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Die aufregendsten neuen Stimmen der aktuellen georgischen Literatur: Die aus Georgien stammende und auf Deutsch schreibende Autorin Nino Haratischwili wurde für ihren Roman "Mein sanfter Zwilling" (FVA 2011) als "neue Heldin der deutschsprachigen Literatur" gefeiert und erhielt 2011 den Preis der Hotlist für den besten Roman unabhängiger Verlage. Und Tamta Melaschwili gelang mit "Abzählen" (Unionsverlag 2012) ein außergewöhnliches und vielbeachtetes Debüt. Nicht nur die sprachliche Kraft und der Erfolg der beiden Autorinnen zeigen, dass Georgien ein Land ist, das literarisch im Aufbruch…mehr

Produktbeschreibung
Die aufregendsten neuen Stimmen der aktuellen georgischen Literatur: Die aus Georgien stammende und auf Deutsch schreibende Autorin Nino Haratischwili wurde für ihren Roman "Mein sanfter Zwilling" (FVA 2011) als "neue Heldin der deutschsprachigen Literatur" gefeiert und erhielt 2011 den Preis der Hotlist für den besten Roman unabhängiger Verlage. Und Tamta Melaschwili gelang mit "Abzählen" (Unionsverlag 2012) ein außergewöhnliches und vielbeachtetes Debüt. Nicht nur die sprachliche Kraft und der Erfolg der beiden Autorinnen zeigen, dass Georgien ein Land ist, das literarisch im Aufbruch begriffen ist. In den letzten Jahren hat sich dort eine lebendige und vielstimmige Literatur herausgebildet, die vor allem von jungen Autorinnen bestimmt wird. Mit Lakonie, Scharfsinn und ungeheurer Erzählfreude porträtieren sie Leben und gesellschaftliche Umbrüche in ihrem Land.Sechs wunderbare Prosatexte sind zu entdecken und ein Einakter. Sieben georgische Autorinnen, die von den Fallstricken bei der Suche nach modernen weiblichen Lebensentwürfen, von der Selbstbehauptung im Exil und nicht zuletzt von der magischen Kraft des geschriebenen Worts berichten.
  • Produktdetails
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
  • Seitenzahl: 248
  • 2013
  • Ausstattung/Bilder: 2013. 256 S. 207 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 137mm x 27mm
  • Gewicht: 368g
  • ISBN-13: 9783627001926
  • ISBN-10: 3627001923
  • Best.Nr.: 36851729
Inhaltsangabe
Anna Kordzaia-Samadaschwili: Das historische Gedächtnis; Maka Mikeladze: Eine mit Buch und ihre erlesene Leserschaft; Ekaterine Togonidze: Der andere W-E-G; Eka Tchilawa: In den neun Hütten; Tamta Melaschwili: Killer's Job; Nestan (Nene) Kwinikadze: Techno der Jaguare; Nino Haratischwili: Die zweite Frau

Anna Kordzaia-Samadaschwili: Das historische Gedächtnis; Maka Mikeladze: Eine mit Buch und ihre erlesene Leserschaft; Ekaterine Togonidze: Der andere W-E-G; Eka Tchilawa: In den neun Hütten; Tamta Melaschwili: Killer's Job; Nestan (Nene) Kwinikadze: Techno der Jaguare; Nino Haratischwili: Die zweite Frau
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Ulrich M. Schmid legt jedem Leser den neuen, nun unter dem Titel "Techno der Jaguare" erschienenen Erzählband mit Texten von sieben jungen Autorinnen aus Georgien ans Herz. Allein die stilistische Vielfalt der begabten Schriftstellerinnen - Surrealismus, Gesellschaftskritik oder Bewusstseinsausdruck - beeindruckt Schmid sichtlich. Ob er hier in Nino Haratischwilis Kurzdrama einer vom Krebs zerfressenen Dame bei ihren letzten Tagen folgt, oder mit Maka Mikeladze beobachtet, wie einer Frau ein Buch aus dem Kopf wächst - eines steht für den Kritiker außer Frage: Diese Autorinnen sollten auch in Westeuropa mehr gelesen werden.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Ist nicht allein der Titel ein Versprechen? "Techno": laut und durchdringlich. "Jaguare": gefährlich und geschmeidig. (...) Was Techno der Jaguare zu einer Bereicherung macht, ist das Suchende, Fordernde im Ton. Auf jeden Fall möchte man mehr aus dieser Fremde lesen." NZZ AM SONNTAG"Darum geht es jetzt in der georgischen Literatur: um Anerkennung der Leistungen von Frauen im öffentlichen Raum. Deswegen hat Tandaschwili nicht nur Erzählerinnen für ihren Band ausgewählt, sondern auch Texte, in denen der Konflikt der Geschlechterrollen anklingt. Und das tut er auf literarisch außerordentlich originelle Weise." TAGESSPIEGEL"Starken Frauen begegnet man in Techno der Jaguare so einigen. (...) Mit Witz, Ironie und Scharfsinn durschauen sie die Herren, wie sie sich verzweifelt an das traditionelle Rollenbild der Frau klammern." TAZ
Besprechung von 03.03.2014
Blinde Lügner in Tbilissi
Bloß kein „Dialog der Kulturen“! Die Anthologie „Techno der Jaguare“ stellt junge Erzählerinnen aus Georgien vor
Nur selten erreichen uns Nachrichten aus Georgien, und wenn, dann meist keine guten. Das Land im Kaukasus, das sich in seiner nationalen Mythologie als „Balkon Europas“ versteht, hat seit 1991 eine Million seiner Staatsbürger durch Auswanderung verloren. Literarisch ist Georgien, das eine uralte Schrifttradition hat, bei uns weitgehend Terra Incognita geblieben. Die beiden Autoren, die wir noch am ehesten kennen, schreiben beide auf Deutsch: der großartige Giwi Margwelaschwili, der 1927 in Berlin geboren wurde, von der Roten Armee nach Georgien, in die Heimat seines von den Stalinisten erschossenen Vaters, verschleppt wurde und seit 1989 wieder die meiste Zeit in Berlin lebt; und Nino Haratischwili, die, 1983 in Tiflis geboren, mit den Romanen „Juja“ und „Mein sanfter Zwilling“ einiges Aufsehen erregte und in Hamburg zu Hause ist.
  Da ist es erfreulich, dass die Frankfurter Verlagsanstalt eine großzügig gestaltete Prosa-Anthologie herausgebracht hat, die „Neue Erzählerinnen aus Georgien“ vorstellt. Darin sind sieben Frauen zwischen dreißig und fünfzig Jahren mit sieben ausgezeichneten literarischen Texten vertreten, die allesamt nur einen einzigen Nachteil haben: dass man aus ihnen kaum etwas über Georgien erfährt.
  Man kann es den Autorinnen freilich nicht verübeln, dass sie nicht das Interesse westlicher Leser an einer Art von literarischer Landeskunde befriedigen möchten; andrerseits ist der Anspruch, über die Dichtung eines Landes auch dieses selbst ein wenig kennen zu lernen, so vermessen auch wieder nicht. Die georgische Gesellschaft spielt in den rundum stimmigen Geschichten jedoch nur eine kulissenhafte Rolle, sodass diese statt in Tbilissi genauso gut in München oder Amsterdam angesiedelt sein könnten. Laut den Biographien haben alle Beiträgerinnen des Lesebuchs irgendetwas mit universitären Genderstudien, praktiziertem Feminismus, gesellschaftlichem Kampf um Frauen- und Menschenrechte zu tun. Liest man ihre Erzählungen, kann man keine spezifisch georgischen Tönung dieser Grundfragen erkennen: Es scheint, Frauen träumen und lieben in Georgien nicht anders als in Deutschland oder Holland, und es sind auch dieselben Dinge, um die sie da wie dort kämpfen müssen.
Mit lässigem Humor erzählt Anna Kordzaia-Samadaschwili von einer gebildeten, selbstbewussten Übersetzerin, die auf einen Kongress zum Thema „Dialog der Kulturen“ geladen wird und dort aus der lähmenden Langeweile in Erinnerungen an diverse Kongressmänner flüchtet. Das ist mit scharfem Witz und doch mit nachsichtiger Freundlichkeit erzählt, was dem Text gut tut, zumal die Übersetzerin ein kleines Problem mit sich und ihrem erotischen Begehren hat: Sie verschaut sich gerne in Männer, denen sie weltanschaulich nicht unbedingt trauen kann, am neuen Kongress zum Beispiel in einen Muslim, von dem sie vermutet, dass es nicht ihre emanzipierte Selbstständigkeit sein wird, die er an ihr anziehend findet.
In einer anderen Erzählung, verfasst von Tamta Melaschwili, die am ehesten noch Fährten in die georgische Gegenwart und Vergangenheit legt, berichtet eine Auftragskillerin von ihrem ungewöhnlichen Beruf. Schon zu sowjetischen Zeiten hatte sie als Schülerin ihre männlichen Kollegen im Übungsfach „Zivilverteidigung“ an Zielgenauigkeit übertroffen, allerdings „habe ich damals Pappkameraden in Gestalt ausländischer Kapitalisten erschossen, heute, als Profikiller, erschieße ich echte einheimische Kapitalisten“. Ihre Auftraggeber sind nämlich Oligarchen, die andere Oligarchen aus dem Weg räumen wollen. Ihr Geschäft floriert, bis sie eines Tages den Auftrag erhält, die geschiedene Frau eines dieser neuen Kapitalisten zu ermorden . . .
Vielleicht die beste Erzählung des Bandes stammt von der jüngsten Autorin, Ekaterine Togonidze, von der es heißt, sie habe als erste die Diskriminierung von Behinderten in der georgischen Literatur thematisiert. Das spielt auch in ihre Erzählung „Der andere Weg“ hinein, in der sich eine junge, sehr an ihrem beruflichen Aufstieg orientierte Journalistin das Vertrauen eines blinden Bildhauers erschleicht.
  Ein Star im georgischen Kulturleben, meidet er doch jede Öffentlichkeit. Nach ein paar Besuchen steht sie ihm Modell, und wie der blinde Künstler sich nach und nach mehr als nur die Proportionen der jungen Frau ertastet, das hat die Autorin mit literarischer Sinneslust dargestellt. Allerdings geht es um mehr, nämlich um doppelten Betrug: den von ihr, die hauptsächlich an der skandalträchtigen Story interessiert ist, und den von ihm, der gar nicht blind ist, sondern diese Behinderung nur vorspielt, wobei er selbst Augenärzte zu übertölpeln vermag. Seine schlichte, nicht immer leicht zu befolgende Strategie: „selbst an seine eigene Lüge zu glauben“.
„Techno der Jaguare“, wie der Band nach einem seiner Beiträge heißt, ist eine kundig zusammengestellte Sammlung ironischer, lakonischer, spannender Geschichten. Geben wir uns damit zufrieden, dass ihre Verfasserinnen alle aus Georgien stammen, aber in Zeiten der Globalisierung nicht die Verpflichtung verspüren, dieser Tatsache fortwährend den literarischen Tribut zu zollen.
KARL-MARKUS GAUSS
„Als Profikiller erschieße ich
echte einheimische Kapitalisten“
    
  
  
Manana Tandaschwili und Jost Gippert (Hrsg.): Techno der Jaguare. Neue Erzählerinnen aus Georgien. Frankfurter Verlagsanstalt,
Frankfurt am Main 2013.
249 Seiten, 19,90 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Elise Graton zeigt sich erfreut über diesen von Manana Tandaschwili und Jost Gippert herausgegebenen Band mit Texten von georgischen Autorinnen wie Anna Kordzaia-Samadaschwili, Maka Mikeladze und Tamta Melaschwili, die in Deutschland bisher kaum bekannt sind. Der Band vermittelt in ihren Augen mit seiner gelungenen Auswahl an Kurzgeschichten sowie an Auszügen aus Romanen und Dramen einen guten Überblick über die vitale weibliche Literaturszene in Georgien. Die Texte bezeugen für Graton sowohl hinsichtlich ihres Tons als auch ihrer Genrezugehörigkeit ein breites Spektrum von lebendiger Vielfalt. Eine Gemeinsamkeit haben die Texte nach Auskunft der Rezensentin allerdings: Hauptfiguren sind allesamt Frauen. Von der sozialwirtschaftlichen Realität des postsowjetischen Georgiens ist in den Texten zum Bedauern Gratons allerdings wenig zu spüren. Dafür wird für sie deutlich, dass sich die Erfahrungen von Frauen in Ost und West in ihrem Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung doch sehr ähnlich sind.

© Perlentaucher Medien GmbH