Sie bauten die ersten Tempel - Schmidt, Klaus
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Am Göbekli Tepe im Südosten der Türkei liegt eines der bedeutendsten prähistorischen Zentren der Menschheit. Dort entstanden vor rund 12.000 Jahren die ältesten Tempel der Welt.
Dabei handelt es sich um einen Heiligtumsbezirk mit 20 Ringanlagen und mehr als 200 überlebensgroßen, menschengestaltigen Stelen, vielfach mit eindrucksvollen Tierreliefs bedeckt und flankiert von Tierskulpturen. Es ist eine Anlage, die es eigentlich gar nicht geben dürfte - ging man doch bislang davon aus, dass nur sesshafte Kulturen derartiges schaffen könnten, doch am Göbekli Tepe haben über Jahrhunderte hinweg…mehr

Produktbeschreibung
Am Göbekli Tepe im Südosten der Türkei liegt eines der bedeutendsten prähistorischen Zentren der Menschheit. Dort entstanden vor rund 12.000 Jahren die ältesten Tempel der Welt.

Dabei handelt es sich um einen Heiligtumsbezirk mit 20 Ringanlagen und mehr als 200 überlebensgroßen, menschengestaltigen Stelen, vielfach mit eindrucksvollen Tierreliefs bedeckt und flankiert von Tierskulpturen. Es ist eine Anlage, die es eigentlich gar nicht geben dürfte - ging man doch bislang davon aus, dass nur sesshafte Kulturen derartiges schaffen könnten, doch am Göbekli Tepe haben über Jahrhunderte hinweg die Angehörigen einer Jägerkultur gewirkt. Erforscht hat diese Anlage der viel zu früh verstorbene Prähistoriker Klaus Schmidt. Er zeigt, dass der Mensch dort die entscheidenden Schritte zur Sesshaftwerdung vollzog und der Göbekli Tepe eine Schnittstelle zwischen Jägerkultur und ackerbäuerlicher Kultur ist - ein missing link der Menschheitsgeschichte.
  • Produktdetails
  • C.H. Beck Paperback Bd.6239
  • Verlag: Beck
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 288
  • Erscheinungstermin: 21. Januar 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 146mm x 25mm
  • Gewicht: 490g
  • ISBN-13: 9783406688065
  • ISBN-10: 3406688063
  • Artikelnr.: 44066588
Autorenporträt
Klaus Schmidt (1953 - 2014) war Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Erlangen. Er leitete für das Deutsche Archäologische Institut die Ausgrabung am Göbekli Tepe in Südostanatolien nahe der syrischen Grenze.
Inhaltsangabe
Vorwort Dank I. Eine "Wieder"-Entdeckung

1. Am Wunschbaum

2. Urfa - Stadt und Land II. Funde, Forscher, Fachbegriffe

1. Das Dreiperiodensystem, die jüngere Steinzeit und der Jericho-Schock

2. Der Fruchtbare Halbmond und die "Hilly Flanks"

3. Çatal Höyük - noch eine "Stadt" aus der Steinzeit

4. Çayönü - Frühgeburt des Hephaistos?

5. Nevalý Çori - im Tal der Pest

6. Der Gürcütepe und die Geburt eines neuen Forschungsprojekts III. Göbekli Tepe

1. Der "gebauchte" Berg

2. Anlage A - das Schlangenpfeilergebäude

3. Anlage B - ein mesopotamisches Stonehenge ersteht: das Fuchspfeilergebäude

4. Anlage C - im Kreis der Keiler

5. Anlage D - im Steinzeitzoo IV. Zwischen Bedeutung und Deutung - Annäherungen an
Bilder und Welt der Steinzeit

1. Tier und Tierdarstellung im Alten Orient

2. Das kulturelle Gedächtnis und die Traumpfade der Steinzeit V. Die jüngeren Schichten des Göbekli Tepe und das Ende
des Jäger-Heiligtums

1. Die jüngeren Bauten und das Löwenpfeilergebäude

2. Als der Jäger den Bauern brauchte - Voraussetzungen für ein Heiligtum in der
frühen Jungsteinzeit

Der Göbekli Tepe - zwei Jahre später

Wichtige Funde der Kampagnen 2005 und 2006 Anhang

Grundlegende und weiterführende Literatur

Abbildungsnachweis

Glossar

Personenregister

Ortsregister

Sachregister

Vorwort

Dank

I. Eine "Wieder"-Entdeckung
1. Am Wunschbaum
2. Urfa – Stadt und Land

II. Funde, Forscher, Fachbegriffe
1. Das Dreiperiodensystem, die jüngere Steinzeit und der Jericho-Schock
2. Der Fruchtbare Halbmond und die "Hilly Flanks"
3. Çatal Höyük – noch eine "Stadt" aus der Steinzeit
4. Çayönü – Frühgeburt des Hephaistos?
5. Nevalý Çori – im Tal der Pest
6. Der Gürcütepe und die Geburt eines neuen Forschungsprojekts

III. Göbekli Tepe
1. Der "gebauchte" Berg
2. Anlage A – das Schlangenpfeilergebäude
3. Anlage B – ein mesopotamisches Stonehenge ersteht: das Fuchspfeilergebäude
4. Anlage C – im Kreis der Keiler
5. Anlage D – im Steinzeitzoo

IV. Zwischen Bedeutung und Deutung – Annäherungen an Bilder und Welt der Steinzeit
1. Tier und Tierdarstellung im Alten Orient
2. Das kulturelle Gedächtnis und die Traumpfade der Steinzeit

V. Die jüngeren Schichten des Göbekli Tepe und das Ende des Jäger-Heiligtums
1. Die jüngeren Bauten und das Löwenpfeilergebäude
2. Als der Jäger den Bauern brauchte – Voraussetzungen für ein Heiligtum in der frühen Jungsteinzeit

Anhang
Grundlegende und weiterführende Literatur
Abbildungsnachweis
Glossar
Personenregister
Ortsregister
Sachregister
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 11.03.2006

Die Schamanen von Göbekli Tepe
Tonnenschwere Rätsel: Der Berliner Archäologe Klaus Schmidt gräbt im Südosten der Türkei die ältesten Steintempel der Welt aus
Auch wenn dieser Winter den Eindruck erweckt, als sei eine neue Eiszeit ausgebrochen, so war die letzte Eiszeit schon vor 12 000 Jahren vorbei. Da fand das Pleistozän sein Ende, die jüngste Eiszeit, die vor 2,5 Millionen Jahren begonnen hatte. Es begann das Holozän: Das Klima erwärmte sich, die großen Gletscher tauten ab, der Meeresspiegel stieg - und der Mensch, bis dahin und im Gegensatz zur Gegenwart ganz gut an die Kälte gewöhnt, musste sich radikal umstellen. In diesem Moment fand die neolithische Revolution statt: Der Mensch gab sein streunendes Jäger- und Sammlerdasein auf, er wurde sesshaft, erfand Keramik, Ackerbau und Viehzucht.
Dieser Prozess ist an der Levante und an den westlichen Ausläufern des Zagrosgebirges erstmals dokumentiert - beide Gebiete gehören zum fruchtbaren Halbmond, der zum großen Teil zwischen Euphrat und Tigris lag und auch die sehr viel späteren Hochkulturen Mesopotamiens ermöglichte. Doch ganz so reibungslos vollzog sich dieser Übergang nicht. Davon zeugen mittlerweile etliche neue Funde. Die spektakulärste dieser Ausgrabungen ist dem Berliner Archäologen Klaus Schmidt gelungen, der seine so sensationellen wie schwer deutbaren Funde gerade in einem Buch publiziert hat. In „Sie bauten die ersten Tempel” (282 Seiten, Verlag H. C. Beck, 24,90 Euro) erzählt Schmidt, wie er 1994 unter dem auf einem öden Plateau gelegenen Göbekli Tepe, einem Hügel im Hochland zwischen den Oberläufen von Euphrat und Tigris, wie er dort in Sichtweite der türkischen Stadt Urfa eine riesige Stein-„Tempel”-Anlage entdeckt und seither teilweise ausgegraben hat. Der Bau der Anlage wurde vor fast 12 000 Jahren begonnen - damit gilt sie als ältester Großsteinbau der Welt. Zum Vergleich: Die ersten ägyptischen Pyramiden sind 4600 Jahre alt, die ältesten Felsentempel Maltas wurden vor 5800 Jahren, die ersten Steinreihen im französischen Carnac vor 6500 Jahren errichtet.
Schmidt entdeckte kleinere Stücke wie die rätselhaften Steinringe mit etwas über einem halben Meter Durchmesser, Steinmenschenköpfe oder Skulpturen wie einen Mann mit erigiertem Penis, aber ohne Gliedmaßen. Spektakulärer sind die vier bisher ausgegrabenen, meist kreisrunden „Tempel”-Anlagen, die offenbar nicht überdacht waren. In ihrer Mitte stehen jeweils zwei T-förmige Pfeiler - mehrere Meter hoch und bis zu zehn Tonnen schwer. Ein noch im nahen Steinbruch liegender Pfeiler ist sogar sieben Meter lang und wiegt 50 Tonnen. Eingefasst werden die Pfeilerpaare von Steinmauern, aus denen weitere Pfeiler ragen. 43 Pfeiler sind bereits ausgegraben, und auf vielen finden sich jede Menge hinreißender Reliefs, meist von Tieren: Schlangen, Kranichen, Keilern, Enten, Vögeln, Stieren, Füchsen . . . Mindestens weitere fünfzehn Anlagen mit über 200 Pfeilern könnten noch freigelegt werden. Dann erst, so die Hoffnung, wird man das System und den Sinn der Tierreliefs verstehen können. Dann erst wird sich sagen lassen, ob die Menschen vom Göbekli Tepe vielleicht schon eine einfache Bild- oder Hieroglyphenschriftschrift entwickelt hatten.
Obelisk und Gedächtnis
Bisher glaubte niemand, dass die Menschen vor 12 000 Jahren in der Lage waren, tonnenschwere Steine zu meißeln, zu transportieren und in großen Ensembles zu arrangieren. Das Vorhaben war hoch kompliziert, es muss Jahrzehnte beansprucht haben - und war deshalb für die Erbauer existenziell wichtig. Zudem gab es auf dem steinigen Hochplateau um den Göbekli Tepe weder Wasser noch die Möglichkeit zu Ackerbau und Viehzucht. Es war ein heiliger Ort, ein groß angelegtes religiöses Heiligtum, das Jahrtausende lang genutzt wurde. Und zwar nicht von sesshaften Menschen, sondern von Jägern, deren Kultur nach und nach erlosch.
Welche Riten hier abgehalten wurden, darüber kann man nur rätseln. Doch Ausgräber Klaus Schmidt, so vorsichtig wie forsch interpretierend, zieht sowohl altsteinzeitliche Fundorte wie historische Fakten heran. Dabei muss er in oft viele Jahrtausende überbrücken, und weiß um Gefahren und Fragwürdigkeit dieser Methode. So kann er allenfalls Interpretationsmöglichkeiten skizzieren. Höchstwahrscheinlich war Göbekli Tepe das Zentrum eines Totenkults. Möglich, dass hier Schamanen ihre Riten ausführten - eventuell bei Nacht. Jedenfalls lassen sich einige Reliefs als Darstellungen von Menschen mit Tierköpfen deuten - das eröffnet eine Parallele zu heutigen Schamanen, die ihre Jenseitsreise als Tiere verkleidet antreten. Tanz scheint am Göbekli Tepe eine besondere Rolle gespielt zu haben, ebenso das Bannen und Beherrschen von gefährlichen Tieren. Und: Gibt es vielleicht gar eine Beziehung zwischen den zentralen Pfeilerpaaren der Heiligtümer des Göbekli Tepe und den ebenfalls immer paarweise aufgestellten ägyptischen Obelisken? Wie sehr darf man Jan Assmann Konzept des „kulturellen Gedächtnisses”, das Überlieferungen über Jahrtausende hinweg behauptet, auch für vorgeschichtliche, nicht-schriftliche Zeiten bemühen?
Überlegungen wie diese, die durch die rätselhafte Anlage im Südosten der heutigen Türkei zwangsläufig provoziert werden, machen klar, warum Archäologie so faszinierend wirkt: Weil sie anhand materieller Objekte die großen Fragen der Philosophie nach Herkommen und Wesen des Menschen für jedermann verständlich neu stellt, dabei aber meist weniger zum strengen Nachdenken anhält, als zum Tagträumen einlädt. Dass dabei schnell die Grenze zum Esoterischen und Nichtrationalen überschritten wird, ist bekannt. Und nicht zuletzt deshalb ist der Göbekli Tepe auf dem besten Weg, ein neuer Mythos zu werden - nach Stonehenge, Troja oder Hagar Qim auf Malta. REINHARD J. BREMBECK
Zwölftausend Jahre alte Kunst: Ein Steinring, ein Menschenkopf und drei meterhohe Tempelpfeiler mit Tierreliefs: Fuchs, Löwe sowie die Dreierfolge Stier / Fuchs /Kranich.
Fotos: Wagner / DAI
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