Cherubim - Fritsch, Werner
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»Wenzel ist ein über achtzigjähriger Bauernknecht. Derzeit lebt er in einem Altersheim in der nördlichen Oberpfalz. Seit zehn Jahren zeichne ich seine Erzählungen auf.« »Cherubim« ist Werner Fritschs erste Buchveröffentlichung. In zweihundertdrei Geschichten läßt sich lesen, wie einer, der an die Ewigkeit glaubt und daran, daß er dereinst »unter Cherubim« sein wird, »sein« und »unser« Jahrhundert erfahren hat: das Aufwachsen im Lumpenproletariat einer kleinen Porzellanstadt, die Arbeit auf Bauernhöfen, das Hochkommen eines Mannes, mit dem Wenzel sich urverwandt glaubt und der für ihn noch…mehr

Produktbeschreibung
»Wenzel ist ein über achtzigjähriger Bauernknecht. Derzeit lebt er in einem Altersheim in der nördlichen Oberpfalz. Seit zehn Jahren zeichne ich seine Erzählungen auf.« »Cherubim« ist Werner Fritschs erste Buchveröffentlichung. In zweihundertdrei Geschichten läßt sich lesen, wie einer, der an die Ewigkeit glaubt und daran, daß er dereinst »unter Cherubim« sein wird, »sein« und »unser« Jahrhundert erfahren hat: das Aufwachsen im Lumpenproletariat einer kleinen Porzellanstadt, die Arbeit auf Bauernhöfen, das Hochkommen eines Mannes, mit dem Wenzel sich urverwandt glaubt und der für ihn noch heute »der Hiltler« heißt, den Neubeginn nach dem Krieg, den Siegeszug der Technik, der vor den Wohnstuben nicht haltmacht, das langsame Älterwerden - Erfahrungen von Glück und Unglück, von Leben und Tod.
  • Produktdetails
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.1672
  • Verlag: Suhrkamp
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 254
  • Erscheinungstermin: 29. August 1989
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 169mm x 22mm
  • Gewicht: 222g
  • ISBN-13: 9783518381724
  • ISBN-10: 3518381725
  • Artikelnr.: 24735358
Autorenporträt
Fritsch, Werner
Werner Fritsch wurde 1960 in Waldsassen/Oberpfalz geboren und lebt in Hendelmühle und Berlin. 1987 erscheint sein vielbeachteter Roman Cherubim. Zu seinen zahlreichen Stücken gehören Chroma, Hydra Krieg, Bach und Wondreber Totentanz oder auch die Monologe Sense, Jenseits, Nico. Sphinx aus Eis, Das Rad des Glücks oder Magma, die auf der Bühne, für den Rundfunk oder fürs Kino realisiert wurden. Außerdem veröffentlichte er Prosa wie zum Beispiel Steinbruch und Stechapfel und drehte u. a. die Filme Das sind die Gewitter in der Natur, Ich wie ein Vogel, Faust Sonnengesang. Seine Arbeiten wurden u. a. mit dem Robert-Walser-Preis, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden, dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet. Für sein Hörspiel Enigma Emmy Göring erhielt er die Auszeichnungen Hörspiel des Jahres 2006 und den ARD-Hörspielpreis 2007. Für sein Hörgedicht Faust Sonnengesang I erhielt er den Grand Prix Marulic 2013 sowie den Grand Prix Nova.
Rezensionen
Besprechung von 09.01.2003
DAS HÖRBUCH
Viel Emotion
Helmut Vogel liest Werner Fritschs
„Cherubim”
Es scheint unglaublich, dass Werner Fritschs 1987 erschienener „Cherubim” erst jetzt als Hörbuch vorliegt. Dabei ist die Lebenserzählung des Knechts Wenzel wie kaum eine andere Geschichte zum Vortrag prädestiniert, lebt sie doch ganz von der Kraft einer archaisch anmutenden Sprache. Da findet der verwegenste Konjunktivgebrauch statt, die Syntax ist wie verrenkt, Pronomen fallen massenhaft unter den Tisch, Wörter aus dem Oberpfälzer Dialekt peitschen einem die Ohren und allerlei Hilfsverbkonstruktionen und Inversionen tragen zur Befremdung bei. Es ist eine Kunstsprache, die Werner Fritsch entworfen hat, sie basiert auf der Redeweise seines Ersatzgroßvaters Wenzel.
Dessen Lebenserzählung beginnt mit der Schöpfungsgeschichte, und bald glaubt man, dass in diesem oberkatholischen Landstrich jede Erzählung mit der Schöpfungsgeschichte beginnen muss. Von da aber geht es direkt in die eigene Kindheit, in den Ersten Weltkrieg und zu all der verschossenen „Emotion”, dann in die 20er Jahre und in die Zeit „Hiltlers”, womit mal die NSDAP gemeint ist, mal Hitler, der in Wenzels Vorstellung irgendwo zwischen konkretem Individuum und dämonischem Wesen changiert. Von Krankheit, Hunger und Kreuzotternangst wird berichtet, von furchtbaren Familienverhältnissen und vom „Geleiselegen” nach Flossenbürg.
Helmut Vogel liest dies mit großer Eindringlichkeit, derart eindringlich und hypnotisierend, dass die einem Dokumentarfilm Fritschs entnommene Originalaufnahme Wenzels am Ende der zweiten CD dagegen blass wirkt. Jeder Laut ist bei Vogel genau abgewogen, Pause und Intonation erreichen eine Ausdrucksstärke, wie sonst nur Gestik und Mimik. Die für die gut achtzig Minuten erfolgte Auswahl aus den 203 Geschichten des Knechts Wenzel, wie Fritsch sie veröffentlicht hat, ist so knapp wie die akustischen Zäsuren aus Fetzen von Glockengeläut, Sirenengeheul und Propagandareden karg sind. Aber was sonst passt zu dieser Landschaft, diesem Leben, dieser Zeit?
TOBIAS
LEHMKUHL
WERNER FRITSCH: Cherubim. Sprecher: Helmut Vogel. Der Hörverlag, München 2002. 2 CD, 90 Minuten, 17,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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