Ulbricht, Chruschtschow und die Mauer - Uhl, Matthias / Wagner, Armin (Hgg.)

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"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen", erklärte DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961. Kaum zwei Monate später wurde Berlin geteilt. Diese Tatsachen sind bekannt. Was sich aber vor, während und unmittelbar nach dem Mauerbau in Ostberlin und Moskau hinter den Kulissen abgespielt hat, blieb jahrezehntelang im Dunkeln. In der vorliegenden Dokumentation zeichnen nun Matthias Uhl und Armin Wagner die politischen und militärischen Planungen für die Errichtung des neuen Grenzregimes nach.…mehr

Produktbeschreibung
"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen", erklärte DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961. Kaum zwei Monate später wurde Berlin geteilt. Diese Tatsachen sind bekannt. Was sich aber vor, während und unmittelbar nach dem Mauerbau in Ostberlin und Moskau hinter den Kulissen abgespielt hat, blieb jahrezehntelang im Dunkeln. In der vorliegenden Dokumentation zeichnen nun Matthias Uhl und Armin Wagner die politischen und militärischen Planungen für die Errichtung des neuen Grenzregimes nach.
  • Produktdetails
  • Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Bd.86
  • Verlag: Oldenbourg
  • Seitenzahl: 219
  • Erscheinungstermin: 24. April 2003
  • Deutsch
  • Abmessung: 240mm x 161mm x 19mm
  • Gewicht: 359g
  • ISBN-13: 9783486645866
  • ISBN-10: 3486645862
  • Artikelnr.: 11599580
Autorenporträt
Matthias Uhl, Jahrgang 1970, Dr. phil.. Von 1996-2000 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, von 2000-2005 als wiss. Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte München, Abteilung Berlin. Seit 2005 ist er wiss. Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Moskau.

Jahrgang 1968, Eintritt in die Bundeswehr 1987, Ausbildung zum Offizier, 1990-1994 Studium der Geschichtswissenschaft und Pädagogik in Hamburg. 1994- 2003 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, 2003-2006 als Dozent für Militärgeschichte an der Offizierschule des Heeres in Dresden. Seit 2006 ist er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg tätig.
Rezensionen
Besprechung von 24.06.2000
Mauer im Wald
Eine Mauer, die spazieren geht: Für den Landart-Künstler Andy Goldsworthy bilden die steinernen Gebilde keine starren Grenzen, die Grundstücke trennen oder gar Frontlinien zwischen verfeindeten Nachbarn bilden. Goldsworthy macht die Mauern beweglich und lebendig – er schickt sie auf Wanderschaft. Sie laufen über Hügel und Täler, tauchen in Seen ein und legen sich in üppigen Kurven um die Baumstämme eines Waldes. Aus der Schlangenform von Goldworthys Mauern spricht „Respekt vor der Priorität der Bäume, die vor ihnen da waren”, meint der Kunstkritiker Kenneth Baker. Goldworthys 760 Meter lange Steinmauer im Skulpturenpark des Storm King Art Center im Staat New York ist die Hauptattraktion seines Buches mit dem einfachen Titel Mauer, das bei Zweitausendeins erschien (60 Farbfotos, 94 S. , 33 Mark).
ajh/Foto: Verlag
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Seit Mitte der fünfziger Jahre gab es Pläne für die Abschottung der DDR von der Bundesrepublik und im Januar 1961 gelangten sie im Auftrag Ulbrichts ins Stadium detaillierter Vorbereitung. In dem Augenblick, in dem die Mauer beschlossene Sache war (6. Juli 1961), übernahm die Sowjetunion das Kommando, um eine militärische Auseinandersetzung um Berlin zu vermeiden. Michael Hollmann beschränkt sich in seiner Rezension im wesentlichen auf die Nacherzählung der Ereignisse, lobt diese Dokumentation aber für das "vielschichtige Bild", das sie bietet und für eine Reihe bisher unbekannter Dokumente aus deutschen wie russischen Archiven.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 02.12.2003
Unter dem roten Mantel
Dokumente zu Ulbrichts Mauerbau / Von Michael Hollmann

Spätestens seit der Mitte der fünfziger Jahre gab es in der DDR Planungen für eine Abriegelung der Grenzen der DDR zur Bundesrepublik und zu West-Berlin. "Plan Anton" war die Chiffre für ein 1954/55 erstelltes Szenario zur Schließung einer Wunde, durch die die DDR auszubluten drohte. Bis 1961 sollen fast drei Millionen DDR-Bürger ihrem Staat den Rücken gekehrt haben. Sosehr Ulbricht eine undurchlässige Demarkationslinie vor allem in Berlin zur Existenzsicherung der DDR brauchte, so riskant war ein solcher Schritt für die internationale Lage. Chruschtschows Berlin-Ultimatum 1958 hatte zwar die für die DDR mißliche Lage nicht ändern können, Ulbricht aber in die Lage versetzt, im Kreml immer nachdrücklicher eine Klärung der instabilen Lage in Berlin einzufordern. Erfolgreich vermittelte er den Eindruck, die DDR könnte sich irgendwann gezwungen sehen, auf eigene Faust zu handeln, und die Kontrolle über die Verkehrswege in der DDR und nach Berlin (West) übernehmen, selbst wenn dies die Gefahr eines Konflikts mit den West-Alliierten heraufbeschwören sollte.

Noch bevor auf der politischen Ebene die Abriegelung des westlichen Teils von Berlin beschlossen wurde, veranlaßte Ulbricht im Januar 1961 detaillierte Planungen, in die das Oberkommando der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) eingebunden wurde. Der Vier-Mächte-Status Berlins erforderte ein sorgfältig abgestimmtes Handeln der bewaffneten Kräfte des DDRInnenministeriums, der NVA und der GSSD. Die endgültige Zustimmung Moskaus erreichte Ulbricht am 6. Juli. Von nun an übernahm jedoch die sowjetische Seite die Planungen, da Moskau um jeden Preis einen militärischen Konflikt in Berlin vermeiden wollte. Die Verantwortlichkeit der DDR blieb fortan auf die direkte Abriegelung der einzelnen Grenzabschnitte beschränkt. Die Vorbereitungen erfolgten unter dem Tarnmantel einer simulierten Inspektion der Gefechtsbereitschaft. Die wahren Ziele der Operationen konnten selbst vor den kommandierenden Offizieren bis zum 12. August verheimlicht werden. Die Aktionen des 13. August verliefen überraschend ruhig. Trotz aller Empörung und der ersten Mauertoten schon im August 1961 waren es die Beschränkungen westalliierter Rechte, die zur Verschärfung der Krise führten. Mit dem Abzug ihrer Panzer vom Checkpoint "Charlie" am 28. Oktober akzeptierten jedoch die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Mauer als einen Kompromiß, der die DDR vor der Ausblutung rettete - ohne den Vier-Mächte-Status der Stadt entscheidend in Frage zu stellen. Matthias Uhl und Armin Wagner zeichnen mit ihrer Dokumentation ein vielschichtiges Bild der Ereignisse und präsentieren zahlreiche bislang nicht bekannte Dokumente aus deutschen und russischen Archiven.

Matthias Uhl/Armin Wagner (Herausgeber): Ulbricht, Chruschtschow und die Mauer. Eine Dokumentation. R. Oldenbourg Verlag, München 2003. 219 S., 24,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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