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Als Folge des Krieges im ehemaligen Jugoslawien kamen in den 1990er Jahren ca. 340.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Viele von ihnen waren Opfer sogenannter "ethnischer Säuberungen". Trotz vielfacher Belastungen zeigen die betroffenen Kinder häufig keine offensichtlichen psychischen Folgen oder Verhaltensauffälligkeiten, sondern wirken gut angepasst. Indem Ansätze aus der Traumaforschung, der Bindungsforschung und der qualitativen Sozialforschung kombiniert werden, lassen sich die oft verdeckt vorhandenen Traumatisierungen aufspüren. Dabei werden sowohl das Bindungsmuster der Eltern als auch…mehr

Produktbeschreibung
Als Folge des Krieges im ehemaligen Jugoslawien kamen in den 1990er Jahren ca. 340.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Viele von ihnen waren Opfer sogenannter "ethnischer Säuberungen". Trotz vielfacher Belastungen zeigen die betroffenen Kinder häufig keine offensichtlichen psychischen Folgen oder Verhaltensauffälligkeiten, sondern wirken gut angepasst. Indem Ansätze aus der Traumaforschung, der Bindungsforschung und der qualitativen Sozialforschung kombiniert werden, lassen sich die oft verdeckt vorhandenen Traumatisierungen aufspüren. Dabei werden sowohl das Bindungsmuster der Eltern als auch die sozial prekäre Situation der Flüchtlingsfamilien berücksichtigt. Es zeigt sich, dass die Entwicklung der Kinder stark von den Traumatisierungen der Eltern geprägt ist. Erschwerend hinzu kommen sozialpolitische und ausländerrechtliche Entscheidungen, die zur sozialen Desintegration der Flüchtlinge führen. Sequentielle Traumatisierungsprozesse im Sinne Hans Keilsons werden dadurch befördert. Die Psychologin Ilka Lennertz zeigt auf, wie vergleichsweise einfach zu realisierende Unterstützungsmaßnahmen, die zurzeit unterlassen werden, ausgestaltet werden könnten.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
  • Seitenzahl: 441
  • Erscheinungstermin: 16.11.2011
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783647451268
  • Artikelnr.: 37650931
Autorenporträt
Dr. phil. Ilka Lennertz ist Psychologin an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Dresden.
Inhaltsangabe
Aus dem Inhalt: 1 Einleitung 1.1 Sinn und Ziel der Arbeit 1.2 Zur Struktur der Arbeit 2 Flüchtlingserfahrungen in Deutschland: das Beispiel der bosnischen Flüchtlinge 2.1 Krieg und Vertreibung in Bosnien-Herzegowina 2.2 Die soziale Realität der bosnischen Flüchtlinge in Deutschland 2.3 Die "Traumaregelung": Trauma als Bleiberechtskriterium 2.4 Fazit 3 Trauma eine kritische Begriffsbestimmung 3.1 Forschungsgeschichte und Begriffsentwicklung 3.2 Trauma als Leiden an Reminiszenzen: Hysterieforschung 3.3 Trauma als zeitlicher Prozess und in der Entwicklung: Nachträglichkeit 3.4 Trauma als Reizüberflutung: der Erste Weltkrieg, Kriegsneurosen, Wiederholungszwang 3.5 Trauma als kumulativer Prozess: Objektbeziehungstheorie 3.6 Trauma als Extremsituation, als generationsübergreifendes Phänomen und als "kollektives Trauma": der Holocaust 3.7 Trauma als sequentieller psychosozialer Prozess: das Modell von Hans Keilson 3.8 Trauma als Stresserkrankung: das Konzept der Posttraumatic Stress Disorder (PTSD) 3.9 Neurowissenschaftliche Ansätze zu Trauma und Gedächtnis: Trauma als "traumatic memory" 3.10 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen für den Flüchtlingsbereich 4 Krieg und Flucht im Kindesalter Forschungsstand 4.1 Die Studie von Anna Freud und Dorothy Burlingham (1943): War and Children 4.2 Kriegskinder in Deutschland 4.3 Überblick über die aktuelle Forschung zu Flüchtlings- und Kriegskindern 4.4 Fazit und Forschungslücken 5 Trauma bei Kindern 5.1 Trauma und Entwicklung 5.2 Entwicklungs- und alterspezifische Aspekte von Trauma 5.3 Typische Merkmale von Trauma bei Kindern 5.4 Trauma und Gedächtnis im Kindesalter: das Problem der biographischen Rekonstruktion 5.5 Kindheitstrauma und Hirnentwicklung: How "states" become "traits" 5.6 Trauma ohne Symptom und die Frage resilienter Entwicklung 5.7 Trauma und Familie: intergenerationale und transgenerationale Traumatisierungen 5.8 Zusammenfassung und Fazit 6 Bindungsforschung als ein Zugang zum subjektiven Umgang mit Traumatisierungen und zu intergenerationalen Prozessen 6.1 Bindungstheorie und Bindungsforschung 6.2 Methoden zur Bestimmung von Bindungsmustern und zentrale empirische Ergebnisse der Bindungsforschung 6.3 Trauma und Bindung 6.4 Klinische Aspekte der Bindungsforschung 6.5 Kritische Einwände und Grenzen der Bindungsforschung 6.6 Zusammenfassung und methodische Schlussfolgerungen 7 Methodische Anlage der Studie 7.1 Interviews zu traumatischen Erlebnissen 7.2 Forschen im interkulturellen Raum 7.3 Methodisches Vorgehen 7.4 Forschungsfragen 7.5 Beschreibung der angewandten Methoden 8 Fallübergreifende Ergebnisse 8.1 Forschungsprozess und Beschreibung der untersuchten Gruppe 8.2 Zur familiären und psychosozialen Situation der Flüchtlingsfamilien 8.3 Fallübergreifende Ergebnisse der Fragebögen und der Bindungsinterviews 8.4 Zusammenfassung und tabellarische Ergebnisübersicht 9 Exemplarische Fallanalysen 9.1 Alen, 12 Jahre: "Ich bemerke es nicht, wenn sie traurig ist" Beispiel für einen pseudo-resilienten Entwicklungsverlauf 9.2 Katarina, 11 Jahre: "Du musst jetzt aber nicht traurig sein, nur weil ich traurig bin." Beispiel für ein sicheres Bindungsmuster bei gleichzeitiger Angstsymptomatik 9.3 Nermin, 11 Jahre, "Er ist traurig von irgendwas" Beispiel für verminderte intergenerationale Grenzbildung und unbehandelte traumabedingte Symptomatik 9.4 Zusammenfassende Darstellung der Fallanalysen: Drei unterschiedliche Wege der Erfahrungsverarbeitung von Flüchtlingskindern 10 Exilbedingte sequentielle Traumatisierungen Das Erleben der Aufenthaltssituation in Deutschland 10.1 Chronische oder wiederkehrende Belastungsfaktoren 10.2 Angst auslösende und traumatogene Situationen im Zusammenhang mit der Aufenthaltssituation in Deutschland 10.3 Positive Erfahrungen und positive Aspekte des Lebens in Deutschland ...