Bauhaus_Sachsen - Thormann, Olaf
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Sachsen nimmt in der Geschichte des Bauhauses eine besondere Rolle ein. 40 Autoren untersuchen in dem 480 Seiten starken Werk erstmalig die immense Fülle der Institution und Land verbindenden Akteure. Dabei entsteht ein lokal gegliederter Katalog, der gleichermaßen als Bauhaus-Reisebuch durch Sachsen zu verstehen ist, mit Angaben zu allen Bauhaus-Bestände verwahrenden Museen und öffentlichen Sammlungen in Sachsen. Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in diesem Ausstellungs- und Publikationsprojekt Werke von Bauhaus-Ikonen wie Paul Klee, Herbert Bayer, Marianne Brandt, Oskar…mehr

Produktbeschreibung
Sachsen nimmt in der Geschichte des Bauhauses eine besondere Rolle ein. 40 Autoren untersuchen in dem 480 Seiten starken Werk erstmalig die immense Fülle der Institution und Land verbindenden Akteure. Dabei entsteht ein lokal gegliederter Katalog, der gleichermaßen als Bauhaus-Reisebuch durch Sachsen zu verstehen ist, mit Angaben zu allen Bauhaus-Bestände verwahrenden Museen und öffentlichen Sammlungen in Sachsen.
Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in diesem Ausstellungs- und Publikationsprojekt Werke von Bauhaus-Ikonen wie Paul Klee, Herbert Bayer, Marianne Brandt, Oskar Schlemmer, Josef Albers und vielen anderen. Zum 100. Jahrestag der Gründung der Design- und Architekturschule ist Bauhaus_Sachsen ein unverzichtbarer Forschungsbeitrag!
  • Produktdetails
  • Verlag: Arnoldsche
  • Seitenzahl: 591
  • Erscheinungstermin: Mai 2019
  • Deutsch, Englisch
  • Abmessung: 287mm x 246mm x 50mm
  • Gewicht: 2960g
  • ISBN-13: 9783897905535
  • ISBN-10: 3897905531
  • Artikelnr.: 54647941
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 11.12.2019

Schöne Materie in Serie
Der Band „Bauhaus Sachsen“ bietet selbst Kennern Neues: Er stellt wenig
bekannte Talente und Kooperationen der Avantgardeschmiede mit Firmen vor
VON STEPHANIE SCHMIDT
Ein Glück, wenn Architekten oder Designer die Gabe haben, Bauten oder Möbel zu entwickeln, die schön und nützlich zugleich sind. Für den wirtschaftlichen Erfolg brauchen sie aber Förderer und Vermittler, um ihre Ideen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Für das Bauhaus waren – neben Galerien und Museen in Leipzig, Dresden, Chemnitz oder Zwickau – die hauseigenen Messen des Grassi-Museums für Angewandte Kunst Leipzig wichtige Multiplikatoren. Bis heute sind die Grassi-Messen ein internationaler Treffpunkt für Liebhaber schöner Dinge. Seit 1919, dem Gründungsjahr der Design-, Kunst- und Architekturschule, pflegte das Museum enge Verbindungen zum Bauhaus. Gemeinsam mit dem Verlag Arnoldsche Art Publishers hat es im inzwischen ausklingenden Bauhaus-Jubiläumsjahr das umfangreiche Werk „Bauhaus Sachsen“ herausgegeben. Es zeigt, wie stark die Avantgardeschmiede Architektur, Design, Kunst, ja den gesamten Alltag der Menschen veränderte. Und das, obwohl das Bauhaus nur 14 Jahre existierte – von 1919 bis 1933. Der Titel dürfte manche irritieren, die die Kunstschule bislang allein im thüringischen Weimar verortet haben oder in Dessau in Sachsen-Anhalt, ihrem zweiten Sitz. Bauhaus Sachsen? Ja, da gibt es viel zu erzählen – und auch heutzutage eine Menge zu entdecken.
Im frühen 20. Jahrhundert war Sachsen ein Zentrum der Textil-, Leuchten- und Möbelfabrikation. Die Unternehmen fertigten Bauhausentwürfe in Serie – einige von ihnen, die enge Bande zu der Ideenschmiede geknüpft hatten, stellt die Publikation in eigenen Beiträgen vor. Zu ihnen gehören das Jenaer Glaswerk Schott & Gen., die Deutschen Werkstätten in Hellerau oder die Firma Albert Walde in Waldheim, die Möbel nach Entwürfen des Architekten und Designers Peter Keler in Serie fertigte.
Ein Text beschäftigt sich mit der vom Leipziger Beyer-Verlag herausgegebenen Zeitschrift Die neue Linie, die ihren Lesern Ideale des Bauhauses näherbrachte. 50 Expertinnen und Experten erkunden das Bauhaus in 85 Essays, die nach Orten gegliedert sind. Das Themenspektrum ist breit gefächert – es reicht von avantgardistischen Bühnenbildern und Werbegrafiken über Fachliteratur zum Bauhaus und wegweisende, aber nicht realisierte Entwürfe bis hin zur Lehre von Bauhäuslern nach dem Zweiten Weltkrieg. Einige Essays widmen sich der Bauhaus-Architektur in Sachsen – wie dem Kaufhaus Schocken in Crimmitschau, geplant vom ehemaligen Bauhaus-Studenten Bernhard Sturtzkopf. Das renovierungsbedürftige Gebäude stand jahrelang leer, nun sollen in dem Baudenkmal 300 Wohnungen entstehen.
Der großformatige Band eignet sich besonders für Leser mit Vorkenntnissen und für Bauhaus-Begeisterte mit Liebe zum Detail: Knapp 600 Seiten umfasst die Publikation, wobei alle Beiträge in deutscher wie englischer Sprache zu lesen sind. Es spricht für das Werk, dass es Bauhausmeister wie Oskar Schlemmer, László Moholy-Nagy oder Gerhard Marcks ebenso würdigt wie Akteure der zweiten oder dritten Reihe. Zum Beispiel die Innenraum-Gestalterin Otti Berger. Ein Beitrag befasst sich mit Vorhängen und Möbelbezugsstoffen, die Berger für das vom Architekten Hans Scharoun entworfene Haus Schminke in Löbau gestaltete. Anhand dieses Vorzeigebaus für das moderne Bauen von damals widmet sich der Essay auch dem Zusammenspiel von Textilien und Architektur, von Stoff und Raum. Auch Hinnerk Scheper, der sich mit der Farbgestaltung von Bauten befasste, ist ein eigener Essay gewidmet. Der einstige Leiter der Wandmalereiwerkstatt entwarf das Farbleitsystem des Dessauer Bauhausgebäudes. Noch weniger bekannt dürfte der Bauhäusler Albert Hennig sein, der nach der Wiedervereinigung als Künstler der Moderne entdeckt wurde. Der ehemalige Betonfacharbeiter fotografierte Details im Bereich Bauen und befasste sich mit der Optik und den Strukturen verschiedener Materialien. Die Biografien der Bauhäusler am Ende des Bands sind allerdings äußerst knapp bemessen und daher wenig informativ.
Die Essays und fast 400 Abbildungen laden dazu ein, eine individuelle Bauhaus-Tour in Sachsen zu planen. Leider kann man nicht mehr alle Bauten besichtigen. So wurde das 1930/31 von Hans Wittwer erbaute gläserne Restaurant des Flughafens Halle-Leipzig in Schkeuditz, einst als Ikone der Moderne gefeiert, im Zweiten Weltkrieg zerstört. Vor wenigen Jahren originalgetreu restauriert wurden indes die 18 bei Bombenangriffen im Krieg zerborstenen, bis zu acht Meter hohen Fenster, die der Künstler Josef Albers für das Leipziger Grassi-Museum schuf. Wer auf Bauhaus-Reise geht, sollte sie und die Dauerausstellung in dem Kunsthaus besichtigen.
Olaf Thormann für das Grassi-Museum Leipzig (Hg.): Bauhaus Sachsen. Stuttgart, Arnoldsche Art Publishers 2019, 592 Seiten, 48 Euro
Das Werk liefert Inspirationen
für alle, die ihre individuelle
Bauhaus-Tour planen wollen
Schlichter geht es nicht: Die „Volkswohnung“ wurde am Bauhaus als optimale Kleinstwohnung entwickelt und 1929 im Grassi-Museum gezeigt. Kooperationen mit sächsischen Textilfirmen baute Designerin Otti Berger auf; das Foto zeigt einen von ihr geschaffenen Kinderzimmerteppich von 1929. Fotos: Brigitte Peterhans, Bauhaus Sachsen, S. 248; Kunstsammlungen Chemnitz, im angegebenen Band, S. 63
Mit den Idealen des Bauhauses machte die Zeitschrift
Die neue Linie ihre Leser
vertraut. Diese verkörpert zum Beispiel der mit Eisengarnstoff bezogene Stahlrohrsessel
„Modell 8219“ des Designers Erich Dieckmann von 1930/1931. Die Fotografie von 1929 zeigt das Kaufhaus
Schocken in Crimmitschau.
Es stand einst für eine neue Warenhaus-Architektur.
Fotos: Band Bauhaus Sachsen, S. 315; Matthias Hildebrand / Grassi-Museum für angewandte Kunst Leipzig,
im angegebenEN Band, S. 271; Privatarchiv Jürgen Nitsche / Staatsarchiv Chemnitz,
im angegebenen BAnd, S. 83
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