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Zaha Hadid (1950-2016) betrieb ihr Architekturbüro in London schon über zehn Jahre lang, bevor ihr erstes Projekt tatsächlich gebaut wurde: die Feuerwehrzentrale des Vitra-Werks in Weil am Rhein. Berühmt war die umstrittene Architektin dennoch schon zuvor. Sie gehörte zu jener neuen Kaste von Künstlerarchitekten, die erst gar keinen ihrer Entwürfe realisieren mussten, um bereits umjubelt und mit Preisen ausgezeichnet zu werden. Ihre Vorstellungen von zeitgenössischer Architektur erschienen lange Zeit als unbaubar, sie waren zu futuristisch, zu gewagt und nahmen zu wenig Rücksicht auf…mehr

Produktbeschreibung
Zaha Hadid (1950-2016) betrieb ihr Architekturbüro in London schon über zehn Jahre lang, bevor ihr erstes Projekt tatsächlich gebaut wurde: die Feuerwehrzentrale des Vitra-Werks in Weil am Rhein. Berühmt war die umstrittene Architektin dennoch schon zuvor. Sie gehörte zu jener neuen Kaste von Künstlerarchitekten, die erst gar keinen ihrer Entwürfe realisieren mussten, um bereits umjubelt und mit Preisen ausgezeichnet zu werden. Ihre Vorstellungen von zeitgenössischer Architektur erschienen lange Zeit als unbaubar, sie waren zu futuristisch, zu gewagt und nahmen zu wenig Rücksicht auf Funktionalität.

Waren Hadids frühe Projekte noch spitzwinklige, dekonstruktivistische Angelegenheiten, eine modernistisch-kubistische Splitterarchitektur, wandelten sich in den Nullerjahren die harten Konturen ihrer Entwürfe immer mehr ins Fließende, Gewölbte, Organische.

Hadid baute auf der ganzen Welt, auch, und das brachte ihr Kritik ein, in Diktaturen und Ländern, in denen katastrophale Arbeitsbedingungen herrschen - wie etwa in Katar. Zu ihren bekanntesten Werken gehören das Rosenthal Center for Contemporary Art in Cincinnati, das die New York Times als "wichtigstes neues Gebäude in Amerika seit dem Kalten Krieg" bezeichnete, das Museum MAXXI in Rom, das Guangzhou-Opernhaus in China, das Kulturzentrum in Baku, Aserbeidschan, das Science Center phaeno in Wolfsburg, das für Reinhold Messner entworfene Bergmuseum in Südtirol oder das Wassersportzentrum für die Olympischen Sommerspiele von 2012 in London.

Zum Zeitpunkt ihres unerwarteten Todes 2016 war Hadid in der Männerdomäne der Weltarchitektur eine fest etablierte Größe. Sie war die erste Frau, die sowohl den Pritzker-Preis für Architektur als auch die RIBA Royal Gold Medal erhielt, eine Landmark-Architektin, die einige der spektakulärsten Bauten des 21. Jahrhunderts realisiert hat, Gebäude von skulpturaler Einmaligkeit.

Vom spitzwinkligen Dekonstruktivismus ihrer frühen Gebäude bis zu ihren späteren fließend-organischen Formen, bei denen Böden, Decken, Wände und Mobiliar Teil des Gesamtentwurfs wurden, präsentiert dieser Band Schlüsselbeispiele aus Hadids Karriere.

Über die Reihe

Seit der ersten Veröffentlichung im Jahre 1985 hat sich die Basic Art Series zur meistverkauften Kunstbuchreihe aller Zeiten entwickelt. Jeder Titel in TASCHENs Basic Architecture Series enthält:

eine fundierte Einführung zu Herkunft, Leben und Werk des Architekten

die Hauptwerke in chronologischer Reihenfolge

Informationen zu Auftraggebern, architektonischen Voraussetzungen, Schwierigkeiten und Problemlösungen bei der Umsetzung

eine Liste aller ausgewählten Arbeiten und eine Karte mit den Standorten der besten und bekanntesten Bauwerke

insgesamt rund 120 Abbildungen (Fotografien, Skizzen, Entwürfe und Pläne)
Autorenporträt
Philip Jodidio studierte Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften in Harvard und war über zwei Jahrzehnte lang Chefredakteur der französischen Kunstzeitschrift Connaissance des Arts. Zu seinen Veröffentlichungen bei TASCHEN gehören die Reihe Architecture Now! sowie seine Monografien über Tadao Ando, Santiago Calatrava, Renzo Piano, Jean Nouvel, Shigeru Ban, Richard Meier, Zaha Hadid und demnächst Norman Foster.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 17.02.2010

Wenn der Beton ins Schweben kommt
Einzige Frau in einer Männerriege: Das Werk der Architektin Zaha Hadid in einem Band besonderer Art

Zaha Hadid entwirft und plant seit dreißig Jahren gewagte Architektur. Lange Zeit blieb sie eine Königin der Luftschlösser. Zwar gewannen ihre Entwürfe reihenweise Preise und Wettbewerbe, allein bauen wollte sie niemand. Nach Abschluss des Architekturstudiums dauerte es eineinhalb Jahrzehnte, bis sich der erste Bauherr fand: ein Hersteller von Designmöbeln. Anfang der neunziger Jahre ließ er die in London lebende Irakerin auf seinem Fabrikgelände im badischen Weil ein Feuerwehrhaus errichten, ungewöhnlich in der Form: kantig, zackig und schiefwinklig. Der Durchbruch war das noch nicht.

Als ihr 2004 der Pritzker-Preis verliehen und damit die höchsten Weihen der Architekturwelt zuteil wurden, hatte sie gerade einmal vier weitere Bauwerke vollenden dürfen: eine Sprungschanze, eine Straßenbahnendhaltestelle, ein Museum und die Ausstellungshalle einer Landesgartenschau. Dann jedoch war der Bann gebrochen. Mehr und mehr liefen jetzt Aufträge aus dem Nahen und Fernen Osten, Zentralasien, Amerika und Europa ein. Inzwischen ist sie ein Star, zudem erste und einzige Frau unter den Architekten von Weltrang.

Zum dreißigjährigen Berufsjubiläum ist nun eine monumentale Gesamtschau ihres Werkes erschienen. Der von Philip Jodidio zusammengestellte Band erschließt die gesamte Bandbreite der Künstlerin: das Ungebaute, Gebaute, im Bau Befindliche und noch zu Bauende, dazu Entwürfe von Möbeln und Accessoires sowie innenarchitektonische Projekte. Präsentiert wird dem Betrachter ein Kaleidoskop an Darstellungen des architektonischen Schaffensprozesses: Gemälde und Zeichnungen, Grundrisse und Skizzen, Fotos von der Baustelle und Computerbilder, daneben zahlreiche Innen- und Außenaufnahmen, jeweils flankiert von kurzen Textpassagen. Eröffnet wird der Band durch einen profunden Essay des Herausgebers, der zurückgreift auf Gespräche mit der Architektin und ihrem engsten Mitarbeiter, dem Deutschen Patrik Schumacher.

Die Werkschau der einundsechzig Bauprojekte beginnt mit einem Gemälde aus Hadids Diplomarbeit. Zu sehen sind Umrisse der durch ein Hotel überbauten Hungerford-Brücke in London, betitelt "Malevich's Tektonik" und gedacht als Reverenz an die russischen Suprematisten um Kasimir Malewitsch. Diese nach neuen Ausdrucksformen suchende Kunstrichtung wird zum Leitbild der frühen Schaffensphase, die ihren Höhepunkt im preisgekrönten Entwurf einer Wohn- und Freizeitanlage am Hang von Hongkong findet. Eingekerbt ins Felsmassiv, mehrschichtig, durchbrechen die "horizontalen Wolkenkratzer" der Anlage so konsequent wie nie zuvor traditionelle Prinzipien der Raumorganisation.

Was solche Konsequenz in der gebauten Realität bedeutet, lässt sich im Buch eindrücklich besichtigen. Die Grundrisse aus schiefwinkligen Flächen, geneigte, durchbrochene oder schichtartig gestaffelte Wände des Feuerwehrhauses in Weil machen im Inneren jede an Fluchtpunkten orientierte Perspektive zunichte. Neun asymmetrisch angeordnete Betonkegel gliedern und tragen das Phaeno-Wissenschaftszentrum in Wolfsburg. Innen entfaltet sich ein Ensemble aus Kratern, Höhlen, Terrassen und Plateaus, in Schichten und nicht durch Stockwerke gegliedert. In der Außenansicht schwebt ein sieben Meter langer Überhang aus selbstverdichtendem Beton über dem Boden, als ob es keine Schwerkraft gäbe.

Vielfach nehmen die Bauwerke den Dialog mit der Umgebung auf, lassen die Morphologie der umliegenden Natur anklingen. Besonders augenfällig wird dies auf den vierzehn Seiten Tages- und Nachtaufnahmen, die einer Standseilbahn in Innsbruck gewidmet sind. Eingebunden in Bergpanorama und Alpenlandschaft, nehmen die Stationsdächer der Nordkettenbahn die Bewegungen und Formen von Gletschermoränen und erodierenden Eisfeldern auf. Nicht weit davon entfernt steht eine Sprungschanze, von derselben Baumeisterin neu errichtet. Wie ein Solitär ragt sie aus dem Wald in die Alpenlandschaft hinein und scheint dennoch vom Kopf her aus einem Hang herauszuwachsen. In sich geschwungen, verweist die Form des Bauwerks auf seine Funktion: den Schwung vorm Sprung zu ermöglichen. Selten hat jemand so gekonnt Bewegung in Beton gebannt.

Traditionelle Bauformen werden von Hadid beständig aufgemischt. Aquadynamik statt Aerodynamik, so möchte man es beschreiben, wenn in ihren Bauten die Stromlinienform fließenden Wassers Ausdruck findet. Dass sie immer mehr am und ums Wasser baut, mag auch biographische Gründe haben. In einem Interview auf orientalische Wurzeln ihrer Baukunst hin befragt, meinte die Architektin, aus dem Bagdad der fünfziger Jahre habe sie sich eine Erinnerung bewahrt: den täglichen Blick auf das Wasser von der am Flussufer stehenden Nonnenschule aus, in der sie damals unterrichtet wurde.

So schließt sich ein Kreis, wenn Hadid nun in ihrer Wahlheimat London ein Bauwerk vollenden darf, bei dem sich alles um das Thema Wasser dreht. Für die Olympischen Spiele 2012 gestaltet sie das in die Flusslandschaft des Olympiaparks eingebundene Wassersportzentrum.

Eines der vielen Vorzüge dieses wahrscheinlich zurzeit großformatigsten Architekturbandes der Welt ist, dass nicht gespart wird an Bildfläche und Seitenzahl, an Vielfalt der Perspektiven und an Qualität des Fotodrucks, um abgebildete Bauwerke zur Geltung zu bringen. Poster statt Postkarte, so lautet die Devise. Und alles liegt zum Umblättern nahe beieinander.

THOMAS BÖCKENFÖRDE

Philip Jodidio: "Hadid". Complete Works 1979 - 2009. Taschen Verlag, Köln 2009. 600 S., geb., 100,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Thomas Böckenförde schwärmt von diesem nach der Devise HQ-Poster statt Postkarte ausgestatteten Architekturband zum 30-jährigen Berufsjubiläum der Star-Architektin Zaha Hadid. Genau genommen schwärmt er von Hadids Baukunst, die hier, wie er erklärt, in ihrer gesamten Breite, als Zeichnung, Grundriss, Skizze, Baustellenfoto und Computerbild monumental abgebildet, erläutert und vom Herausgeber Philip Jodidio essayistisch profund begleitet wird. Besonders beeindruckt hat Böckenförde an dieser Werkschau der darin sich zeigende konsequente Bruch bei Hadid mit traditionellen Prinzipien der Raumorganisation, "als ob es keine Schwerkraft gäbe". Aber auch der in Tag- und Nachtaufnahmen dokumentierte Dialog der Bauten mit der sie umgebenden Natur.

© Perlentaucher Medien GmbH