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"Eine der schönsten und traurigsten Liebesgeschichten." Peter Hamm, Literaturclub
Raif Efendi ist ein unscheinbarer, duldsamer Mann, den in Ankara weder die Eskapaden seiner Töchter noch die Verleumdungen am Arbeitsplatz aus der Bahn werfen können. Kaum jemand ahnt, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Bis wir ihn in das Berlin der zwanziger Jahre und zu der Begegnung mit seiner großen Liebe begleiten ...
Eine hinreißende deutsch-türkische Liebesgeschichte und eine Ode an das Berlin der wilden zwanziger Jahre.
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Produktbeschreibung
"Eine der schönsten und traurigsten Liebesgeschichten." Peter Hamm, Literaturclub

Raif Efendi ist ein unscheinbarer, duldsamer Mann, den in Ankara weder die Eskapaden seiner Töchter noch die Verleumdungen am Arbeitsplatz aus der Bahn werfen können. Kaum jemand ahnt, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Bis wir ihn in das Berlin der zwanziger Jahre und zu der Begegnung mit seiner großen Liebe begleiten ...

Eine hinreißende deutsch-türkische Liebesgeschichte und eine Ode an das Berlin der wilden zwanziger Jahre.
  • Produktdetails
  • Ullstein Taschenbuch Bd.28950
  • Verlag: Ullstein Tb
  • Seitenzahl: 266
  • Erscheinungstermin: 9. Februar 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 121mm x 25mm
  • Gewicht: 255g
  • ISBN-13: 9783548289502
  • ISBN-10: 3548289509
  • Artikelnr.: 48219955
Autorenporträt
Sabahattin Ali wurde 1907 in Gümülcine geboren. Nach seinem Studium in Berlin und Potsdam lehrte er in der Türkei Deutsch. Ali musste zeitlebens gegen die staatliche Zensur kämpfen. 1948 wurde er auf der Flucht ins Exil an der bulgarischen Grenze ermordet. Bis heute ist ungeklärt, ob er einem Raubmord oder einem politischen Anschlag zum Opfer fiel.
Rezensionen
Besprechung von 18.10.2008
Das Istanbul-Gefühl von Berlin
„Die Madonna im Pelzmantel”: Der türkische Dichter Sabahattin Ali zeigt, wie maßlos die Liebe sein kann
Der Türke und die Jüdin, schon dies spricht nicht für eine gewöhnliche Paarung. Raif begegnet Maria im Berlin der zwanziger Jahre, und man weiß bald, dass sie ihre Liebe nicht leben können. Nicht weil sie in west-östlichen Missverständnissen untergeht, die beiden sind vielmehr zeitgenössische Großstadtmenschen, die nicht loskommen von ihren maßlosen Vorstellungen von dem, was Liebe sein soll. „Ich hatte noch nicht begriffen, dass das wirkliche Leben nie so wunderbar sein kann wie unsere Träume”, meint Raif, der sich schon wegen seiner Unsicherheit zur Einsamkeit verurteilt fühlt. Seine einzige Liebesnacht mit Maria wird zum klassischen Desaster, denn auch sie findet nicht, was sie sucht. „Ich hatte tatsächlich geglaubt, dass ich, wie von einer Zauberhand berührt, ganz und gar verändert würde, dass ich mich tief in meiner Seele unschuldig wie ein kleines Kind und gleichzeitig stark genug fühlen würde, um mein Leben zu meistern, kurz, dass ich mich heute Morgen beim Erwachen in einer völlig neuen Welt wiederfinden würde.”
Lücke im Kanon
„Die Madonna im Pelzmantel” ist der zweite, in deutscher Sprache vorliegende Roman des hierzulande erst jüngst entdeckten türkischen Schriftstellers Sabahattin Ali. In seiner Heimat wird der Dichter verehrt, was nichts daran änderte, dass er jahrzehntelang in keinem offiziellen Literaturkanon auftauchte. Das hat sich erst in letzter Zeit geändert. Sabahattin Ali, 1948 bei der Flucht aus der Türkei im Alter von 42 Jahren unter bis heute ungeklärten Umständen ermordet, hatte zu Lebzeiten mit Zensur und staatlicher Gängelei zu kämpfen. Seine Romane sind bei aller Poesie höchst genaue Gesellschaftsporträts. Alis Stil ist so schnörkellos gegenwärtig, und von Ute Birgi so luzide übersetzt, dass die Geschichte großen Sog entfaltet.
2007 war im Unionsverlag, der mit seiner „Türkischen Bibliothek” Pionierarbeit leistet, bereits Alis Istanbul-Roman „Der Dämon in uns” erschienen. Auch dies ist eine Geschichte über das Fremdsein in der Liebe, wobei die Frau die stärkere eines ungleichen Paares bleibt. Das gilt auch für Maria, die „Madonna im Pelzmantel”, deren gemaltes Selbstporträt Raif in einer Berliner Galerie entdeckt. Raif wurde von seinem Vater nach Deutschland geschickt, um die Duftseifenherstellung zu erlernen, er soll später die heimische Fabrik übernehmen. Aber der türkische Träumer vermag mit dem profanen Gewerbe wenig anzufangen. In der Galerie stößt er auf das Bild Marias und betrachtet es stunden-, ja tagelang, weil er das Gefühl nicht los wird, diese Frau habe ihm etwas zu sagen. Bis er Maria begegnet, und sie nicht gleich erkennt. Später verschwindet für ihn dann alles hinter dieser Liebe.
Ali hat um dieses ergreifende Drama eine Rahmenhandlung gesponnen. Deren Ich-Erzähler ist ein gelangweilter Büroangestellter aus Ankara. Der trifft an seinem Arbeitsplatz auf Raif, der längst aus Berlin zurückgekehrt ist und das Leben eines Sonderlings führt, eine kümmerliche Existenz. Der Erzähler aber fühlt sich zu diesem Faktotum hingezogen, es entsteht eine zarte Freundschaft. „Raif Efendi” verbringt seine Tage als weit unter seinem Niveau beschäftigter Übersetzer, dazwischen kritzelt er ein schwarzes Notizheft voll. Die schmale Kladde enthält sein Berliner Geheimnis.
Raif und der Ich-Erzähler sind beide Sabahattin Ali, jedenfalls legt dies die Lebensgeschichte des Schriftstellers nahe. Ali war als Lyriker und Erzähler in der Türkei bereits bekannt, als er im Rahmen eines Ausbildungsprogramms für Fremdsprachenlehrer Ende 1928 nach Deutschland kam. Erst lebte er in einer Pension in Potsdam, und so, wie er im Roman die Verhältnisse schildert, könnte es gut gewesen sein, am Abendbrottisch, wo die Gäste „anscheinend gern die Gelegenheit” ergriffen, „sich mit einem Türken zu unterhalten”.
Ängstliches Zögern
Das Pensionspublikum: arbeitslose Offiziere, ein Kaufmann, der früher in der deutschen Kolonie Kamerun Handel trieb, ein anderer, der Berlin mit Orangen von den Kanaren versorgt, und „jeder kam mit einem anderen Vorschlag, wie Deutschland gerettet werden sollte”. Raif bleibt meist passiv, verliert sich in Melancholie. „Hüzün”, das türkische Wort für einen solchen Zustand, von Orhan Pamuk zum großen Istanbuler Gefühl erklärt, passt auch auf das Berlin dieses Romans, in dem niemand so richtig warm wird mit seinem Leben. Später erkennt Raif, aber da geht es dann schon um die Liebe, dass „diese Reglosigkeit, dieses ängstliche Zögern” großen Schaden anrichten, dass es in den menschlichen Beziehungen „keine Versteinerung geben darf, dass jeder versäumte Schritt nach vorne einen unweigerlich zurückwerfen muss”.
Ali übte selbst weniger Zurückhaltung, zumindest was das Politische betrifft. Er wird nach seiner Rückkehr aus Berlin mehrmals verhaftet, 1932 wird er wegen eines satirischen Gedichts über den damals noch lebenden Republikgründer Kemal Atatürk angeklagt und für ein Jahr inhaftiert. 1938 geht er als Übersetzer und Dramaturg an das Konservatorium in Ankara, wo er Assistent von Carl Ebert wird. Ebert hatte die Intendanz der städtischen Oper Berlin unter dem Druck der Nazis aufgegeben und war 1936 in die Türkei emigriert. Ali übersetzte in Ankara dann auch Werke von Lessing, Chamisso und Rilke ins Türkische. 1946 gibt er mit dem bei uns bekannteren Aziz Nesin eine satirische Zeitschrift heraus, die immer wieder zensiert wird. Dann wird es ihm zu viel. Beim Fluchtversuch nach Bulgarien stirbt er auf der türkischen Seite der Grenze. Offiziell ist von einem Raubmord die Rede, seine Freunde glauben an eine Tat der Geheimpolizei.
Das Berlin der zwanziger und das Istanbul der wilden dreißiger Jahre zeigen sich bei Ali als Metropolen, in denen sich ein Unheil ankündigt. „Die Madonna im Pelzmantel” erschien in der Türkei 1943. Da wusste Ali schon, welcher Dämon Deutschland nach seiner Abreise erfasst hatte. CHRISTIANE SCHLÖTZER
SABAHATTIN ALI: Die Madonna im Pelzmantel. Roman. Aus dem Türkischen von Ute Birgi. Dörlemann, Zürich 2008. 254 Seiten, 19,80 Euro.
Das Berlin der zwanziger und das Istanbul der wilden dreißiger Jahre erscheinen bei Sabahattin Ali (1906-1948) als Metropolen, in denen sich ein Unheil ankündigt. Hier eine Szene aus dem mit Tischtelefonen ausgestatteten Berliner Nachtlokal „Femina”. Foto: Scherl
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensentin Angela Schader begrüßt die Publikation dieses bereits 1973 im Original erschienenen Buchs in deutscher Sprache. Zwar empfiehlt sie, den eigenen historischen Standpunkt zu vergessen, wenn man ganz in den Genuss der verhandelten Fragen kommen möchte. Doch wem dies gelingt, dem verspricht die Rezensentin tiefe Einblicke in das komplexe Verhältnis von Männern und Frauen nach der Gründung der Türkischen Republik. In deren Gründungsjahr 1923 nämlich spiele das Buch des 1907 geborenen Autors, weshalb die verschiedenen historischen Schichten beim Lesen aus ihrer Sicht doppelt dringlich zu vergegenwärtigen sind. Es geht, lesen wir, um einen jungen, zaudernden Mann, der einer ungleich stärkeren Frau verfällt. Neben Einblicken in die atatürksche Gesellschaft sieht die Rezensentin mitunter aber auch ein paar Sätze über die Liebe "wie Juwelen" in die heutige "Lust- und Spassgesellschaft" fallen.

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