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2 Kundenbewertungen

Der Kinderklassiker endlich als Lesung!
Das Tessin in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Not leidenden Bergbauern verkaufen ihre Kinder nach Mailand. Zwanzig Franken bekommen Giorgios Eltern dafür, dass ihr Sohn als "spazzacamino", als lebender Kehrbesen, durch die Kamine kriecht. Von der Familie seines Meisters wird er gequält, von anderen verspottet. Vor allem eine Straßenkinderbande macht es den Kaminkehrerburschen schwer. Doch die wehren sich und gründen den Bund der "Schwarzen Brüder" ...
Lisa Tetzners Klassiker hat auch nach Jahrzehnten immer noch nichts von seiner Ausstrahlung
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Produktbeschreibung
Der Kinderklassiker endlich als Lesung!

Das Tessin in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Not leidenden Bergbauern verkaufen ihre Kinder nach Mailand. Zwanzig Franken bekommen Giorgios Eltern dafür, dass ihr Sohn als "spazzacamino", als lebender Kehrbesen, durch die Kamine kriecht. Von der Familie seines Meisters wird er gequält, von anderen verspottet. Vor allem eine Straßenkinderbande macht es den Kaminkehrerburschen schwer. Doch die wehren sich und gründen den Bund der "Schwarzen Brüder" ...

Lisa Tetzners Klassiker hat auch nach Jahrzehnten immer noch nichts von seiner Ausstrahlung verloren. Wie die "Schwarzen Brüder" sich in ihrer Verzweiflung wehren und gegenseitig Halt geben, berührt den Hörer zu tiefst.

Dietmar Bär, Schauspieler und routinierter Hörbuchsprecher, erzählt mit empathischer, ruhiger Stimme diese fesselnde Geschichte. Für sein großes Interpretationstalent wurde der "Tatort"-Darsteller mehrfach ausgezeichnet, z. B. für die "Törtel"-Trilogie von Sauerländer audio.
  • Produktdetails
  • Verlag: Argon
  • Anzahl: 6 Audio CDs
  • Gesamtlaufzeit: 424 Min.
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Erscheinungstermin: 27. März 2014
  • ISBN-13: 9783839846704
  • Artikelnr.: 39985491
Autorenporträt
Tetzner, Lisa
Lisa Tetzner, geboren 1894 in Zittau, war Märchenerzählerin, Kinderfunkleiterin und Autorin von sozial engagierten Romanen, die Jugendliche bis heute fesseln. Ihre Bücher über "Die Kinder aus Nr. 67" und "Hans Urian" waren und sind große Erfolge. 1933 folgte sie ihrem Mann Kurt Kläber (alias Kurt Held) in das Schweizer Exil. Sie starb 1963 in Carona (Kt.Tessin).

Bär, Dietmar
Dietmar Bär ist seit 1997 in der Rolle des Tatort-Kommissars Freddy Schenk zu sehen. Er erhielt zahlreiche Film- und Fernsehpreise und ist ein beliebter Hörbuchsprecher. Für Sauerländer audio las er bereits die vielfach ausgezeichnete "Törtel"-Trilogie von Wieland Freund und "Achtung, hier kommt Lotta!" von Daniel Napp.
Trackliste
CD 1
1Die Schwarzen Brüder von Lisa Tetzner00:07:15
2Sie stiegen hinter dem Haus den Berg hinauf00:08:04
3Schön war es hier00:08:40
4Ein paar Wochen später00:09:45
5Es waren knapp drei Wochen vergangen00:08:55
6Der Frost blieb00:06:49
7Nach langen Beratungen beschlossen die Männer den Abstieg00:08:57
8Der Mann mit der Narbe saß wie vor einem Jahr00:08:49
9Sie hatte es abgebunden und hängte es Giorgio um00:06:50
CD 2
1Es musste die ganze Nacht geregnet haben00:04:14
2Es wurde Mittag00:06:23
3Sie aßen schweigend00:07:29
4Giorgio wachte auf00:05:44
5Sie fuhren weiter00:07:35
6Der Mann mit der Narbe schlug die Augen auf00:07:03
7"Jetzt haben wir vergessen, nach der Straße nach Mailand zu fragen."00:02:59
8Am nächsten Morgen kamen sie nach Stresa00:07:29
9Sie legten sich im Kellerverlies ganz eng zusammen00:07:13
10Mailand war am Tag noch interessanter00:05:40
11Ein paar Minuten später00:04:56
CD 3
1Unten im Hof war ein kleiner Schuppen00:08:51
2Gleich darauf wurden sie in ein zweites Haus gerufen00:06:22
3"Geh du zuerst!"00:06:57
4Giorgio wurde Punkt 5 von der Frau geweckt00:07:27
5Er blieb den ganzen Mittag liegen00:08:39
6Meister Rossi hielt sein Versprechen00:06:53
7"Parole!", sagte eine Stimme00:08:12
8Am nächsten Morgen fühlte sich Giorgio wie ausgewechselt00:06:45
9Angeletta saß aufgerichtet im Bett00:02:48
10Am übernächsten Abend00:03:41
11"Also...ich bin aus einem reichen Haus."00:07:40
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Giorgio ist dreizehn, als sein Vater ihn nach Mailand verkauft. Er ist einer von vielen Jungen aus dem Tessin, die dort als spazzacamini in die Schornsteine klettern und Verstopfungen beseitigen - eine gefährliche Arbeit. Giorgios Meister ist ein gutmütiger, aber schwacher Mann, die Meisterin hart und geizig. Außerdem sind da noch die Straßenkinder, die Giorgio verspotten. Doch die Kaminfegerjungen haben sich zur Bande der Schwarzen Brüder zusammengeschlossen und halten einander die Treue. Nachdem Giorgio beinahe an einer Rauchvergiftung gestorben ist, entdeckt Dr. Casella seine Verletzungen und Unterernährung und nimmt sich der Sache der verkauften Kinder an.

Lisa Tetzner ist die Frau von Kurt Held, dem Autor der "Roten Zora". Auch sie schreibt über Kinder, die unter widrigen Bedingungen ihre Würde und Menschlichkeit verteidigen. Der Roman basiert auf Tatsachen: Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Tessiner Kinder als spazzacamini ausgebeutet.

Dietmar Bärs Stimme klingt rau und karg wie die Berglandschaft, in der Giorgio zu Hause ist. Seine Lesung wirkt stellenweise monoton, im Ganzen aber gelungen. Den Kürzungen sind einige poetische Landschaftsbeschreibungen zum Opfer gefallen.

© BÜCHERmagazin, Elisabeth Dietz (ed)

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.11.2002

Schwarz wie die Nacht
Wie Kinder armer Leute Kaminkehrern einst als Sklaven dienten
HANNES BINDER/LISA TETZNER: Die schwarzen Brüder: Sauerländer, Düsseldorf 2002. 144 Seiten, 19,90 Euro.
Der Zürcher Grafiker und Illustrator Hannes Binder hat eine düstere, eine traurige Geschichte gezeichnet, die auch dadurch nicht viel erträglicher wird, dass sie gut endet. Faszinierend ist sein Projekt in jedem Fall. Binder hatte den Mut und die Energie, sich über Jahre hinweg mit einem Text zu befassen und diesen holzschnittartig zu illustrieren, der mehr als 60 Jahre alt ist, aber nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Damals, im Jahr 1941, schrieb die zeitweise an den Rollstuhl gefesselte Kinderbuchautorin und Märchenerzählerin Lisa Tetzner an einer Geschichte über arme Jungen aus dem Tessin, die ihren Eltern für ein paar Franken von Menschenhändlern abgekauft und dann als Sklaven an Kaminkehrer in Mailand verschachert wurden. „Die schwarzen Brüder” hieß die Geschichte.
Lisa Tetzner war damals mit dem kommunistischen Schriftsteller Kurt Kläber verheiratet, der später unter dem Pseudonym Kurt Held mit der „Roten Zora” einen Welterfolg schrieb. Kläber und Tetzner waren vor den Nazis in die Schweiz geflüchtet, doch auch dort hatte Kläber alias Held Schreibverbot. „Die schwarzen Brüder”, die Geschichte der Ausbeutung von Kindern und ihrer Rettung durch einen philanthropischen Arzt, faszinierte ihn so sehr, dass er das Buch gemeinsam mit seiner Frau beendete. Es erschien 1942 aber wegen seines Schreibverbots nur unter ihrem Namen.
Nun, viele Jahre später, hat Hannes Binder das Buch noch einmal hervor geholt. Denn noch immer ist das Thema Kinderarbeit hochaktuell – wenn auch weniger im reichen Europa als vielmehr in der Dritten Welt, in der auch heute verarmte Eltern ihre Kinder als Prostituierte oder Teppichknüpfer, Bauarbeiter oder Haussklaven verkaufen. Pendant zum philanthropischen Arzt Doktor Casella, der in den „Schwarzen Brüdern” dem unterernährten, kranken Giorgio das Leben rettet und ihm sogar eine Ausbildung zum Lehrer ermöglicht, sind in der modernen Welt bisweilen karitative Gruppen, die sich der Rettung von versklavten Kindern verschrieben haben.
Lisa Tetzner und Kurt Kläber haben das Schicksal des kleinen Giorgio als Geschichte von Unterdrückung und Befreiung geschildert. Giorgio schläft in einem Verschlag, des Nachts wird er eingesperrt, ein wenig Suppe und Brot sind seine einzige Nahrung. Tag für Tag muss er in rußige, oft noch glühend heiße Kamine hinaufsteigen und diese putzen; viele Kaminfegerjungen sterben bei dieser Arbeit.
Giorgio überlebt dank der kranken Tochter seines Arbeitgebers, die ihm heimlich Essen bringt. Sein Stolz überlebt, weil er gemeinsam mit Leidensgenossen eine Bande gründet. Und weil er Doktor Casella begegnet, den das Schicksal der Jungen anrührt. Er rät ihnen, zu fliehen, und verspricht, ihnen zu helfen. Casella ist es auch, der schlussendlich den Menschenhändler bei der Polizei anzeigt.
Binder hat diese Geschichte wie einen altmodischen Bilderroman gezeichnet – in düsterem Schwarz-Weiß, mit bisweilen grotesk verzerrten Figuren, aber bisweilen auch mit Zeichnungen von eindrucksvoller Schönheit. Die Illustrationen ersetzen ab und zu den Text, was manchmal ein wenig Verwirrung in den Fortlauf der Geschichte bringt, und sehr kindgerecht sind seine Arbeiten auch nicht. Ungeachtet dessen hat Binder sich mit dieser ungewöhnlichen Neubearbeitung eines historischen Jugendbuches verdient gemacht.
CATHRIN KAHLWEIT
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Ein Klassiker!
Schon vor mehr als einem halben Jahrhundert - und seitdem immer wieder, nicht zuletzt in der zwölfteiligen TV-Verfilmung von 1984 - hat dieser Klassiker zum ersten Mal kleine (und große) Leser dazu gebracht, über das harte Los des kleinen Kaminfegerbuben zu weinen (besonders, wenn wieder einer der Kameraden Opfer seines Berufs oder eines gewissenlosen Meisters wurde). Und noch heute fiebern Mädchen und Jungen über die knapp 500 Seiten mit dem Helden bis zum (wir dürfen es verraten), glücklicherweise guten Schluss.
Mag sein, dass ein Teil der Faszination dieser Lektüre darin liegt, dass es sie Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich gab, die Acht- bis Elfjährigen, die von ihren Verwandten aus Not oder Habgier regelrecht nach Italien verkauft wurden, um dort die Kamine zu reinigen.
Kaum vorstellbar, unter welchen Bedingungen diese armen Kinder leben mussten - meist ohne ordentliche Schlafstatt, warme Kleidung oder ausreichend Nahrung (sie sollten ja möglichst lange klein und zierlich bleiben); ganz zu schweigen von den körperlichen Misshandlungen durch ihre Dienstherren.
Immer aktuell
Auch unter den Jungen selbst wird zuweilen geprügelt - dann wieder steht Opferbereitschaft und selbstloses Eintreten für die Freunde im Vordergrund. Ein Thema so alt wie die Welt - und doch immer aktuell, selbst wenn dabei weder Computer noch Handy zum Einsatz kommen.
Ihre klare und doch so eindringliche Sprache stellt die geborene Zittauerin Tetzner in eine Reihe mit berühmten Jugendbuchautoren-Kollegen aus ihrer Wahlheimat Schweiz wie etwa Johanna Spyri. Da verlassen junge Menschen unter dramatischen Umständen ihre Heimat um nach Jahren der Entbehrung und des Leids am Ende wieder (und das meist als tüchtige, erfolgreiche Erwachsene) nach Hause zurückzukehren. Ein Sujet, das sicherlich einerseits antiquiert anmuten mag, aber dennoch auch für die Kids des 21. Jahrhunderts in seiner Vorhersehbarkeit den Charme des Vertrauten besitzt - und so kuscheln sie sich denn beim Lesen, wie ihre Eltern und Großeltern vor ihnen, mit leichtem Schauder behaglich in die Kissen, froh zu wissen, dass es ein Happy End geben wird und dass DIESE Form der Ausbeutung in mitteleuropäischen Breiten definitiv der Vergangenheit angehört. (Michaela Pelz, krimi-forum.de)

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Als "kleines Meisterwerk der Bildkunst" bezeichnet Rezensentin Elena Geus diesen Roman in Bildern, der, wie sie schreibt, nach einem Werk von Lisa Tetzner und Kurt Held entstand. Dessen Text sei in der vorliegenden Neuausgabe auf "etwa ein Zehntel" der Originalfassung komprimiert und gehe mit den Zeichnungen von Hans Binder eine "faszinierende Symbiose" ein, in der die Illustrationen die Handlung tragen und "oft vollständig ersetzen". Die angewandte grafische Technik des Auskratzens, die der Künstler in den rund zweihundert Bilder des Bandes angewandt habe, findet die Rezensentin für "diese traurige Geschichte der verkauften Kinder, die sich der Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen" nur durch eine riskante Flucht entziehen können, ausgesprochen gut geeignet. Am Duktus der Bildsprache, die sie an Holzschnitte erinnert haben, beeindruckte die Rezensentin besonders die klaustrophobische Intensität. Neben Montagen aus raumgreifenden Einzelillustrationen fand sie die Geschichte auch in "kleinen Zyklen, Bildern im Bild und Sequenzen in schneller Folge" erzählt: "mal komplex und überscharf, dann wieder voller subtiler Details."

© Perlentaucher Medien GmbH"
Hannes Binder hat den Klassiker nun in holzschnittartige Bilder gefasst und daraus eine Graphic Novel erster Klasse gemacht. Christoph Hartner Steirerkrone 20131211

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 01.02.2003

Wenn Giorgio in die Schlote steigt
Hannes Binders Neuinszenierung der "Schwarzen Brüder"

Vom Volksglauben, dem Schornsteinfeger, dem Herrn der Dachfirste, müsse man wohlwollend begegnen, weil er vor Pech schützt - im Kamin wie im Leben -, spürt Giorgio nichts. Von der Familie seines Meisters wird er gequält, in den Straßen verspottet. Von den mittellosen Eltern, Bergbauern im Tessiner Verzascatal, ist er nach Mailand verkauft worden, wo er sich als "spazzacamino", als lebender Kehrbesen, verdingen muß. Mit nur ein paar Fetzen am Leib und stets hungrig, verrichtet der dreizehn Jahre alte Junge seine Arbeit. Zwanzig Franken haben Vater und Mutter vom "Mann mit der Narbe" für ein halbes Jahr Frondienst ihres Sohnes in der Fremde bekommen. Nicht viel, aber nachdem das Jahr 1838 nur Krankheit, Dürre und Viehsterben brachte, zum Überleben dringend nötig. Wenn Giorgio in die Schlote steigt, ist es dunkel und dreckig. Mit den Händen muß er den Ruß abkratzen, während er sich mit Ellbogen und Knien im Schornstein abstützt und langsam vorwärts zwängt.

Dunkel sind auch die Bilder von Hannes Binder. Was beim ersten Hinsehen wenig einladend wirkt, entpuppt sich beim zweiten als kleines Meisterwerk der Bildkunst. "Roman in Bildern" nennt sich Binders "Die schwarzen Brüder" nach dem gleichnamigen Werk Lisa Tetzners aus den Jahren 1941und 1942. Mehr als vier Jahre währte die Arbeit an dieser eigenwilligen Neubearbeitung. Text - von Hans ten Doornkaat intelligent umstrukturiert und auf etwa ein Zehntel der Originalfassung komprimiert - und Zeichnungen gehen eine ebenso seltene wie faszinierende Symbiose ein. Verwundert sucht man zunächst nach Textanschlüssen, ist irritiert über vermeintliche Auslassungen, die es gar nicht gibt. Wer sich durch den Text mogeln und die Zeichnungen als illustrative Dreingabe vernachlässigen will, muß feststellen: In diesem Buch kann das eine nicht ohne das andere sein. So ist ein graphischer Roman entstanden, in dem nicht die Bilder die Erzählung begleiten, sondern der Text von Bildfolge zu Bildfolge überleitet, die Illustrationen die Handlung tragen und immer wieder vollständig ersetzen.

Wohl kaum eine Technik wie die hier angewandte des Schabkartons, bei der aus einer schwarz bestrichenen Kartontafel mit einem Messer Linien gekratzt werden, eignet sich besser für diese traurige Geschichte der verkauften Kinder, die sich der Zwangsarbeit unter unmenschlichen Lebensbedingungen nur durch riskante Flucht und mit Hilfe eines Gönners entziehen können. Aus diesem Aufkratzen, mal grob geschabt, mal filigran geritzt, entstehen Konturen und Flächen, Gestalten und Gesichter, Innen- und Außenwelten. Diese im Duktus an die Bildsprache der Holzschnitte erinnernde Technik ist in ihrer Farbreduziertheit von einer Intensität, daß man die klaustrophobische Enge der Kamine zu spüren und den Dreck auf der Zunge zu schmecken glaubt.

Rund zweihundert Bilder sind auf diese Weise entstanden, eine Montage aus raumgreifenden Einzelillustrationen, kleinen Zyklen, Bildern im Bild und Sequenzen in schneller Folge, mal komplex und überscharf, dann wieder voller subtiler Details. Eine Arbeit, die schnappschußartige Momentaufnahmen simuliert, dabei aber ein Höchstmaß an Konzentration und Präzision erfordert, weil diese Technik, bekannt aus modernen Comics, kaum Korrekturen erlaubt.

"Logisch" nennt der Schweizer Maler, Grafiker, Illustrator und Zeichenlehrer Hannes Binder seinen Schritt von Comic-Adaptionen der Werke des Krimiautors Friedrich Glauser hin zu den "Schwarzen Brüdern" von Lisa Tetzner und Kurt Held. Die Autoren haben ein ähnliches Bild von Gut und Böse, die Täter sind auf ihre Weise auch Opfer. Unverkennbar ist Binders Vorliebe für Geschichten, die im Tessin spielen. Immer wieder hat der 55 Jahre alte Künstler dort recherchiert und fotografiert, bevor er erste Skizzen anfertigte.

Als die "Firma Held und Tetzner", wie Lisa Tetzner die enge Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit ihrem Mann Kurt Kläber, der unter dem Pseudonym Kurt Held publizierte, gerne bezeichnete, am Roman arbeitete, spottete der Freund und Kollege Bertolt Brecht, einige der im Exil lebenden Autoren hätten schon angefangen, "harmlose Kinderbücher" zu schreiben. Harmlos ist das von Tetzner im Schweizer Exil angefangene und von Kläber beendete Manuskript, das sie dann wiederum überarbeitete und das unter Tetzners Namen veröffentlicht wurde, nicht. Bei seinem Erscheinen war der Roman wegen seiner unsentimentalen Darstellung von Kinderarbeit und Ausbeutung stark in der Kritik. Auch Binder und ten Doornkaat beschönigen nichts. Obwohl es die Zeichentechnik nahelegt, malen sie längst nicht so in Schwarzweiß wie das Original - hier soziale Anklage über die Abgründigkeit menschlicher Gewinnsucht, dort Hymnus auf Solidarität und Humanität. Die Neuinszenierung, die sich erst schroff und sperrig gibt, ist inhaltlich und bildlich von perspektivischer Vielfalt. Und dort am besten, wo die Bilder ihre ganz eigene, wunderbare Sprache entfalten.

ELENA GEUS

Hannes Binder/Lisa Tetzner: "Die schwarzen Brüder". Roman in Bildern. Sauerländer Verlag, Düsseldorf 2002. 144 S., geb., 19,90 [Euro]. Ab 12 J.

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