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Lange Zeit haben Lügen und Legenden den Blick auf Georg Elser verstellt. Heute steht er zusammen mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderen in der ersten Reihe des Widerstands gegen Hitler. Im Herbst 1938 hatte Elser, der von Anfang an ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten war, den Entschluss gefasst, einen Bombenanschlag auf Hitler zu verüben. Am 8. November 1939 verübte er ein Attentat im Münchener Bürgerbräukeller, doch Hitler entkam. Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte Georg Elsers vor dem Hintergrund dieses gescheiterten Attentats, das die Welt verändert hätte. Es…mehr

Produktbeschreibung
Lange Zeit haben Lügen und Legenden den Blick auf Georg Elser verstellt. Heute steht er zusammen mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderen in der ersten Reihe des Widerstands gegen Hitler. Im Herbst 1938 hatte Elser, der von Anfang an ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten war, den Entschluss gefasst, einen Bombenanschlag auf Hitler zu verüben. Am 8. November 1939 verübte er ein Attentat im Münchener Bürgerbräukeller, doch Hitler entkam.
Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte Georg Elsers vor dem Hintergrund dieses gescheiterten Attentats, das die Welt verändert hätte. Es zeigt seine Motive, die Vorbereitungen und die Folgen des Anschlags - und es zeigt einen unbeirrbaren Hitlergegner, der im Nachkriegsdeutschland erst spät angemessen gewürdigt wurde.
  • Produktdetails
  • Mensch - Zeit - Geschichte
  • Verlag: Kohlhammer
  • Originaltitel: Georg Elser
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 114
  • Erscheinungstermin: 22. Juni 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 7mm
  • Gewicht: 165g
  • ISBN-13: 9783170310773
  • ISBN-10: 3170310771
  • Artikelnr.: 44918020
Autorenporträt
Ulrich Renz ist Journalist und Mitarbeiter der Georg Elser Gedenkstätte in Königsbronn. Seit vielen Jahren befasst er sich mit NS-Verbrechen und mit dem Widerstand gegen Hitler, vor allem mit Georg Elser.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 30.11.2009

Nachknall
Georg Elsers Attentat

Als die Zeitzünder-Bombe am 8. November 1939 um 21.20 Uhr im Bürgerbräukeller explodierte, löste sich die Münchener Traditionsfeier der Nationalsozialisten bereits auf. Genau 60 Jahre später vertrat Lothar Fritze in der "Frankfurter Rundschau" die These, der um dreizehn Minuten verpassten Gelegenheit, Hitler loszuwerden (der hatte die Veranstaltung um 21.07 Uhr verlassen), werde "zu viel der Ehre zuteil". Attentäter Georg Elser habe den Tod von acht Menschen "schuldhaft verursacht", darunter die Aushilfskellnerin Maria Henle; schwere Verletzungen mit bleibenden Folgen habe die Angestellte Maria Strobl erlitten. Eine Langfassung des Artikels erschien im "Jahrbuch Extremismus & Demokratie" (2000). Hier ging es Fritze eher um die Frage nach dem Vorbildcharakter der Tat, ja um die "Propagierung problematischer Vorbilder" durch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, die Ende der neunziger Jahre eine Wanderausstellung über Elser veranstaltet hatte. Der Attentäter habe - so Fritze - "Sorgfaltspflichten im Bereich des Denkens und Planens" verletzt. Dieses Urteil beziehe sich "ausschließlich auf die Tatdurchführung", denn die Tat habe einem "gerechtfertigten Ziel" gegolten. Elsers Vorgehen weise "Momente von Mitleids- und Gedankenlosigkeit" auf.

Für seine 1999 geäußerte These musste Fritze viel Kritik einstecken, insbesondere von den Leitern der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Peter Steinbach und Johannes Tuchel. Ihnen antwortet der Politikwissenschaftler am Hannah-Arendt-Instituts (HAIT) in Dresden und neuerdings außerplanmäßige Professor in Chemnitz mit der Publikation "Legitimer Widerstand?", die seine Beiträge zum "Fall Elser" dokumentiert. Im Rückblick auf die von ihm ausgelöste Kontroverse (und auch Krise am HAIT) wirft er Steinbach und Tuchel vor, sie hätten 1999 einen Frontalangriff geführt, "der die Vernichtung der wissenschaftlichen Existenz eines Autors beabsichtigte". Zudem würden sie Elsers Tatmotiv auf die Kriegsverhinderung reduzieren und ihm Instinkt attestieren. "Im Katalog zur Sonderausstellung, die die Gedenkstätte Deutscher Widerstand Georg Elser widmete, werden jedoch weder Maria Henle noch Maria Strobl namentlich erwähnt - ja es wird noch nicht einmal mitgeteilt, dass unter den Toten und Verletzten überhaupt Menschen waren, die in jedem vernünftigen Sinne als Unschuldige zu gelten haben. ,Acht Tote und über 60 Verletzte' - so bilanzieren Steinbach und Tuchel lapidar! Während selbst das unbeteiligte und ahnungslose, nach dem Anschlag aber Verhören ausgesetzte Ehepaar, bei dem Elser in München logierte, namentlich erwähnt und mit Bild und familiären Details vorgestellt wird, bleibt für die unschuldigen Opfer kein Wort!" Schließlich fährt Fritze ein starkes Geschütz auf: "Die systematische Ausblendung der Opfer ist vielmehr das Geheimnis des Erfolgs, Elser als unbefleckten Helden der Öffentlichkeit vermitteln zu können. Wer die Verhältnisse in der DDR kennt, fühlt sich an eine tendenziöse Geschichtsschreibung aus unseligen Tagen erinnert. Man möchte es Tuchel und Steinbach hinter die Ohren schreiben, dass, wer seinen volkspädagogischen Neigungen ungehemmt nachgibt, allemal Schwierigkeiten mit der Wahrheit bekommt."

Von viel ruhigerer Art ist das Büchlein des Journalisten Ulrich Renz. "Ein Meister der Tat", so lautet der Untertitel der informativen, durch Fotos, Dokumentenauszüge und Historikerzitate aufgelockerten Lebensbeschreibung. Renz fügt ein eigenes Kapitel "Der lange Weg zum Ruhm" an, in der nicht einmal Fritzes Name fällt. Dafür lässt der Autor aber Steinbach und Tuchel hochleben - ohne wiederum zu erwähnen, dass beide Zeithistoriker bis Ende der achtziger Jahre brauchten, um sich zu Elser-Bewunderern zu mausern. Ihnen war Bundeskanzler Kohl längst vorangegangen. Er hatte schon am 20. Juli 1984 im Ehrenhof Stauffenbergstraße jene Deutsche gewürdigt, die ihr mutiges Eintreten für Menschenwürde Freiheit, Recht und Wahrheit mit ihrem Leben bezahlt haben, darunter "einzelne Widerstandskämpfer wie der erfolglose Attentäter Georg Elser".

Renz hebt hervor, dass die Schwaben den im Januar 1903 in Hermaringen geborenen und im April 1945 in Dachau hingerichteten Elser auf ihre Weise "adelten". Man nahm ihn 1995 in die Ausstellung "Schwäbische Tüftler" auf und zeigte im Württembergischen Landesmuseum sogar einen Nachbau der Höllenmaschine von 1939. Damit sei er in den "erlauchten Kreis mit Erfindern wie Gottlieb Daimer, Graf Zeppelin oder Claude Dornier" gerückt worden. Vielleicht sollte das Land Baden-Württemberg bald noch einen Schritt weitergehen. Von den nach dem Zweiten Weltkrieg bekanntgewordenen mehr als vierzig Attentatsversuchen hatten nur zwei große Erfolgschancen: am 8. November 1939 im Bürgerbräukeller in München und am 20. Juli 1944 im "Führerhauptquartier Wolfschanze" bei Rastenburg in Ostpreußen. Wäre es da nicht längst an der Zeit, die Tat des Obersten im Generalstab Claus Graf Schenk von Stauffenberg und die Tat des Möbelschreiners Elser endlich durch eine gemeinsame Erinnerungsstätte zu würdigen? Seit 2006 wird Stauffenberg bereits in Stuttgart im Alten Schloss geehrt.

RAINER BLASIUS

Lothar Fritze: Legitimer Widerstand? Der Fall Elser. BWV Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2009. 206 S., 24,- [Euro].

Ulrich Renz: Georg Elser. Ein Meister der Tat. DRW Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2009. 124 S., 12,90 [Euro].

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