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In den Meditationes de prima philosophia (1641) erweist Descartes die Tauglichkeit der von ihm gefundenen erkenntnistheoretischen Methode für die Grundlegung gewisser Erkenntnis. Husserl über das Werk, das die Philosophie der Neuzeit begründete: "Die Cartesianischen Meditationes wollen nicht zufällige subjektive Besinnungen Descartes' sein oder gar eine literarische Kunstform für die Übermittlung der Gedanken des Autors. Vielmehr geben sie sich offenbar als die in der Art und Ordnung ihrer Motivation notwendigen Besinnungen, die das radikal philosophierende Subjekt als solches notwendig…mehr

Produktbeschreibung
In den Meditationes de prima philosophia (1641) erweist Descartes die Tauglichkeit der von ihm gefundenen erkenntnistheoretischen Methode für die Grundlegung gewisser Erkenntnis. Husserl über das Werk, das die Philosophie der Neuzeit begründete: "Die Cartesianischen Meditationes wollen nicht zufällige subjektive Besinnungen Descartes' sein oder gar eine literarische Kunstform für die Übermittlung der Gedanken des Autors. Vielmehr geben sie sich offenbar als die in der Art und Ordnung ihrer Motivation notwendigen Besinnungen, die das radikal philosophierende Subjekt als solches notwendig durchmachen muß [.] Darin also liegt die Ewigkeitsbedeutung der Cartesianischen Meditationes. Sie zeichnen [.] den notwendigen Stil des philosophischen Anfangens." Die vorliegende deutsche Übersetzung enthält neben dem Haupttext sämtliche Einwände von Caterus, Mersenne, Hobbes u.a. sowie Descartes' Erwiderungen nach der Maßgabe des Textbestandes der lateinischen Erstausgabe von 1641 und der erweiterten zweiten Auflage von 1642. Grundlage für die Übersetzung bildet der lateinische Text in der Standardausgabe von Adam und Tannery, Bd. VII. Vergleichend hinzugezogen wurde die von Descartes selbst durchgesehene französische Übertragung der "Meditations Metaphysiques" von C. Lerselie R. (Paris 1647).

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  • Produktdetails
  • Verlag: Felix Meiner Verlag
  • Seitenzahl: 651
  • Erscheinungstermin: 01.09.2011
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783787322305
  • Artikelnr.: 37763323
Autorenporträt
René Descartes (1598-1650) war Philosoph, Mathematiker, Physiker und Begründer des Rationalismus. Mit seinen Schriften trug er maßgeblich dazu bei, das Individuum in den Fokus wissenschaftlicher Betrachtung zu rücken und von der Vorherrschaft der Theologie zu befreien.

Dr. Andreas Schmidt ist Wissenschaftlicher Assistent am Philosophischen Seminar der Universität Tübingen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.11.2009

Vom vielgescholtenen Vater der modernen Philosophie
Die "Meditationen" des René Descartes in einer neuen Übersetzung mit allen Einwänden und Erwiderungen

Vor einem Jahr erschien in der "Philosophischen Bibliothek" des Felix Meiner Verlags eine neue Übersetzung der "Meditationen über die Erste Philosophie" und damit des Textes, den die Wirkungsgeschichte zum philosophischen Hauptwerk von René Descartes (1598 bis 1650) befördert hat. Nun folgte auch die erweiterte Fassung samt den in der Erstausgabe von 1641 mitabgedruckten Begleittexten, nämlich den Einwänden gegen die Meditationen, die Thomas Hobbes und einige andere Zeitgenossen formuliert hatten, sowie Descartes' Repliken darauf.

Eine Arbeit, mit der man wissenschaftliches Neuland zu betreten oder zu erschließen glaubt, derart "eingebettet" zu publizieren, das verrät ein stabiles Selbstbewusstsein, woran es Descartes ersichtlich nicht fehlte. Kaum minder erstaunlich ist jedoch, dass die eingeladenen Kritiker sich auf dieses neue Format einließen. Denn eine Gelegenheit zur Duplik hatten sie nicht. Mit Recht macht der Herausgeber und Übersetzer Christian Wohlers in seiner Einleitung auf diese besonderen Umstände aufmerksam.

Da die Meditationen, solange Descartes lebte, nie anders als eingerahmt von diesem - buchstäblich so zu nennenden - Kontext gedruckt wurden, haben Generationen von Lesern, die allein den Wortlaut der "eigentlichen" Meditationen studiert haben, das vermeintliche Hauptwerk nur in einer verstümmelten Version kennengelernt. Umso wichtiger war, dass die "Philosophische Bibliothek" seit 1915 das vollständige Werk in der Übersetzung von Artur Buchenau bereithielt.

Diese Übersetzung krankte jedoch an einigen systematischen Schwächen. Irritierend war insbesondere Buchenaus zeitbedingte Vorliebe für das Wort "Bewußtsein", mit dem er bis zur Sturheit konsequent wiedergab, was in Descartes' Latein "cogitatio" hieß und in seinem Französisch "pensée". Ohne den Kunstgriff wäre das Wort "Bewußtsein" in den Cartesischen Texten bemerkenswert selten vorgekommen - zu selten, so scheint es, für einen Autor, mit dem doch die "Bewusstseinsphilosophie" und so die philosophische Moderne begonnen haben sollten. Aus Descartes' Definition des Denkens wurde durch die Kunst des Übersetzers freilich die nichtssagende Auskunft: "Unter dem Namen ,Bewußtsein' (cogitatio, pensée) befasse ich alles das, was so in uns ist, dass wir uns seiner unmittelbar bewußt werden." Nur Leser, denen die lexikalische Bedeutung der in Klammern nachgereichten Originalvokabeln vertraut war, konnten ohne weiteres schließen, dass der tautologische Leerlauf nicht Descartes anzulasten war.

Christian Wohlers' Neuübersetzung der kompletten "Meditationen" hat die Mängel der Buchenauschen Übersetzung erfolgreich behoben, und es hatte seinen guten Sinn, bei dieser Gelegenheit auch die "eigentlichen" "Meditationen" neu zu übersetzen, damit am Ende ein Ganzes wie aus einem Guss dasteht.

Nicht alles, was Wohlers in seiner Einleitung zu unentbehrlichen Merkmalen einer jeden (auch künftigen) Metaphysik erklärt, wird den Beifall aller Fachleute finden. Das muss kein Nachteil sein. Lebendig bleiben die klassischen Texte nur, solange sie Stoff zu Diskussionen bieten, und sei es über die Interpretationshilfen ihrer Herausgeber. Wohlers verheißt den heutigen Lesern, die Meditationen könnten, da sie in "bewusster Absetzung vom akademischen Betrieb" verfasst seien, "von jedermann gelesen und ... verstanden werden". In Descartes' eigenem "Vorwort an den Leser" von 1641 klingt es ein bisschen anders, wenn er von dem mit den Meditationen beschrittenen "Weg" ausdrücklich sagt, er habe diesen nicht "in einer auf Französisch geschriebenen und allen Leuten allgemein zugänglichen Schrift eingehender behandeln" wollen, "denn schwächere Geister sollen nicht glauben, auch sie könnten ihn einschlagen".

Sechs Jahre später erschienen die ganzen Meditationen (ohne dieses Vorwort) in einer französischen Fassung. Verflüchtigt hatten die "schwächeren Geister" sich da wohl noch nicht, aber sie waren nicht mehr erwähnenswert, weil zwar nicht jedermann, aber unter den gelehrten Adressaten ein hinreichend großer Teil die Meditationen gelesen und verstanden hatte.

HANS-PETER SCHÜTT

René Descartes: "Meditationes de prima philosophia". Lat.-dt. Übersetzt und herausgegeben von Christian Wohlers. Felix Meiner Verlag, Hamburg 2008. 217 S., br., 16,90 [Euro].

René Descartes: "Meditationen". Mit sämtlichen Einwänden und Erwiderungen. Übersetzt und herausgegeben von Christian Wohlers. Felix Meiner Verlag. Hamburg 2009. 588 S., geb., 68,- [Euro].

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