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2020 ist das Schicksalsjahr der USA. Im November wird der Präsident gewählt, und die Lage spitzt sich dramatisch zu: Wird Trump es noch einmal schaffen? Und was würde das bedeuten? Dieses Buch gibt die Antwort. Im Gewitter der täglichen Tweets und »News« treten die beiden Pulitzer-Preisträger von der »Washington Post« einen Schritt zurück, um die Amtszeit Trumps Schritt für Schritt zu rekonstruieren. Sie nutzen eine Fülle von neuen Details und Erkenntnissen, die sie aus Hunderten Stunden Interview-Material mit mehr als 200 Verwaltungsbeamten, Trump-Vertrauten und anderen Augenzeugen gewonnen…mehr

Produktbeschreibung
2020 ist das Schicksalsjahr der USA. Im November wird der Präsident gewählt, und die Lage spitzt sich dramatisch zu: Wird Trump es noch einmal schaffen? Und was würde das bedeuten? Dieses Buch gibt die Antwort. Im Gewitter der täglichen Tweets und »News« treten die beiden Pulitzer-Preisträger von der »Washington Post« einen Schritt zurück, um die Amtszeit Trumps Schritt für Schritt zu rekonstruieren. Sie nutzen eine Fülle von neuen Details und Erkenntnissen, die sie aus Hunderten Stunden Interview-Material mit mehr als 200 Verwaltungsbeamten, Trump-Vertrauten und anderen Augenzeugen gewonnen haben, um entscheidende Muster hinter dem täglichen Chaos in der Regierung aufzudecken. Exzellent recherchiert und meisterhaft erzählt, lassen sie ein Bild von Trump entstehen, das uns besorgt stimmen sollte: Seine Versuche, das amerikanische System und die Demokratie zu unterlaufen, sind erfolgreicher als gedacht. In diesem Jahr geht es wirklich um alles.
  • Produktdetails
  • Verlag: S. Fischer
  • Originaltitel: A Very Stable Genius. Donald J. Trumps Testing of America
  • Artikelnr. des Verlages: 1025965
  • 5. Aufl.
  • Seitenzahl: 560
  • Erscheinungstermin: 22. Januar 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 152mm x 40mm
  • Gewicht: 680g
  • ISBN-13: 9783103970456
  • ISBN-10: 3103970455
  • Artikelnr.: 58324291
Autorenporträt
Leonnig, Carol§Carol Leonnig ist seit 2000 Reporterin bei der »Washington Post«. Im Jahr 2015 gewann sie den Pulitzer-Preis für ihre Enthüllung eines Skandals im Geheimdienst der USA. 2017 gewann sie den Pulitzer-Preis abermals als Teil eines Teams, das über den Einfluss Russlands auf die Präsidentschaftswahl 2016 berichtet hat.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 27.01.2020

„Hey, John,
worum geht’s hier?“
Carol Leonnig und Philip Rucker zeichnen ein
erhellend-erschreckendes Porträt von Donald Trump
VON MATTHIAS KOLB
Der Tag, an dem „A Very Stable Genius“ erstmals in den US-amerikanischen Buchläden auslag, war einer für die Geschichtsbücher. Am Dienstag vergangener Woche beschlossen die 100 Senatoren jene Verfahrensregeln, um im Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu einem Urteil zu kommen. Für Carol Leonnig und Philip Rucker, zwei preisgekrönte Reporter der Washington Post, ist das Impeachment eine zwiespältige Sache: Ihr Buch war fast fertig, als Trump das umstrittene Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij führte. Das Verfahren kommt also nur im Nachwort vor. Andererseits macht ihr Werk, für das sie Interviews mit etwa 200 Insidern geführt haben, klar, wie Trump immer mehr Grenzen verschiebt, sich fast allen Ratschlägen widersetzt und eine Tugend einfordert: „Loyalität, die nicht dem Land, sondern dem Präsidenten selbst galt.“
Dies erklärt auch, wieso Trumps Anwaltsteam im Amtsenthebungsverfahren nun äußerst aggressiv vorgeht, denn dies ist das, was der Boss will. Leonnig und Rucker beschreiben, wie Pat Cipollone und Jay Sekulow in ihren Schlüsselpositionen landeten: Sie sind Experten für das Exekutivprivileg, das US-Präsidenten viel Spielraum gibt und ihrer Ansicht nach nicht zur Herausgabe von Dokumenten zwingt.
Leonnig und Rucker profitieren davon, dass sie bereits bestens mit Washingtons Politszene, dem US-Militär und Geheimdienstlern vernetzt waren, als sie 2016 begannen, über Trump zu berichten. So können sie eine Vielzahl an kleinen und auch größeren Details und Enthüllungen ausbreiten. Im November 2017 mokierte sich Trump im Gespräch mit Narendra Modi darüber, dass Indiens Premier über das aggressive Verhalten Pekings klagte: „Es ist ja nicht so, als würde China direkt vor Ihrer Grenze stehen.“ Modi entglitten die Gesichtszüge angesichts dieser Unkenntnis von Geografie und Sicherheitspolitik (die Nachbarn Indien und China streiten seit 1947 um Kaschmir) – ihm fehlt anders als Trumps Ministern die Übung, dessen Ignoranz mit stoischer Miene zu ertragen.
Das Bild eines US-Präsidenten, der seinem Instinkt folgt und dessen Konzentration nur für zwei Minuten oder eine halbe Seite ausreicht, haben bereits Michael Wolff und Bob Woodward beschrieben, doch so nah dran war noch niemand. Jedes der 25 Kapitel ruft die unbequeme Erkenntnis hervor: Normal ist das alles nicht. Der Originaltitel ist klug gewählt, denn Rucker und Leonnig messen Trump an dessen Selbstcharakterisierung und belegen eindrucksvoll, wie sehr es ihm an Stabilität fehlt und seine Genialität vor allem darin besteht, durch Improvisieren die eigene Basis glücklich zu machen. „Hey, John, worum geht’s hier? Was besichtigen wir gerade?“ soll Trump seinen Stabschef John Kelly gefragt haben, als sie Ende 2017 auf Hawaii das USS-Arizona-Memorial besuchten. Als Begriff hatte Trump schon von Pearl Harbour gehört, doch dass der Luftangriff der Japaner 1941 zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg sowie zum Einsatz der ersten Atombomben führte, war dem früheren Reality-TV-Star neu.
Der Pearl-Harbour-Episode war der umfassendste Versuch vorangegangen, Trump etwas beizubringen. Wirtschaftsberater Gary Cohn hatte mit Verteidigungsminister Jim Mattis eine Sitzung im „Tank“ organisiert, wo sonst der US-Generalstab tagt. Dieser Raum im Pentagon sollte ihn ebenso beeindrucken wie Landkarten und „Killergrafiken“, mit denen Mike Pompeo arbeitete. Sie setzten auf ein weiteres Mittel: „Um Trumps Aufmerksamkeit zu wecken, brauchte man nur seinen Namen irgendwo in den Text zu schreiben.“ Der Versuch, Trump nahezubringen, dass die USA von der Mitgliedschaft in der Nato sowie den Militärbasen in der ganzen Welt profitiert, misslingt völlig: Dieser Oberbefehlshaber will Verbündete für Schutz zahlen lassen. 20 Seiten umfasst die Schilderung des Treffens, das darin gipfelt, dass der Präsident dem Spitzenpersonal der US-Streitkräfte zuruft: „Mit solchen wie Ihnen würde ich mich auf keinen Krieg einlassen. Ihr seid nichts als ein Haufen Weicheier und Babys.“ Widerspruch kommt nicht von Vize Mike Pence, dessen Sohn Kampfpilot ist, oder von Mattis, sondern von Außenminister Rex Tillerson: „Die Männer und Frauen, die sich entscheiden, Soldaten zu werden, tun dies nicht, um Söldner zu werden. Sie tun das, um unsere Freiheit zu verteidigen.“ Kurz darauf sagte er zu seinen Beratern, Trump sei „ein verdammter Idiot“. Tillersons späterer Rauswurf lag auch daran, dass er Trump die Stirn bot.
Erhellend sind die Kapitel über die Arbeit von Sonderermittler Robert Mueller, der viel zu bürokratisch agierte und es etwa ablehnte, die Zusammenfassung seines Berichts vor der Veröffentlichung zu lesen. So konnte Justizminister William Barr Trump für nahezu unschuldig erklären. Ständig tauchen Beschwerden über „the kids“ auf: Tochter Ivanka und Ehemann Jared Kushner haben stets Zugang zum Präsidenten und sind mit ihrer Rolle als Berater überfordert. Dass Kushner, dessen Nahost-Friedensplan in dieser Woche präsentiert wird, wegen seiner Vergangenheit als Immobilien-Investor nie Zugriff auf höchst geheime Dokumente haben sollte, wird detailliert beschrieben – doch dieser Präsident erteilt trotzdem die Genehmigung.
Erst im Schlusswort deuten die exzellenten Rechercheure an, wo sie stehen: Trump sei „ein Präsident, den niemand aufhält“. Leonnig und Rucker verweisen auf Alexander Hamilton, der die Impeachment-Artikel mitverfasst hat: Sie seien vorgesehen für Präsidenten, „wie Trump einer ist: ein populistischer Demagoge, der vor Wut schäumt, vorurteilshaft regiert, von chaotischen Verhältnissen profitiert und das amerikanische Volk durch die Anhäufung von Macht verrät“. In der Verantwortung stehen nun die republikanischen Senatoren, die abwägen müssen, ob ihnen die Angst vor Trumps Rache mit verletzenden Tweets wichtiger ist als die Verantwortung vor der Geschichte. Dieses Buch dokumentiert, was eigentlich jeder weiß: Für Trump zählt nur der eigene Vorteil. Insofern erscheint es zur richtigen Zeit.
Wie weit ist China von Indien
entfernt? Pearl Harbour – was
war da gleich …?
Die beiden Journalisten
der „Washington Post“ glauben:
Niemand hält Trump auf
Carol Leonnig, Philip Rucker: Trump gegen die Demokratie – A Very Stable Genius. Aus dem Englischen von M. Bayer, K. Dürr, H.-P. Remmler, W. Roller, K. Schuler und V. Topalova. S.-Fischer-Verlage, Berlin 2020.
560 Seiten, 22 Euro.
„Wenn ich will, kann ich einen Krieg anfangen.“ Anti-Trump-Demonstrant vor dem Capitol.
Foto: JIM WATSON / AFP
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.05.2020

Wo Tillerson saß
Ein Genie wird besichtigt: Zwei Reporter beschreiben detailliert die Zustände im Weißen Haus

An Büchern über Donald Trumps Präsidentschaft herrscht kein Mangel. Seit Michael Wolffs "Fire and Fury" und Bob Woodwards "Fear" haben unzählige Autoren beschrieben, wie es im Weißen Haus zugeht und wie Trump Politik macht. Sein Wahlspruch "America first" führt de facto zu der Maxime "Trump first". Die gesamte amerikanische Politik hängt von dem Willen und den Launen eines Präsidenten ab, der sich selbst für ein Genie hält. Kaum einer der führenden Mitarbeiter, die seiner ersten Administration angehörten, ist noch im Amt: Trump hat sie gefeuert, weil sie sich an Verfassung und Gesetze halten wollten, statt sich seinen Wünschen zu fügen. Manche hat er fallenlassen, weil sie ihm nicht telegen genug waren oder weil sie ihn öffentlich nicht bedingungslos verteidigten.

Nun haben zwei Reporter der "Washington Post" das alles noch einmal aufgeschrieben, nach langen Recherchen und Hunderten Interviews, die sie mit Mitarbeitern und Beratern der Regierung geführt hatten. Viel Neues ist dabei nicht herausgekommen, die Beschreibungen anderer Bücher werden im Grundsatz bestätigt, einiges wird korrigiert, teils in ridikülen Details, die wohl die Tiefe der Recherche beweisen sollen. So habe Trumps erster Außenminister Rex Tillerson von seiner Entlassung durch einen Anruf des damaligen Stabschefs John Kelly (der inzwischen auch geschasst wurde) auf einer Afrika-Reise erfahren, auf der sich die meisten Mitglieder seiner Delegation mit einer Darmgrippe infiziert hatten: Tillerson habe bei diesem Anruf aber nicht auf der Toilette gesessen, vielmehr sei er in seinem Schlafzimmer gewesen.

In dem Buch tauchen neben Hauptakteuren auch Hunderte untergeordneter Chargen auf, die im geschwätzigen Washington vielleicht bekannt sind, deren Namen aber Lesern, die nicht "inside the beltway" arbeiten, nichts sagen. Das Buch ist typisch amerikanisches "reporting": Es beschreibt Vorgänge und Vorfälle in ermüdender Länge, wörtliche Rede suggeriert Authentizität. Mit Analysen und Wertungen halten sich die Autoren zurück, nicht einmal zu einem abschließenden Resümee können sie sich aufraffen. Wer ohnehin glaubt, dass Trump ein narzisstischer Egomane und das Weiße Haus eine Art Irrenanstalt ist, wird bestätigt. Wer sich fragt, wie es kommen konnte, dass die traditionsreiche Republikanische Partei zuerst in die Hände von Radikalen ("Tea Party") fiel und sich jetzt, fast widerstandslos, einem inkompetenten und großmäuligen Reality-Show-Star hingibt, wird in diesem Buch keine Antworten finden.

GÜNTHER NONNENMACHER

Philip Rucker und Carol

Leonnig: "Trump gegen die Demokratie". A Very Stable Genius.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2020. 560 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Die Stärke des Buchs liegt vor allem im überaus sachlichen Ton Ingo Hasewend Kleine Zeitung 20200823
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