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ÜBER DEN AUTOR Henning Patzner (geboren 1973) ist Trainer für Kreativität und Innovation. Er ist für namhafte nationale und internationale Unternehmen tätig. Seine Schwerpunkte sind Kreativitätstrainings, Innovations-, Produktentwicklungs- und Ideenfindungs-Workshops für Führungskräfte und Teams aus allen Branchen. Als Regisseur, Texter, Creative Director und Kreativgeschäftsführer sammelte er fast 20 Jahre lang Erfahrungen in der Kreativbranche. Bei preisgekrönten Werbeagenturen wie Jung von Matt, Saatchi & Saatchi, Grabarz & Partner, Scholz & Friends und Serviceplan war er mitverantwortlich…mehr

Produktbeschreibung
ÜBER DEN AUTOR
Henning Patzner (geboren 1973) ist Trainer für Kreativität und Innovation. Er ist für namhafte nationale und internationale Unternehmen tätig. Seine Schwerpunkte sind Kreativitätstrainings, Innovations-, Produktentwicklungs- und Ideenfindungs-Workshops für Führungskräfte und Teams aus allen Branchen.
Als Regisseur, Texter, Creative Director und Kreativgeschäftsführer sammelte er fast 20 Jahre lang Erfahrungen in der Kreativbranche. Bei preisgekrönten Werbeagenturen wie Jung von Matt, Saatchi & Saatchi, Grabarz & Partner, Scholz & Friends und Serviceplan war er mitverantwortlich für viele erfolgreiche Marketing-Kampagnen zahlreicher Unternehmen, unter anderem für Autokonzerne, Banken, Fernsehsender, Internet- und Softwarefirmen und Start-ups. Er betreute bereits über 75 Top-Marken und gewann über 150 nationale und internationale Kreativpreise und Auszeichnungen.
Für seine kreativen Leistungen wurde er 2009 in den Art Directors Club Deutschland aufgenommen. Im selben Jahr ließ er sich an der BRIDGEHOUSE Academy in Berlin zum Trainer ausbilden. 2013 bestand er den Zertifikatskurs "Chief Innovation Manager" der RWTH Aachen.
Henning Patzner ist gelernter Bankkaufmann, studierte bis zum Vordiplom BWL an der Universität Bayreuth und absolvierte sein Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.

Er ist Betreiber des Blogs www.creativeexplosion.de.
Seine Website lautet www.henningpatzner.com.

VORWORT
Immer wieder hört man, dass Kreativität der Rohstoff des 21. Jahrhunderts sei und dass Unternehmen sich kreativ und innovativ aufstellen sollen.
Was aber genau ist eigentlich Kreativität? Und kann irgendjemand behaupten, er wüsste, wie sie entsteht und wo?
Die einen sagen, unter der Dusche durch Eingebung. Die anderen behaupten, am Schreibtisch durch harte Arbeit.
Es gibt eine alte Redewendung, die besagt, dass sich die Alten Perser in betrunkenem Zustand beraten haben, um dann in nüchternem Zustand zu beschließen. Im Prinzip also nichts anderes, als die Ungezwungenheit beim Duschen und das spätere Überprüfen am Schreibtisch. Haben vielleicht beide Recht?
Ja. Denn Kreativität braucht nicht nur Flügel zum Fliegen, sondern immer auch ein Fahrgestell zum Landen.
Und genau darum geht es hier in diesem unterhaltsamen und lehrreichen Buch. "Creative Explosion" hangelt sich spielerisch am kreativen Prozess entlang und versucht dabei nicht, Kreativität durch Analyse zu entzaubern. Im Gegenteil. Es zeigt Wege auf, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, um die wundervolle Kraft von Kreativität und Innova-tion zu entfesseln.
Viel Spaß beim Lesen!
Alex Schill,
Global Chief Creative Officer bei der Serviceplan Gruppe für innovative Kommunikation GmbH & Co. KG

EINLEITUNG
Vor mehreren Jahren lernte ich einen begnadeten Kreativdirektor kennen. Er war etwas verrückt, aber auch jemand, der für seine Ideen brannte und Himmel und Hölle in Bewegung setzte, damit diese auch umgesetzt wurden. Und eines Tages, als irgendeine großartige Idee von ihm mal wieder von irgendjemandem abgeschossen wurde, hatte er einen unverschämt genialen Gedanken: Er ging mit einem Werkzeugkasten an seinen alten Opel Corsa und riss die Handbremse heraus. Damit ging er ins Atelier und sprühte sie mit goldener Farbe ein. Und da war sie: die goldene Handbremse, der neue Negativpreis für Innovationsverhinderer! Ein Wanderpokal, der regelmäßig an den größten Zauderer, Zweifler oder eben die größte Innovationsbremse verliehen wurde. Eine bissige Laudatio gab's von ihm noch dazu.
Und der neue Pokal zeigte Wirkung. Im Umfeld des etwas verrückten Kreativdirektors wollte niemand diesen Preis überreicht bekommen, und plötzlich entstanden in seiner Abteilung viel weniger Rohrkrepierer, dafür umso mehr großartige kreative Explosionen.
Zugegeben: Die goldene Handbremse hat ganz schön polarisiert und irgendwann wurde sie in die Mülltonne geworfen. Dennoch: Das Beispiel zeigt, dass kreative Explosionen von Teamleitern herbeigeführt werden können. Und das ist wunderbar. Denn sie sind das Fundament für einzigartige Ideen, Produkte und bahnbrechende Innovationen.
Dieses Buch soll Führungskräften zeigen, wie man mit seinem Team nicht nur Funken schlägt, sondern immer wieder solche kreativen Explosionen erzeugt. Es soll zeigen, wie geniale Ideen im Team entstehen, wie man sie erfolgreich durch den langen Kreativ- und Innovationsprozess steuert und die chronischen Bedenkenträger dafür begeistert. Denn bevor eine Idee in einem Unternehmen realisiert wird, muss sie noch von Strategen, Marktforschern, Controllern und Risikoanalysten genehmigt werden. Und weil es einfacher ist, eine Idee abzuschießen als an sie zu glauben, sterben großartige Ideen viel zu oft einen frühzeitigen Tod. Sie verpuffen lautlos, bevor sie richtig zünden können. Als Innovationsbegeisterter muss man sich gegen so eine Entwicklung wehren! Im Folgenden möchte ich Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie das am besten angehen können.
Noch ein paar Dinge vorab:
Kreativ- oder Innovationsprozesse werden in den verschiedensten Branchen völlig unterschiedlich definiert. Dennoch, egal ob Sie in der konservativen Stahlindustrie oder bei einem hippen Spiele-Software-Unternehmen arbeiten: Es gibt eine gemeinsame Metaebene.
Ich möchte mich mit Ihnen an den folgenden Ideenphasen entlang hangeln: der Ideengenerierung, der Ideenpräsentation, der Ideenbewertung und der Ideenumsetzung. Als Basis dafür braucht man ein gut aufgestelltes Ideenteam und eine befruchtende Innovationskultur. Nach diesen sechs Parametern ist dieses Buch aufgebaut.
Meine geistige Heimat ist die Werbung und das Marketing. Aus dieser Ecke werden also ein paar mehr Anekdoten kommen. Aber das hat ja auch was Gutes, denn Werbung ist plakativ, und deshalb werden Ihnen die Beispiele sofort einleuchten und Sie werden sie schnell auf Ihr Berufsfeld übertragen können. Manchmal schreibe ich auch ein bisschen überspitzt in stereotypischen Bildern. Wir alle wissen jedoch, dass man Menschen nicht in Schubladen stecken kann. Die gelegentliche Übertreibung soll nur der Vereinfachung dienen. Um die Persönlichkeitsrechte aller in diesem Buch erwähnten Personen zu wahren, habe ich manchmal Vor-, Orts- und Ländernamen geändert. Ach ja, Patentlösungen in Sachen Kreativität und Innovation werde ich Ihnen in diesem Buch nicht präsentieren. Ich glaube nämlich nicht, dass es sie gibt.
Danke an die zwölf Damen und Herren aus den unterschiedlichsten Branchen, die nach jedem Kapitel noch einmal wichtigen Input liefern. Und danke an alle Fotobeiträge der verschiedenen Unternehmen und Einzelpersonen! Bitte lesen Sie ganz hinten im Buch auch die Details dazu.
Und los geht's!
Henning Patzner
München, September 2014

DAS IDEENTEAM
STANDORTBESTIMMUNG: DIE UNTERSCHIEDLICHEN KREATIVPROZESSTYPEN
Während der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010 ließen der Ölkonzern BP und die US-Regierung nichts unversucht, das verflixte Ölleck zu stopfen. Es musste eine geniale Idee her, um den gewaltigen Ölstrudel tief unten im Meer zu stoppen. Also trommelte man einen Thinktank zusammen, der aus 20 hochdekorierten Wissenschaftlern, Forschern und Ingenieuren bestand. Und wissen Sie, wer auch eingeladen wurde? Der etwas verrückte und diktatorisch veranlagte Hollywood-Erfolgsregisseur James Cameron. Also jemand, der vor zig Jahren englische Literatur studiert hatte und Handys, die während einer Filmaufnahme klingeln, auch gerne mal an die Studiowand tackert. Dennoch dachte man sich, seine einzigartige Tauchfahrtexpertise mit seiner eigenen U-Boot-Flotte könnte die anderen Teammitglieder vielleicht dazu inspirieren, eine Lösung für das Desaster zu finden.
James Cameron in dieses Gremium zu berufen, war eine waghalsige, aber gute Entscheidung. Wahrscheinlich war es am Ende nicht er, der un-mittelbar zur Lösung beigetragen hat, aber in der Gruppe war er ein besonderer Farbtupfer, der durch seine Art für positive Irritationen sorgte. Und genau das ist ja das Schöne an gemischten Teams.
Als Führungskraft wird man immer wieder darauf hingewiesen, dass man in Innovationsprozessen auf solche gemischten Teams setzen soll, und in manchen Branchen klappt das auch richtig gut. Ein Entwicklungsingenieur eines Autokonzerns tut beispielsweise gut daran, regelmäßig mit Designern, Maschinenbauern und Programmierern zu brainstormen. Er hat das Glück, dass er eigentlich in fast allen Phasen des Innovationsprozesses gebraucht wird. Aber manchmal ist das abteilungsübergreifende Arbeiten nicht so einfach. Schauen wir noch mal nach Hollywood: Hier ist der Kameramann am Ende des Kreativprozesses von essenzieller Bedeutung, aber während der Drehbuch-entwicklung wird er eher sporadisch nach seiner Meinung gefragt.
Jeder von uns hat in innovativen Prozessen eine Standortbestimmung. Das entscheidet oft die Branche, unsere Ausbildung, unsere Job Descrip-tion und die Länge und Tiefe des jeweiligen Pro-zesses. Manche von uns dürfen von vorne bis hinten dabei sein und manche sind nur auf ganz bestimmte Phasen spezialisiert. Im besten Fall arbeiten trotzdem alle Beteiligten gemeinsam miteinander.
Wie bei der legendären US-Serie "Das A-Team"!
Ganz oberflächlich betrachtet besetzt hier jeder einzelne Protagonist mehr oder weniger eine Phase des Kreativprozesses:
Im Hintergrund agierend, aber immer das große Ganze im Kopf habend, ist der STRATEGE. Beim A-Team ist das Colonel John Smith, der den Spitznamen Hannibal trägt. Er sammelt die Informationen und gibt die Richtung vor. Dann gibt es Murdock. Er scheint etwas verrückt oder sogar wahnsinnig zu sein. Die Strategie von Hannibal hat er verstanden und sofort macht er darüber Witze. Seine wirren Gedanken nerven und sind oft noch viel zu abstrakt. Trotzdem können sie inspirieren. Murdock ist ein typischer IDEENGENERIERER. Der Dritte im Bunde ist der charmante Face. Er wandelt die verrückten Ideen oft in Lösungen um. Er besorgt die Details und hat am Entwickeln Spaß. Face liebt das Funktionale und handelt gern. Er ist ein typischer IDEENOPTIMIERER. Zu guter Letzt gibt es noch B.A. alias Mr. T. B.A. fackelt nicht lange herum. Er packt an und tut das, was Hannibal und Face von ihm wünschen. B.A. ist ein typischer MACHER.
Jeder von den Vieren hat eine ganz klare Aufgabe und weiß genau, wo er im Team steht. Wenn's drauf ankommt, arbeiten sie alleine, weil sie die Besten in ihrer jeweiligen Kategorie sind. Aber meistens arbeiten sie integriert und abteilungsübergreifend.
Jeder in Ihrem Team fühlt sich zu irgendeiner Phase im Kreativprozess besonders hingezogen. Ist man gut darin, den Kern der Aufgabenstellung zu formulieren und zu vermitteln? Oder ist man jemand, der mit seinem Wesen andere inspiriert? Oder ist man eher ein Ideenoptimierer? Oder doch vielleicht ein Machertyp? Oder ist man vielleicht etwas völlig anderes jenseits des A-Team-Schemas? Ein geborener Ideenvermarkter? Ein genialer Ideenschützer? Oder doch ein Vollblut-Marktforscher? Die eigene Standortbestimmung sollte man kennen. Und am besten, man fühlt sich in dieser Rolle richtig wohl. Aber ganz wichtig: Haben Sie und Ihr Team Zugriff auf alle unterschiedlichen Kreativprozesstypen? Denn ohne Strategie keine Kreation. Und was gibt es für den Macher zu tun, wenn es keine Kreation gibt? Der Einfachheit halber möchte ich mich in diesem Buch auf die vier Kreativprozesstypen Hannibal, Murdoch, Face und B.A. beschränken: also den STRATEGEN, den IDEENGENERIERER, den IDEENOPTIMIERER und den MACHER. Diese vier Standortbestimmungen decken die vielen verschiedenen Phasen des Kreativprozesses gut ab und wir werden in diesem Buch immer wieder auf diese vier Typen zurückkommen.

FUNKTIONSBESTIMMUNG: DIE UNTERSCHIEDLICHEN IDEENFINDUNGSTYPEN
Als ich in der Werbebranche als Texter bei Jung von Matt angefangen habe, hatte ich Riesenglück. Denn eines Tages kam mein Chef und sagte: "Henning, das ist Michael, dein neuer Ausdenkpartner!" Und es folgte eine super Zeit. Michael und ich blieben sehr lange ein Ausdenkpaar. Wir ergänzten uns prima, gewannen viele neue Kunden und Kreativpreise. Dann trennten sich unsere Wege und ich bekam einen neuen Partner: Nennen wir ihn Volker. Und der war ein helles Köpfchen, liebenswert und talentiert - aber gemeinsam brachten wir nichts auf die Reihe. Wir hatten zwar tonnenweise Ideen, aber selten waren sie für die Aufgabenstellung hilfreich.
Und jetzt die spannende Frage: Wie kann es eigentlich sein, dass wir mit manchen Menschen richtig kreativ und produktiv sein können und mit anderen gar nicht, obwohl man sich eigentlich prima versteht?
Eine mögliche Erklärung liefert ein schlaues psychologisches Modell. Die Sozialpsychologen Peter V. Zysno und Ari Bosse von der RWTH Aachen wollten herausfinden, wie man den kreativen Output von Gruppen steigern kann. In Gruppen kann es nämlich zu folgendem Problem kommen (ich zitiere jetzt mal direkt aus der Pressemitteilung):
"Gruppenarbeit ist so lange ineffektiv, wie die Gruppen einfach bunt durcheinandergewürfelt werden. Wenn solche Gruppen dann zum gemeinsamen Brainstorming aufgerufen werden, hemmt die Gruppendynamik eher die Kreativleistungen der einzel-nen Mitglieder."
Das nun folgende Modell, mit dem sich die beiden Wissenschaftler und ihr Team beschäftigt haben, verdeutlicht, dass der relevante Output in Ausdenk-Sessions effektiver werden kann, wenn ganz bestimmte Rollenfunktionen im Team relativ ausgewogen verteilt sind, nämlich die des Ideators, die des Modulators und die des Animators.?Wenn man diese Rollenfunktionen berücksichtigt und weiß, zu welchem "Ideenfindungstyp" die Teilnehmer der Brainstorm-Session tendieren, ist es möglich, die jeweilige Gruppendynamik zu steigern, so die Forschungsergebnisse. Mir gefällt dieses Modell sehr und ich glaube daran. Daher habe ich die Bezeichnungen Ideator, Modulator und Animator für meine weiteren Ausführungen übernommen.
Bevor ich nun weiter auf die Verbesserung von Ausdenk-Sessions eingehe, bitte ich Sie, den folgenden von mir aus persönlichen Erfahrungs- und Einschätzungswerten entwickelten Test zu machen, der sich der von Zysno und Bosse entwickelten Begrifflichkeiten bedient. Mit dem Test können Sie herausfinden, zu welchem Ideenfindungstypen Sie am ehesten neigen.
Und hier kommt die Empfehlung und Erkenntnis der Psychologen:
"Zysno und Bosse unterscheiden […] grundsätzlich drei Rollenfunktionen: Der Ideator generiert schnell viele Ideen. Der Modulator kann diese Ideenimpulse aufnehmen, weiter ausspinnen und konkretisieren. Der Animator hat selbst eher weniger Ideen, kann aber zwischen den Ideengebern vermitteln und diese motivieren. So setzen alle Mitglieder arbeitsteilig in ihren Funktionen einen wirklich kreativen Gruppenprozess in Gang."
Aus eigener Erfahrung kann ich dieses Modell nur bestätigen. Im Folgenden möchte ich es nun mit eigenen Überlegungen anreichern, erweitern und ergänzen:
Eine zündende Idee ist nichts anderes als ein geniales Tor im Fußball: Von irgendwo her kommt ein Impuls (Flanke) und - zack! - nimmt ein anderer diesen Gedanken auf und formt eine brillante Idee daraus (Fallrückzieher, Volleyschuss oder Kopfballtor).
Der Ideator ist beim Brainstorming der Impulsgeber, der Modulator ist derjenige, der diesen Einfall auf den Punkt bringt beziehungsweise perfektioniert. Der Animator vermittelt zwischen den beiden, motiviert sie und peitscht beide konstruktiv auf das Ziel ein. In Kreativitätstrainings veranschauliche ich das gerne mit den schönsten Fußballtoren der Welt. Ein Beispiel aus der Bundesliga: Lahm (Ideator) flankt auf Müller (Modulator). Der zieht ab und schießt ein Tor. Beide jubeln sie Pep Guardiola, dem Trainer (Animator), am Spielfeldrand zu. In Ausdenk-Sessions ist das nicht anders. Einem genialen Tor geht meistens ein geniales Passspiel voraus. Und mehrere Spieler können maßgeblich an einem einzigen Tor beteiligt sein. (Deshalb sollte man nicht nur die Torschützen feiern, denn das könnten im schlechtesten Fall auch nur Abstauber gewesen sein. Franz Beckenbauer ist beispielsweise die deutsche Fußball-Ikone schlechthin und das, obwohl er gar nicht so viele Tore geschossen hat. Für den HSV traf er sogar nie. Dafür war er ein begnadeter Motivator und Torvorbereiter.)
Genauso war es zwischen mir und Michael. Ich (Ideator) schoss meistens die Flanken, Michael (Modulator) köpfte rein, und unser Vorgesetzter (Animator) trieb uns an. Er vermittelte, motivierte oder schlichtete.
Als ich dann später mit meinem neuen Partner Volker Ideen generierte, schoss er meine Flanken wieder zurück. Denn auch er war ein Ideator wie ich. Keiner von uns traf ins Tor. Wir spielten uns nur spektakuläre Pässe zu. Michael hatte übrigens auch Pech mit seinem späteren neuen Ausdenkpartner. Denn der war, genauso wie Michael, ebenfalls ein Modulator. Hier standen also zwei Kopfballungeheuer vor dem Tor. Aber von nirgendwo kam die Flanke.
Jeder Ihrer Mitarbeiter hat in Brainstorm-Sessions einen natürlichen Hang zu einem dieser drei Ideenfindungstypen. Finden Sie heraus, welcher Mitarbeiter welchem Typen entspricht. Und Sie sollten auch wissen, zu welchem Typen Sie selbst neigen. Sind Sie eher der furchtlose Drauflos-Denker (also ein Ideator) oder eher der knallharte Vollstrecker und Verwandler (also ein Modulator)? Oder eher der Diplomat, Motivator und Visionär, der regelmäßig die ganze Truppe auf seine Ziele einschwört (also ein Animator)? Behalten Sie aber immer auch Folgendes im Hinterkopf: Wenn der Test beispielsweise sagt, dass Sie eher zum Typ Ideator tendieren, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie nicht auch sehr gut modulieren oder animieren können. Denn ein Thomas Müller schießt zwar viele Tore, aber genauso gut kann er auch geniale Flanken schießen.
In Thinktanks kommt es also auf die Mischung an. Denn: Ein Team, das nur aus Ideatoren besteht, wird zwar geniale Ideen haben, aber meistens verfehlen diese die Aufgabenstellung. Ein Team, das nur aus Modulatoren besteht, wird ergebnis- und lösungsorientierte Vorschläge hervorbringen, die aber meistens nicht kreativ sind. Und ein Team, das nur aus Animatoren besteht, hatte zwar einen schönen harmonischen Tag, aber der Ideen-Output wird gering sein.
Nun noch ein paar Anmerkungen zu den drei verschiedenen Ideenfindungstypen, so wie ich sie persönlich kennengelernt habe und überspitzt beschreiben würde:

DER IDEATOR
Wenn Ihre Testauswertung ergeben hat, dass Sie ein Ideator sind, dann halten Sie sich für kreativ. Vermutlich sind Sie noch relativ jung oder jung geblieben. Politisch stehen Sie eher links als rechts. Und wenn Sie durch und durch sarkastisch sind, dann haben Sie vielleicht sogar "Die Partei" gewählt. Mit Gott haben Sie's nicht so. Alles, was konservativ ist, befremdet Sie. Sie würden sich als mutig und waghalsig beschreiben. Außerdem sind Sie systemkritisch und nicht ortsgebunden. Und es ist momentan auch nicht Ihr Ziel, ein Leben lang in derselben Firma zu arbeiten. Wenn morgen ein Job-Angebot aus Hongkong oder einem anderen spannenden Flecken der Welt kommen würde, würden Sie sofort die Koffer packen.
Unter den Ideatoren gibt es teilweise richtig krasse Typen, die ich manchmal auch gerne "kreative Extremisten" nenne. Diese besonderen Charakterköpfe würde ich folgendermaßen beschreiben:
Richtig stark ausgeprägte Ideatoren kündigen ihren Arbeitsvertrag beispielsweise nicht einfach so, sondern machen eine Show daraus. So hatte ich mal einen Kollegen, der seine Kündigung ans schwarze Brett pinnte. Ein anderer Kollege stellte sich auf den Firmenbalkon und teilte seine Kündigung via Megafon der ganzen Nachbarschaft mit. Stark ausgeprägte Ideatoren haben chaotische Schreibtische, sie können vor 10 Uhr gar nicht anfangen zu arbeiten und werden spätestens mit 40 Jahren mit der Frage konfrontiert, ob sie jemals erwachsen werden wollen. Stark ausgeprägten Ideatoren wird ein Hang zu Alkohol und Drogen nachgesagt. In der Liebe tun sie sich schwer, und wenn eine Beziehung in die Brüche geht, geht die Welt unter. Auf Weihnachtsfeiern überschreitet dieser Menschenschlag gerne die rote Linie und noch drei Jahre später wird darüber gesprochen. Doch verstehen Sie das nicht falsch! Die meisten "kreativen Extremisten", die ich kennengelernt habe, sind liebenswürdige Menschen. Ich hatte Kunden, die nach dem Meeting noch unbedingt an den Büros der "Spinner" oder "Verrückten" vorbeilaufen wollten. Für sie war diese Art von Kreativen wie eine Attraktion im Zoo: diese Menschen, die sich tagtäglich auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn bewegten.
Es gibt aber auch kreative Extremisten, die mit der Zeit mehr und mehr nerven. Wohlwollend werden sie von den Kreativitätsforschern auch Störer genannt. Aber wenn diese Störer zu Nerven-sägen werden, dann schaden sie der Unternehmenskultur. Ein gutes Beispiel für einen ehemals sympathischen Störer, der aber mittlerweile fast nicht mehr zu ertragen ist, ist Jimmy Jump. Die Geschäftsidee des Kataloniers und ehemaligen Immobilienmaklers: Er wollte der berühmteste Fußball-Flitzer der Welt werden. Und das ist ihm definitiv gelungen. Immer wieder rennt er bei Fußballspielen über den Platz, wie beispielsweise beim EM-Fußballfinale 2004. Er flitzte aber auch schon bei anderen großen Live-Acts, zum Beispiel 2010 beim Finale des Eurovision Songcontests. Trauriger Höhepunkt seiner bisherigen Flitzer-Karriere war der 12. Januar 2013 beim Flexstrom-Cup in Berlin, wo er nach dem Spiel von Bayer Leverkusen gegen Real Madrid auf den Platz rannte. Als er bemerkte, dass kein Sicherheitsbeauftragter ihn jagte, verließ er einsam das Feld. Jimmy Jump soll aufgrund des Flitzens übrigens etwa 200.000 Euro Schulden angehäuft haben!
Von Jimmy Jump kann man als Führungskraft nur lernen: Man lässt Störer am besten nur dann gewähren, wenn wirklich die Unternehmensinteressen im Vordergrund stehen und nicht der persönliche Spaß eines Einzelnen.
Dennoch: Innovative Firmen haben ein Herz für ausgeprägte Ideatoren. Diese sind das Salz in der Suppe. Und häufig sind Unternehmen mit einer schlechten Kreativkultur auch Unternehmen, die das Dasein von kreativen Extremisten nicht zulassen. Oder vielleicht umgekehrt? Kann eine erfolgreiche Kreativkultur nur dann gedeihen, wenn es in der Firma auch kreative Spinner gibt? Dazu später mehr, wenn es um Innovationskultur geht.

DER MODULATOR
Wenn Ihre Testauswertung auf den Modulator hinweist, dann stehen Sie mit beiden Beinen mitten im Leben. Auch Sie halten sich für kreativ. Sie halten sich aber auch für vernünftig. Sie entwickeln Ideen nicht deshalb, weil Sie sich selbst verwirklichen, sondern weil Sie das Problem lösen wollen. Religiösen Werten stehen Sie offen gegenüber. Je älter Sie werden, desto werteorientierter werden Sie. Manchmal denken Sie, dass Sie vielleicht langweilig oder spießig sein könnten. Auf der anderen Seite wissen Sie, dass Sie dem Neuen sehr wohl aufgeschlossen gegenüberstehen. Im Gegensatz zum stark ausgeprägten Ideator sind Sie viel disziplinierter, denn Sie leben nicht nur im Hier und Jetzt, sondern auch in der Zukunft.
Meiner Meinung nach gibt es in Deutschland einen gefühlten Modulatoren-Überschuss. Auch ich würde mich mittlerweile als Modulator bezeichnen. Weil ich älter und hoffentlich etwas weiser geworden bin. Und mittlerweile eine Familie habe. In meinen Zwanzigern bis Mittdreißigern war ich aber ein klarer Ideator. Die Wahrscheinlichkeit, einen Ideator über 40 zu finden, ist meiner Erfahrung nach gering. Bisher sind mir auf jeden Fall nur wenige begegnet. In der Regel muss man sich als Führungskraft also keine Gedanken machen, ob es im Team zu wenige Modulatoren gibt.

DER ANIMATOR
Wenn Sie laut Testauswertung ein Animator sind, dann haben Sie das Zeug dazu, eines Tages eine richtig erfolgreiche Führungskraft zu werden. Sie sind so ein Typ, der, wenn er den Raum betritt, alle zum Strahlen bringt. Sie sind eine Führungspersönlichkeit, der man gerne folgt. Und in Stresssituationen werden Sie für Ihr Fingerspitzengefühl und Ihre Diplomatie geschätzt. Sie erkennen schnell das Innovative in Ideen. Außerdem wissen Sie, wie man Mitarbeiter motiviert, wenn denen nichts mehr einfällt. Und: Sie sind klar im Kopf. Mit Ihnen wird niemand an der Aufgabenstellung vorbei arbeiten.

MISCHFORMEN
Was ist, wenn Sie im Test zum Beispiel bei Ideator und Modulator fast gleichauf sind? Dann Glückwunsch! Dann sind Sie eben jemand, der beide Ideenfindungstypen in sich ergänzt. Wenn Sie in einer Ausdenk-Session mit gefühltem Modulator-Überhang sind, dann können Sie ja mal ganz bewusst in die Rolle des Ideators schlüpfen. Nach meiner Erfahrung sind die meisten Mischformen Ideator - Modulator oder Modulator - Animator. Die Mischform Ideator - Animator habe ich bisher sehr selten erlebt. Ab uns zu kommt es auch vor, dass jemand ein gut ausgewogener Ideator-Modulator-Animator-Typ ist. Kein Wunder, dass diese Personen häufig auch erfolgreiche Einzelkämpfer sind.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in D, A ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Campus Verlag
  • Seitenzahl: 218
  • Erscheinungstermin: 10.09.2014
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783593424422
  • Artikelnr.: 41410209
Autorenporträt
Henning Patzner: Trainer für Kreativität & Innovation, Creative Director, Mitglied des Art Directors Club. Seine Stationen: Jung von Matt, Saatchi & Saatchi, Serviceplan und andere. Kundenerfahrung als Kreativer: Autokonzerne, Fernsehsender, Telekommunikationsunternehmen, Banken und viele mehr. Seine Awards: Cannes-Löwen und weitere 150 Kreativpreise und Auszeichnungen. Sein Blog: creativeexplosion.de. Sein Buch: bei Campus!
Inhaltsangabe
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Das Ideenteam

17 Standortbestimmung: Die unterschiedlichen Kreativprozesstypen

19 Funktionsbestimmung: Die unterschiedlichen Ideenfindungstypen

26 Von Quartetten, Triaden, Dyaden und Einzelkämpfern

28 Gruppen- und Einzelkrankheiten

32 Von Diven, Introvertierten und Nerds

38 Können gute Kreative auch gute Chefs sein?

40 Diversity Management: Es lebe der Unterschied!

44 Gastbeitrag: Was macht Teams zu kreativen Teams? Ein Wunder?

46 Gastbeitrag: Auch für Führungskräfte gilt: Wer rastet, der rostet

Kapitel 2: Innovationskultur

49 Innovationskultur: Wieso, Weshalb, Warum?

53 Zwischen Himmel und Hölle

61 Bürokonzepte: Arbeitest du noch oder lebst du schon?

64 Yippeyeahyeah und blabla

68 Panta rhei: Alles muss fließen

70 Fehlerkultur: Wer hat das verbrochen?

72 Bleiben Sie mutig!

76 Innovationskultur-Checkliste

78 Gastbeitrag: Arbeiten, leben, glücklich machen

80 Gastbeitrag: The new India

Kapitel 3: Ideengenerierung

83 Das bewusste Unbewusste

85 Vorkampf

91 Hauptkampf

104 Kampfformate

114 Lucky Punches

116 Gastbeitrag: Hurra, ich habe Angst!

118 Gastbeitrag: Wash & Coffee

Kapitel 4: Ideenpräsentation

121 Verkaufen! Verkaufen! Verkaufen!

123 Thou Shalt Not Flaunt Thine Ego

130 Kopf hoch und Brust raus!

133 Der Ideenpate

135 Die große Kunst des Storytellings

141 Andere Menschen, andere Präsentationen

144 Gastbeitrag: Warum James Bond nie langweilig wird

146 Gastbeitrag: Nehmen wir dem Microsoft-Chef seine Superyacht weg!

Kapitel 5: Ideenbewertung

149 Die Nadel im Heuhaufen
151 Wissen Sie es, oder glauben Sie es zu wissen?

153 Ideenbewertungs-Tools für Anfänger

158 Ideenbewertungs-Tools für Fortgeschrittene

163 Die Nummer sicher

166 Ergebnis- versus Ego-Orientierung

170 Wie Sie sich und Ihr Team zu guten Ideenbewertern machen

174 Gastbeitrag: Mojito!

176 Gastbeitrag: Die Demokratie der Ideenbewertung

Kapitel 6: Ideenumsetzung

179 Machen! Machen! Machen!

181 Packen Sie es an!

184 Mitarbeiter zu Machern machen

190 Die erste Elf

193 Ohne Moos nix los

194 Drei, die sich hassen: Kosten, Timing und Qualität

196 Tue Gewagtes und sprich darüber

198 Zur richtigen Zeit am falschen Ort

200 Ideen und ihre Umsetzung schützen

202 Gastbeitrag: Hindenburg

204 Gastbeitrag: Wie ein neues Produkt in die Welt kommt

206 Zum Schluss

209 Dank

210 Anmerkungen

217 Register
Rezensionen
Unterhaltsam
"Bücher über Innovationsmanagement und Kreativitätsförderung gibt es wie Sand am Meer. Dass wir Henning Patzners 'Creative Explosion' an dieser Stelle dennoch hervorheben, liegt vor allen Dingen daran, dass es kurzweiliger und klarer strukturiert ist als viele seiner Vorgänger." Gesine Braun (Harvard Business Manager, 01.11.2014)

"Ein sehr empfehlenswertes Buch" (OrganisationsEntwicklung, 05.05.2015)