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Die 150 aus vorchristlicher Zeit stammenden hebräischen Psalmen - Gedichte, Gebete, Jubelgesänge und Verzweiflungsschreie - gehören zum universalen Kulturgut der Menschheit. Sie sind präsent im Zitatenschatz unserer Dichter und Schriftsteller, in Redewendungen und Redensarten, in Sentenzen und Sprichwörtern. Vertont wurden sie von fast allen großen Komponisten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Die vorliegenden Meditationen dienten dem Autor der Selbstverständigung eines Philosophen und Christen im meditativen Umgang mit dem Psalter. Sie erheben keinen wissenschaftlichen Anspruch und…mehr

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Produktbeschreibung
Die 150 aus vorchristlicher Zeit stammenden hebräischen Psalmen - Gedichte, Gebete, Jubelgesänge und Verzweiflungsschreie - gehören zum universalen Kulturgut der Menschheit. Sie sind präsent im Zitatenschatz unserer Dichter und Schriftsteller, in Redewendungen und Redensarten, in Sentenzen und Sprichwörtern. Vertont wurden sie von fast allen großen Komponisten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Die vorliegenden Meditationen dienten dem Autor der Selbstverständigung eines Philosophen und Christen im meditativen Umgang mit dem Psalter. Sie erheben keinen wissenschaftlichen Anspruch und argumentieren nicht. Sie gehen von der Erfahrung aus, dass das Ergebnis der Selbstverständigung im Umgang mit diesen alten Texten auch anderen hilfreich sein kann, die sich auf ähnlichen Wegen befinden.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klett-Cotta Verlag
  • Seitenzahl: 400
  • Erscheinungstermin: 3. März 2014
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783608106930
  • Artikelnr.: 40152575
Autorenporträt
Robert Spaemann, geboren am 5. Mai 1927 in Berlin, studierte Philosophie, Romanistik und Theologie in Münster, München und Fribourg. Von 1962 bis 1992 lehrte er Philosophie an den Universitäten in Stuttgart, Heidelberg und München, wo er 1992 emeritiert wurde. Robert Spaemann hatte zahlreiche Gastprofessuren inne, erhielt mehrere Ehrendoktorwürden und war 2001 der Träger des Karl-Jaspers-Preises der Stadt und der Universität Heidelberg. Robert Spaemann, einer der führenden konservativen Philosophen im deutschsprachigen Raum, starb am 10. Dezember 2018.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 08.03.2014

Gottlose sind unbedeutender als eine Amöbe?

Das messianische Zeitalter ist längst angebrochen: Robert Spaemann liest die Psalmen mit griechischer Weisheit und christlicher Tugend.

Von Christoph Markschies

Robert Spaemann hat "Meditationen" zum ersten Drittel der biblischen Psalmen vorgelegt; "Gedanken eines offenbarungsgläubigen Christen und vernunftgläubigen Philosophen", wie es in der Vorrede heißt. Dass diese Betrachtungen ein Christ geschrieben hat, daran kann überhaupt kein Zweifel sein: Spaemann liest diese Texte im Bewusstsein, dass das messianische Zeitalter längst angebrochen ist und daher Christus der exemplarische Beter der Psalmen ist. Damit erneuert der Philosoph einen überaus traditionellen theologischen Zugang, sich einem biblischen Text zu nähern, der sowohl im Judentum als auch im Christentum kanonische Bedeutung hat.

Von neueren Versuchen in der christlichen Theologie beider Konfessionen, dieser doppelten Rezeptionsgeschichte Rechnung zu tragen und ursprünglich jüdische Texte mit Blick auf das Judentum auszulegen, sind Spaemanns Meditationen weit entfernt. Dazu passt, dass auch die sprachliche Basis ganz traditionell ist; Spaemann verwendet als Basis die Allioli-Bibel, die im neunzehnten Jahrhundert entstandene, erste päpstlich lizensierte katholische deutsche Bibelübersetzung aus der Vulgata, der lateinischen Bibelübersetzung der Spätantike. Gelegentlich zieht er auch die Vulgata selbst heran. Hier versucht einer eine traditionell katholische Lektüre des Psalters als Gebetbuch der Christenheit.

Lässt sich auch erkennen, dass ein vernunftgläubiger Philosoph über die biblischen Texte meditiert? Gleich beim ersten Psalm wird der Rat, nicht bei den gottlosen Spöttern zu sitzen, sondern Lust am Gesetz des Herrn zu haben, auf die Forderung Jesu bezogen, im Angesicht des nahen Gottesreiches umzukehren. Da spricht also der offenbarungsgläubige Christ. Dann werden die Gottlosen näher in den Blick genommen. Das sind nach Spaemann Menschen, die sich selbst zum Mittelpunkt machen und deswegen "einen babylonischen Turm bauen". Die Folgen sind drastisch: "Da entsteht babylonische Verwirrung."

Der vernunftgläubige Philosoph verwendet also zur Beschreibung von Agnostizismus und Atheismus biblische Metaphern. Und außerdem hält er Gottlosigkeit für eine unvernünftige Haltung, die letztlich auf amoralische Konsequenzen führt: Es droht aufgrund von Selbstbezogenheit Selbstsucht. So kann man das natürlich sehen. Aber eine solche Mixotheologiaphilosophia tendiert dazu, herunterzuspielen, was in dieser Welt alles dafür sprechen könnte, nicht mit der Existenz eines Gottes zu rechnen. Spaemann in Auslegung des ersten Psalms: Der Gottlose schrumpft "an Bedeutung unter die Amöbe". Darf man es sich so einfach machen? Sind nicht auch jene, die die Psalter beten, immer wieder die Gottlosen, von denen der Psalter spricht? Und müssen nicht gerade sie ermahnt werden, Lust am Gesetz des Herrn zu haben?

Vor dem Hintergrund der Mixotheologiaphilosophia von Spaemann wird zu wenig deutlich, dass es selbstverständlich auch unter Christenmenschen Selbstsucht gibt - die theologische Tradition nennt das Sünde und schenkt dem Phänomen beträchtliche Aufmerksamkeit. Natürlich ist solcher Vorbehalt gegen eine unziemliche Vermischung von Theologie und Philosophie nicht das einzige Gefühl, das einen Protestanten bei der Lektüre der Meditationen beschleicht. So wie Spaemann die biblische Formulierung "Lust am Gesetz des Herrn" in seinen Betrachtungen zum ersten Psalm umschreibt, ist sein ganzes Buch: Er versenkt sich in die Bilderwelt des Psalters wie ein Dirigent in eine Partitur, aus der er einen Klavierauszug herstellen möchte: Manche Melodiefiguren werden nur zart auf dem Klavier angedeutet, andere in einen vollständigen vierstimmigen Satz übertragen.

Da lebt einer aus und in dieser biblischen Bilderwelt, gewiss. Aber er lebt in der ungebrochenen Tradition christlicher Auslegung seit ihren Anfängen. Immer wieder deutet Spaemann beispielsweise Passagen mit Hilfe des spätantiken Theologen Augustinus oder glaubt das jedenfalls: Der Gottlose ist "in sich verkrümmt". Spaemann führt das in einer erläuternden Klammer auf Augustinus zurück. In Wahrheit ist das aber eine Formulierung Luthers, die jener von Tauler und Bernhard von Clairvaux übernahm, freilich auf Nichtglaubende wie Glaubende bezog. Bei Augustinus ist sie allenfalls der Sache nach belegt.

Zwei Gemeinschaften, Civitas Dei und Civitas terrena, strukturieren wie beim Bischof von Hippo die Weltgeschichte. Natürlich kann einem gelehrten Menschen solches bei der Betrachtung des Psalters einfallen. Aber es erstaunt doch, wie harmonisch hier Gegenwart und Tradition, Glaube und Vernunft zusammenpassen. Die großen Störungen dieser traditionsreichen Ehe aus Geschichte und Gegenwart sind kaum Thema; dass manche die Ehe für längst gescheitert halten, scheint Spaemann nicht wirklich zu erschüttern. Gelegentlich argumentiert Spaemann ausführlicher gegen die, die nicht unter dem Eindruck seiner großen Synthesen leben. Dann spricht eher der Philosoph und wirbt dafür - beispielsweise bei seiner Meditation über den berühmten dreiundzwanzigsten Psalm -, in der freien Selbstbestimmung des Menschen nur ein Mittel zu sehen und nicht das Ziel: "Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, wir müssen uns nach ihr richten."

Am besten tun wir das nach Spaemann, in dem wir dem guten Hirten Christus folgen. Dort findet man, wie es sich schon die Neuplatoniker (und in ihren Bahnen Augustinus) dachten, Heimat. Wenn aber so argumentiert wird, dann führt das auch wieder auf eine Ehe, an deren Erfolg nicht mehr sehr viele glauben: auf die klassische alte große Synthese von Platonismus und Christentum: Spaemann weiß, dass auch Platon den gerechten König mit einem Hirten vergleicht. Seiner Ansicht nach steigert Christus den platonischen Gedanken "ins Absolute".

Natürlich kann man zur Johannespassion Johann Sebastian Bachs einen Klavierauszug erstellen. Dazu muss man sich tief in die originale Partitur versenken. Und Bach auf dem Konzertflügel kann stellenweise ganz wunderbar klingen. Aber es ist eben doch eine Art und Weise, sich der Musik zu nähern, die charakteristisch für eine bestimmte, vergangene Epoche war. Damit ist über ihr Recht nichts entschieden, aber etwas über ihre Grenzen gesagt.

Robert Spaemann: "Meditationen eines Christen". Über die Psalmen 1 - 51.

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2014. 416 S., 2 Bde., geb., 49,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Niklaus Peter lobt Robert Spaemanns Psalmenauslegung für ihre genaue Interpretation und ihren weiten Horizont. Geistesgeschichtliche Bezüge von Platon bis Pascal eröffnen dem Rezensenten weitreichende Perspektiven, etwa, wenn es um die Erfahrung des Bösen geht. Die vom Philosopen Spaemann vorgenommene Engführung der Psalmenlektüre, nämlich von seinem katholischen Glauben her, gefällt Peter weniger gut. Eine historisch-kontextuell und semantisch sensible Auslegung, die etwa auch die jüdische Auslegungstradition berücksichtigt, hätte er für adequater gehalten.

© Perlentaucher Medien GmbH
»Wer sich die Schönheit und Exklusivität des überkommenen christlichen Weltbilds - sei er nun gläubig oder ungläubig - authentisch vergegenwärtigen will, dem sei dieses Werk dringend zur Lektüre empfohlen.« Prof. Dr. Volker Knapp, Landshuter Zeitung, 13.8.2016 »Robert Spaemann hat im hohen Alter ein Werk vorgelegt, das ihn auf der Höhe seines Könnens zeigt und nachgerade therapeutische Qualität aufweist. Man wird einmal staunend stehen vor diesem Buch, das so gottfernen Zeiten entstammt und doch zum Kanon der großen geistlichen Literatur zählt.« Urs Buhlmann, Die Tagespost, 15.10.2016