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„Die Tatsachen dagegen von dem, was im Lauf des Krieges vor sich ging, glaubte ich nicht nach Auskünften zufälliger Gewährsmänner, auch nicht nach eigenem Ermessen schildern zu dürfen, sondern indem ich alles, was ich teils selbst miterlebte, teils von anderen erfuhr, mit möglichster Genauigkeit im Einzelnen nachgeprüft habe. (…), aber wenn diejenigen, die das Vergangene genau erkennen wollen und das Zukünftige, wie es wohl gemäß der menschlichen Natur so oder ähnlich sich wiederholen wird, mein Werk nützlich finden, so wird das genügen. Als einen Besitz von dauerndem Wert, nicht für den…mehr

Produktbeschreibung
„Die Tatsachen dagegen von dem, was im Lauf des Krieges vor sich ging, glaubte ich nicht nach Auskünften zufälliger Gewährsmänner, auch nicht nach eigenem Ermessen schildern zu dürfen, sondern indem ich alles, was ich teils selbst miterlebte, teils von anderen erfuhr, mit möglichster Genauigkeit im Einzelnen nachgeprüft habe. (…), aber wenn diejenigen, die das Vergangene genau erkennen wollen und das Zukünftige, wie es wohl gemäß der menschlichen Natur so oder ähnlich sich wiederholen wird, mein Werk nützlich finden, so wird das genügen. Als einen Besitz von dauerndem Wert, nicht für den Augenblickssieg in einem Vortragswettkampf habe ich es geschrieben.“ (1,22)

Damit hat Thukydides das Credo seiner "Geschichte des Peloponnesischen Krieges" bereits genauestens umrissen: zu schildern, was „tatsächlich geschah“, und zugleich Ursachenforschung zu betreiben. Neben der Faktenchronik, die von der altgriechischen Antike bis zum Jahr 411 v. Chr. reicht, gelang ihm eine geschichtsphilosophische Reflexion, die in ihren wesentlichen Zügen noch in die heutige Zeit gespiegelt werden kann. Denn in der menschlichen Natur und den politischen Gesetzmäßigkeiten gründen die Mechanismen des Krieges – damals wie heute – und der Zweifel des Thukydides an der sittlichen Entwicklungsfähigkeit des Menschen ist noch immer nicht ausgeräumt.
  • Produktdetails
  • Verlag: marixverlag
  • Artikelnr. des Verlages: 626-00359
  • Seitenzahl: 638
  • Erscheinungstermin: September 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 232mm x 164mm x 40mm
  • Gewicht: 900g
  • ISBN-13: 9783865392510
  • ISBN-10: 3865392512
  • Artikelnr.: 29899652
Autorenporträt
Thukydides wurde um 460 v. Chr. in Athen geboren. Er war vertraut mit dem Werk Herodots, dessen Vorlesung er selbst beiwohnte. Später war er im attischen Militär als General tätig. 424 v. Chr. nahm er als Flottenkommandant am Peloponnesischen Krieg (431-404) teil. Da er den Fall der Stadt Amphipolis an den spartanischen Feind nicht verhindern konnte, wurde er für 20 Jahre aus Athen verbannt. Sein Exil verbrachte er in Thrakien, wo er den Verlauf des Krieges genau beobachtete und analysierte. Auf diese Weise schuf Thukydides sein umfangreiches Geschichtswerk. Nach Ende des Peloponnesischen Krieges (404 v. Chr.) kehrte er vermutlich nach Athen zurück, wo er um 400 v. Chr. verstarb.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 16.03.2003

Der Peloponnesische Krieg

Im Jahr 432 vor Christus gab es das Wort "Globalisierung" noch nicht. Es gab noch nicht mal richtiges Hochlatein, und es gab auch kein römisches Imperium. Alles, was es - jedenfalls in unserem Teil der Welt - gab, war (außer den paar Holzhütten, die damals "Rom" hießen, und einem Dutzend Etruskerstädte) ein langsam verfallendes persisches Landreich und ein griechisches Seehandelsreich. Letzteres gehörte den Athenern, die sich aber nichts aus Monarchen und Despoten machten; deshalb hatten sie eine Bundesgenossenschaft gegründet, die nach dem Prinzip einer Raiffeisenbank funktionierte: Die Partner - so gut wie alle ägäischen Inseln, dazu Städte und Landschaften an den Küsten ringsum - zahlen ein, Athen hütet die Kasse. Das ging eine Weile gut, dann merkten die Genossen, daß sie meistens viel mehr einzahlten, als sie herausbekamen. Also bildete sich Gegendruck. Dessen Epizentrum war Sparta, wo die hellenische Tradition gehütet wurde und Männer mit Eisenmuskeln und kurzen Röcken Blutsuppe aßen und ihre Frauen schlugen. Also doch das alte Spiel: Regionalismus versus Globalisierung. Und das 432 vor Christus! In diesem Jahr also geraten sich zwei neutrale Mächte, Korinth und Kerkyra, in die Haare und rufen Athen respektive Sparta zu Hilfe. Und dann geht der Höllentanz los: Sommerfeldzüge, Winterfeldzüge, Seeschlachten, Landschlachten, Blockaden und Belagerungen, dazu alle Arten von Verrat, Verschwörung, Lynchjustiz, Massaker und obendrauf noch Pest und Hunger. Nach knapp dreißig Jahren, im Jahr 404, sind die Athener am Boden, die siegreichen Spartaner ausgeblutet, die griechische Klassik ist vorbei, und es beginnt die Zeit der Philosophen, der Sinndeuter des großen Unheils. Wir wüßten wenig von alledem, hätte nicht Thukydides, ein Offizier aus Athen, den seine Landsleute ins Exil geschickt hatten, diesen "Peloponnesischen Krieg" aufgeschrieben und damit die moderne Geschichtsschreibung begründet. Thukydides war ein Mann, der sich lieber auf Fakten als auf Sagen stützte, der mit Augenzeugen sprach und Dokumente abschrieb, und so liest sich auch sein Buch: nüchtern, knapp, mit einer kalten Sachlichkeit berichtend, unter der bisweilen dunkle Feuer aus Mitleid, Empörung und Trauer aufglühen. Unvergeßlich die Abschlachtung der Gefangenen von Plataiai, die nach dem Untergang ihrer Stadt um ihr Leben bitten; als Antwort wird jeder der Gefangenen gefragt, ob er Sparta und seinen Kriegsgenossen auf irgendeine Weise gedient habe, und "so oft einer mit Nein antwortete, ließen sie ihn abführen und hinrichten, und niemanden verschonten sie." Auch das Buch verschont niemanden; es ist die erste kritische Studie über den Wahnsinn des Menschen. Man muß es einfach lesen.

Andreas Kilb.

Thukydides: "Der Peloponnesische Krieg". Philipp Reclam Jun. 2000. 865 Seiten. 15,10 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Eine Thukydides-Übersetzung ist ein Jahrzehntprojekt, doch dieses hat sich gelohnt. Die neue Übersetzung ist, ohne dass sie diejenige von Landmann überflüssig macht, ein großer Gewinn."
Wolfgang Will in: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-26253