Der Palast - Simon, Claude

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"Wie groß und faszinierend ist die Welt, wenn ein Dichter wie Claude Simon sie mit seinem Schreiben sieht." (Neue Zürcher Zeitung) Der Spanische Bürgerkrieg, dessen Augenzeuge der junge Claude Simon 1936 als Revolutionstourist für vierzehn Tage in Barcelona war, gehört zu einem der großen wiederkehrenden Themen von Claude Simon.Der Palast erinnert fünfzehn Jahre später an diese Tage am Schauplatz des Bürgerkrieges in Barcelona und auf dem Weg dorthin. Zu jener Zeit war das einstige Palasthotel und jetzige Bankhaus noch das Hauptquartier der Republikaner.…mehr

Produktbeschreibung
"Wie groß und faszinierend ist die Welt, wenn ein Dichter wie Claude Simon sie mit seinem Schreiben sieht." (Neue Zürcher Zeitung) Der Spanische Bürgerkrieg, dessen Augenzeuge der junge Claude Simon 1936 als Revolutionstourist für vierzehn Tage in Barcelona war, gehört zu einem der großen wiederkehrenden Themen von Claude Simon.Der Palast erinnert fünfzehn Jahre später an diese Tage am Schauplatz des Bürgerkrieges in Barcelona und auf dem Weg dorthin. Zu jener Zeit war das einstige Palasthotel und jetzige Bankhaus noch das Hauptquartier der Republikaner.
  • Produktdetails
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Seitenzahl: 206
  • Erscheinungstermin: 3. März 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 147mm x 22mm
  • Gewicht: 410g
  • ISBN-13: 9783832179618
  • ISBN-10: 3832179615
  • Artikelnr.: 20770599
Autorenporträt
Claude Simon wurde 1913 auf Madagaskar geboren, lebte in Paris und im südfranzösischen Roussillon. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem "Prix de l'Express" (für "Die Straße in Flandern"), dem "Prix Médicis" (für "Geschichte") und dem "Grand-croix de l'ordre national du Mérite". 1985 erhielt er den Literaturnobelpreis. Claude Simon starb 2005 in Paris. Veröffentlichungen (Auswahl) Le vent (1957), dt. Der Wind (DuMont 2001) L'herbe (1958), dt. Das Gras (DuMont 2005) La route des Flandres (1960), dt. Die Straße in Flandern (DuMont 2003) Le palace (1962), dt. Der Palast (DuMont 2006) Histoire (1967), dt. Geschichte (DuMont 1999) La bataille de Pharsale (1969), dt. Die Schlacht bei Pharsalos (1972) Les corps conducteurs (1971), dt. Die Leitkörper (1974) Triptyque (1973), dt. Triptychon (1986) Leçon des choses (1975), dt. Anschauungsunterricht (1986) Les Géorgiques (1981) dt. Georgica (1992) La chevelure de Bérenice (1983), dt. Das Haar der Berenike (DuMont 2006) L'acacia (1989), dt. Die Akazie (1989) Le jardin de plantes (1997), dt. Jardin des Plantes (DuMont 1998) Le Tramway (2001), dt. Die Trambahn (DuMont 2002) Eva Moldenhauer wurde 1934 in Frankfurt am Main geboren, wo sie heute noch lebt. Neben dem Werk von Claude Simon übersetzte sie aus dem Französischen u. a. Claude Lévi-Strauss, Jean-Paul Sartre, Agota Kristof, Jorge Semprun, Julien Green und Emanuel Lévinas.
Rezensionen
Besprechung von 18.05.2006
Verzauberte Taube
Kein Biographismus: Neue Ausgaben von Claude Simon

Als Claude Simon 1985 in Stockholm den Nobelpreis für Literatur erhielt, ließ er es sich nicht nehmen, auf die unbeholfenen und manchmal sogar indignierten Äußerungen hinzuweisen, die sich nach der Verlautbarung des Preisträgers in der französischen Presse gefunden hatten. Simon tat das nicht ohne eine gewisse Lust an der Übertreibung, denn es unterstrich seine Distanz zum Pariser Literaturbetrieb: als Außenseiter, dem der Weg zum Nobelpreis vor allem durch die Rezeption im Ausland geebnet worden war. Zwanzig Jahre später tritt nun ein, was in Frankreich als Wiedergutmachung aller unterlaufenen Unachtsamkeiten bei der Wahrnehmung eines Autors von höchstem Rang gelten muß: die Aufnahme seines Werks in die Bibliothèque de la Pléiade.

Es handelt sich allerdings nicht um einen ersten Band von "Gesammelten Werken", sondern um eine Auswahl, die der im letzten Sommer mit über neunzig Jahren verstorbene Simon selbst vornahm. Wie zu erwarten, wählte er keinen von seinen frühen Romanen aus. Der Band setzt ein mit "Le Vent" und "La Route des Flandres", in denen Simon für sein Thema der rekonstruierenden Erinnerung zu einer unverwechselbaren Schreibweise findet. "Le Palace" und "La Bataille de Pharsale" zeigen, wie sich dieses fragmentierte, autobiographisch hinterlegte Erinnern immer deutlicher mit dem Hier und Jetzt des schreibenden, den Anstößen der Worte und Bilder folgenden Autors verknüpft. "Triptyque" steht für die Texte der siebziger Jahre, in denen dieser Prozeß des Schreibens alle erkennbaren historischen und biographischen Verankerungen hinter sich läßt, und "Le Jardin des Plantes" läßt noch einmal viele der im Werk Simons wiederkehrenden Motive wie in einer Coda auftreten. Lücken muß man bei einer Auswahl hinnehmen; am auffälligsten ist das Fehlen von "Histoire", "Géorgiques" und "L'Acacia", also jenen Romanen, die die Familiengeschichte Simons zur Grundlage haben.

Alastair B. Duncan hat den Band exzellent ediert. Die Einleitung, die sich von Simons Auswahl nicht einschränken läßt, ist eine ausgezeichnete und schnörkellos geschriebene Darstellung von Simons Schreibweg; die den Texten beigefügten Kommentare und Anmerkungen geben vorzügliche Lesehilfen, ohne sich in Interpretationsquisquilien zu verlieren; die zwei im Anhang präsentierten poetologischen Texte Simons sind gute Ergänzungen (auch zur programmatischen Nobelpreisrede, die weiter vorne im Band zu finden ist). Den Zugang zu Manuskripten hat Simon nicht gestattet, weshalb an Notizen und Vorarbeiten im wesentlichen die schon publizierten Schemata und "plans de montage" zu einigen Romanen aufgenommen wurden.

Simon hat diese Schemata erst entworfen, wenn es um die Überprüfung des schon weitgehend fertiggestellten Textes ging. Anhand der Übersicht über die Anteile der verschiedenen Register, die der Text miteinander vernetzt, fügte er da und dort noch Passagen ein. Eine einzige Ausnahme von dieser Regel erwähnt Simon: Das Schema für "Le Palace" sei vorneweg entworfen worden, mit der Schilderung des Begräbniszugs eines ermordeten "großen Mannes" als Mittelteil, gefaßt von zwei Seitenteilen, die sich als Exposition und abschließende Variation zentraler Motive des Buchs verstehen lassen.

"Der Palast" liegt nun in einer Neuübersetzung Eva Moldenhauers vor, die einmal mehr ihre genaue Kenntnis der Sprache und Poetik Claude Simons unter Beweis stellt. Barcelona zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs ist als Hintergrund des Romans erkennbar. Tatsächlich war der junge Simon 1936 zwei Wochen in Barcelona, und man ist versucht, ihn mit der Figur des "jungen Studenten" in Verbindung zu bringen. Doch weit führt ein solches biographisches Verankern und das Aufspüren historischer Realien nicht. Es ist keine bloße literarische Volte, die Simon darauf verfallen ließ, alle identifizierenden Namen zu vermeiden. Das Thema des Erinnerns, die Frage nach Umriß und Substanz des Erlebten ist präsent: Bei einem Besuch in Barcelona "fast fünfzehn Jahre später" erinnert sich die Erzählfigur an die Tage am selben Ort während der revolutionären Wirren.

Doch dieses Erinnern kann die Antwort auf die Frage "Wie war es?" gerade nicht finden. Es bringt ein Kaleidoskop von Eindrücken hervor, von Bildern, Stimmen, Gerüchen, minutiösen Beschreibungen, welche die Zeit anzuhalten scheinen, deren Verfließen nur im Wechsel der Konstellationen greifbar wird. Schemenhaft tauchen einige Figuren auf, doch die nur erahnbare und vieldeutig bleibende Geschichte, in die sie verstrickt sind, gibt keinen Schlüssel an die Hand, mit dem sich das ,eigentliche' Geschehen erschließen und fixieren ließe. Mehr als eine sehr grobe chronologische Einordnung von Szenen läßt sich nicht vornehmen, und doch ist die Abfolge der Bilder und Beschreibungen alles andere als beliebig. Es durchzieht sie ein feingewobenes Netz von Verweisen, Echos und Variationen, welche sich in die symmetrische Grundstruktur einfügen. Man kann seine Fäden an verschiedenen Stellen aufnehmen und an Verknüpfungspunkten unterschiedlichen Verweisen folgen; es gibt immer mehrere Register. Gleich das erste Motiv, mit dem der Text anhebt, die plötzlich - wie "durch einen Zauberstab materialisiert" - erscheinende Taube, stellt sich bei fortschreitender Lektüre als ein solches Relais heraus. Und wenn am Ende des Buches ein Taubenschwarm beschrieben wird, "eine Art Netz, eine unwägbare frenetische, getüpfelte Fläche bildend, die an Höhe gewinnt" und über der Stadt emporsteigt, dann kommt man kaum umhin, das auch als Verweis auf die Verfahrensweise des Textes selbst zu lesen. Sicherheiten werden nicht geboten, sie würden den Reiz von Simons sinnlicher und bildkräftiger Prosa nur mindern. Es gilt, sich wie der Autor auf die Wörter einzulassen.

HELMUT MAYER

Claude Simon: "OEuvres". Édition établie par Alastair B. Duncan, avec la collaboration de Jean H. Duffy. Éditions Gallimard, Paris 2006. 1582 S., geb., 62,50 [Euro].

Claude Simon: "Der Palast". Roman. Aus dem Französischen übersetzt von Eva Moldenhauer. DuMont Verlag, Köln 2006. 206 S., geb., 21,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

" Mit ihrer Neuübersetzung dieses Romans von Claude Simon hat Eva Moldenhauer dem Rezensenten Helmut Mayer zufolge einmal mehr ihre "genaue Kenntnis der Sprache und Poetik" dieses Autors zum Ausdruck gebracht, wie er voller Anerkennung schreibt. Thema des Romans selbst seien Fragen des Erinnerns. Der Hintergrund der Erzählung ist das Barcelona zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs, wohin der Erzähler fünfzehn Jahre später noch einmal zurückkehrt. Die Geschichte dieser Rückkehr scheint nur sehr schemenhaft erzählt zu werden. In Simons Beschreibungen überwiegen statt Fakten Mayer zufolge stark subjektive, fast impressionistische Sinneseindrücke. Der Rezensent verleiht Simons Prosa daher die Prädikate "sinnlich" und "bildkräftig". Ihn beeindruckt außerdem ein filigran gesponnenes Netz von Querverweisen, Abwandlungen und Echos, in dem das Geschehen von einst nicht wirklich greifbar werde und dennoch nichts zufällig sei.

© Perlentaucher Medien GmbH"
"Wie groß und faszinierend ist die Welt, wenn ein Dichter wie Claude Simon sie mit seinem Schreiben sieht." NEUE ZÜRCHER ZEITUNG