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Nie zuvor konnte die Medizin so viel Gutes tun wie heute - und nie zuvor hinterfragten so viele Patienten die schulmedizinische Therapie ihrer Ärzte. Liegt das daran, daß die Kunst des Heilens verlorengegangen ist, die vor allem auf einer gelungenen Beziehung zwischen Arzt und Patient beruht?
Bernard Lown, Kardiologe von Weltrang, hält mit diesem Buch ein Plädoyer für eine Medizin mit menschlichem Gesicht. Anschaulich und mit viel Humor erzählt er von seinen eigenen Erfahrungen in der Begegnung mit den Patienten, von Erfolgen und Fehlern, von der Kunst, dem Patienten zuzuhören, ebenso wie von der Kunst, den Arzt zum Zuhören zu bringen.
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Produktbeschreibung
Nie zuvor konnte die Medizin so viel Gutes tun wie heute - und nie zuvor hinterfragten so viele Patienten die schulmedizinische Therapie ihrer Ärzte. Liegt das daran, daß die Kunst des Heilens verlorengegangen ist, die vor allem auf einer gelungenen Beziehung zwischen Arzt und Patient beruht?

Bernard Lown, Kardiologe von Weltrang, hält mit diesem Buch ein Plädoyer für eine Medizin mit menschlichem Gesicht. Anschaulich und mit viel Humor erzählt er von seinen eigenen Erfahrungen in der Begegnung mit den Patienten, von Erfolgen und Fehlern, von der Kunst, dem Patienten zuzuhören, ebenso wie von der Kunst, den Arzt zum Zuhören zu bringen.
Autorenporträt
Bernard Lown wurde am 7. Juni 1921 in Utena, Litauen, geboren; seine Familie emigrierte 1935 in die USA. Er war Professor für Kardiologie an der Harvard School of Public Health und leitete das "Lown Cardiovascular Center". Für seine wichtigste Erfindung, die Elektrodefibrillation bei Kammer- und Vorhofflimmern, die seither Hunderttausenden das Leben gerettet hat, erhielt er zwar nicht den Nobelpreis für Medizin; statt dessen aber wurde er 1985 mit dem Friedensnobelpreis für die von ihm zusammen mit dem russischen Kardiologen Evgenij Chazov gegründete Vereinigung "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) ausgezeichnet. 1997 gründete er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen das "Ad Hoc Committee to Defend Healthcare", das sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Gesundheitswesens richtet und sich für eine sozialere Medizin engagiert. Bernard Lown wurde am 7. Juni 1921 in Utena, Litauen, geboren; seine Familie emigrierte 1935 in die USA. Er war Professor für Kardiologie an der Harvard School of Public Health und leitete das "Lown Cardiovascular Center". Für seine wichtigste Erfindung, die Elektrodefibrillation bei Kammer- und Vorhofflimmern, die seither Hunderttausenden das Leben gerettet hat, erhielt er zwar nicht den Nobelpreis für Medizin; statt dessen aber wurde er 1985 mit dem Friedensnobelpreis für die von ihm zusammen mit dem russischen Kardiologen Evgenij Chazov gegründete Vereinigung "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) ausgezeichnet. 1997 gründete er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen das "Ad Hoc Committee to Defend Healthcare", das sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Gesundheitswesens richtet und sich für eine sozialere Medizin engagiert.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.09.2002

Jedem Arzt seinen Friedhof
Vorsicht, Leitlinie: Bernard Lown rügt die Medizin-Maschinerie

Um es gleich vorweg zu sagen: Das Buch gehört zum Besten, was im Rahmen der aktuellen gesundheitspolitischen Debatte zum Thema Krankheit und Medizin zu lesen ist, ein Klassiker von Geburt sozusagen. Wer eine neuerliche philosophische Grundierung des Arztseins erwartete, der sieht sich zum Glück getäuscht. Solche Versuche gibt es in Fülle und sie scheitern seit Jahrhunderten. Anders Bernard Lown, der zu den angesehensten Herzspezialisten der Welt zählt. Er schreibt sich die ärztliche Seele vom Leib und führt höchst instruktiv ins pralle Leben des ärztlichen Alltags. Herausgekommen ist ein narratives Kompendium der Heilkunst, eine angenehme Pflichtlektüre für Ärzte, Pflegepersonal und (potentielle) Patienten.

Viele verdanken dem Autor ihr Leben, auch wenn sie es vielleicht nicht wissen. Der Elektroschock, mit dem es gelingt, lebensbedrohliche Störungen des Herzschlags in Sekunden zu behandeln, geht auf die bahnbrechenden Experimente Lowns in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück. Heute gehört der Defibrillator zur Grundausstattung jedes Rettungswagens. Und man muß es einmal erlebt haben, wie ein Patient, der im Sterben liegt, nach dem Stromschlag wieder die Augen aufschlägt und unversehens ins Leben zurückkehrt, um die Achtung zu verstehen, den der Name Lown in der medizinischen Welt noch heute genießt.

Was immer Lown uns zu sagen hat, erläutert er anhand von Patientengeschichten. Aus dieser unerschöpflichen Quelle eines langen und reichen Arztlebens schöpft der Autor, um zu explizieren, was klinische Weisheit ausmacht. Sie reicht von der Kunst des Zuhörens über die Berührung, die auch die verborgenen Geheimnisse der Patienten nicht umgeht, über heilende Worte bis zur Erkenntnis, daß man auch als Arzt nicht alles vermag und Tod und Sterben erst unserem Leben Bedeutung geben.

Auch hier erzählt Lown eine Geschichte. Ein Patient wird mit einem wiederholten Herzinfarkt in die Klinik eingeliefert. Jeder weiß, er hat keine Chance. Dennoch hebt die hektische Maschinerie an mit allerlei technischem Gerät. Die Angehörigen kommen gar nicht an den Sterbenden heran. Nach einem kurzen Gespräch mit ihnen werden die Maßnahmen beendet. Alle verlassen den Raum, nur Lown und die Angehörigen bleiben zurück. Keiner der Mitarbeiter schaut beim Patienten vorbei, bis er stirbt. "Hätten wir beschlossen, ihn mit einer Ballonpumpe zu behandeln oder das Schock-Team zu rufen oder hätten ihn als Kandidaten für eine Bypass-Operation angesehen, dann wären sie alle um sein Bett gehüpft."

Heilen ist mehr als Behandeln. "In unserem modernen Zeitalter nährt die zunehmende Nähe von Medizin und Wissenschaft die Illusion, beide seien identisch." Die Folge sei, daß Ärzte den Einsatz am Krankenbett vernachlässigten. Lown beschönigt nichts: Jeder Arzt hat seinen Friedhof. Er berichtet, wie der von ihm verursachte Tod einer Patientin ihn noch nach Jahren im Schlaf verfolgt. Auch für den Umgang mit ärztlicher Schuld und Versagen läßt sich von ihm lernen.

Zentrale Aussage dieses Bandes: Wissenschaft kann niemals die ärztliche Entscheidung ersetzen. "Viele klinische Probleme sind einmalig und außergewöhnlich und noch niemals dem praktizierenden Arzt zuvor begegnet." Natürlich läßt sich mit dem Heilen nicht warten, bis Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie vorliegen. Dies schreibt Lown all denen ins Stammbuch, die glauben, das ärztliche Handeln mit "Leitlinien" und einer "gemanagten" Gesundheitsfürsorge autoritativ regulieren zu müssen. Solche Modelle erfreuen sich nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland wachsender Beliebtheit, besonders unter Gesundheitspolitikern und Managern von Wagniskapital. Während die einen hoffen, sie könnten ihrer Klientel die harte Wahrheit der "Rationierung" ersparen, wittern die andern raschen Gewinn. Beide glauben, Wirtschaftlichkeitsreserven durch Industrialisierung auch in der Medizin nahezu unbegrenzt mobilisieren zu können.

Denen hält Lown entgegen, daß die Heilkunst im Kern stets ein Handwerk bleiben wird, bei dem nicht ein Maßnahmenkatalog an die Stelle der Erfahrung treten kann. Der Unerfahrene, der geneigt ist, "medizinische Fakten" als scheinbar für sich selbst sprechende "Evidenzen" anzusehen, könne - gerade wenn ihm eine hochgerüstete Technologie zur Verfügung stehe - das Krankenhaus für den Patienten zu einem gefährlichen Ort machen, bekennt Lown anhand diskret und eindringlich beschriebener Beispiele. "Sogenannte medizinische Fakten sind biologische Annäherungswerte; Verlaufsdaten und Prognose sind statistisch bestimmbar. Ihre Anwendung auf einen individuellen Patienten erfordert immer eine Auswahl unter verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten. Ein erfahrener Arzt weiß, daß nur allzuoft der Bereich der Wissenschaft einen Großteil der klinischen Probleme nicht erfaßt."

Ein Pionier der Forschung wie Bernard Lown steht gewiß nicht im Verdacht, mit derartigen Äußerungen die unwissenschaftlichen Anmaßungen paramedizinischer Quacksalber zu rechtfertigen. Die Wissenschaft zählt er zu den "berauschenden" Abenteuern. Aber er verfällt ihr nicht. Er weist ihr vielmehr den Sitz im Leben zu, zumindest dem der Medizin. Sie kann das Heilen nicht ersetzen, auch wenn sie als definierbarer Standard immerhin vor manchem Irrtum bewahren kann. Weil Lown die Verantwortung für das Leben auch außerhalb der medizinischen Fakultäten verspürte, konnte er mit dem russischen Kardiologen Chazov die Ärzteorganisation gegen den Atomkrieg gründen (IPPNW), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Zur Zeit des Kalten Kriegs wurde sie heftig kritisiert. Bei der Lektüre seines Buches bemerkt der Leser in jeder Zeile, daß sich da einer mit Herzblut für seine Patienten und seine Überzeugungen einsetzt.

Glück für den Leser: Lown erweist sich als begnadeter Erzähler. Nüchtern, schnörkellos und mit viel Humor. Den braucht man auch als Therapeut, wie die Geschichte vom Patienten belegt, dessen Frau an einer Cholesterinophobie leidet und ihm den Genuß von Eiern verbietet. Lown hält nichts von der Hysterie ums Cholesterin. Er verordnet sonntags ein Omelett.

STEPHAN SAHM

Bernard Lown: "Die verlorene Kunst des Heilens". Anleitung zum Umdenken. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Gottstein. Schattauer Verlag, Stuttgart 2002. 281 S., geb., 29,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Stephan Sahm kommt aus dem Schwärmen über dieses Buch des Arztes und Herzspezialisten gar nicht mehr heraus. Ein "Klassiker" schon jetzt , preist er das Werk, das sich an Ärzte, medizinisches Personal und Patienten gleichermaßen richtet. Der Rezensent fühlt sich "höchst instruktiv" in den Arbeitsalltag des Arztes eingeführt und er rühmt das Buch zudem als das "Beste", was es zur Medizindebatte unserer Tage zu lesen gibt. Dass der Autor seine Ansichten stets anhand von Patientengeschichten zum Ausdruck bringt, lobt Sahm als sehr anschaulich. Überhaupt preist er Lown als "begnadeten Erzähler", der nicht nur nüchtern und sachlich, sondern auch mit viel "Humor" zu argumentieren weiß. Beeindruckt informiert der Rezensent zudem vom Engagement des Autors in der Ärzteorganisation gegen den Atomkrieg sowie vom Einsatz für die Patienten, den er nicht zuletzt in diesem Buch eindrucksvoll belegt sieht.

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