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»Emma« ist die Geschichte einer modernen, jungen Frau in Barcelona, die auf extreme Weise aus ihrem bisherigen Leben mit Mann, Tochter, Job und geregelten Verhältnissen ausbricht und fortan auf der Straße lebt als »eine ohne Dach«, als Großstadt-Nomadin, die mal in einem Park, mal in einer Häuserecke hockt oder schläft. Dieses neue Leben, das ihr altes völlig auf den Kopf stellt, ist eine Flucht aus Enttäuschungen, Routine und Angepasstheit und gleichzeitig ein gefährlicher Sprung in radikale Unabhängigkeit. Die Zeit, die sie jetzt im Überfluss hat zum Nachdenken und Schreiben, öffnet ihr die…mehr

Produktbeschreibung
»Emma« ist die Geschichte einer modernen, jungen Frau in Barcelona, die auf extreme Weise aus ihrem bisherigen Leben mit Mann, Tochter, Job und geregelten Verhältnissen ausbricht und fortan auf der Straße lebt als »eine ohne Dach«, als Großstadt-Nomadin, die mal in einem Park, mal in einer Häuserecke hockt oder schläft. Dieses neue Leben, das ihr altes völlig auf den Kopf stellt, ist eine Flucht aus Enttäuschungen, Routine und Angepasstheit und gleichzeitig ein gefährlicher Sprung in radikale Unabhängigkeit. Die Zeit, die sie jetzt im Überfluss hat zum Nachdenken und Schreiben, öffnet ihr die Augen für die Ursachen ihrer Wut und Zweifel ebenso wie für die immense und manchmal zerreissende Energie, die sie aus dem Verlangen nach Würde und Liebe zieht. Sie denkt an den Mann, mit dem sie verheiratet ist, ein Anwalt mit großen politischen Ambitionen, der sogar ihre Affäre mit einem französischen Liebhaber nur unter dem Aspekt sieht, ob sie seiner eigenen Karriere schaden könnte. Sie erlebt demütigende Szenen auf der Straße, Gewalt, brutale Jugendliche, ignorante Erwachsene. Und schreibt an ihre Tochter, um zu erklären, dass ihre Flucht nicht gegen sie gerichtet ist...
  • Produktdetails
  • Verlag: Transit Berlin
  • Originaltitel: Emma
  • Seitenzahl: 156
  • Altersempfehlung: ab 16 Jahre
  • Erscheinungstermin: 25. August 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 147mm x 18mm
  • Gewicht: 305g
  • ISBN-13: 9783887472405
  • ISBN-10: 3887472403
  • Artikelnr.: 26411558
Autorenporträt
Maria Barbal, 1949 in Tremp (Pyrenäen) geboren, lebt als Schriftstellerin in Barcelona. Im Transit Buchverlag erschienen von ihr »Wie ein Stein im Geröll« und »Inneres Land«.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.11.2009

Ende einer Auszeit
Der neue Roman der katalanischen Autorin Maria Barbal: „Emma”
Die katalanische Schriftstellerin Maria Barbal ist stufenweise der Gegenwart nähergekommen, mit Sprüngen von eineinhalb Generationen pro Jahr. Auf dem deutschen Buchmarkt kam zunächst ihr Roman „Wie ein Stein im Geröll” (2007) heraus, der Lebensbericht einer Pyrenäen-Bäuerin, deren Mann im spanischen Bürgerkrieg erschossen wird. 2008 erschien „Inneres Land”, ein Roman aus der Franco-Zeit, in dem ein junges Mädchen vom schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter erzählt, die wiederum ihren Vater im Bürgerkrieg verloren hatte. In diesem Jahr nun hat Barbal die Jetztzeit erreicht. Die Titelfigur ihres jüngsten Romans „Emma” dürfte zum Ende des Franquismus noch ein kleines Kind gewesen sein. Sie lebt im Barcelona von heute und führt eine Art Krisen-Tagebuch, das ihre zwölfjährige Tochter später einmal lesen soll, um sie besser verstehen zu können.
Barbals weibliche Erzählerinnen versuchen stets, das eigene Dasein und dessen Woher zu erklären, auch sich selbst gegenüber, und sie tun dies mit jenen sprachlichen Mitteln, die ihnen der eigenen Herkunft nach zur Verfügung stehen. In dieser stilistischen Anverwandlung hat die Autorin eine bemerkenswerte Souveränität erreicht. Dabei hilft sicher, dass es Barbal wenig ausmacht, auch einmal gefühlig oder punktuell sentenziös zu werden. Im Zweifelsfall gibt die Figur den Ton vor und nicht die literarische Etikette. Die Schlichtheit mancher Passagen markiert jedoch nicht Barbals Horizont, sondern den der jeweiligen Erzählerin.
Bisher warf jede dieser Erzählerinnen ein Schlaglicht auf die Mentalität ihrer Epoche. Das gilt nun nicht mehr wie früher. Die Titelfigur des neuen Buches verkörpert – anders als ihre Vorgängerinnen – nicht einfach die neue Zeit, sondern eher das Fortwirken einer älteren Mentalität mitten darin. Zwar handelt ein Teil von Emmas Aufzeichnungen davon, wie ihr Bewusstsein langsam zur Gegenwart aufschließt, in einer Art innerer Befreiungsbewegung. Aber am Ende möchte Barbal die Jetztzeit doch nicht so gut wegkommen lassen, und so stößt ihre Erzählerin schon bald auf deren hässliche Seiten.
Emma ist der Laune ihres Herzens gefolgt. Sie hat den Ehemann, vor allem aber ihre Tochter Àngels im Stich gelassen, um sich einer flüchtigen Affäre hinzugeben, die sie für das große Glück hielt. So weit in etwa die Parallelen zu Flauberts Emma Bovary. Das Buch beginnt, als Emma nach zerplatztem Liebeswahn zur Tochter zurück will und den Zugang versperrt findet. Mann und Schwiegermutter schirmen das Mädchen ab, weichen der Ehebrecherin aus und geben vor, Àngels selbst verweigere sich einem Wiedersehen. Emma wartet ab, wagt kleine, vergebliche Vorstöße und fängt, gewissermaßen als Beitrag zur Buße, mit dem Schreiben an. Block und Kugelschreiber hat sie hinter einer Bank gefunden. Und auf Bänken wird sie die folgende Zeit den Großteil ihrer Tage zubringen. Nachts zieht sie um in eine Geldautomaten-Zelle.
Den Anstoß zu diesem Roman gab eine wahre Begebenheit. Ein paar Jugendliche hatten in Barcelona eine Obdachlose mit Benzin übergossen und angezündet, während sie in einer Bankkabine schlief. Doch Barbal wollte offenkundig keinen Roman über das raue Leben auf der Straße schreiben, eher schon ein Buch über das soziale Klima, eine Form fehlenden Mitgefühls, die solche Taten möglich macht. Um der engen Klammer der Obdachlosigkeit zu entfliehen, verteilt sie Emmas „Auszeit” auf drei Haupt-Schauplätze: Die Straße, eine Klinik und das alte Sommerhäuschen ihrer verstorbenen Eltern. Mit den Orten wechseln die Bezugspersonen, und es ändert sich die jeweilige Mischung von Beobachtungen, Gedanken und Erinnerungen, aus denen der Text mosaikartig zusammengesetzt ist.
Emma denkt an ihre Ehe zurück, in der sie ewig unzufrieden blieb, weil ihr Mann zwischen Karriere und Nachtschlaf kaum ein offenes Auge für sie hatte. Sie spricht über ihre ehemaligen Tagträume von einer zweiten Identität als kesse Fremdenführerin. Sie entdeckt den Hass auf ihre Schwiegermutter und kuriert sich von der Sehnsucht nach dem attraktiven Franzosen, der sie zum Ausbruch trieb. Auf der Straße hält sie Zwiesprache mit einem Hund, in der Klinik eröffnet sie sich einem Arzt, im Sommerhaus der Eltern lernt sie endlich den – längst erwachsenen – Nachbarsjungen aus ihrer Kindheit kennen. Und immer verzweifelter versucht sie, zu Àngels vorzudringen.
Innerhalb dieser Koordinaten gelingt Barbal zwar kein gänzlich neues Spiel, aber es ist doch beeindruckend, wie elegant sie ihre Bausteine auf dem selbstgezogenen Spielfeld anordnet und verschiebt, wie sie verschiedene Motive über die Zeit moduliert, wie kühn und schwerelos der Text mitunter Erzählebenen und -töne wechselt. Dies stilistische Können, das die Geschichte nicht nur mit Feingefühl, sondern auch mit Suspense auflädt, wirkt nie wie Schönschreiberei oder Pose. Es scheint direkt der Aufmerksamkeit für das Beben und Zittern einer Seele im Ausnahmezustand zu entspringen. Der virtuose Ausdruck dieser Aufmerksamkeit hebt „Emma” weit hinaus über jenen Typ von Frauenmitleidsliteratur, zu dem man diesen Stoff auch hätte hinunterschreiben können. MERTEN WORTHMANN
MARIA BARBAL: Emma. Roman. Aus dem Katalanischen von Heike Nottebaum. Transit Verlag, Berlin 2009. 156 Seiten, 16,80 Euro.
Nachts zieht Emma um in eine Geldautomaten-Zelle
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Nein, um Frauenmitleidsliteratur handelt es sich nicht, wenn Maria Barbal einen Stoff wie diesen anpackt, das möchte Merten Worthmann verstanden wissen. Was mit Flaubert-Parallelen beginnt und sich dann rasch zu einer Art Krisentagebuch einer Frau aus dem Barcelona von heute entwickelt, liest Worthmann zwar durchaus auch als Buch über soziale Kälte und fehlendes Mitgefühl. Gefühlige oder sentenziöse Passagen, erklärt er, sind allerdings eher die Ausnahme. Die Textbausteine aus Beobachtung, Gedanken und Erinnerung der Protagonistin findet Worthmann ansonsten souverän, elegant und mit Gespür für Suspense arrangiert. Wie auch der Ton, scheinen sie ihm direkt einer Seele im Ausnahmezustand zu entspringen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Ende einer Auszeit

Der neue Roman der katalanischen Autorin Maria Barbal: „Emma”

Die katalanische Schriftstellerin Maria Barbal ist stufenweise der Gegenwart nähergekommen, mit Sprüngen von eineinhalb Generationen pro Jahr. Auf dem deutschen Buchmarkt kam zunächst ihr Roman „Wie ein Stein im Geröll” (2007) heraus, der Lebensbericht einer Pyrenäen-Bäuerin, deren Mann im spanischen Bürgerkrieg erschossen wird. 2008 erschien „Inneres Land”, ein Roman aus der Franco-Zeit, in dem ein junges Mädchen vom schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter erzählt, die wiederum ihren Vater im Bürgerkrieg verloren hatte. In diesem Jahr nun hat Barbal die Jetztzeit erreicht. Die Titelfigur ihres jüngsten Romans „Emma” dürfte zum Ende des Franquismus noch ein kleines Kind gewesen sein. Sie lebt im Barcelona von heute und führt eine Art Krisen-Tagebuch, das ihre zwölfjährige Tochter später einmal lesen soll, um sie besser verstehen zu können.

Barbals weibliche Erzählerinnen versuchen stets, das eigene Dasein und dessen Woher zu erklären, auch sich selbst gegenüber, und sie tun dies mit jenen sprachlichen Mitteln, die ihnen der eigenen Herkunft nach zur Verfügung stehen. In dieser stilistischen Anverwandlung hat die Autorin eine bemerkenswerte Souveränität erreicht. Dabei hilft sicher, dass es Barbal wenig ausmacht, auch einmal gefühlig oder punktuell sentenziös zu werden. Im Zweifelsfall gibt die Figur den Ton vor und nicht die literarische Etikette. Die Schlichtheit mancher Passagen markiert jedoch nicht Barbals Horizont, sondern den der jeweiligen Erzählerin.

Bisher warf jede dieser Erzählerinnen ein Schlaglicht auf die Mentalität ihrer Epoche. Das gilt nun nicht mehr wie früher. Die Titelfigur des neuen Buches verkörpert – anders als ihre Vorgängerinnen – nicht einfach die neue Zeit, sondern eher das Fortwirken einer älteren Mentalität mitten darin. Zwar handelt ein Teil von Emmas Aufzeichnungen davon, wie ihr Bewusstsein langsam zur Gegenwart aufschließt, in einer Art innerer Befreiungsbewegung. Aber am Ende möchte Barbal die Jetztzeit doch nicht so gut wegkommen lassen, und so stößt ihre Erzählerin schon bald auf deren hässliche Seiten.

Emma ist der Laune ihres Herzens gefolgt. Sie hat den Ehemann, vor allem aber ihre Tochter Àngels im Stich gelassen, um sich einer flüchtigen Affäre hinzugeben, die sie für das große Glück hielt. So weit in etwa die Parallelen zu Flauberts Emma Bovary. Das Buch beginnt, als Emma nach zerplatztem Liebeswahn zur Tochter zurück will und den Zugang versperrt findet. Mann und Schwiegermutter schirmen das Mädchen ab, weichen der Ehebrecherin aus und geben vor, Àngels selbst verweigere sich einem Wiedersehen. Emma wartet ab, wagt kleine, vergebliche Vorstöße und fängt, gewissermaßen als Beitrag zur Buße, mit dem Schreiben an. Block und Kugelschreiber hat sie hinter einer Bank gefunden. Und auf Bänken wird sie die folgende Zeit den Großteil ihrer Tage zubringen. Nachts zieht sie um in eine Geldautomaten-Zelle.

Den Anstoß zu diesem Roman gab eine wahre Begebenheit. Ein paar Jugendliche hatten in Barcelona eine Obdachlose mit Benzin übergossen und angezündet, während sie in einer Bankkabine schlief. Doch Barbal wollte offenkundig keinen Roman über das raue Leben auf der Straße schreiben, eher schon ein Buch über das soziale Klima, eine Form fehlenden Mitgefühls, die solche Taten möglich macht. Um der engen Klammer der Obdachlosigkeit zu entfliehen, verteilt sie Emmas „Auszeit” auf drei Haupt-Schauplätze: Die Straße, eine Klinik und das alte Sommerhäuschen ihrer verstorbenen Eltern. Mit den Orten wechseln die Bezugspersonen, und es ändert sich die jeweilige Mischung von Beobachtungen, Gedanken und Erinnerungen, aus denen der Text mosaikartig zusammengesetzt ist.

Emma denkt an ihre Ehe zurück, in der sie ewig unzufrieden blieb, weil ihr Mann zwischen Karriere und Nachtschlaf kaum ein offenes Auge für sie hatte. Sie spricht über ihre ehemaligen Tagträume von einer zweiten Identität als kesse Fremdenführerin. Sie entdeckt den Hass auf ihre Schwiegermutter und kuriert sich von der Sehnsucht nach dem attraktiven Franzosen, der sie zum Ausbruch trieb. Auf der Straße hält sie Zwiesprache mit einem Hund, in der Klinik eröffnet sie sich einem Arzt, im Sommerhaus der Eltern lernt sie endlich den – längst erwachsenen – Nachbarsjungen aus ihrer Kindheit kennen. Und immer verzweifelter versucht sie, zu Àngels vorzudringen.

Innerhalb dieser Koordinaten gelingt Barbal zwar kein gänzlich neues Spiel, aber es ist doch beeindruckend, wie elegant sie ihre Bausteine auf dem selbstgezogenen Spielfeld anordnet und verschiebt, wie sie verschiedene Motive über die Zeit moduliert, wie kühn und schwerelos der Text mitunter Erzählebenen und -töne wechselt. Dies stilistische Können, das die Geschichte nicht nur mit Feingefühl, sondern auch mit Suspense auflädt, wirkt nie wie Schönschreiberei oder Pose. Es scheint direkt der Aufmerksamkeit für das Beben und Zittern einer Seele im Ausnahmezustand zu entspringen. Der virtuose Ausdruck dieser Aufmerksamkeit hebt „Emma” weit hinaus über jenen Typ von Frauenmitleidsliteratur, zu dem man diesen Stoff auch hätte hinunterschreiben können. MERTEN WORTHMANN

MARIA BARBAL: Emma. Roman. Aus dem Katalanischen von Heike Nottebaum. Transit Verlag, Berlin 2009. 156 Seiten, 16,80 Euro.

Nachts zieht Emma um in eine Geldautomaten-Zelle

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