22,00 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Buch mit Leinen-Einband

"Während ich sprach, nahm ich einen Revolver in die Hand; und mein Gefährte hatte gerade begonnen, mir zu erzählen, dass dies ein Revolver mit einer ganz besonderen Marotte sei, als das Ding mit einem schrecklichen Knall losging und mir eine Kugel ins linke Knie jagte." Mit dem Besuch Patagoniens hatte sich der Schriftsteller und Vogelkundler W. H. Hudson einen Lebenstraum erfüllt. Doch nachdem er sich vor dem Ertrinken auf einem kenternden Dampfer gerettet und nach einer Wanderung durch die Dünen ohne Wasser und Essen endlich ein englisches Lager erreicht hatte, schießt er sich ins eigene…mehr

Produktbeschreibung
"Während ich sprach, nahm ich einen Revolver in die Hand; und mein Gefährte hatte gerade begonnen, mir zu erzählen, dass dies ein Revolver mit einer ganz besonderen Marotte sei, als das Ding mit einem schrecklichen Knall losging und mir eine Kugel ins linke Knie jagte."
Mit dem Besuch Patagoniens hatte sich der Schriftsteller und Vogelkundler W. H. Hudson einen Lebenstraum erfüllt. Doch nachdem er sich vor dem Ertrinken auf einem kenternden Dampfer gerettet und nach einer Wanderung durch die Dünen ohne Wasser und Essen endlich ein englisches Lager erreicht hatte, schießt er sich ins eigene Bein. Sein Begleiter holt Hilfe, während sich eine Schlange in seinen Schlafsack verirrt. Durch all dies zu unverhofftem Müßiggang gezwungen, geht er nicht wie geplant auf Jagd nach seltenen Vögeln, sondern liegt ermattet, die Fliegen beobachtend und über die Schönheit der Vögel, die Vielfalt der Natur, das Einzigartige des Lebens staunend, in einer Hängematte. Seine Reflexionen wurden zu einemKlassiker der Reiseliteratur. Ornithologische Betrachtung und philosophischer Essay zugleich, zeugen sie von der außergewöhnlichen Beobachtungsgabe Hudsons und seiner erzählerischen Kraft, die ihn auch für Autoren wie Hemingway zum Vorbild werden ließ.

"Man kann immerfort zu lernen versuchen, wie Hudson seine Wirkungen erzielt, und wird es nie wissen. Er schreibt seine Worte nieder, wie der liebe Gott das Gras wachsen lässt." - Joseph Conrad
  • Produktdetails
  • Naturkunden .57
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • Originaltitel: Idle Days in Patagonia
  • Seitenzahl: 239
  • Erscheinungstermin: November 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 15mm
  • Gewicht: 206g
  • ISBN-13: 9783957577931
  • ISBN-10: 3957577934
  • Artikelnr.: 56682283
Autorenporträt
Hudson, William H.
William Henry Hudson, 1841 im argentinischen Quilmes als Sohn irischer Auswanderer geboren, war Naturforscher und Ornithologe. 1874 emigrierte er nach Großbritannien, wo er zu schreiben begann und nach einer Zeit bitterer Armut mit seinen ornithologischen Studien und Romanen wie Green Mansions (1904) Berühmtheit erlangte. Hudson, der in englischer Sprache schrieb, gilt heute als argentinischer Nationaldichter, der Berg Cerro Hudson ist nach ihm benannt. Er starb 1922 in London.

Schmidt, Rainer G.
Rainer G. Schmidt, 1950 im Saarland geboren, begann 1978 mit der Übersetzung des Gesamtwerks von Arthur Rimbaud und übersetzte seither viele Werke u. a. von Henri Michaux, Victor Segalen, Herman Melville. Er erhielt u. a. den Paul-Celan-Preis und übersetzt derzeit das 12bändige Tagebuch von Henry D. Thoreau.

Schalansky, Judith
Judith Schalansky, geboren 1980 in Greifswald, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign und lebt als freie Schriftstellerin und Buchgestalterin in Berlin. Sowohl ihr Atlas der abgelegenen Inseln (mare, 2009) als auch ihr Bildungsroman Der Hals der Giraffe (Suhrkamp, 2011) wurden von der Stiftung Buchkunst zum »Schönsten deutschen Buch« gekürt. Für ihr Verzeichnis einiger Verluste erhielt sie 2018 den Wilhelm-Raabe-Preis. Seit dem Frühjahr 2013 gibt sie die Reihe Naturkunden heraus.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 27.12.2019

Die Waffen der Wildkatze
Es kann sehr grau sein im Süden: William Henry Hudsons Jahr auf den patagonischen Ebenen
Man muss nicht Bruce Chatwin oder Paul Theroux heißen und auf der nördlichen Hälfte der Erdkugel zur Welt gekommen sein, um Patagonien als Sehnsuchtsland zu empfinden. Auch William Henry Hudson, 1841 in der Nähe von Buenos Aires geboren, zog es unwiderstehlich in den Süden des eigenen Landes, und so reiste er Anfang der 1870er Jahre, hundert Jahre vor den beiden Briten, zum Rio Negro, vor allem um Vögel zu beobachten. Da er sich aber, kaum angekommen, eine Kugel ins eigene Knie schoss, wurde aus dem ornithologischem Abenteuer nichts, stattdessen verbrachte Hudson seine „Müßigen Tage in Patagonien“ damit, über die „Sehkraft bei Wilden“ nachzusinnen, den Eigenschaften der Farbe Weiß oder der Frage, ob sich Gerüche erinnern lassen.
Zum Glück jedoch schaut er in seinem Jahr in Patagonien nicht nur an die Wand seiner Hütte, irgendwann sind auch wieder Ausflüge möglich, die Hudsons Sehnsucht stillen – nach der Weite eines Landes, das sich auf den ersten Blick äußerst abweisend präsentiert, grau und leer, einer Wüste gleich.
Doch es sind gerade die endlosen, unwirtlichen Ebenen, die Hudson so faszinieren und ihn in einen anderen Zustand versetzen, einen Zustand des Stillstands und der Wachsamkeit, wie er schreibt: „Die Veränderung bei mir war ebenso groß und wunderbar, als hätte ich meine Identität gegen die eines anderen Menschen oder eines Tiers eingetauscht; zu jener Zeit aber war ich außerstande, darüber erstaunt zu sein oder Spekulationen anzustellen; der Zustand schien mir eher vertraut als befremdlich, und obwohl er von einem starken Gefühl freudiger Erregung begleitet war, kannte ich es nicht – wusste ich nicht, dass etwas zwischen mich und meinen Verstand getreten war –, bis ich es verlor und zu meinem früheren Selbst zurückkehrte – zum Denken und dem alten schalen Dasein.“
Man fragt sich, warum Hudson, dessen Eltern britischer Abstammung waren, nach seinem Jahr der Wachsamkeit Argentinien verließ und nach London zog, um dort jahrzehntelang in Armut zu hausen und Bücher zu schreiben, die kaum jemand las. Vielleicht, weil dieses schale Dasein auf Dauer das einzig mögliche scheint, um die animalischen Verzückungen der Jugend zu bewahren – eben, indem man darüber schreibt. Verfasst hat Hudson seine „Müßigen Tage“ nämlich erst zwanzig Jahre nach seinem Aufenthalt in Patagonien.
Zwischen den engen Mauern der britischen Hauptstadt erzählt er vom Leben der Pioniere, von den wenigen, nur noch sporadisch vorbeireitenden Eingeborenen, vor allem lässt er die Ebenen ein ums andere Mal leuchtend auferstehen und den Rio Negro mythisch anschwellen. Auch seine Sprache – er schrieb auf Englisch – fließt beständig dahin, wenngleich auf eine gemessene, geradezu alt-kastilische Art.
Rainer G. Schmidt ist es vortrefflich gelungen, die Satzperioden in ein ebenso rhythmisch genaues wie bildlich präzises Deutsch zu bringen (so ist von der Wildkatze die Rede, die allein auf sich gestellt ist, und darum ihre natürlichen Anlagen stets „scharf und blank poliert“ halten muss). Man braucht sich nicht unbedingt ins Knie zu schießen, um einen Vorwand zu haben, sich mit diesem Buch vor den Ofen zu setzen und vom fernen grauen Süden zu träumen.
TOBIAS LEHMKUHL
William Henry Hudson: Müßige Tage in Patagonien. Übersetzt von Rainer G. Schmidt. Matthes und Seitz, Berlin 2019. 240 Seiten, 22 Euro.
Der Rio Negro schwillt mythisch
an, Hudsons Sprache fließt indes
gemessen und beständig dahin
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr