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Seit der Befreiung der Niederlande lebt Emma Verweij in Rotterdam. Am Ende ihres Lebens angekommen, erinnert sie sich nicht nur an die glückliche Zeit mit ihrem Mann und den Söhnen, auch längst Verdrängtes drängt wieder an die Oberfläche - all die verschwundenden Lieben, ihr Vater, die Freunde.
Otto de Kat verbindet in seinem neuen beeindruckenden Roman europäische Geschichte und Familienschicksal zu einem bilderreichen Ganzen, in dem die Grenzen zwischen Vergangenheit und heute verschwimmen.
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Produktbeschreibung
Seit der Befreiung der Niederlande lebt Emma Verweij in Rotterdam. Am Ende ihres Lebens angekommen, erinnert sie sich nicht nur an die glückliche Zeit mit ihrem Mann und den Söhnen, auch längst Verdrängtes drängt wieder an die Oberfläche - all die verschwundenden Lieben, ihr Vater, die Freunde.

Otto de Kat verbindet in seinem neuen beeindruckenden Roman europäische Geschichte und Familienschicksal zu einem bilderreichen Ganzen, in dem die Grenzen zwischen Vergangenheit und heute verschwimmen.
  • Produktdetails
  • btb .71663
  • Verlag: Btb
  • Seitenzahl: 219
  • Erscheinungstermin: 10. September 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 119mm x 22mm
  • Gewicht: 209g
  • ISBN-13: 9783442716630
  • ISBN-10: 3442716632
  • Artikelnr.: 49959425
Autorenporträt
Kat, Otto de
Otto de Kat, 1946 geboren, war Kritiker und Herausgeber und ist seit zehn Jahren Schriftsteller. "Sehnsucht nach Kapstadt" war für den größten belgischen Literaturpreis für Niederländisch schreibende Autoren nominiert und wurde mit dem niederländischen Halewijn-Literaturpreis ausgezeichnet.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Hans-Peter Kunisch ist nicht überzeugt von Otto de Kats Versuch, aus historischen Schicksalen literarisch Kapital zu schlagen. Die bewegenden Lebensgeschichten von Christabel und Peter Bielenberg kennt er bereits aus anderer Quelle, gut erzählt dazu. Wenn nun der Autor die Biografien adaptiert und in seinem Sinne verändert, findet Kunisch das doppelt fragwürdig: Erstens, da es der Autor mit der Tragik bis zum Umschlag ins Kitschige übertreibt, und zweitens, weil er dadurch Respektlosigkeit vor gelebtem Leben an den Tag legt. Für Kunisch ein misslungener Roman.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 18.01.2016
Kalkuliertes Spiel
mit Namen
Missraten: Otto de Kats neuer
Roman „Die längste Nacht“
Emma Verweij war die Frau von Claus Bielenberg, eines mit Adam von Trott zu Solz befreundeten Widerständlers im Umkreis des 20. Juli 1944, der in Plötzensee hingerichtet wurde. Emma ist jetzt sechsundneunzig und lebt seit Jahrzehnten in Rotterdam. Sie bereitet sich, assistiert von einer Pflegerin, in ihrer letzten Nacht auf einen Sterbehilfe-Tod vor, und lässt, halb wach, halb im Traum, ihr reichhaltiges Leben Revue passieren. Das Personal von Otto de Kats neuem Roman „Die längste Nacht“ ist nicht neu. Schon in „Eine Tochter in Berlin“ stand Emma im Titel. Eigentliche Hauptfigur aber war ihr Vater, Oscar Verschuur, ein niederländischer Diplomat, der sich im Zweiten Weltkrieg als Menschenretter bewährt. Doch er zögert, als er über Emma und Trott erfährt, Hitler plane einen Angriff auf die Sowjetunion. Würde er die Russen vor der „Operation Barbarossa“ warnen, könnte die Spur zu ihm zurückverfolgt werden – was seine in Berlin lebende Tochter in Gefahr brächte.
  Der niederländische Autor Otto de Kat, 1946 geboren, wird gern als „Meister der Verdichtung“ bezeichnet. Auch für seinen neuen Roman „Die längste Nacht“ hat er Einzelfälle recherchiert, um sie zu verwandeln. Ein vielversprechendes Verfahren. Dennoch ist der neue Roman des Erfolgsautors missraten. Wer den Namen Claus Bielenberg in eine Suchmaschine eingibt, stößt sogleich auf Christabel Bielenberg, die in ihrem Buch „Als ich Deutsche war. 1934-1945“ von ihrem Leben in Nazi-Deutschland erzählt, immer an der Seite ihres Mannes, der – nicht hingerichtet wurde: Peter Bielenberg, wie er wirklich hieß, starb mit 89 Jahren im irischen Tullow, als zufriedener Farmer, der seinen Besitz Munny Hill nach dem Zweiten Weltkrieg zum Treffpunkt überlebender Widerständler machte. In Clarita von Trott zu Solz‘ Nachruf lässt sich lesen, wie beeindruckend Bielenberg, ursprünglich Rechtsanwalt, gewesen sein muss: mutig, unvernünftig, aber klug genug, um mithilfe seiner Frau der Hinrichtung zu entgehen.
  Aus glücklich Überlebenden lässt sich keine große Tragödie stricken. Die spannende Geschichte des Paares hat Christabel Bielenberg, die 94 Jahre alt wurde, selbst erzählt, ironisch, informativ, temporeich. Doch woher stammt de Kats Claus Bielenberg? Leicht stößt man auf Bielenbergs Rechtsanwalts-Kollegen Claus Langbehn, dessen Tochter mit Himmlers Tochter zur Schule ging und der sein eigenes, gefährliches Widerstandsspiel trieb, bevor er – in Plötzensee hingerichtet wurde. Offensichtlich hat de Kat Peter Bielenberg und Claus Langbehn „verdichtet“ und die Geschichte an den bekannteren Namen geknüpft: Bielenberg bot die Connection zu Trott, zu prominentem Widerstand.
  Und warum hat er die anglo-irische Christabel in die Niederländerin Emma verwandelt?Wegen der Kindheit Claus Langbehns, der bis zu seinem achten Lebensjahr in Niederländisch-Indien lebte? Nein, de Kat hat Christabel Bielenbergs Buch zwar viele Details entnommen, wollte aber seinem Publikum offenbar eine „nähere“, niederländische Heldin servieren, mit einem dramatischen Schicksal, das nicht einmal Christabel und Peter Bielenberg hatten.
  Gegen erfundene Figuren und Geschehnisse ist in der Literatur nichts einzuwenden, doch de Kats undurchsichtige Mischung wirkt nicht wie ein erklärtes Bekenntnis zur Kraft der Fiktion, sondern eher wie das dreiste Aufspringen auf einen schon fahrenden Zug. Ein bedeutsames Schicksal mit herzerweichenden Liebesgeschichten jagt, auf knappstem Raum zusammengefasst, das andere. Oscar Verschuur hatte eine Geliebte, Lara, die Emma nach Jahrzehnten trifft. Emmas zweiter Mann, Bruno Verweij, leidet unter Parkinson, dessen Bruder Rob flieht vor dem Vater, einem einäugigen Offizier, geht als Abenteurer verloren – und taucht nach Jahrzehnten, vereinsamt, wieder auf.
  Jede von de Kats Nebenfiguren hat das Zeug zur Hauptfigur. Das klingt gut, führt aber zu einer überproportionalen Dichte von Tragik, die stilistisch in Kitsch umschlägt. Als Emma zum ersten Mal nach dem Krieg mit Bruno durch Deutschland fährt, sinniert sie, „wie alt wäre Carl heute, wenn er nicht? Sechsundfünfzig, noch in der Fülle seiner Kraft, noch ein Fels in der Brandung, ihr grabloser Mann.“ Je weniger wirklichkeitshaltig, desto pompöser die Sprache. „Grablosigkeit“ klingt, nach dem glücklichen Schicksal der zentralen Materialgeber, unfreiwillig komisch.   
  „Man ersetze Bern durch Berlin und Oscar durch Carl, und schon hat man die gleiche Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe“, sinniert Emma. Nein. Als literarisches Konzept ergibt sich daraus nur Respektlosigkeit vor gelebtem Leben, historischen Schicksalen. De Kat präsentiert in „Die längste Nacht“ eine weichgespülte Vergangenheit, in der alle Bösen abstrakt bleiben. Nazis und Kollaborateure fehlen oder bleiben ohne Namen. Christabel Bielenbergs Porträt ihres Dahlemer Blockwarts, Gärtner Neisse, enthält mehr wertvolle Beobachtungen als „Die längste Nacht“ – und besser geschrieben ist ihr Buch auch.
HANS-PETER KUNISCH
  
Otto de Kat: Die längste Nacht. Roman. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2015. 220 Seiten, 19,95 Euro. E-Book 15,99 Euro.
Otto de Kat „verdichtet“ die
Biografien historischer Figuren –
mit zweifelhaftem Ergebnis
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Kalkuliertes Spiel
mit Namen

Missraten: Otto de Kats neuer
Roman „Die längste Nacht“

Emma Verweij war die Frau von Claus Bielenberg, eines mit Adam von Trott zu Solz befreundeten Widerständlers im Umkreis des 20. Juli 1944, der in Plötzensee hingerichtet wurde. Emma ist jetzt sechsundneunzig und lebt seit Jahrzehnten in Rotterdam. Sie bereitet sich, assistiert von einer Pflegerin, in ihrer letzten Nacht auf einen Sterbehilfe-Tod vor, und lässt, halb wach, halb im Traum, ihr reichhaltiges Leben Revue passieren. Das Personal von Otto de Kats neuem Roman „Die längste Nacht“ ist nicht neu. Schon in „Eine Tochter in Berlin“ stand Emma im Titel. Eigentliche Hauptfigur aber war ihr Vater, Oscar Verschuur, ein niederländischer Diplomat, der sich im Zweiten Weltkrieg als Menschenretter bewährt. Doch er zögert, als er über Emma und Trott erfährt, Hitler plane einen Angriff auf die Sowjetunion. Würde er die Russen vor der „Operation Barbarossa“ warnen, könnte die Spur zu ihm zurückverfolgt werden – was seine in Berlin lebende Tochter in Gefahr brächte.

  Der niederländische Autor Otto de Kat, 1946 geboren, wird gern als „Meister der Verdichtung“ bezeichnet. Auch für seinen neuen Roman „Die längste Nacht“ hat er Einzelfälle recherchiert, um sie zu verwandeln. Ein vielversprechendes Verfahren. Dennoch ist der neue Roman des Erfolgsautors missraten. Wer den Namen Claus Bielenberg in eine Suchmaschine eingibt, stößt sogleich auf Christabel Bielenberg, die in ihrem Buch „Als ich Deutsche war. 1934-1945“ von ihrem Leben in Nazi-Deutschland erzählt, immer an der Seite ihres Mannes, der – nicht hingerichtet wurde: Peter Bielenberg, wie er wirklich hieß, starb mit 89 Jahren im irischen Tullow, als zufriedener Farmer, der seinen Besitz Munny Hill nach dem Zweiten Weltkrieg zum Treffpunkt überlebender Widerständler machte. In Clarita von Trott zu Solz‘ Nachruf lässt sich lesen, wie beeindruckend Bielenberg, ursprünglich Rechtsanwalt, gewesen sein muss: mutig, unvernünftig, aber klug genug, um mithilfe seiner Frau der Hinrichtung zu entgehen.

  Aus glücklich Überlebenden lässt sich keine große Tragödie stricken. Die spannende Geschichte des Paares hat Christabel Bielenberg, die 94 Jahre alt wurde, selbst erzählt, ironisch, informativ, temporeich. Doch woher stammt de Kats Claus Bielenberg? Leicht stößt man auf Bielenbergs Rechtsanwalts-Kollegen Claus Langbehn, dessen Tochter mit Himmlers Tochter zur Schule ging und der sein eigenes, gefährliches Widerstandsspiel trieb, bevor er – in Plötzensee hingerichtet wurde. Offensichtlich hat de Kat Peter Bielenberg und Claus Langbehn „verdichtet“ und die Geschichte an den bekannteren Namen geknüpft: Bielenberg bot die Connection zu Trott, zu prominentem Widerstand.

  Und warum hat er die anglo-irische Christabel in die Niederländerin Emma verwandelt?Wegen der Kindheit Claus Langbehns, der bis zu seinem achten Lebensjahr in Niederländisch-Indien lebte? Nein, de Kat hat Christabel Bielenbergs Buch zwar viele Details entnommen, wollte aber seinem Publikum offenbar eine „nähere“, niederländische Heldin servieren, mit einem dramatischen Schicksal, das nicht einmal Christabel und Peter Bielenberg hatten.

  Gegen erfundene Figuren und Geschehnisse ist in der Literatur nichts einzuwenden, doch de Kats undurchsichtige Mischung wirkt nicht wie ein erklärtes Bekenntnis zur Kraft der Fiktion, sondern eher wie das dreiste Aufspringen auf einen schon fahrenden Zug. Ein bedeutsames Schicksal mit herzerweichenden Liebesgeschichten jagt, auf knappstem Raum zusammengefasst, das andere. Oscar Verschuur hatte eine Geliebte, Lara, die Emma nach Jahrzehnten trifft. Emmas zweiter Mann, Bruno Verweij, leidet unter Parkinson, dessen Bruder Rob flieht vor dem Vater, einem einäugigen Offizier, geht als Abenteurer verloren – und taucht nach Jahrzehnten, vereinsamt, wieder auf.

  Jede von de Kats Nebenfiguren hat das Zeug zur Hauptfigur. Das klingt gut, führt aber zu einer überproportionalen Dichte von Tragik, die stilistisch in Kitsch umschlägt. Als Emma zum ersten Mal nach dem Krieg mit Bruno durch Deutschland fährt, sinniert sie, „wie alt wäre Carl heute, wenn er nicht? Sechsundfünfzig, noch in der Fülle seiner Kraft, noch ein Fels in der Brandung, ihr grabloser Mann.“ Je weniger wirklichkeitshaltig, desto pompöser die Sprache. „Grablosigkeit“ klingt, nach dem glücklichen Schicksal der zentralen Materialgeber, unfreiwillig komisch.   

  „Man ersetze Bern durch Berlin und Oscar durch Carl, und schon hat man die gleiche Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe“, sinniert Emma. Nein. Als literarisches Konzept ergibt sich daraus nur Respektlosigkeit vor gelebtem Leben, historischen Schicksalen. De Kat präsentiert in „Die längste Nacht“ eine weichgespülte Vergangenheit, in der alle Bösen abstrakt bleiben. Nazis und Kollaborateure fehlen oder bleiben ohne Namen. Christabel Bielenbergs Porträt ihres Dahlemer Blockwarts, Gärtner Neisse, enthält mehr wertvolle Beobachtungen als „Die längste Nacht“ – und besser geschrieben ist ihr Buch auch.

HANS-PETER KUNISCH
  

Otto de Kat: Die längste Nacht. Roman. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2015. 220 Seiten, 19,95 Euro. E-Book 15,99 Euro.

Otto de Kat „verdichtet“ die
Biografien historischer Figuren –
mit zweifelhaftem Ergebnis

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