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Sein Name steht stellvertretend für die moderne Literatur in Lateinamerika: Jorge Luis Borges. In diesen Anthologien fesselt er den Leser mit einer fremden Welt jenseits unserer Alltagserfahrungen. Nicht weniger als 120 Phantasiewesen hat der aus Argentinien stammende Autor in den jahrtausendealten Vorstellungen der Menschen entdeckt oder selbst erfunden: vom Behemoth der Bibel, den Chimären der Griechen und den Dämonen der Juden bis zu den Drachen des Fernen Ostens und dem Einhorn des Mittelalters. Ein einzigartiges Museum des Phantastischen, Beklemmenden und Absonderlichen.…mehr

Produktbeschreibung
Sein Name steht stellvertretend für die moderne Literatur in Lateinamerika: Jorge Luis Borges. In diesen Anthologien fesselt er den Leser mit einer fremden Welt jenseits unserer Alltagserfahrungen. Nicht weniger als 120 Phantasiewesen hat der aus Argentinien stammende Autor in den jahrtausendealten Vorstellungen der Menschen entdeckt oder selbst erfunden: vom Behemoth der Bibel, den Chimären der Griechen und den Dämonen der Juden bis zu den Drachen des Fernen Ostens und dem Einhorn des Mittelalters. Ein einzigartiges Museum des Phantastischen, Beklemmenden und Absonderlichen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Artikelnr. des Verlages: 505/23077
  • Seitenzahl: 664
  • Erscheinungstermin: Juli 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 129mm x 44mm
  • Gewicht: 655g
  • ISBN-13: 9783446230774
  • ISBN-10: 3446230777
  • Artikelnr.: 23797327
Autorenporträt
Borges, Jorge Luis
Jorge Luis Borges wurde 1899 in Buenos Aires geboren und starb 1986 in Genf. Sein erster Gedichtband erschien 1923. Borges erhielt zahlreiche internationale Ehrungen. Sein Gesamtwerk erscheint im Carl Hanser Verlag.
Rezensionen
Besprechung von 30.09.2008
Ein sukzessives Ungeheuer
Jorge Luis Borges’ phantastisches Bestiarium in einem Band
Der Basilisk, das Einhorn, die Chimäre, der Phönix, der sechste Kreis der Hölle, die Sphäre des siebenten Himmels, die Träume Jakobs, Nebukadnezars, Penelopes, Scipios – all diese Ausgeburten der menschlichen Einbildungskraft hat es nie gegeben, aber einst wurden sie so ernsthaft geglaubt, dass es sie auch heute noch gibt: als imaginäre Wesen, greifbar in den Überlieferungen der Folklore, der Religion, der Dichtung. Erst die Ungläubigen, die Modernen also, genießen den Vorzug, jene monströsen Gebilde einer großen Angst und einer schwachen Hoffnung mit ästhetischem Vergnügen zu betrachten. Wer ein solches Vergnügen sucht, findet es in drei Anthologien Jorge Luis Borges’. Sie versammeln Hunderte Texte über phantastische Tiere, über Himmels- und Höllenbilder, über wahre und falsche Träume. Was unmöglich ist, lässt sich immerhin als Möglichkeit erwägen. Mit Vorliebe zitiert Borges ein Gedankenspiel von Coleridge: „Wenn ein Mensch im Traum das Paradies durchwanderte, und man gäbe ihm eine Blume als Beweis, dass er dort war, und er fände beim Aufwachen diese Blume in seiner Hand – was dann?”
Wie kein anderer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts war Borges davon überzeugt, dass alles Erzählenswerte schon längst erzählt, alles Denkbare schon längst gedacht sei. Die Neuheit von Borges eigenem Werk besteht in der Wiederverwendung des Alten, im Zitat. Aus Zitaten, mit denen Borges in seinen frühen Erzählungen und Essays spielte, machte er im Spätwerk ganze Bücher. Von 1957 bis 1976 veröffentlichte er das „Buch der imaginären Wesen”, das „Buch von Himmel und Hölle”, das „Buch der Träume”, wofür er seine Quellen in China wie in Irland, in der Bibel wie bei Kafka fand. Knappe Texte, selten länger als eine Seite, alphabetisch oder nach Stichwörtern geordnet, ergänzen entlegene Fundstücke mit sparsamen Kommentaren. Der neue Band der „Gesammelten Werke” vereinigt erstmals diese drei getrennten Enzyklopädien, wodurch der innere Zusammenhang von Mythen, theologischen Konstruktionen und psychischen Energien sichtbar wird.
Obwohl Borges eine schier grenzenlose Belesenheit besitzt, sind seine „Handbücher” keine wissenschaftlichen Lexika. Wie es dem Eifer eines Liebhabers entspricht, fügen die Artikel ihre Belege so aneinander, dass sie Verwunderung und Nachdenken hervorrufen. So führt Borges die Figur des „Baldanders”, auf die er bei Hans Sachs und bei Grimmelshausen gestoßen ist, auf den Proteus der „Odyssee” zurück, auf jenen Gott, der „sich in einen Löwen, eine Schlange, einen Panther, einen riesigen Eber, in einen Baum und in Wasser verwandelt” – auch in der „Klassischen Walpurgisnacht” von Goethes „Faust” treibt er sein koboldhaftes Unwesen.
Borges verblüfft den Leser, indem er diese göttliche Figur in sein Kabinett der Monstren einreiht, deren Körperteile – etwa bei Behemoth, dem Vogel Greif oder Garuda – von verschiedenen Tierarten entlehnt sind: „Baldanders ist ein sukzessives Ungeheuer, ein Ungeheuer in der Zeit.” Ein solcher Gedankenblitz erhellt die Herkunft des Ungeheuers, von der es selbst nichts wissen darf: Hervorgebracht hat es die Phantasie, die Zeiten und Räume bevölkert, um in der Leere der physikalischen Welt dennoch Wesen zu wissen, in denen sich die Schrecken und Wünsche der Seele spiegeln. Borges’ Anthologien lassen sich wie ein Bilderbuch aus der Kindheit des Menschengeschlechts lesen.HEINZ SCHLAFFER
JORGE LUIS BORGES: Die Anthologien. Handbuch der phantastischen Zoologie. Das Buch von Himmel und Hölle, Buch der Träume. Übersetzt von Gisbert Haefs, Maria Bamberg, Ulla de Herrera und Edith Aron. Carl Hanser Verlag, München 2008. 662 Seiten. 27,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Heinz Schlaffer, emeritierter Professor für Literaturwissenschaften, begrüßt diesen neuen Band der "Gesammelten Werke" von Jorge Luis Borges, der drei Anthologien des Schriftstellers vereinigt und so Hunderte von Texten über phantastische Tiere, Himmels- und Höllenbilder, wahre und falsche Träume versammelt, die sich aus der Weltliteratur wie auch aus entlegenen Quellen speisen. Durch die Zusammenstellung wird für Schlaffer der "innere Zusammenhang von Mythen, theologischen Konstruktionen und psychischen Energien" sichtbar. Die Texte - er hebt beispielhaft den über die Figur des "Baldanders" hervor - lösen seines Erachtens beim Leser immer wieder Verwunderung und Nachdenken aus. Er bescheinigt dem Autor unglaubliche Belesenheit, sieht in den Büchern aber keine wissenschaftliche Lexika, sondern eher eine Art "Bilderbuch aus der Kindheit des Menschengeschlechts".

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