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Die Herkunft des Alphabets ist ein uraltes Problem der Menschheit, über das spätesten seit dem klassischen Altertum nachgedacht wird. Ganze Bibliotheken sind über das Thema geschrieben worden, ohne dass die Diskussion zu einer allgemein akzeptierten, unangreifbar bewiesenen Lösung gekommen ist. Karl-Theodor Zauzich weist nach 40-jähriger Forschung nach, dass - entgegen der bisher allgemeinen Lehrmeinung - unsere Buchstaben sich in ihrer Form von ägyptischen Hieroglyphen in ihrer kursiven (hieratischen) Schreibung herleiten lassen und dass ihre Namen die ägyptischen Erklärungen dieser…mehr

Produktbeschreibung
Die Herkunft des Alphabets ist ein uraltes Problem der Menschheit, über das spätesten seit dem klassischen Altertum nachgedacht wird. Ganze Bibliotheken sind über das Thema geschrieben worden, ohne dass die Diskussion zu einer allgemein akzeptierten, unangreifbar bewiesenen Lösung gekommen ist. Karl-Theodor Zauzich weist nach 40-jähriger Forschung nach, dass - entgegen der bisher allgemeinen Lehrmeinung - unsere Buchstaben sich in ihrer Form von ägyptischen Hieroglyphen in ihrer kursiven (hieratischen) Schreibung herleiten lassen und dass ihre Namen die ägyptischen Erklärungen dieser Hieroglyphen sind, teils in semitischer Übersetzung.Das Buch geht den Weg 'vom Bild zum Buchstaben' und enthüllt das Geheimnis, aus welchen ägyptischen Hieroglyphen unsere so abstrakt erscheinenden Buchstaben entstanden sind. Wir alle schreiben und lesen Zeichen, die ursprünglich ägyptische Hieroglyphen waren.
  • Produktdetails
  • Verlag: WBG Philipp von Zabern
  • Seitenzahl: 176
  • Erscheinungstermin: Februar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 150mm x 17mm
  • Gewicht: 385g
  • ISBN-13: 9783805347563
  • ISBN-10: 3805347561
  • Artikelnr.: 40081175
Autorenporträt
Karl-Theodor Zauzich ist einer der führenden Hieroglyphen-Experten. Bis 2004 lehrte er Ägyptologie an der Julius-Maximilian Universität-Würzburg.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.05.2015

Für die Phönizier fällt keine Rolle mehr ab
Der Ägyptologe Karl-Theodor Zauzich nimmt die gängige Vorstellung von der Entstehung des Alphabets aufs Korn

Der Urahn heutiger Alphabete ist die Hieroglyphenschrift, mit der das Ägyptische geschrieben wurde. Auf ihrer Basis entstand das Ur-Alphabet, das der Verschriftung des Westsemitischen diente - ein Sprachzweig, zu dem auch Phönizisch und Hebräisch gehören. Darüber herrscht unter Sprachwissenschaftlern weitgehend Einigkeit. Aber wie dieser Schritt von dem einen zum anderen Schriftsystem genau vollzogen wurde, ist umstritten. Die Transformation war jedenfalls tiefgreifend: Aus den vielen hundert bildhaften Hieroglyphen wurden etwa zwei Dutzend abstrakte Buchstaben. Auch in ihrer Funktionsweise unterschieden sich die beiden Systeme. Hieroglyphen stehen für einzelne Konsonanten oder für Kombinationen von ihnen, wobei die Vokale ausgespart werden. Unter Umständen kann eine einzelne Hieroglyphe aber auch ein ganzes Wort bezeichnen. Solche Symbole für Gruppen von Lauten oder ganze Wörter gibt es im Alphabet, das in seiner phönizischen Form seit dem 12. Jahrhundert v. Chr. belegt ist, nicht mehr. Stattdessen gilt hier das Grundprinzip: pro Zeichen ein Laut. Die Beschränkung auf Konsonanten blieb zunächst bestehen, Vokalzeichen fügten erst die Griechen hinzu.

Viele Ägyptologen glauben, dass der entscheidende Schritt von der Hieroglyphen- zur Alphabetschrift in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. auf dem Sinai vollzogen wurde. Ihr Beweis sind Inschriften, deren Zeichen sie als eine von den Hieroglyphen abgeleitete Alphabetschrift deuten. Sie soll eine semitische Sprache - Protosinaitisch genannt - wiedergeben. Der Theorie zufolge machten die Schöpfer dieser Schrift nicht die Laute, für die die Hieroglyphen eigentlich stehen, zum Ausgangspunkt ihres neuen Systems, sondern die Gegenstände, die sie darstellen. Das semitische Wort, das den jeweiligen Gegenstand bezeichnet, erklärten sie zum Namen des Buchstabens und setzten dann den Anfangslaut dieses Namens als den Lautwert des Buchstabens an. Eine Hieroglyphe, die ein Haus darstellte, bekam so den Namen "Beth" - das semitische, Wort für "Haus" - und bezeichnete nun den B-Laut. Nach demselben Schema wurde ein hieroglyphischer Rinderkopf zu "Aleph" (Rind) und damit zum Buchstaben A. Die Zeichen des Alphabets sind also ihrer Gestalt nach ferne Abbilder der Hieroglyphen, während ihre überlieferten semitischen und griechischen Namen ebenso wie ihre Lautwerte in semitischen Wörtern wurzeln sollen.

Der emeritierte Ägyptologe Karl-Theodor Zauzich hält die gesamte Sinai-Theorie für falsch und nimmt sie in seinem Buch Schritt für Schritt auseinander. Er bestreitet, dass es bislang überhaupt gelungen ist, die protosinaitische Schrift zu entziffern. Mit gutem Grund: Die Übersetzungen, die mehrere Forscher für dieselben Inschriften liefern, fallen völlig unterschiedlich aus. Vor allem aber ist in Zauzichs Sicht die Rückführung der griechischen und semitischen Buchstaben-Namen auf semitische Bezeichnungen für Gegenstände ebenso an den Haaren herbeigezogen wie die Herleitung der Buchstaben-Formen von den protosinaitischen Zeichen: In vielen Fällen ließen sich solche Verbindungen überhaupt nicht herstellen, in anderen beruhten sie auf zufälligen oder willkürlich konstruierten Ähnlichkeiten und auf Fehldeutungen. Zauzich ist überzeugt, dass sich in den Namen der semitischen und griechischen Buchstaben die ägyptischen Hieroglyphen-Namen wiederfinden, so wie auch die Gestalt der Buchstaben direkt von den Hieroglyphen abstamme, und zwar in ihrer kursiven, "hieratisch" genannten Form, die unserer Schreibschrift vergleichbar ist.

Dass es sich bei den Alphabet-Schöpfern um Semiten handelte, nimmt auch Zauzich an. Doch in seinem Szenario hatten sie ursprünglich gar kein Alphabet im Sinn, sondern eine Silbenschrift. Die Vorlage dafür fanden sie bei den Ägyptern. Für deren Schreiber stellte die Beschränkung der Hieroglyphen auf Konsonanten nämlich ein Problem dar, wenn sie - bedingt durch zahlreiche Auslandskontakte - fremdsprachige Wörter schreiben mussten. Denn ägyptische Leser konnten fehlende Vokale zwar aus dem Kopf ergänzen, solange es um ihre Muttersprache ging. Bei unbekannten Ausdrücken hingegen brauchten sie Aussprachehilfen. Deshalb entwickelten ägyptische Schriftexperten schon früh eine behelfsmäßige Silbenschrift, in der sie bestimmte Kombinationen von Hieroglyphen als Zeichen für Verbindungen von Konsonanten mit Vokalen definierten.

Zauzich nimmt an, dass die Semiten zwischen 1500 und 1300 v. Chr. eine Auswahl dieser Silben-Symbole mitsamt ihren Namen und Lautwerten für die Verschriftung ihrer eigenen Sprache einsetzten. Dabei sollen sie auf hieratisch geschriebene Hieroglyphen-Listen und die dort gegebenen Erläuterungen zurückgegriffen haben. Bislang wurde allerdings erst ein solches Verzeichnis, das zudem aus der Spätzeit stammt, gefunden. Die überzeugendsten Argumente für seine Theorie gewinnt Zauzich aus dem akribischen Vergleich der Buchstaben, Namen und Lautwerte des phönizischen sowie des griechischen Alphabets mit den entsprechenden Hieroglyphen und ihren hieratischen Varianten. Zwar tun sich auch in seinen Beweisketten Lücken auf, die er mit Mutmaßungen und Rekonstruktionen überbrücken muss, aber bei vielen Buchstaben gelingt es ihm, das Ägyptische als direkte Quelle plausibel zu machen.

So führt Zauzich beispielsweise Aleph/Alpha nicht auf das semitische Wort für "Rind", sondern auf das ägyptische Wort für "Ausspruch" oder "Wort" zurück und Beth/Beta auf das ägyptische Wort für "Schnur", was sich auch mit den Formen der Buchstaben und ihren hieroglyphischen Entsprechungen besser in Einklang bringen lässt. Warum aber wurde aus dem ursprünglich als Silbenschrift konzipierten System überhaupt ein Alphabet? Zauzich sieht die Ursache in Vokalverschiebungen, die zwischen dem 14. und dem 7. Jahrhundert v. Chr. im Ägyptischen und Semitischen stattfanden. Sie sollen das Prinzip der Silbenzeichen funktionsunfähig gemacht haben.

Noch eine andere Lehrmeinung nimmt der Autor aufs Korn: Bislang galt, dass die Griechen das Alphabet von den Phöniziern übernommen haben. Zauzich fand nun aber heraus, dass die griechischen Buchstaben-Namen im Vergleich zu den semitischen in ihrer sprachlichen Form den Namen der ägyptischen Hieroglyphen ähnlicher sind, obwohl das phönizische Alphabet einige Jahrhunderte älter ist als das griechische. Zauzich schließt daraus, dass das Alphabet nicht über die Phönizier zu den Griechen kam. Zwar ist auch ihr Alphabet semitischen Ursprungs, aber es soll auf einem anderen, parallelen Weg der Überlieferung zu ihnen gelangt sein. Zauzich belässt es bei der vagen Vermutung, dass der Transfer über Kreta stattfand.

Die Erforschung alter Schriften führt leicht in einen Sumpf aus Spekulationen und Konstruktionen. Zauzich bietet jedoch eine nüchterne Argumentation, die sich im Rahmen belegter Fakten und plausibler Möglichkeiten bewegt. Die ungesicherten Stellen, die sich auch in seinem Beweisgang finden, markiert er deutlich. Den erklärten Anspruch, nicht nur für Fachleute, sondern auch für Laien gut lesbar zu sein, erfüllt das Buch aber nur zum Teil. Zwar ist die Sprache klar und verständlich, aber die Chronologie der schrifthistorischen Entwicklung und die kausalen Zusammenhänge werden durch die Gliederung des Buches oft zerrissen. Hier den roten Faden zu finden, wenn man ihn nicht vorher schon kennt, ist schwierig.

WOLFGANG KRISCHKE

Karl-Theodor Zauzich: "Hieroglyphen mit Geheimnis". Neue Erkenntnisse zur Entstehung unseres Alphabets.

Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2015. 176 S., Abb., geb., 19,95 [Euro].

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»[Ein] Ausflug in ferne Zeiten, als der Mensch erst begann, Gedanken in Zeichenform zu fixieren - eine seiner wohl bedeutendsten Kulturleistungen.« NZZ am Sonntag»Die Erforschung alter Schriften führt leicht in einen Sumpf aus Spekulationen und Konstruktionen. Zauzich bietet jedoch eine nüchterne Argumentation, die sich im Rahmen belegter Fakten und plausibler Möglichkeiten bewegt.« Frankfurter Allgemeine Zeitung