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"Es ist das größte Glück der Welt, dass wir hier gelandet sind. Auch wenn es das größte Unglück der Welt ist, das uns hergebracht hat." Lotte wohnt in einem Forsthaus, obwohl ihr Papa gar kein Förster ist. Grund dafür ist der Krieg, der ihrem Vetter Knut den Vater genommen hat und Lehrer Fettig ein Auge. Seit die grässliche Frau Greßmann im Forsthaus das Sagen hat, ist vieles verboten - Kirschenpflücken zum Beispiel. Doch Lotte lässt sich nicht unterkriegen. Wer Kirschen haben will, muss sie eben klauen. Und dass nur Jungs Lederhosen tragen dürfen, sieht sie schon gar nicht ein! Ein Buch, das…mehr

Produktbeschreibung
"Es ist das größte Glück der Welt, dass wir hier gelandet sind. Auch wenn es das größte Unglück der Welt ist, das uns hergebracht hat." Lotte wohnt in einem Forsthaus, obwohl ihr Papa gar kein Förster ist. Grund dafür ist der Krieg, der ihrem Vetter Knut den Vater genommen hat und Lehrer Fettig ein Auge. Seit die grässliche Frau Greßmann im Forsthaus das Sagen hat, ist vieles verboten - Kirschenpflücken zum Beispiel. Doch Lotte lässt sich nicht unterkriegen. Wer Kirschen haben will, muss sie eben klauen. Und dass nur Jungs Lederhosen tragen dürfen, sieht sie schon gar nicht ein! Ein Buch, das von einer Kindheit in der Nachkriegszeit erzählt und zu vielen Gesprächen zwischen den Generationen Anlass gibt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Gerstenberg Verlag
  • Seitenzahl: 192
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Erscheinungstermin: Januar 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 238mm x 172mm x 30mm
  • Gewicht: 618g
  • ISBN-13: 9783836959971
  • ISBN-10: 3836959976
  • Artikelnr.: 49736387
Autorenporträt
Anke Bär studierte in Hildesheim Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis. Heute lebt sie als freischaffende Illustratorin in Bremen.
Rezensionen
Anke Bär über "Kirschendiebe" "Lottes Geschichte ist ein Dreiklang aus Gehörtem, selbst Erfahrenem und Erfundenem. Die Kindheit meiner eigenen Mutter bildet den Kern der Geschichte. Etliche Zeitzeugen haben in Interviews Anekdoten beigesteuert. Ich habe eine große Hochachtung davor, was meine Mutter und all ihre Zeitgenossen bewältigt haben. Vieles war schwierig damals. Der damalige Mangel hat die Menschen erfinderisch gemacht. Von diesem Erfindungsreichtum, der Wertschätzung gegenüber Dingen, können wir uns in unserer heutigen Konsumgesellschaft eine Scheibe abschneiden. Mein Wunsch ist es, über Lotte die Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen, insbesondere natürlich die Kinder der Kriegs- und Nachkriegsjahre mit den Kindern und Jugendlichen von heute. Ich freue mich auf gemeinsame Veranstaltungen!"

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.06.2018

Ich saß
ganz still
Jugend in der
Nachkriegszeit
Es ist alles andere als eine heile, aber es ist trotzdem auch eine schöne Welt. Oder, um mit den Worten der Ich-Erzählerin, der elfjährigen Lotte, zu sprechen: „Es ist das größte Glück der Welt, dass wir hier gelandet sind. Auch wenn es das größte Unglück der Welt ist, das uns hergebracht hat: der Krieg.“ Lotte, ihr ein Jahr älterer Bruder Paul und ihre Mutter haben, als ihr Vater Soldat werden musste, Berlin verlassen und sind in ein kleines Dorf gezogen. Dort lebt ihre Tante, deren Mann gefallen ist, mit zwei Kindern in einem Forsthaus. Hier wird es freilich bald noch enger, Lottes Vater schlägt sich irgendwann zu ihnen durch, dann zieht eine neue Försterfamilie ins Erdgeschoss, es finden sich die Großeltern ein, die unter dem Dach Unterschlupf finden, und dann kommt noch ein Schwesterchen auf die Welt.
Der Autorin Anke Bär (Jahrgang 1977) ist ein erfrischendes, überhaupt nicht betuliches Buch gelungen, dessen Lektüre Alt wie Jung gleichermaßen Spaß machen kann. Dabei gibt es nicht eben wenig Probleme: das knappe Geld, ein Alkoholproblem des Vaters, der Opa, der erst durch eine „Weihnachts-Amnestie“ entnazifiziert wird, Nachbarn, die geizig, neugierig oder bösartig, und Lehrer, die autoritär und seltsam sind. Da sind aber auch eine emanzipierte, freche Patin, die liebevolle Mutter und nicht zuletzt Lottes originelle Freunde und ihr eher etwas ängstlicher Bruder Paul. Anke Bär verliert nie ihren lockeren, unprätentiösen Ton. Etwa wenn Lotte ihre einjährige Schwester beschreibt: „Bott, bott, bott, gluckste Tilla, wippte auf und ab und klatschte in die Hände. Bestimmt hat sie zuerst die Hühnersprache gelernt, damit sie sich wenigstens mit den Hühnern unterhalten kann.“ Oder wenn sie über ihren Großvater sagt: „Im Ersten Weltkrieg haben sie ihm den Namen Eiserner Hans gegeben, damals war er Offizier oder so etwas Ähnliches (…) Die Manschettenknöpfe hat er allerdings gegen Pfeifentabak eingetauscht. Ganz so eisern ist er wohl doch nicht.“
Die studierte Kulturwissenschaftlerin und Illustratorin streut zudem in den Text ihre klaren Bleistiftzeichnungen. Und bei allen kleinen und größeren Abenteuern vergisst sie nie die Schönheit der Natur: „Das Sonnenlicht fiel durch das junge Buchenlaub und zeichnete verschlungene Muster auf den Waldboden. Es roch so gut nach trocknender Erde, und die vielen Buschwindröschen verströmten ihren leisen Frühlingsduft (…) Ich saß ganz still.“ Nicht umsonst hat Bär auch „Ästhetische Praxis“ studiert, das hat nicht nur mit Kunst zu tun, sondern eben auch mit sinnlichen Wahrnehmungen.
Um die inzwischen schon 70 Jahre entfernte Zeit besser verstehen zu können, werden im Anhang ein paar geschichtliche Daten geliefert, historische Museen, passende Kinder- und Jugendbücher vorgestellt und schließlich persönliche Erinnerungsstücke und alte Fotos gezeigt. Sie stammen teilweise von der Familie der Autorin, deren Erlebnisse den Anstoß zu diesem Buch gegeben haben. (ab 9 Jahre)
RALF HUSEMANN
Anke Bär: Kirschendiebe oder Als der Krieg vorbei war. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2018. 208 Seiten, 18 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Ralf Husemann hat dieses Buch gern gelesen, in dem Anke Bär eigentlich recht vergnüglich eine Familiengeschichte aus der Nachkriegszeit erzählt. Schon das Setting in dem Haus gefällt ihm: Immer mehr Mitglieder der Familie retten sich hierher, bis es aus allen Nähten zu platzen droht, am Ende kommt noch Opa, bei dem die Entnazifizierung etwas länger gedauert hat. Wem das alles schon zu weit weg ist, dem hilft die Autorin mit Material aus ihrer Familiengeschichte, erklärt der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.08.2019

Klartext von Tante Elli
Anke Bär zeichnet in "Kirschendiebe" ein deutsches Nachkriegspanorama

Seit einigen Jahren haben Bücher über Kriegskinder und Kriegsenkel Konjunktur. Dabei geht es um die Nachfahren nichtjüdischer Deutscher, deren Eltern oder Großeltern während des Zweiten Weltkriegs Erwachsene waren und die in dieser Zeit Schlimmes getan, erlebt oder mitbekommen haben. Während der Nachkriegsjahre wurden die Kriegserfahrungen häufig verdrängt, verleugnet oder verharmlost. Geblieben sind ein tiefes Unbehagen und die Unfähigkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Schweigen lastet über Generationen hinweg auf den betroffenen Familien und begünstigt bis heute die stumme Weitergabe von durch Gewalt, Trennung und Verlust erworbenen Traumata an Kinder und Kindeskinder.

Anke Bär hat mit "Kirschendiebe oder als der Krieg vorbei war" nun ein Buch vorgelegt, das sich an die Enkel und Urenkel der Kriegskinder richtet und geeignet ist, diese Weitergabe zu unterbrechen. Denn es ist nicht nur eine wunderbar geschriebene und illustrierte Geschichte, die verstehen lässt, wie es für nichtjüdische Deutsche war, im und nach dem Zweiten Weltkrieg Kind zu sein. Es ist auch eine Aufforderung, selbst Fragen zu stellen und Erinnerungen zu teilen.

Eine Schar von Kindern - Geschwister, Cousinen, Cousins, Nachbarskinder, Schulfreundinnen und Schulfreunde - bevölkert Anke Bärs Roman. Mittendrin die elfjährige Erzählerin Lotte, die mit ihrer großen Familie, dem Hausmädchen Helma und einigen Hühnern in einem idyllischen Forsthaus am Dorfrand lebt. Das Haus ist umgeben von einem Obstgarten, bewaldeten Hügeln und einem ruhigen Fluss. Häufig unbeobachtet von den vielbeschäftigten Erwachsenen, bauen sich die Kinder Hütten im Wald, klettern auf die höchsten Bäume, sammeln Pilze, spielen ihrem Lehrer harmlose Streiche und klauen das Obst der neuen Försterfamilie.

Atmosphärisch dicht entsteht das Bild einer glücklichen und freien Kindheit im Einklang mit der Natur und dem Jahreslauf. Doch das Grauen der jüngsten Vergangenheit bricht sich immer wieder Bahn in die Gegenwart. Das Kriegsende liegt erst drei Jahre zurück. Onkel Fritz, der Vater von Knut und Hanna, der vor dem Krieg Forstmeister war, ist als Soldat erschossen worden. Daraufhin sind Herr und Frau Greßmann mit ihren zwei Kindern als neue Försterfamilie ins Forsthaus eingezogen und bestimmen nun über alles, auch über das Obst im Garten. Lotte, ihre Geschwister und ihre Mutter, später auch ihr aus russischer Kriegsgefangenschaft geflohener Vater und die Großeltern, sind aus der Stadt, wo die Versorgungslage schlecht ist, zu der jetzt alleinstehenden Tante Hilde und ihren Kindern gezogen. Die fünf Erwachsenen und fünf Kinder teilen sich wenige Quadratmeter in der oberen Etage des Hauses und unter dem Dach.

Für Lotte ist das alles normal und gut. In angenehm unaufgeregtem Ton und aus kindlicher Perspektive schildert sie einen Alltag der ersten Nachkriegsjahre, der trotz aller Beschränkungen und Beschwerlichkeiten vergleichsweise behütet und glücklich ist. Und doch sind die Folgen des Krieges ständig präsent, etwa wenn die Kinder im Wald Metallteile und Glassplitter finden oder wenn sie erfahren, dass die griesgrämige Nachbarin Frau Sieffert alle drei Söhne und ihren Mann als Soldaten im Krieg verloren hat. Dass Lotte plötzlich von großer Trauer erfüllt ist, weil sie gleichzeitig an den kriegsversehrten Bäckermeister, ertränkte Katzenbabys, tote Amseln oder ihre womöglich kaputte Puppe denken muss, zeigt, wie sehr der Horror der Kriegsjahre den Kindern bei aller vermeintlichen Unbeschwertheit in den Knochen sitzt.

"Das ganze Unglück der Welt brach über mich ein", lässt die Autorin Lotte sagen, als sie vor Erleichterung über ihre wider Erwarten unversehrt gebliebene Schildkrötenpuppe Kläuschen schluchzt. Nicht nur Lotte hat mit den Kriegsfolgen zu kämpfen. "Alle haben Alpträume", heißt es. Auf unterschiedliche Weise kommen die Erinnerungen an schreckliche Erlebnisse zum Vorschein. Während die Frauen alles tun, um den Alltag der Familie möglichst reibungslos am Laufen zu halten, reagieren die Männer mit übertriebener Strenge und mit Aggressionen gegen sich und andere. Da ist der Lehrer, der einen Jungen verprügelt, weil er einmal zu viel gehustet hat. Da ist der Forstmeister, der das Jagdgewehr auf die Kinder richtet, weil sie im Spiel Fallgruben im Wald ausgehoben haben. Da ist der Großvater, der die Großmutter für jeden Pfennig zur Rechenschaft zieht, den sie für den Haushalt ausgegeben hat. Und da ist der Vater, der häufig abwesend ist und zu viel Alkohol trinkt. Angesprochen auf ihre Zeit im Krieg, erzählen sie Anekdoten, wie sie einmal in einer Feuerpause mit dem Feind eine Zigarette geraucht haben zum Beispiel. Über alles andere wird geschwiegen.

Wäre da nicht Lottes Patentante Elli, eine Medizinstudentin, die ab und zu mit ihrer Freundin Margot auf dem Motorrad vorbeikommt und Klartext redet, hätten die Kinder kaum eine Chance zu verstehen, was geschehen ist. Tante Elli hat zu allem eine Meinung. Zum Entsetzen ihrer Mutter und ihrer Lehrerin schenkt sie Lotte eine Lederhose und bleut ihr ein, eher ihrem "gesunden Menschenverstand" und ihrem "mitfühlenden Herz" zu trauen als dem "Nazibrockhaus".

Das wunderschön gestaltete Buch hält auf fast jeder Seite detaillierte Bleistiftzeichnungen der Autorin bereit, mit denen sie Tiere und Gegenstände aus dem dörflichen Alltag der späten vierziger Jahren illustriert, sei es die besondere Art, wie die Zöpfe der Mädchen geflochten wurden - "Affenschaukeln" genannt -, oder der Gürtel mit befestigter Stoffbinde, den die Frauen während der Menstruation getragen haben. Am Ende des Buches sind Gegenstände dieser Zeit mit Farbfotos und Erläuterungen abgebildet. Es sind Erinnerungsobjekte, die die Autorin bei ihren Eltern, Großeltern und anderen Verwandten gefunden hat. Auch diese Bilder könnten helfen, über Generationengrenzen hinweg ins Gespräch zu kommen.

RAMONA LENZ

Anke Bär: "Kirschendiebe oder als der Krieg vorbei war".

Mit Zeichnungen der Autorin. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2018. 240 S., geb., 18,- [Euro]. Ab 10 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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