalisierung erahnen. Bettina Röhl zeichnet ein vielschichtiges Bild ihrer Mutter und erzählt mit der Doppelbiographie ihrer Eltern und deren Zeitschrift konkret die Geschichte gleich zweier Schlüsselfiguren dieser Zeit. Eine mit viel Humor aufgezeichnete Familiengeschichte und ein spannendes Gesellschaftsporträt von den frühen Jahren der Bundesrepublik bis zum Beginn der Studentenrevolte 1968.

  • Produktdetails
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Seitenzahl: 752
  • Erscheinungstermin: 12.02.2018
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783641218065
  • Artikelnr.: 48061612
Autorenporträt
Bettina Röhl wurde 1962 in Hamburg geboren, wo sie 1982 Abitur machte. 1986 begann sie neben ihrem Studium der Geschichte und Germanistik ihr Volontariat bei dem Zeitgeistmagazin TEMPO. Sie arbeitete unter anderem für Spiegel TV, Welt online, Cicero und Wirtschaftswoche und veröffentlichte zahlreiche Buchbeiträge. 2001 wurde sie mit ihren Veröffentlichungen zu Joschka Fischers Gewaltvergangenheit in stern und BILD bekannt. Nach „So macht Kommunismus Spaß“ ist „Die RAF hat euch lieb“ ihr zweites historisch-biographisches Buch über die linke Geschichte der Bundesrepublik.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Instruktiv findet Rezensent Jochen Staadt diese Doppelbiografie über Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl, die Bettina Röhl verfasst hat. Das auf zahlreichen Akten, Briefen und Aussagen von Zeitzeugen basierende Buch behandle insbesondere die ersten 34 Lebensjahre Meinhofs, die Zeit also, die sie politisch prägen sollte. Staadt berichtet über Meinhofs Studium in Marburg beim SED-nahen Hochschullehrer Wolfgang Abendroth, ihre Hinwendung zum Kommunismus, Röhls und Meinhofs Fahrten in die DDR, die Subventionen für ihre subversive Hamburger Zeitschrift "konkret" zahlte. Die Zeit des Terrorismus kommt dagegen nur kurz auf den letzten Seiten des Epilogs zur Sprache, was Staadt zu der Vermutung veranlasst, möglicherweise werde ein zweiter Band folgen. Respekt äußert er für die Leistung der Autorin, merkt er dem Buch doch den Aufwand an Recherchen, Energie und Herzblut an, den es verschlungen hat. Deutlich ist für ihn, dass Bettina Röhl hier - trotz aller Bemühung um Historisierung - auch das "zutiefst verletzende Erlebnis einer enttäuschten Tochterliebe" verarbeite.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 19.03.2006
Couscous für die Terroristen
Bettina Röhl hat ein kluges und kitschfreies Buch über ihre Eltern Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl geschrieben

Es ist ein dickes und schweres Buch. Man schleppt es tagelang durch die Stadt, es hält einen auf wie ein unabweisbarer, komplizierter Verwandter. Aber er hat auch etwas mitgebracht, Geschichten von früher, über den Part, den man als Kind verschlafen hat. Die Achtundsechziger, welche dämonischen Wirkungen auf die westliche Zivilisation man ihnen auch zuschreiben mag, in einem Punkt waren sie doch kompromißlos: Kinder gehören in die Schule, und zwar pünktlich und also am Abend vorher ins Bett. In anderen Fragen waren sie sich weniger sicher. Eine dieser Fragen wurde bei uns zu Hause besonders oft verhandelt: Was, wenn Ulrike, Andreas und die anderen heute nacht bei uns klingeln?

Ich habe es mir seitdem manchmal vorgestellt, wie die aufgedrehten, monomanischen und bewaffneten Terroristen unsere Küche okkupieren und erst mal bewirtet werden. Mein Vater hätte an ihren Autos rumgeschraubt, meine Mutter und ihre Clique wären sitzen geblieben, hätten immer skeptischer und schließlich genervt den ernsten, großen Tönen zugehört. Das revolutionäre Abenteuer hätte nur ein Couscous-Essen lang gedauert, dann wäre es für die friedlichen Provinz-Achtundsechziger zu anstrengend geworden, und sie hätten sich langsam, denn alles ging damals langsam, in klapprigen Autokonvois zum langen Picknicken verabschiedet.

Der Terror und wir

Das werden sich die Terroristen auch gedacht haben, darum sind sie nie gekommen, auch nicht zu den entferntesten Bekannten in anderen Städten. Dafür war öfter mal die Polizei da. Viele Familien haben das erlebt: Nächtliche Einsätze mit baumelnden Maschinenpistolen, eingetretene Türen, aufgebrochene Schränke. Weil ein fremder VW-Bus zu lange vor der Tür geparkt war.

Die Kritik an den Polizeimaßnahmen, an den Haftbedingungen, an der Einschränkung der Verteidigung und der hämischen Berichterstattung war der basso continuo, mit dem die Nachrichten begleitet wurden. Aber es war keine Systemkritik, es war ein Meckern, das auch davon ablenken sollte, daß die blutige Spur ein abscheulicher Irrweg war. Bloß: Das sagten und schrieben ja schon alle Medien, da konnte man doch selber auch ein wenig Kritik am System üben. Die gesellschaftliche Minderheit der Studenten, die 1968 links waren, haben friedlich und gemächlich ihren Lebensweg fortgesetzt, auch weil die kleine, hochmediatisierte Gruppe der Terroristen vorgemacht hat, was für eine blutige Sackgasse der sogenannte bewaffnete Kampf war. Und was für eine idiotische Tragödie.

Da. Nun ist es wieder passiert: Dieses Buch, zu diesem Thema, verweist auf die Abende auf dem Flokatiteppich, vor dem ein Riesenfernseher auf einem afrikanischen Hocker thronte. Die Autorin wird davon ein Lied zu singen wissen: Wer von Ulrike Meinhof hört, redet von sich, mit allen Verzerrungen und Ausschmückungen.

Genau darum ist es jetzt, vierzig Jahre später, so wichtig, sich noch einmal über diese längst zur Geschichte geronnenen Episode zu beugen, auch wenn es ja schon verschiedentlich mit großem Ernst und Fachwissen unternommen worden ist. Doch dieses Buch schafft etwas Neues: Es bringt bislang unbekannte Dokumente und Zeugenaussagen, webt sie in eine stilsicher komponierte Erzählung und versöhnt die extrem widerspenstigen Fakten und Figuren mit einem großzügigen, intelligenten Humor.

Es ist überdies ein Buch, von dem man a priori annehmen würde, daß es nie geschrieben werden könnte: Wie soll eine Tochter über das geschichtliche Umfeld ihrer Eltern recherchieren, wie könnte sie das Auseinanderbrechen der Ehe schildern und schließlich die Trennung von und den Tod ihrer Mutter? Und auch noch so, daß man keine der fast 700 Seiten überflüssig findet. Ich hätte nicht darauf gewettet. "So macht Kommunismus Spaß!" sind mehrere Bücher in einem, ein großer bundesdeutscher Familienroman, der aus einer Handvoll atemberaubender Nebenhandlungen zusammengefügt ist.

Deutsche Geschichte

Allein die Kindheit von Ulrike Meinhof und die Figur einer Renate Riemeck sind so seltsam und gewunden, daß man sie für ausgedacht halten möchte. Nach dem Tod der Mutter wird Ulrike von der ehrgeizigen Riemeck quasi adoptiert, die es selbst aus größtem Nachkriegselend zur jüngsten deutschen Professorin bringt. "Sie wird zu einem bedeutsamen Familienmitglied und in gewisser Weise zur Schlüsselfigur für die Frauen dreier Generationen: Für Ingeborg Meinhof ist sie Lebenspartnerersatz, für Ulrike Meinhof wird sie Vaterersatz und Ziehmutter, für meine Schwester und mich ist sie jahrzehntelang eine Art Ersatzgroßvater, Ziehmutter der Mutter und Vorbild."

1955 wird Riemeck nach Wuppertal berufen, wo sie Gustav Heinemann und Johannes Rau kennenlernt und zu einer Wortführerin der Antiwiederbewaffnungsbewegung wird. Später verläßt sie den Hochschuldienst, weil sie als Kandidatin der DFU unter Verdacht allzu enger Verbundenheit mit den Kommunisten gerät. Falsch ist der Verdacht nicht: Die Autorin berichtet von einem förmlichen Interview mit ihrer Adoptivgroßmutter, in dem die den Kulakenmord und die GULags als Ergebnisse westlicher Desinformation abzutun versucht. Auch Klaus Rainer Röhl ist in all seiner Zerrissenheit glänzend dargestellt, flamboyant zwischen einer rührenden Fürsorge und einer perfekt einstudierten Widerwärtigkeit changierend.

Das ideologische Pendeln zwischen Ost und West bildet den wesentlichen ideengeschichtlichen Kern des Buches. Bettina Röhl läßt ihren Eltern nichts durchgehen: Die permanenten Angriffe auf die Bundesrepublik, die illegale Konspiration mit den ostdeutschen Kommunisten, die naive und überhebliche Parteinahme für Mao und jede Menge anderer Gewalttäter in der Dritten Welt - immer hält sie präzise dagegen und erinnert daran, in welchem Teil der Welt Menschen und Bürgerrechte garantiert waren und wo sie mit Füßen getreten wurden. Das ist weniger eine Revanche an den besserwissenden Eltern als der kühle Blick der Zeithistorikerin, denn es gelingt der Autorin auf erstaunlich souveräne Weise, das Thema zu objektivieren, wo es angebracht ist.

Manchmal liest sich das seltsam: Auf Seite 403 zum Beispiel, nach einem Exzerpt aus Jürgen Holtkamps kubanischem Tagebuch, zu dem sie anerkennend bemerkt, bei der Lektüre dieses exzellenten Texts würde einem noch heute der Karibikdance in den Gliedern zucken, schreibt sie: "Ulrike und Klaus Röhl waren im Herbst 1962 stolze Eltern von Zwillingstöchtern geworden" - ihre eigene Geburt.

Der Blick auf die Eltern bildet den intellektuell und literarisch interessantesten Teil des Buches. Es ist eine unglaubliche deutsche Geschichte: wie die Röhls ihr linkes Magazin "Konkret" erst von der DDR finanzieren lassen, sich dann mit den Kommunisten überwerfen und plötzlich mit einem Berg Schulden dastehen, dann aber das Blatt aus eigener Kraft vollschreiben und verlegen und es so zu Wohlstand und Ansehen bringen. Mitte der sechziger Jahre sind die Röhls eine linke Vorzeigefamilie, in der die Ehe der Eltern zwar ächzt und knarzt, aber hält, Geld da ist und jede Menge gesellschaftliche Anerkennung. Eine Villa in Blankenese, Parties auf Sylt - all die berühmten Fotos und Anekdoten stammen aus dieser Zeit. Und dann der Absturz: Beim Lesen denkt man an jene Szenen aus Tex-Avery-Cartoons, in denen eine Figur durch sämtliche Stockwerke eines Hauses kracht, um im Boden ein Einschlagloch mit den eigenen Umrissen zu hinterlassen. Die Morde der Terroristen, die Entführung der Zwillinge in ein sizilianisches Lager, die Planung einer weiteren Unterbringung in einem palästinensischen Waisenhaus, das später, das Leben aller Insassen beendend, von Bomben zerstört wird, die Rückführung nach Hamburg und die anschließenden Rachepläne von Horst Mahler und Konsorten: eine Wahnsinnsperiode aus Eifersucht und Gewalt, kreuz und quer durch Europa. Alles bekannt, und doch liest man es hier wie zum ersten Mal.

Kindliche Klarheit

"Wir Kinder" ist die Formel, in der Bettina Röhl die komplizierte Balance aus Eigensinn und Ausgeliefertsein zu beschwören sucht. "Wir Kinder", das ist eine teilautonome Größe, und die Familie ist keine hermetische Einheit. Am glücklichsten beschreibt sie sich, ihre Schwester und die Eltern während der Besuche bei den Röhlschen Großeltern, bei einem vollspießigen Programm aus Mittagessen, Waldspaziergang und Nußkuchen. Da ist sogar die Mutter locker geworden.

Der kindliche Blick findet sich auch in anderen Porträts. Besonders gelungen und für das Buch typisch ist das von Stefan "Onkel" Aust. Er schmeißt, knapp zwanzigjährig, für Röhl die Redaktion. Seine Tochter schreibt nun: "Ich fand Onkel Aust toll, weil alles sicher und unaufgeregt funktionierte. Wenn er uns irgendwo einen Platz anwies, Papier und Stifte gab, dann war der Platz auch wirklich frei, wir konnten uns alleine beschäftigen, das Papier war gut, die Stifte funktionierten." Später rettet Aust den Zwillingen das Leben.

Ein kindlicher Blick ist nicht unbedingt kitschig. Er ist auch klar. Diese Klarheit hat sich die Autorin bewahrt und erlöst in diesem Buch ihre Eltern aus dem Zwischenreich des Kitsches und der Klischees.

NILS MINKMAR

Bettina Röhl: "So macht Kommunismus Spaß! Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret." Europäische Verlagsanstalt, 684 Seiten, 29,80 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 10.04.2006
Die Rolle einer Familie in der Weltrevolution
„Konkret”, das Einfallstor: Bettina Röhl erklärt die Nachkriegsgeschichte in eigentümlichem FDP-Sprech
Es gab einmal zwei Freunde, die waren die Hamburger Bohème. Das war in Hamburg nach dem Krieg nicht schwer, zumal sie sich auch noch die „Vereinigung der KZ-Anwärter des Vierten Reiches” nannten, üblen Jazz spielten und ein Kabarett gründeten mit Namen „Die Pestbeule”. Tucholsky war ihr Idol, und den Band über den Expressionismus klauten sie aus der Staatsbibliothek. Obwohl sie Dichter waren, studierten sie doch auch und verzehrten heute, wenn die Weltgeschichte nicht dazwischen gegangen wäre, eine anständige Gymnasialprofessorenrente.
Aber die Weltgeschichte! Den Lyriker Peter Rühmkorf führte sie auf eine Bildungsreise nach China, und den Reichslustikus Klaus (Rainer) Röhl zur Gründung der Zeitschrift konkret. Beides bezahlte die unterwanderungswütige KPD. Rühmkorf wurde dafür aus dem germanistischen Oberseminar geschmissen, Röhl ein spätestberufener Nolte-Schüler. Seine Tochter sorgt jetzt für die überfällige Aufklärung.
Bettina Röhls Buch hat eine lange Vorgeschichte. Unter dem Titel „Sag mir, wo du stehst!” war es einst bei Econ, später bei Kiepenheuer & Witsch angekündigt und verschwand im Jahr 2001 aus dem Angebot, weil die Autorin entweder nicht schreiben kann (sagt der Verlag) oder der Verlag ihre Angriffe auf den damaligen Außenminister Joschka Fischer und gleichnamigen KiWi-Autor nicht hinnehmen wollte (sagt die Autorin). Jetzt ist Fischer nicht mehr Außenminister, und das Buch heißt „So macht Kommunismus Spaß!”. Der beste Titel ist leider schon vergeben, denn „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution” hat schon Bora Cosic ein Buch genannt.
Wir wurden nicht gelenkt
Erst nach der Wende sei ihr klar geworden, „dass meine Eltern mit der Zeitschrift konkret eine Schlüsselrolle beim Aufbau des Kommunismus in Westdeutschland gespielt haben”. Meines bescheidenen Wissens ist daraus nicht viel geworden, die beiden wären also ziemliche Versager. Das Buch kann immerhin zum ersten Mal in erschöpfender Fülle dokumentieren, dass die Zeitschrift konkret bis 1964 nicht bloß von der DDR finanziert worden, sondern schon 1955 von ihr gegründet worden ist.
Die Tatsache ist nicht neu. Weil das kulturelle Gedächtnis allgemein nachlässt, können die Enthüllungsspezialisten bei Spiegel und Stern natürlich nicht wissen, dass Bettina Röhl ein zwar hervorragend dokumentiertes, aber doch recht witzloses Remake des 1974 erschienenen Meisterwerks „Fünf Finger sind keine Faust” von Klaus Rainer Röhl bietet. Vater Röhls Buch beginnt mit einer „Selbstanzeige”, wonach er „von Anfang an Beziehungen zu Kommunisten” hatte und von ihnen Geldspenden erhielt, „ohne die der Druck der Zeitung nicht hätte finanziert werden können”.
Aber gut, die Enthüllung. „Die Zeitung muss an die vorhandenen Strömungen anknüpfen”, heißt es in einem Papier vom 6. April 1955, das Herbert Mies, viel später Vorsitzender der DKP, angefertigt und der Vorsitzende der FDJ, Erich Honecker, abgezeichnet hat. Der „Studentenkurier”, aus dem konkret wird, sollte nicht mehr als 1500 Mark im Monat kosten, eingeschlossen Honorare in Höhe von 250 Mark. Manfred Kapluck, Sohn eines Spanien-Kämpfers, führt erst Röhl, dann auch dessen spätere Ehefrau Ulrike Meinhof.
Konkret fiel sofort auf: durch das ungewöhnliche Layout, den Anti-Adenauer-Kurs, die Leidenschaft für Kunst und Kultur. Der bekannte Kommunist Thomas Mann schickte kurz vor seinem Tod 1955 ein paar aufmunternde Zeilen, Emigranten wie Kurt Hiller und Robert Neumann unterstützten die Zeitschrift, Arno Schmidt wurde ihr Fixstern, und alles was jung und nicht völlig dumm oder CDU-geführt war, schrieb für wenig Geld in konkret: Hans Magnus Enzensberger (beim ersten Mal mit falschen Vornamen!), Wolfram Schütte, Enno Patalas, Erika Runge, aber auch Jean-Paul Sartre oder Erich Kästner.
„Wir wurden nicht gelenkt”, sagt Vater Röhl seiner Tochter, aber die weiß es besser und enttarnt ihre Mutter als leninistische Kommunistin. Nicht umsonst erscheint das bekannteste Familienmitglied auf dem Umschlag, aber sie kann der Tochter ohnehin nichts recht machen. Begreiflicherweise wendet sich Bettina Röhl gegen die Meinhof-Idolatrie, aber von heute aus ist ihr die Mutter schon immer zu ehrgeizig, zu wenig einverstanden mit den Verhältnissen und zu wenig mütterlich gewesen. Bezeichnend ist die Szene, wie Ulrike Meinhof nach ihrer Tumorbehandlung endlich ihre Zwillinge in Empfang nehmen kann, aber einen Mundschutz trägt, um sie nicht mit ihrer Erkältung anzustecken. Für Rühmkorf beginnt der Weg zur RAF bei der betrogenen Frau, während die Tochter zu rührenden Psychologismen findet: „Kam Röhl auf die Dauer doch nicht mit dem oft schweren und kompromisslosen Wesen von Ulrike Meinhof zurecht und suchte sich deshalb andere Frauen?”
Die Familiengeschichte liegt Bettina Röhl naturgemäß näher als die Weltgeschichte, aber die ist nun einmal das größere Thema. Vor lauter Unterwanderungsverdacht entgleitet ihr schnell der Zusammenhang, zum Beispiel, dass es auch ohne KPD Gründe gegen die Atomrüstung gab, die der Verteidigungsminister Strauß unbedingt wollte. Im März 1958 forderte auch die SPD noch „Kampf dem Atomtod”, um dann aber lieber Kontakt zu Flüchtlingsverbänden und zur Nazi-Organisation HIAG aufzunehmen. In einem streng geheimen SPD-Dossier über konkret wird der „militante Pazifismus” beklagt. Auch an der „rücksichtslosen Kritik an Korruption und Restauration” stört sich die SPD, und dass konkret „an die Traditionen der 20er Jahre wieder anzuknüpfen sich bemühte”. Das musste für eine Partei, die sich heftig um Anknüpfung an die dominierende CDU bemühte, besonders verwerflich sein. Es gab schlicht keine Opposition mehr. Bei einem Aktionstag am 20. Mai 1958 wandte sich Jürgen Habermas, der 28-jährige Assistent Adornos, gegen die „Politik der Stärke” und erinnerte daran, dass deutsche Universitäten „zu lange Hort versäumter Gewissensentscheidungen” gewesen seien. Prompt konnte sich Habermas nicht mehr in Frankfurt habilitieren.
Westdeutschland wurde also im Auftrag der DDR von der konkret-Gruppe unterwandert, aber warum verdreifachte sich die Auflage, kaum dass die Ostfinanzierung ausgefallen war? Kann es sein, dass konkret trotz etlicher verharmlosender Artikel einfach eine gute Zeitschrift war? Gelegentlich schwant der Historikerin Bettina Röhl, dass in der Bundesrepublik vielleicht doch nicht alles so wunderfein war. In ihrem eigentümlichen FDP-Sprech heißt das: „Visionen und Orientierung - diese Grundbedürfnisse wurden unzureichend befriedigt. Da hatten die Kommunisten mit ihren Patentrezepten ein Einfallstor gefunden.” Tja, die Patentrezepte. Die DDR hat auf der ganzen Parteilinie gesiegt: „Warum nur sind so viele Bürger - angeblich - mit der Bundesrepublik unzufrieden? Weil sich die Gesellschaft seit Jahrzehnten in der Gewohnheit bewegt, dass die Bundesrepublik für alle Unbill verantwortlich sei. So hatte es die DDR-Propaganda zu Beginn des Kampfes der Systeme ersonnen und teilweise in der Westöffentlichkeit implementieren können.”
„Implementieren” ist ein schönes Wort. Der Großdiplomat Joschka Fischer hat es seinerzeit persönlich aus dem Munde der damaligen amerikanischen Außenministerin empfangen und in die deutsche Nachrichtensprache eingeführt.
Wir waren trans-kack-naiv
Dennoch bleiben, wie wir in der Branche sagen, Fragen offen. Der Verleger Ernst Rowohlt soll gewusst haben, dass das Geld für konkret aus dem Osten kam, die konkret-Redakteure Rühmkorf und Jürgen Manthey aber nicht. Auf Befragen erklärt Rühmkorf der SZ, „dass wir - z.B. Manthey u. ich - absolut trans-kack-naiv nie die Alimentierung des Blattes hinter=after-fragt hatten (um im Bilde zu bleiben), weil wir Roten reinen Herzens glaubten, eine Zeitschrift, die ihre Autoren nicht bezahlt, die kann auch wohl kaum fremdfinanziert sein. Was uns reichte, war der Ruhm.”
Die beiden Bohemiens Rühmkorf und Röhl waren offenbar ziemlich unzufrieden mit der Restaurationsrepublik Deutschland. Wäre es anders gewesen, hätte es das frühe konkret nicht gegeben, nicht den Hallodri Röhl und auch nicht den Lyriker Rühmkorf, der wie viele andere die Möglichkeit fand, „jede, aber auch wirklich jede Meinung unzensiert äußern zu können”. Röhl war vielleicht wirklich dieser unzuverlässige Lustikus, der sich gern eingarnen ließ, weil es ihm um die recht bescheidenen Sporteln von drüben ging. Aber noch heute versichert der Hallodri, nicht von den stalinistischen Kadern, sondern von Ernst Buschs Spanien-Liedern gefangen worden zu sein und vom Pathos der Schaubühne, wo Brecht noch nicht musealisiert, sondern, verglichen mit der bieder protestantischen Kunst im Westen, richtig modern war. Dennoch bleibt ein Trost: Die Weltgeschichte muss nicht umgeschrieben werden, das hat Bettina Röhl bereits besorgt.
WILLI WINKLER
BETTINA RÖHL: So macht Kommunismus Spaß! Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2006. 684 Seiten, 29,80 Euro.
Hallodri, Gattin und Kind, von links oben nach rechts unten: Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl auf dem Deutschen Derby, 1966. Die „konkret”-Redaktion: Klaus Rainer Röhl, vorn sitzend: Stefan Aust, 1968. Ulrike Röhl, geb. Meinhof, mit Bettina, 1963. „Konkret”, Juli 1966.
Abbildungen aus dem besprochenen Band
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