Briefe eines reisenden Franzosen - Riesbeck, Johann K.
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Briefe eines reisenden Franzosen ist ein unveränderter, hochwertiger Nachdruck der Originalausgabe aus dem Jahr 1783. Hansebooks ist Herausgeber von Literatur zu unterschiedlichen Themengebieten wie Forschung und Wissenschaft, Reisen und Expeditionen, Kochen und Ernährung, Medizin und weiteren Genres.Der Schwerpunkt des Verlages liegt auf dem Erhalt historischer Literatur.Viele Werke historischer Schriftsteller und Wissenschaftler sind heute nur noch als Antiquitäten erhältlich. Hansebooks verlegt diese Bücher neu und trägt damit zum Erhalt selten gewordener Literatur und historischem Wissen auch für die Zukunft bei.…mehr

Produktbeschreibung
Briefe eines reisenden Franzosen ist ein unveränderter, hochwertiger Nachdruck der Originalausgabe aus dem Jahr 1783.
Hansebooks ist Herausgeber von Literatur zu unterschiedlichen Themengebieten wie Forschung und Wissenschaft, Reisen und Expeditionen, Kochen und Ernährung, Medizin und weiteren Genres.Der Schwerpunkt des Verlages liegt auf dem Erhalt historischer Literatur.Viele Werke historischer Schriftsteller und Wissenschaftler sind heute nur noch als Antiquitäten erhältlich. Hansebooks verlegt diese Bücher neu und trägt damit zum Erhalt selten gewordener Literatur und historischem Wissen auch für die Zukunft bei.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hansebooks
  • Nachdruck der Ausgabe von 1783
  • Seitenzahl: 252
  • Erscheinungstermin: 26. April 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 139mm x 20mm
  • Gewicht: 363g
  • ISBN-13: 9783741133107
  • ISBN-10: 3741133108
  • Artikelnr.: 44935831
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Bruno Preisendörfer freut sich, dass er nun dank der Herausgeber Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz eine derart opulente und "bibliophile" Ausgabe der 1783 erstmals erschienenen "Briefe eines reisenden Franzosen" von Johann Kaspar Riesbeck in den Händen halten kann. Mit größtem Vergnügen liest er, wie Riesbeck, der sowohl den Franzosen als auch den Adressaten frei erfand, eine Vielzahl teils fiktiver Eindrücke verschiedenster Städte notiert: Köln etwa sei die "abscheulichste Stadt" Deutschlands, während Berlin dadurch auffalle, dass dort "weniger onaniert" würde als anderswo. Auch wenn das ausladende Werk inhaltlich nicht immer brillant erscheinen mag, da es, offenbar in äußerster "Raserei" geschrieben wurde, ist diese Ausgabe so wunderschön gestaltet, prächtig bebildert und hingebungsvoll kommentiert, dass sie ihresgleichen sucht, so Preisendörfer.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.01.2014

Briefe aus
der Höllenstraße
„Hamburg ist sehr ekelhaft und abschreckend“ – Ein fingierter Franzose
schildert deutsche Zustände gegen Ende des 18. Jahrhunderts
VON BRUNO PREISENDÖRFER
Selten wurde einem längst vergessenen Erfolgsbuch vergangener Jahrhunderte ein dermaßen prächtiges bibliophiles Denkmal gesetzt wie in der Anderen Bibliothek den 1783 erstmals erschienenen „Briefen eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder in Paris“. Dabei gab es weder den „Franzosen“ noch den „Bruder“, die Briefe waren fingiert, ein Teil der Reisen ebenso, und bei dem mit den Initialen KR auf dem Titelblatt annoncierten „Übersetzer“ handelte es sich in Wahrheit um den Autor des Werks. In seiner Vorrede „An den Leser“ erfindet sich KR eine „rue d’Enfers“ in Paris als Wohnsitz, die Höllenstraße. Aber es gab tatsächlich eine Straße mit diesem Namen. Sie stürzte 1774 in die unter ihr liegenden Keller. Davon erzählt KR jedoch nichts, dem Satiriker war es bloß um den Scherz mit der teuflischen Adresse zu tun.
  Johann Kaspar Riesbeck kam 1754 in Höchst bei Frankfurt am Main als Sohn eines nicht unvermögenden Kleinunternehmers auf die Welt, wurde auf die Mainzer Universität geschickt, musste die Stadt nach einer Prügelei mit einem Domherren um eine Frau verlassen, trieb sich in der Rheingegend um Köln herum, lebte zwei Jahre in Wien, danach in Hamburg, Prag, Linz, Salzburg und seit Dezember 1779 in Zürich. Anfang 1780 übernahm er die Redaktion der neu gegründeten Zürcher Zeitung , deren ersten beiden Nummern noch von dem Idyllendichter Salomon Gessner betreut worden waren. In dieser Zeit begann er mit der Niederschrift seines, man könnte sagen: Machwerks – manche Zeitgenossen haben sich in dieser Art darüber geäußert.
  Das „Machwerk“ war tatsächlich eines, insofern, als es unter Anspannung aller Kräfte in einer Art Raserei gemacht worden ist. Für Abwägungen blieb keine Zeit, noch weniger für das Überprüfen von Namen, Daten und Zahlen, die Riesbeck aus anderen Werken abschrieb oder von Reisenden übernahm, die tatsächlich an den von ihm beschriebenen Orten gewesen sind, was man von Riesbeck nicht durchgängig sagen kann. Potsdam und Berlin beispielsweise hat er vermutlich nicht besucht, und doch sind immerhin acht der insgesamt 73 Briefe von dort aus adressiert. Über 19 Briefen steht als Absende-Ort Wien. Dort kannte sich Riesbeck wirklich so gut aus, wie er es von anderen Städten und Gegenden bloß behauptete.
  Immer jedoch beweist Riesbeck Meinungsstärke: In Augsburg sind „neun Zehnteile der Einwohner das infamste Kanaille“, „Nürnberg ist eine traurige Stadt“, „Hamburg ist sehr ekelhaft und abschreckend“ und Köln, mit dem er persönlich ein Hühnchen (oder eher einen mächtigen Hahn) zu rupfen hatte, „ist in jedem Betracht die abscheulichste Stadt von Deutschland.“
  Freilich konnte er auch loben. Doch wenn die Pferde mit ihm in die andere Richtung durchgingen, landete er gleichfalls bei bizarren Urteilen. Über die in ganz Europa zu Recht verschriene Behandlung der Soldaten in Preußen meint er: „Bei keiner Armee werden die Rekruten so sanft behandelt, als bei der preußischen“. Von dieser schwungvollen Selbsttäuschung aus Bewunderung für Friedrich II. ist es nicht weit zu der kuriosen Beteuerung, in Berlin würde weniger onaniert als anderswo, und zu dem alle anti-preußischen Einwände beiseite fegenden Bastasatz: „Mit einem Wort, der preußische Staat wird durch Überzeugung, und der größte Teil der übrigen Welt durch Wahn regiert.“
  Dass viele seiner Schilderungen eher Kolportage als Reportage waren, überwürzt von kräftigen Urteilen im Guten wie im Bösen, hat dem zeitgenössischen Erfolg nicht geschadet, ihn vielmehr erst hervorgebracht. Riesbeck kam es nicht auf Gelehrsamkeit an, sondern darauf, zu amüsieren, zu kritisieren und zu schockieren. Das ist ihm gelungen, auch wenn sich die zeitgenössische Leserschaft mehr amüsiert über das Schockierende zeigte als schockiert über das Kritisierte. Das Mönchs- und Pfaffenwesen, gegen das Riesbeck im nachholenden Übereifer des Spätaufklärers anschrieb, war von den fortschrittlichen Publizisten seit Voltaires Zeiten immer wieder dermaßen bloßgestellt worden, dass es eigentlich nichts mehr zu entlarven gab, nur noch zu schimpfen und zu schmähen. Auch seine Kritik an Hofschranzentum und Mätressenwirtschaft blieb im Rahmen des Üblichen: Die regierenden Herren wurden als von Höflingen und Ministern irregeleitet mehr entschuldigt als getadelt.
  Die erste Auflage der Briefe erschien zweibändig 1783, eine zweite folgte schon 1784, um einem der Nachdrucke zuvor zu kommen, die damals den Autoren das Leben und das Brotverdienen schwer machten. Dieser zweiten Auflage folgt die wundervoll aufgemachte, lustvoll bebilderte, liebevoll kommentierte Ausgabe, editorisch betreut von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz. Das Duo ist es gewohnt, gemeinsam große Textdenkmale vor der heutigen Leserschaft zu enthüllen. 1991 gaben sie beispielsweise eine dreibändige Sammlung über „Die deutschen Räuberbanden“ heraus. Nun haben sie den „Briefen eines reisenden Franzosen“ ein beeindruckendes Denkmal errichtet. Es kommt vor, dass ein Denkmal sich im Handumdrehen oder Seitenumblättern in ein Grabmal verwandelt. Das steht hier nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Ohne die bibliophile Opulenz wäre Riesbecks Werk ungekürzt heute wohl nicht mehr unter die Leute zu bringen. Und so steht die äußere Schönheit des Buches in mitunter recht komischem Kontrast zu seinen inneren Textwerten.
  Unter denen, die es sich zur Aufgabe machen, ihren Leserinnen und Lesern ein Licht aufzustecken, gehört Riesbeck zu den Flegeln – in diesem Sinn: Es gibt Ironiker, in deren Fingern die Feder zum Florett wird; es gibt Satiriker, die so tun, als schrieben sie mit dem Schwert; und bei Riesbeck wird „die Feder“, in Wirklichkeit müssen es ja Dutzende gewesen sein, zum Flegel, mit dem der Autor auf die Wirklichkeit eindrischt, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Doch am Ende liegt alles durcheinander auf der Tenne.
  Die heute wie damals überbeanspruchte „Authentizität“ eines Autors, seine Wahrhaftigkeit, ist eben keine Garantie für die Wahrheit des Geschriebenen. Riesbeck war ein Kämpfer, einer dieser vom Leben gebeutelten publizistischen Abenteurer, an denen die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts so reich war. Die Abenteurer selbst waren meistens eher arm. Bei dem vielschreibenden und schnelllebenden Riesbeck war es nicht anders. Trotz des Erfolgs seiner „Franzosenbriefe“ ging er, kaum 32 Jahre alt, 1786 an Tuberkulose zugrunde, der Auszehrungskrankheit der Künstler und Intellektuellen. Sein erster Biograf Johann Pezzl, im Nachwort der Neu-Edition ist er zitiert, schrieb: „Schade! daß er gar zu geschwinde lebte, und sich dadurch seine Tage sehr kürzte.“
J ohann Kaspar Riesbeck : Briefe eines reisenden Franzosen. Hrsg. von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz. Die Andere Bibliothek, Berlin 2013. 681 Seiten, 99 Euro.
Johann Kaspar Riesbeck
gewann seine Leser vor allem
durch Meinungsstärke
Er war ein publizistischer
Abenteurer der nachholenden
Spätaufklärung
Die Vorzüge, mit Scheuklappen zu fahren.
Foto: Walter Koschatzky (Bearb.), Fünf Jahrhunderte Zeitkritik“, München 1992
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