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  • Format: ePub


»Exzellent! Dagegen ist >Game of Thrones schillerndem Prunk, Macht, Dekadenz und Grausamkeit. Über 300 Jahre dominierten sie das russische Reich, mehr als 20 Zaren und Zarinnen gingen aus dem Geschlecht hervor, allesamt getrieben von unbändigem Machthunger und rücksichtslosem Willen zu herrschen - einige dem Wahnsinn näher als dem Genie.…mehr

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Produktbeschreibung
»Exzellent! Dagegen ist >Game of Thrones< das reinste Kaffeekränzchen.« Antony Beevor Die prunkvolle und blutige Geschichte der sagenumwobenen Dynastie der Romanows, die Russland jahrhundertelang bescherrschte und bis heute prägt. Wie kein anderes Adelsgeschlecht sind die Romanows der Inbegriff von schillerndem Prunk, Macht, Dekadenz und Grausamkeit. Über 300 Jahre dominierten sie das russische Reich, mehr als 20 Zaren und Zarinnen gingen aus dem Geschlecht hervor, allesamt getrieben von unbändigem Machthunger und rücksichtslosem Willen zu herrschen - einige dem Wahnsinn näher als dem Genie. Simon Sebag Montefiore erzählt die Saga dieser unglaublichen Familie, in der Rivalität, Giftmorde und sexuelle Exzesse regelrecht auf der Tagesordnung standen. Basierend auf neuester Forschung und unbekanntem Archivmaterial zeichnet er die Schicksale und politischen Verwicklungen nach. Weder zuvor noch danach gab es ein so gewaltiges Reich, in dem sich Glanz und Grausamkeit auf unheilvolle Weise verbündeten. Mit zahlreichen Abbildungen, prächtige Ausstattung. »Eine außergewöhnliche und packende Geschichte, voll von schmutzigen Machtkämpfen, Gewalt und Brutalität, großartigen Monstern, bedauernswerten Opfern und grotesken Heiligen ... entsetzlich, urkomisch und bewegend, aber auch unendlich tragisch.« Adam Zamoyski, Autor der Bestseller >1812< und >1815<

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  • Produktdetails
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Seitenzahl: 1032
  • Erscheinungstermin: 27.10.2016
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783104901527
  • Artikelnr.: 44952972
Autorenporträt
Sebag Montefiore, Simon
Simon Sebag Montefiores preisgekrönte Bestseller sind mittlerweile in 45 Sprachen übersetzt. 'Stalin - Am Hof des Roten Zaren' wurde mit dem History Book of the Year Prize der British Book Awards ausgezeichnet, 'Der junge Stalin' mit dem Costa Biography Award, dem LA Times Book Prize for Biography, dem Grand Prix de la Biographie Politique sowie dem Bruno-Kreisky-Preis für politische Literatur. 'Jerusalem. Die Biographie' war ein weltweiter Bestseller. Montefiore lehrt Geschichte an der Cambridge University, wo er in Philosophie promovierte. Er schrieb zudem die Romane 'Saschenka' und 'Die Kinder des Winters'; letzterer wurde ausgezeichnet als »Political Novel of the Year«.www.simonsebagmontefiore.comLiteraturpreise:Los Angeles Times Book Award for Biography 2007, Costa Book Award 2007 und Bruno Kreisky-Preis 2007 für 'Der junge Stalin'.History Book of the Year Prize der British Book Awards für 'Stalin. Am Hof des roten Zaren'.
Rezensionen
Besprechung von 18.10.2016
Riesen
und Zwerge
Simon Sebag Montefiores
schwindelerregende Geschichte
der Romanow-Dynastie
Am Ende, als Zar Nikolaus II. und seine Familie in ihrem Blut lagen – bis zuletzt gläubig, weltfremd und durchaus würdevoll –, als im Kugelhagel bolschewistischer Stümper die grelle, größenwahnsinnige, überlebensgroße Dynastie der Romanows nach 305 Jahren unterging, am Ende fragt sich der Leser, welcher der ungezählten Exzesse dieses Geschlechts denn nun der Gipfel war. Die Dildos schwingenden Scheinpäpste, Riesinnen in Babykleidung und nackt aus Torten springenden Kleinwüchsigen unter Peter I.? Höflinge, die als Huhn verkleidet stundenlang gackern mussten für Zarin Anna? Die 15&hairsp;000 Kleider Zarin Elisabeths, der „russischen Venus“? Die goldbeschlagenen Pferde?
  Die Romanows führten Kriege und Weltkriege, überlebten Aufstände und Palastintrigen, brachten politische Ausnahmetalente, militärische Genies und skrupellose Versager hervor und hatten trotzdem genug Atem für Ausschweifungen, die Wladimir Sorokins Kreml-Dystopien wie Wiegenlieder wirken lassen. Sie lebten in einer Welt, „in der seltsame Fremde plötzlich behaupteten, wiederauferstandene Monarchen zu sein, Bräute vergiftet wurden, Väter ihre Söhne zu Tode folterten, Söhne ihre Väter töteten, Ehefrauen ihre Männer umbrachten“, schreibt Simon Sebag Montefiore, Historiker, Bestsellerautor und Experte für die „Game of Thrones“-Seite der russischen Geschichte, in seinem Glanz- und Splatter-Epos „Die Romanows“.
  Montefiore hat den Ruf, selbst für bekannte Gegenstände neue Quellen zu entdecken und unbekannte Einsichten zu schaffen. Für „Der junge Stalin“ stieg er in die Archive des Kaukasus und rekonstruierte, wie der junge Josif als Bankräuber im Hexenkessel von Tiflis und Baku seine kriminelle Prägung erhielt. „Stalin – Am Hof des Roten Zaren“ entfaltetet das Panorama eines Alltags zwischen Kinderspiel und Totschlag.
  Am Vorabend des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution im nächsten Jahr hat er nun in die Tagebücher und Briefe jener Dynastie geschaut, die für Russlands Pracht und Russlands Knechtschaft stehen wie keine andere. Und er rückt den Romanows so nahe auf den Leib, dass man sie förmlich riechen kann. „Papa hat am Morgen viel und lange Geruch gemacht. Einfach grässlich“, beschwerte sich der Thronfolger Alexej über Zar Nikolaus II.
  Nun könnte man fragen, wie aufschlussreich die Flatulenz des Zaren für das Verständnis der russischen Geschichte ist. Es ist ein naheliegender, schon früher erhobener Vorwurf, und man muss ehrlicherweise sagen: Nicht besonders. Manches in diesem Band ist unübersehbar der Freude am Effekt geschuldet, manches übertrieben. Aber am Ende fügen sich Millionen Details zu einem grandiosen Ganzen, das so geheimnisvoll funkelt wie das Bernsteinzimmer. Die Gelage Peters des Großen beispielsweise, die der Herrscher „trunkene Synode“ nannte und zum Forum für Riesinnen und Kleinwüchsige machte, waren auf den ersten Blick ein gigantisches obszönes Zwangsbesäufnis. Für den Autokraten aber bedeuteten sie vor allem einen Weg, um sich über alle höfischen Zwänge und Rituale hinwegzusetzen, ein brutaler Zirkus als Machtdemonstration – und hochverdiente Abwechslung. Denn Zar, das lernt man bei Montefiore auf den ersten Seiten, war kein Traumjob. Den ersten Romanow, Michael, bearbeiteten Bojaren und Geistliche tagelang, bis sich der schwächliche 16-Jährige breitschlagen ließ, den Thron zu besteigen. Die Hauptstadt war zerstört, das Reich zersplittert, das Volk am Boden: „Im Jahr 1613 war die russische Krone keine verlockende Position.“
  Nach eigenem Anspruch verfügten die russischen Zaren über absolute Macht, legitimiert durch ihre geheiligte Stellung als „transzendentes Bindeglied zwischen Gott und den Menschen“, ihr besonderes Verhältnis zum russischen Volk und die Sonderstellung Russlands in der Weltgeschichte. Die fanatische Frömmigkeit der frühen Zaren, der national verbrämte religiöse Fanatismus der späteren, so zeigt Montefiore elegant, waren Ausdruck einer Dynastie, die spätestens seit dem 18. Jahrhundert theokratische Züge trug. „Nur in Russland wurde der Staat fast selbst ein sakrales Gebilde“, schreibt er. Russland war das geheiligte Eigentum einer einzigen Familie, der Romanows.
  Vollblutautokraten wie Katharina begriffen natürlich, dass der Eindruck absoluter Macht vor allem eine Frage guter Vorbereitung war: „Ich hole Rat ein, ich ziehe andere hinzu, und wenn ich bereits im Voraus von der allgemeinen Billigung überzeugt bin, erteile ich meine Befehle und habe das Vergnügen, das zu beobachten, was als blinder Gehorsam bezeichnet wird “, erläuterte sie ihrem Sekretär: „Und genau das ist die Grundlage unbegrenzter Macht.“ Andere versuchten, die Autokratie zu reformieren, um sie zu erhalten, wie Alexander II., der die Leibeigenschaft abschaffte, aber den Terror nicht verhindern konnte. Der unglückselige Nikolaus II. schließlich hing bis zuletzt der Illusion an, Russland sei ohne die Selbstherrschaft, also: ohne die Romanows undenkbar.
  Und doch sind drei Jahrhunderte Herrschaft über das von ausländischen Mächten und inneren Rivalen beanspruchte Riesenreich eine Riesenleistung für eine Dynastie, die anfangs nicht mal eine geregelte Erbfolge hatte. Damit nicht jede Machtübergabe zur politischen Krise wurde, hielten die frühen Zaren aufwendige Brautschauen ab, bei denen sie reproduktionsfähige Gattinnen ohne Bindung an die mächtigen Clans bei Hofe suchten. Später verlor diese Selektion an Bedeutung: Die Romanows hatten ihre Stellung in Europa inzwischen so sehr gefestigt, dass sie auch für andere europäische Adelshäuser attraktive Partien waren.
  Nicht zu unterschätzen für die Herrschaftssicherung war – ähnlich wie an anderen Höfen, aber vielleicht eine Spur fantasievoller – demonstrative Gewalt. Montefiore erspart dem Leser keinen abgeschlagenen Kopf (in Wodka getränkt und angezündet), keine herausgerissene Zunge, keinen aufgespießten Körper, kann aber auch eine gewisse Eintönigkeit der zuweilen ins Absurde gesteigerten Quälereien nicht vermeiden. Die Hinrichtung des Kosakenrebellen Stenka Rasin etwa beinhaltete Aus- und Einrenken der Glieder, Quälereien mit Eisen und Wasser, Vierteilen, Enthaupten und das Verfüttern der Innereien. „Übertöten“ würde man das heute nennen.
  Peter I., der wie viele Zaren Besuche in der Folterkammer liebte, nötigte einem ehemaligen Höfling eine philosophische Plauderei ab: „Ihr seid doch ein kluger Mann. Warum habt ihr euch gegen mich gewendet?“ – Der Gefolterte, immer noch schlagfertig: „Der Geist braucht Raum, wenn man ihn einsperrt.“
   Montefiore hat ein fast Turgenjewsches Talent dafür, Figuren mit ein paar Sätzen unvergesslich zu machen. So schreibt er über den rotbärtigen Zaren Alexei: „Seine Religiosität nahm so viel Raum ein, dass selbst Kirchenmänner nach wenigen Tagen im Kreml entkräftet waren.“ Das ist auch nötig. Denn Fürsten, Generäle, Mätressen, Mönche und Friseure mit Spitznamen wie „Vampir“, „Grammophon“ oder „Eissuppe“ ziehen in einem schier endlosen Reigen vorüber. Dass die Kapitel Besetzungslisten wie ein Opernlibretto enthalten, ist andererseits aber auch bitter nötig.
  Wer fehlt? Bauern, Arbeiter, ganz generell Untertanen, solange sie nicht durch Aufstände oder Attentate verhaltensauffällig wurden. „Die Romanows“ ist keine Sozial- oder Mentalitätsgeschichte, sondern die intimste Charakterstudie dieser Dynastie, die auf Deutsch zu haben ist.
  Für wen empfiehlt sich das Buch? Für Russland-Einsteiger mit Freude an schockierenden Geschichten. Für Fortgeschrittene, die nie so weit in die Zarenpaläste vorgedrungen sind. Und natürlich für Kenner, die wissen, dass, wie Montefiore schreibt, in der Geschichte „nichts unausweichlich“ ist, auch nicht in einem so grellen, größenwahnsinnigen, überlebensgroßen Land wie Russland.
SONJA ZEKRI
Simon Sebag Montefiore: Die Romanows. Glanz und Untergang der Zarendynastie 1613-1918. Aus dem Englischen von Gabriele Gockel. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2016. 1032 S., 35 Euro. E-Book 30,99 Euro. Das Buch erscheint am 27.&hairsp;Oktober.
Die einzelnen Kapitel haben
Besetzungslisten wie ein
Opernlibretto. Das ist bitter nötig
Die Zarenfamilie nach der Russischen Revolution, in der Gefangenschaft in ihrem Haus in Tobolsk.
Foto: Getty Images
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 26.11.2016
Das war mehr als eine russische Seifenoper

Dildos oder Reformen: Simon Sebag Montefiore konzentriert sich in seinem Sittenbild der Romanows zunächst auf die Exzesse der Zarendynastie.

Von Reinhard Veser

Im Dezember 1916 schrieb Zarin Alexandra an ihren Mann, Zar Nikolaus II.: "Ich bin vollkommen überzeugt, es werden großartige und wunderbare Zeiten anbrechen." Und er antwortete ihr aus dem Zug, der ihn zum Hauptquartier der von einer Niederlage zur anderen eilenden russischen Armee brachte: "Die große Not ist vorüber." Drei Monate später war die Monarchie in Russland unter dem Druck der streikenden Arbeiter von Petrograd und der Unzufriedenheit sogar großer Teile der konservativen Oberschicht wie ein Kartenhaus zusammengebrochen - und die Mitglieder der Zarenfamilie waren Gefangene der revolutionären Regierung, bis sie im Juli 1918 in Jekaterinburg in einem Kellerverlies von Bolschewisten bestialisch ermordet wurden.

Das letzte Kapitel in Simon Sebag Montefiores Buch über die Romanows erzählt die Geschichte eines Realitätsverlustes. Der Herrscher und seine Frau waren nicht mehr in der Lage, das Geschehen in ihrem Reich zu verstehen, weil sie unter dem Druck von drei Jahrhunderten Herrschaft ihres Geschlechts meinten, einem Idealbild des Zaren entsprechen zu müssen, über das die politische, soziale und militärische Realität längst hinweggegangen war. Dieses Ideal freilich war ohnehin nie Wirklichkeit. Die Herrschaft der Romanows wurde am Ende der fast dreißig Jahre währenden blutigen Wirren begründet, die auf den Tod Iwans des Schrecklichen 1584 folgten. Als die Führer des russischen Adels im Jahr 1613 dem siebzehn Jahre alten Michail Romanow die Herrschaft über das von Terrorherrschaft, Bürgerkrieg und polnisch-litauischer Invasion verwüstete Land antrugen, wollte dieser die Krone zunächst nicht annehmen. Er war der erste von vielen Zaren, die das Amt nicht wollten, ihm nicht gewachsen waren und zum Spielball in den Intrigen an ihrem Hofe wurden. Es war der Vater Zar Michails, ein Mann, der in den Jahren der Wirren zwangsweise zum Priester geweiht worden war, um ihn aus dem Machtkampf auszuschalten, der die Herrschaft der Romanows etablierte und das zerfallende Reich in mehreren Feldzügen wieder stabilisierte.

Wie ein roter Faden zog sich die hemmungslose Gewalt, die das Moskauer Reich in den Anfangsjahren der Romanow-Herrschaft prägte, lange durch die Geschichte des Geschlechts: Mord im Familienkreis war an der Tagesordnung und Folter ein reguläres Mittel zur Austragung von Meinungsverschiedenheiten. Um diese Art der Debattenkultur aufrechtzuerhalten, wurden die grausam zugerichteten Leichname der Unterlegenen gerne an den Kremlmauern zur Schau gestellt. Erst im neunzehnten Jahrhundert waren es nicht mehr die eigenen Angehörigen, sondern Gegner der Monarchie, die den Zaren nach dem Leben trachteten.

Diese Welt der Exzesse, in der es zum abendlichen Unterhaltungsprogramm bei Hofe gehörte, eigens herangeschaffte Kleinwüchsige zu quälen, schildert Montefiore in allen scheußlichen Einzelheiten. Ab der Herrschaft Peters des Großen an der Wende vom siebzehnten zum achtzehnten Jahrhundert nehmen in seiner Darstellung auch die alkoholgetränkten Orgien und das nicht minder ausschweifende Sexualleben des Herrschers und seiner Entourage großen Raum ein. Über diesen Dingen verliert Montefiore immer wieder die Logik und den roten Faden des historischen Geschehens aus dem Blick. So schreibt er über den Umgang des Zaren Alexei I. mit seinen Widersachern während der Kirchenreform Mitte des siebzehnten Jahrhunderts: "Alexei war entschlossen, keine Märtyrer zu schaffen, also ließ er sie foltern und dann verhungern." Über die Gründe der Kirchenspaltung dagegen, einen Einschnitt in der russischen Geschichte, erfährt man wenig.

Den Details der mehrstufigen Hinrichtung des Kosaken Stenka Rasin wird vom Vorspiel mit der Peitsche über die Aus- und Wiedereinrenkung der Glieder bis zur Vierteilung und Verfütterung der Innereien an Hunde mehr Raum gewidmet als den Gründen und Folgen des von ihm geführten Aufstands, der als Urbild des gewalttätigen sozialen Aufruhrs tiefe Spuren in der russischen Kultur hinterließ. Seinen eigenen Anspruch, mit der Familiengeschichte der Romanows ein "Porträt der Entwicklung Russlands, seiner Autokratie und seiner Seele" entstehen zu lassen, verfehlt Montefiore einige hundert Seiten lang deutlich.

"Man kann Peter den Großen nicht verstehen, wenn man seine nackten Zwerge und Dildos schwenkenden Scheinpäpste nicht ebenso betrachtet wie seine Reformen und seine Außenpolitik", schreibt er in seiner Einleitung. Das ist nicht falsch - das Sittenbild, das er zeichnet, sagt viel darüber, wie im Russland des achtzehnten Jahrhunderts Herrschaft ausgeübt und Politik gemacht wurde. Aber der Wettbewerb zwischen den Dildos und den bahnbrechenden Verwaltungsreformen Peters des Großen endet bei Montefiore unausgewogen. Anfangs sind die Schilderungen der Gelage, zu denen Peter seine Höflinge zwang, noch unterhaltsam. Aber mit jeder Wiederholung werden sie ermüdender, und je mehr man über Verwandtschaftsbeziehungen, Eifersuchtsdramen und Liebeshändel auch zweitrangiger Gestalten liest, desto mehr beschleicht einen das Gefühl, an eine zu lange Seifenoper mit zu vielen Figuren geraten zu sein.

Das Buch wird schlagartig besser, als dessen Autor zu Katharina der Großen gelangt, über deren lebenslange Liebesbeziehung zu dem aus niederem Stand aufgestiegenen Grigori Potemkin er vor einigen Jahren ein eigenes Buch verfasst hat. Je näher er an das Ende des Hauses Romanow kommt, zu desto größerer Form läuft Montefiore auf: In den Jahrzehnten ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, in denen Rückständigkeit und innere Widersprüche des Zarenreichs immer deutlicher spürbar werden, wird das Buch zu der am Anfang versprochenen Erzählung über den Charakter der Autokratie, über die Grenzen, Zwänge und Bürden, die sie ihren Herrschern auferlegt.

Im Spiegel persönlicher Briefe der Zaren, ihrer Ehefrauen und Geliebten, der Erinnerungen von Mitgliedern der weitläufigen Herrscherfamilie, Höflingen und Zeitgenossen schafft Montefiore eine atmosphärisch dichte Darstellung einer Familie, in deren Kommunikation Liebesgeturtel und Sorgen um die Kinder nahtlos in Entscheidungen über Krieg und Frieden und Sein und Nichtsein eines gigantischen Imperiums übergehen. Wohl nirgendwo war der Achtundsechziger-Spruch, das Private sei politisch, so wahr war wie bei den Romanows. Spätestens bei jenem Brief an Zarin Alexandra, den der letzte Zar Nikolaus II. wenige Wochen vor der Revolution mit "Dein willenloser kleiner Tolpatsch" unterzeichnet, hat man Montefiore sogar Platitüden wie "Der Aufbau eines Imperiums lag den Romanows im Blut" verziehen.

Simon Sebag Montefiore: "Die Romanows". Glanz und Untergang der Zarendynastie 1613-1918.

Aus dem Englischen von Gabriele Gockel. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016. 1032 S., geb., 35,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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die intimste Charakterstudie dieser Dynastie, die auf Deutsch zu haben ist. Sonja Zekri Süddeutsche Zeitung 20161018