Alltag in Berlin - Thamer, Hans-Ulrich; Schäche, Barbara
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1000 Bilder aus 100 Jahren So umfangreich ist das Alltagsleben in Berlin noch nie dargestellt worden! Der bekannte Historiker Hans-Ulrich Thamer und die ehemalige Leiterin der Fotosammlung des Berliner Landesarchivs, Barbara Schäche, haben aus den 1,5 Millionen Bildern des Archivs die beeindruckendsten ausgewählt. Die historischen Aufnahmen zeigen, wie sich das städtische Leben in 100 Jahren völlig verändert hat. Ein Muss für jeden, der sich für die Berliner Geschichte interessiert!…mehr

Produktbeschreibung
1000 Bilder aus 100 Jahren
So umfangreich ist das Alltagsleben in Berlin noch nie dargestellt worden! Der bekannte Historiker Hans-Ulrich Thamer und die ehemalige Leiterin der Fotosammlung des Berliner Landesarchivs, Barbara Schäche, haben aus den 1,5 Millionen Bildern des Archivs die beeindruckendsten ausgewählt. Die historischen Aufnahmen zeigen, wie sich das städtische Leben in 100 Jahren völlig verändert hat. Ein Muss für jeden, der sich für die Berliner Geschichte interessiert!
  • Produktdetails
  • Verlag: Elsengold
  • Seitenzahl: 462
  • Erscheinungstermin: Oktober 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 343mm x 250mm x 43mm
  • Gewicht: 3004g
  • ISBN-13: 9783944594552
  • ISBN-10: 394459455X
  • Artikelnr.: 44931098
Autorenporträt
Thamer, Hans-Ulrich
Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer lehrte bis 2011 als Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Münster. Er hat verscheidene Ausstellungen u.a. am Deutschen Historischen Museum kuratiert und zahlreiche Bücher veröffentlicht.

Schäche, Barbara
Barbara Schäche war bis 2015 Leiterin der Fotosammlung des Berliner Landesarchivs und ist eine der besten Kennerinnen der Fotobestände.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Jens Bisky wird ein wenig nostalgisch beim Betrachten der tausend Fotografien, die Barbara Schäche, einst verantwortlich für die Fotosammlung des Landesarchivs gemeinsam mit dem Historiker Hans-Ulrich Thamer unter dem Titel "Alltag in Berlin" zusammengestellt hat. Ob "heitere" Aufnahmen vom Ernst-Reuter-Platz, Bilder von Berlinern in den U-Bahnen der dreißiger Jahre oder Aufnahmen aus einem Metzgerladen im Jahre 1949 - stets entdeckt der Kritiker in den Stadtansichten, Genreszenen und Anekdoten den Zauber und Mythos Berlins. Diesen wunderbaren Spaziergang durch hundert Jahre Berlin kann Bisky nur unbedingt empfehlen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 11.02.2017

Mit
Fasson
Ein Bilderbuch für
Städtebewohner: 1000 Fotos
aus 100 Jahren Berlin
VON JENS BISKY
Gören, Wasser, die Goldelse, ein Köter und zäh fließender Verkehr – viel mehr braucht es nicht für eine Berliner Straßenszene. Sie wirkt alltäglich und unglaublich zugleich. Dass es am Ernst-Reuter-Platz einmal so urban und heiter zuging, mag kaum glauben, wer den heutigen Zustand des Runds vor Augen hat. Der große Kreisverkehr, den fünf Straßen speisen, wird von Solitärbauten umstanden, mit deren ambitionierter Nachkriegsmoderne die Gegenwart leider wenig anzufangen weiß. Und die Mittelinsel gleicht einem Denkmal für gescheiterte Stadtplanung, ist trotz aufwendiger Gestaltung meist leer, nichts als Fläche.
Umso lieber sieht man, dass es einmal anders war. Der Gegenentwurf zur repräsentativen Symmetrie des Strausberger Platzes im Osten hat also doch funktioniert, erschöpfte sich nicht in freiheitlicher Frontstadt-Geste. Fontänen tanzen um sich selber, Kinder planschen, VW-Fahrer kreisen, das Grün prangt wie die Siegessäule im Sonnenlicht und weit hinten im Osten, auf der Kuppel des Fernsehturms, ist das legendäre Lichtkreuz zu sehen. Die Spiegelung erscheint wie ein ironischer Kommentar höherer Mächte zum Herrschaftsanspruch, den der Turm verkörpern sollte. Auf dem Foto Horst Siegmanns ist er ein Element unter vielen anderen, deren gleichberechtigtes Nebeneinander die Stadt ausmacht. Hier kann jeder nach seiner Fasson Berliner sein.
Die wahrscheinlich heiterste Aufnahme des Ernst-Reuter-Platzes ist eine von gut 1000 Fotografien eines großen Bandes über den „Alltag in Berlin“. Zu sehen sind Stadtansichten, Genreszenen, Anekdotisches aus den Beständen des Landesarchivs, das mehr als 1,5 Millionen Bilder verwahrt. Barbara Schäche war bis vor Kurzem für die Fotosammlung des Landesarchivs verantwortlich, gemeinsam mit dem Historiker Hans-Ulrich Thamer hat sie den Band über den Alltag der von sich und der Geschichte geplagten Großstadt im 20. Jahrhundert zusammengestellt. Man lernt hier, die Stadt, die jeder nur in Ausschnitten kennt, wieder neu zu sehen. Das Buch hat zwei Teile, auf „Leben und Arbeiten“ folgt die „Hauptstadt der Deutschen“.
Den Alltag bestimmte seit etwa 1870 ein rapides Wachstum. Es war voll, es gab Gedränge, Lärm und für die meisten wenig Aussicht, so etwas wie Privatsphäre zu genießen. Auch deswegen hatte der Berliner immer etwas zu tun. Alltäglichkeit war seit 1914 vor allem eine Aufgabe. Zwar brachten auch Kriege, Krisen, Not und Teilung ihre eigenen Routinen hervor, aber das Selbstverständliche, die Normalität waren in Berlin immer wieder etwas Seltenes und Kostbares. Das prägte die Atmosphäre der Stadt mehr als die oft behauptete Traditionslosigkeit. „Diese Stadt zieht mit gefurchter Stirne – sit venia verbo! – ihren Karren im ewig selben Gleis“, der Satz Kurt Tucholskys fällt einem angesichts vieler dieser Fotos ein.
Wenn die Berlinerinnen auf dem Foto von 1930 aus der U-Bahn steigen, kommen sie an blinden Bettlern und Straßenmusikanten vorbei, stehen in der Friedrichstraße vor einem Schmuckwarengeschäft, das wegen Unerschwinglichkeit der Miete schließt: „Total-Auflösungs-Ausverkauf!!“ schreit ein Schild. Vielleicht gehen sie auch ins neue Warenhaus Karstadt am Hermannplatz, einen Bau von großstädtischer Eleganz. Oder sie stehen vor einer Hauswand und der Fotograf schreibt dazu „Not treibt die Mädchen auf die Straße“. Vielleicht schauen auch sie halb überrascht, halb irritiert auf eine indische Familie in der Kreuzberger Lindenstraße. Die Fülle der Fotos lädt dazu ein, eigene Großstadtromane zu imaginieren.
Viele der Durchschnittsfotografien sind vor allem dank des zeitlichen Abstands interessant oder wegen eines Ereignisses, manche zeigen, was es nicht mehr gibt. Einige Bilder aber besitzen ungeheure Wucht, etwa die im Mai 1949 entstandene Aufnahme aus dem Inneren eines Metzgerladens. Vor der Scheibe liegen Fleisch und Wurst, dahinter drängen sich junge und alte Frauen. Sie schauen verwundert, hungrig, prüfend und wirken dabei auf beinahe gespenstische Art diszipliniert. Sie haben gelernt, Entbehrungen hinzunehmen wie das Wetter. Am 12. Mai 1949 war die Berlin-Blockade aufgehoben worden, es gab wieder mehr zu essen.
Berlin hat eine stolze Tradition der Selbstmythologisierung, hat sich als Metropole der Verruchtheit, moderner Ruhelosigkeit oder als ewige Zwischennutzungs-Party inszeniert. Dieses Bilderbuch übt den nüchternen Blick und schafft es, die Stadt als Berlin der kleinen Leute wieder zu verzaubern, auch für jene, die Metropolenglanz und Hauptstadtgetue misstrauen. Die Großen kommen vor, aber sie bestimmen nicht die soziale Atmosphäre. Ab und an hätte man gern gewusst, zu welchem Zweck die Aufnahmen entstanden sind. Die Fotosammlung des Landesarchivs hat eine eigene Online-Bilddatenbank, in der man über Stunden versinken kann: Material genug für neue Bände.
Hans-Ulrich Thamer, Barbara Schäche: Alltag in Berlin. Das 20. Jahrhundert. Elsengold Verlag, Berlin 2016. 462 Seiten, rund 1000 Abbildungen, 49,95 Euro.
„Diese Stadt zieht mit
gefurchter Stirne ihren Karren
im ewig selben Gleis.“
Hier kann man den nüchternen
Blick auf Metropolenglanz und
Hauptstadtgetue üben
Am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg, Juli 1970 (oben). Fahrgäste in der U-Bahn, um 1930. Fotos: oben: Landesarchiv Berlin, F Rep 290 Nr. 0005956–C, Fotograf: Horst Siegmann; Unten: Landesarchiv Berlin, F Rep 290 Nr. 0214800, Fotograf: Hans Casparius
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