Der Nationalsozialismus im Film - Schultz, Sonja M.
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Das Kino war ein entscheidender Ort nationalsozialistischer Selbstdarstellung, und der Film hat sich seit den faschistischen Propaganda-Bildern unablässig mit dem Nationalsozialismus befasst: mit den Nazis und Hitler, mit dem Holocaust, dem Vernichtungskrieg, mit Widerstand und Befreiung. Wieder und wieder wird die Vergangenheit, die sich nicht bewältigen lässt, inszeniert: in Spielfilmen, Satiren, Dokumentarfilmen, als Holocaust-Drama, Science-Fiction, Trashfilm oder Doku-Soap, im Kino, im Fernsehen und im Internet. Sonja M. Schultz wagt eine Gesamtschau von über 80 Jahren NS im Film, von den…mehr

Produktbeschreibung
Das Kino war ein entscheidender Ort nationalsozialistischer Selbstdarstellung, und der Film hat sich seit den faschistischen Propaganda-Bildern unablässig mit dem Nationalsozialismus befasst: mit den Nazis und Hitler, mit dem Holocaust, dem Vernichtungskrieg, mit Widerstand und Befreiung. Wieder und wieder wird die Vergangenheit, die sich nicht bewältigen lässt, inszeniert: in Spielfilmen, Satiren, Dokumentarfilmen, als Holocaust-Drama, Science-Fiction, Trashfilm oder Doku-Soap, im Kino, im Fernsehen und im Internet.
Sonja M. Schultz wagt eine Gesamtschau von über 80 Jahren NS im Film, von den 1930ern bis heute. Wie ändern sich die Bilder durch die Jahrzehnte, wie unterscheiden sie sich etwa in den USA, Deutschland, Osteuropa oder Israel? Und wie sind sie verzahnt mit den zeitgeschichtlichen Diskussionen um Täterschaft und Verleugnung, Erinnerung und Opfergruppen, nationale Selbstdefinition und staatliche Geschichtspolitik?
  • Produktdetails
  • Deep Focus Bd.13
  • Verlag: Bertz + Fischer
  • Seitenzahl: 560
  • Erscheinungstermin: Mai 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 151mm x 38mm
  • Gewicht: 1042g
  • ISBN-13: 9783865053145
  • ISBN-10: 3865053149
  • Artikelnr.: 32450292
Autorenporträt
Sonja M. Schultz ist Filmjournalistin und hat Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft studiert. Interessensschwerpunkte sind Geschichtsbilder, Dokumentar- und Horrorfilme sowie Dramaturgie. Veröffentlichungen zu Filmproduktion und -geschichte in Sammelbänden und Filmfachzeitschriften, Autorin des Kinoportals www.critic.de. "Der Nationalsozialismus im Film" ist ihre überarbeitete Dissertationsschrift, die mit dem Rudolf Arnheim Preis ausgezeichnet wurde. Sie lebt in Berlin.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 11.10.2012

Zum Nachschlagen
Fleißig geforscht: Achtzig Jahre Nationalsozialismus im Film

Ob der Untergang des dritten deutschen Reiches von einem Bunker oder einem Bonker aus gesteuert wurde, ist keine Frage der Geschichtsschreibung, sondern der populären Kultur. Dort aber werden die Mythen gemacht, in denen die Nationen ihre Selbstverständnisse verdichten. In den sogenannten nuller Jahren also zweimal Adolf Hitler. Einmal in großem Format: "Der Untergang" von Oliver Hirschbiegel, Produktion Bernd Eichinger, Aufmarsch der deutschen Schauspielelite zum großen Schattenwerfen im Bunker. Einmal im kleinen Format: "Ich hock in meinem Bonker". Ein Musikvideo, Regie Felix Gönnert nach Zeichnungen und Ideen von Walter Moers. Die entscheidende Lautverschiebung geht auf Adolf Hitler selbst zurück. Sein Deutsch hatte ja einen ganz besonderen Klang, er ist leicht zu parodieren, das haben seit Charlie Chaplin viele Künstler begriffen und genutzt.

Der Prestigefilm und das subversive Video gehören zusammen, denn nur in der Bandbreite dieser Äußerungsweisen lässt sich erfassen, welches Bild heutzutage vom "Führer" und seinen Leuten, von den Taten und Untaten der Jahre 1933 bis 1945 vorherrscht. Es ist ein Bild, das sich aus vielen kleinen Bildern zusammensetzt, aus ikonischen Momenten und Gedächtnisfetzen, aus kritischen Rekonstruktionen und mythischen Überhöhungen.

Die Filmhistorikerin Sonja M. Schultz hat sich nun für eine umfängliche Untersuchung zur Aufgabe gemacht, alle (!) einschlägigen filmischen Darstellungen zu sichten und in einen Zusammenhang zu stellen, den der Titel des Buchs so einfach wie ehrgeizig zum Ausdruck bringt: "Der Nationalsozialismus im Film. Von Triumph des Willens bis Inglourious Basterds".

Das ergibt in der Summe gute achtzig Jahre Filmgeschichte und ein Unterfangen, von dem man gemeinhin annehmen würde, dass es nur arbeitsteilig zu leisten ist. Sonja M. Schultz aber hat das in ihrem Buch, dem eine Dissertation an der Humboldt-Universität zugrundeliegt, allein gemacht, und dafür gebührt ihr schon einmal Respekt. Zumal sich in der chronologischen Darstellung kaum gravierende Auslassungen oder schwere Fehler finden. Im Gegenteil verblüfft immer wieder, wie hier auch noch fast schon vergessene Werke nicht nur präsentiert, sondern in ihrer Rezeptionsgeschichte noch einmal entschlüsselt werden - dass für die eigentliche historiographische Einordnung, für ein Element Interpretation, das ein persönlicheres Interesse der Autorin verriete, nicht mehr so viel Platz bleibt, kann da nicht überraschen.

Immer wieder finden sich Titel, die ein Wiedersehen (oder wohl in vielen Fällen auch häufig ein erstes Sehen) nahelegen: "Ein Tag" von Egon Monk, "Der Leichenverbrenner" von Juraj Herz, oder die Sitcom "Hogan's Heroes". Sonja M. Schultz schafft es auch, eigentlich nicht allzu gut beleumundete Titel wie "Mutters Courage" von Paul Verhoeven interessant darzustellen. Dabei hilft ihr sicher ein wissenschaftlicher Gleichmut, der sie davor bewahrt, sich in filmkritische Debatten zu verstricken. Wenn sie allerdings in Pasolinis "Salò oder Die 120 Tage von Sodom" vor allem "die überzeitlichen Wege menschlicher Grausamkeit" erkennt, dann wirkt dieser Satz auch wie ein Symptom: Hinter diesem methodischen Gleichmut wird ein persönlicheres Motiv als das der beeindruckenden akademischen Leistung zurückgestellt, wie es in Texten von Saul Friedländer oder Klaus Theweleit erkennbar wird, die nicht gründlich sind, sondern Aspekte klären.

In der Spannung zu solchen Texten (die Sonja M. Schultz selbstverständlich alle berücksichtigt und zitiert) liegt die Einschätzung ihres Buches begründet: Es eignet sich hervorragend als Nachschlagewerk und als Fundgrube, vor allem aber als Ausgangspunkt für eingehendere Untersuchungen kleineren Zuschnitts, zu denen sicher auch Sonja M. Schultz selbst künftig ihren Teil beitragen wird.

BERT REBHANDL

Sonja M. Schultz: "Der Nationalsozialismus im Film. Von ,Triumph des Willens' bis ,Inglourious Basterds'".

Bertz + Fischer, Berlin 2012. Br., 560 S., Abb., 29,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Bert Rebhandl ist beeindruckt, dass Sonja M. Schultz ein Projekt dieses Ausmaßes alleine geschultert hat: die Autorin habe sich vorgenommen "alle (!) einschlägigen filmischen Darstellungen" des Nationalsozialismus zusammenzutragen und in einen Zusammenhang zu setzen. Die wissenschaftliche Distanz, die die Autorin wahre, sei Vor- und Nachteil ihres Buches "Der Nationalsozialismus im Film", findet der Rezensent. Es gelinge Schultz, sich nicht in filmkritischen Debatten zu verstricken und auch ungeliebtere Filme interessant darzustellen; andererseits bleibe ihre Perspektive etwas unpersönlich und - auch aufgrund des schieren Umfangs - sehr allgemein. Das Buch eigne sich zwar "hervorragend als Nachschlagewerk und als Fundgrube", bedürfe aber ergänzender Untersuchungen "kleineren Zuschnitts". Aber auch diese traut Rebhandl der Autorin zu.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Auf über 500 Seiten analysiert die Autorin ihr außergewöhnlich breit und facettenreich angelegtes Thema so anschaulich und zupackend, wie man das von einer wissenschaftlichenArbeit nicht unbedingt erwartet. Pointiert und konzis ist die Analyse, mit der die Anatomie des Faschismus im Film dekadenweise seziert wird: mit scharfen Querschnitten, die einzelne Aspekte vertiefen, und feinen Längsschnitten, die Themen über Jahrzehnte hinweg sichtbar machen. Hierfür Prädikat: besonders wertvoll!" (Darmstädter Echo) --"Man weiß, dass hier ein Standardwerk vorliegt, an dem niemand bei künftiger Beschäftigung mi der Ikonografie des >Dritten Reiches M. Schultz hat nicht nur gewagt, sondern auch gewonnen: Jedem Leser, der sich einen gründlichen Überblick über die verschiedenen Facetten dieses Themas verschaffen will - von den sogenannten Trümmerfilmen über den von Claude Lanzmann angestoßenen Bilderstreit nach Steven Spielbergs Epos schindlers liste, von Nazi-Trash wie den berüchtigten Ilsa-Filmen bis zu TV-Event-Movies über die deutsche Vergangenheit und der »Knoppisierung« des deutschen Fernsehens - kann dieses Buch vorbehaltlos empfohlen werden. Es hat das Zeug zum Standardwerk für die nächsten Jahrzehnte." (epd Film)…mehr