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Die Geburt Europas aus dem Geist der Griechen
Wo und wann nahm Europa seinen Anfang? Vielleicht doch schon bei den Griechen? Aber wer waren die eigentlich? Und woher hatten sie, was sie dann auszeichnete? Der alte Orient hat sie stark beeinflußt, aber was sie hervorbrachten, war völlig anders, völlig neu: Ein einziges Mal in der Weltgeschichte wurde eine Kultur nicht um der Herrschaft willen gebildet, sondern von breiteren Kreisen her, die sich herausgefordert sahen, ihre Freiheit gegen alle davon ausgehenden Zumutungen zu befestigen und zu entfalten.…mehr

Produktbeschreibung
Die Geburt Europas aus dem Geist der Griechen

Wo und wann nahm Europa seinen Anfang? Vielleicht doch schon bei den Griechen? Aber wer waren die eigentlich? Und woher hatten sie, was sie dann auszeichnete? Der alte Orient hat sie stark beeinflußt, aber was sie hervorbrachten, war völlig anders, völlig neu: Ein einziges Mal in der Weltgeschichte wurde eine Kultur nicht um der Herrschaft willen gebildet, sondern von breiteren Kreisen her, die sich herausgefordert sahen, ihre Freiheit gegen alle davon ausgehenden Zumutungen zu befestigen und zu entfalten.
  • Produktdetails
  • Verlag: Pantheon
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 367
  • Erscheinungstermin: 12. März 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 128mm x 32mm
  • Gewicht: 440g
  • ISBN-13: 9783570551738
  • ISBN-10: 3570551733
  • Artikelnr.: 34509683
Autorenporträt
Christian Meier, geboren 1929 in Stolp/Pommern, ist emeritierter Professor für Alte Geschichte und einer der herausragenden Historiker Deutschlands. Von 1980 bis 1988 war er Vorsitzender des Verbands der Historiker Deutschlands, von 1996 bis 2002 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Für seine wissenschaftliche Arbeit wurde er mit hohen und höchsten Auszeichnungen geehrt; auch erhielt er 2003 den Jakob-Grimm-Preis für deutsche Sprache. Er hat zahlreiche Werke zur Antike veröffentlicht, darunter »Caesar« (1982), und »Athen« (1993).
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.02.2009

Sport treiben ist schöner als herrschen

Was ist an unserer europäischen Lebensart griechisch geprägt? Unsere Fitnesskultur? Unsere Faulheit? Unser Papst? Christian Meier antwortet.

Es muss dem Autor ein starkes Bedürfnis gewesen sein, bei Eintritt in sein neuntes Lebensjahrzehnt eine Abschlagszahlung auf das Werk zu leisten, das er unter dem Titel "Die Alte Welt" als ersten Band der ansonsten bereits kompletten vierbändigen "Geschichte Europas" des Siedler Verlages zu schreiben unternommen hat. Die beiden hier vorab vorgelegten Kapitel von insgesamt sieben geplanten nehmen das Ganze insofern bereits in den Blick, als immer wieder der Vergleich mit den Römern, zumal denen der Republik, gesucht wird, weil diese, von teilweise ähnlichen Voraussetzungen wie die Hellenen ausgehend, doch zu einer ganz anderen Ordnung des Zusammenlebens gelangt sind. Gelegentliche Hinweise auf die Propheten und Konfuzius erinnern daran, wie Meier vor gut zwanzig Jahren die Historiker aufforderte, aus ihrer jeweiligen kleinen Provinz auszubrechen. Dennoch werden selbst formative Antagonisten der Griechen wie das Lyderreich und das Reich der Perser auch hier eher kursorisch vorgestellt.

Die gesamte Antike umgreift Meier naheliegenderweise auch bei der einleitenden Frage, ob diese Epoche überhaupt als Anfang einer europäischen Geschichte gelten könne. Mit den gängigen, inzwischen schal gewordenen Identitäts- und Kontinuitätsformeln mag er sich nicht abgeben. Seine eigenen Anläufe sind erhellend, weil sie kalkuliert scheitern. Die griechische Scheidung zwischen Asien und Europa, später so wirkungsmächtig, überwand zwar ältere ethnozentrische Weltbilder, da auf beiden Seiten der Ägäis Hellenen lebten, aber sie wurde mit dem Hellenismus und der römischen Kaiserzeit, als Nordafrika und Vorderasien Kernregionen antiker Zivilisation darstellten, zumindest für die Antike erst einmal obsolet.

Die vielfältigen Impulse, die von den Alten ausgingen und in Europa zu immer neuen Renaissancen führten, hat Meier im Blick; beiläufig formuliert er das Griechenbild der Klassik, wie es Winckelmann und Humboldt nicht besser gekonnt hätten: "Das ergab einen Menschenschlag, der sich kaum in Spezialisten aufteilte, in partielle Bezüge verlor, vielmehr sich gleichsam rundum auszubilden hatte, körperlich, geistig, seelisch, wie er uns ja auch in den griechischen Statuen entgegentritt, dort freilich als Ideal. Jeder möglichst ein Ganzes, das Allgemeine in sich ausprägend und alles stark auf allgemein-menschliche Problematik konzentriert." Aber die auf Homogenität ausgerichteten Grundlagen der griechischen Kulturbildung - die Polis, die eherne gesellschaftliche Schichtung einschließlich der Sklaverei, die Zurücksetzung der Frau, das Mußeideal und anderes mehr - konnten kein Modell bilden für das abendländische Europa mit seinen kreativen Polaritäten zwischen Kirche und Staat, Stadt und Land, Reich und Territorien, Macht und Geist.

Meier folgt hier implizit einer Sicht, die Thomas Nipperdey vor knapp dreißig Jahren glänzend skizziert hat, und schreibt dem mittelalterlichen und neuzeitlichen Europa mit Recht eine Veränderungsdynamik zu, die der griechischen und römischen Antike völlig fremd war. Selbst das katholische Christentum als Moment echter Kontinuität wird nur beiläufig erwähnt, obwohl sich aus der Theologie des gegenwärtigen Papstes, der die Synthese mit dem Hellenismus betont und daraus höchst provozierende Folgerungen ableitet, durchaus Funken schlagen ließen.

Europa schlicht in der Antike anfangen zu lassen kann sich für Meier aus Erwägungen all dieser Art also nicht ergeben. Soweit jedoch der europäische Sonderweg als eine besondere Kapazität des Handelns, Erkennens, Gestaltens, des Aufgreifens und Veränderns zu fassen ist, fand er sein "Präludium" bei den Griechen und kann die Frage nach den Griechen sinnvoll nur im Hinblick auf die Geschichte Europas gestellt werden. Denn die Hellenen bildeten eine Kultur zu dem Zweck, das Miteinander ohne eine starke Herrschaft, ohne Monarchie auszubilden.

Meier gebraucht hierfür seine alte Formel von der Politischen Revolution, setzt diese jedoch nicht mit der direktdemokratischen Ordnung des klassischen Athen gleich. Denn die Darstellung umfasst lediglich die Zeit vom Zusammenbruch der mykenischen Zivilisation bis zum Vorabend der Perserkriege, die "Entstehung der Poliswelt". Doch just in dieser Zeit wurden die Griechen, so Meier, zu Menschen im emphatischen Sinn, weil sie sich auf breiter Front zu politischen Menschen formten. Verwunderlich nur, warum für diesen Gedanken nicht Hannah Arendt zitiert wird. Jacob Burckhardt, ansonsten der weitaus am häufigsten aufgerufene Ahn, hat das bekanntlich anders, jedenfalls ambivalenter gesehen.

Wie die Griechen das Widerstreben gegen die Gründung von starker und dauerhafter Herrschaft behaupteten, wie sie dabei ihre Vereinzelung überwanden, ihre Tyrannen zu einer vorübergehenden Erscheinung schrumpfen ließen und Bürger in dem "anspruchsvollen und zugleich strapaziösen Sinn, den das Wort unter den Griechen annehmen sollte", werden konnten, das wird hier auf höchstem Reflexionsniveau entwickelt. Schlagend etwa die Beobachtung, die Griechen hätten nicht nur frei sein wollen vom Beherrschtwerden, sondern sich aufs Ganze gesehen auch gescheut, die Disziplin und Bindearbeit aufzubringen, die zum Ausüben gelingender Herrschaft erforderlich ist. Eine Kompensation bot der unmittelbare, körperliche Sieg im Wettkampf, dem der Autor mit Burckhardt eine maßgebliche Bedeutung zuschreibt.

Dass Meier manche von der neueren Forschung erzielte Differenzierungen ignoriert, wiegt in einem Werk dieses intellektuellen Ranges nicht schwer. Geradezu befreiend erscheint, wie der jüngst so obsessiv betonte orientalische Ursprung wesentlicher Phänomene der griechischen Kultur eingeordnet wird: Unendlich viel an Bildern, Geschichten, Fertigkeiten und Praktiken haben die Hellenen in der Tat von dort gelernt, ohne das Modell einer starken Zentralgewalt übernehmen oder sich gegen diese um den Preis eigener Deformierung verteidigen zu müssen. So gewann das Adaptierte keine Gewalt, sondern verstärkte anregend eher die Eigenart der Adaptierenden.

Meier widmet den materiellen Gegebenheiten breite Aufmerksamkeit, betont die vielfach obwaltenden "Schrecken und Entsetzlichkeiten des Daseins" (Nietzsche), die Unsicherheit und das Ausgesetztsein der Menschen, berichtet von verschiedenen Polisgemeinschaften und ihren durchaus individuellen Wegen in die Geschichte. Aber das kohärenzstiftende Moment seines Eindringens bleiben doch die großen Texte und Gedanken von Homer und Hesiod über die frühen Dichter - besonders schön: Archilochos - bis hin zu den Denkern der kosmischen und menschlichen Ordnung, die wir Vorsokratiker nennen. Ihnen allen sind eindringliche Interpretationen gewidmet, sie bildeten die gemeingriechische Öffentlichkeit, die für eine Kultur- und Mentalitätsbildung im Nebeneinander und Gegeneinander der kleinen Gemeinden unabdingbar war.

Wir aber verbinden den Dank für das neue Stück großer Geschichtsschreibung mit der bittenden Zumutung an den Autor, nicht die frühen Hellenen für die ganze Antike stehen zu lassen.

UWE WALTER.

Christian Meier: "Kultur, um der Freiheit willen". Griechische Anfänge - Anfang Europas? Siedler Verlag, München 2009. 368 S., 15 Abb., 2 Karten, 22,95 [Euro].

Den Blog von Uwe Walter "Antike und Abendland" findet man im Internet unter www.faz.net\antike.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Große Geschichtsschreibung" hat Rezensent Uwe Walter hier gelesen und macht zu Anfang gleich deutlich, dass der nunmehr achtzigjährige Historiker Christian Meier mit diesem Buch nur die ersten beiden Kapitel seines auf insgesamt sieben Kapitel angelegten Werkes über "Die Alte Welt" vorgelegt. hat. Er hat also noch einiges vor! Einverstanden ist Walter vor allem mit Meiers Klarstellung, weil sie sich nicht auf simple Kontinuitätsformeln beschränken, sondern deutlich machen, dass die griechische Antike viel zu homogen war, als dass sie etwa eine Veränderungsdynamik wie das abendländische Europa hätte entfalten können, in dem "kreative Polaritäten zwischen Kirche und Staat, Stadt und Land, Reich und Territorien, Macht und Geist" herrschten, wie Walter schreibt. Was er in Meiers Buch großartig akzentuiert findet, ist die Ablehnung "starker Herrschaft" in der griechischen Kultur - weswegen für Walter auch die orientalische Verortung des antiken Griechenlands zumindest nur halb richtig sein kann. Sehr eindringliche Interpretationen fand der Rezensent darüberhinaus zu den griechischen Dichtern - vor allem zu Archilochos, wie er sich freut. Kritisch merkt er allerdings an, dass Meier allzu sehr die frühen Hellenen für die ganze Antike stehen lässt.

© Perlentaucher Medien GmbH
"... eine sehr empfehlenswerte und kluge Einführung in die Geschichte der griechischen Antike und ihrer prägenden politischen Ordnung." MDR Figaro