12,00
versandkostenfrei*
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

4 Kundenbewertungen

August 1944: Der Abwehroffizier Hans Georg Klamroth wird als Hochverräter hingerichtet. Jahrzehnte später sieht Wibke Bruhns Filmaufnahmen von ihrem Vater während des Prozesses gegen die Verschwörer des 20. Juli. Der Anblick lässt sie nicht mehr los: Sie macht sich auf eine lange Suche nach seiner und auch ihrer eigenen Geschichte. Ein einzigartiges Familienepos.
Am 26. August 1944 wird der Abwehroffizier Hans Georg Klamroth wegen Hochverrats hingerichtet. Jahrzehnte später sieht seine jüngste Tochter in einer Fernsehdokumentation über den 20. Juli Bilder ihres Vaters - aufgenommen während
…mehr

Produktbeschreibung
August 1944: Der Abwehroffizier Hans Georg Klamroth wird als Hochverräter hingerichtet. Jahrzehnte später sieht Wibke Bruhns Filmaufnahmen von ihrem Vater während des Prozesses gegen die Verschwörer des 20. Juli. Der Anblick lässt sie nicht mehr los: Sie macht sich auf eine lange Suche nach seiner und auch ihrer eigenen Geschichte. Ein einzigartiges Familienepos.


Am 26. August 1944 wird der Abwehroffizier Hans Georg Klamroth wegen Hochverrats hingerichtet. Jahrzehnte später sieht seine jüngste Tochter in einer Fernsehdokumentation über den 20. Juli Bilder ihres Vaters - aufgenommen während des Prozesses im Volksgerichtshof. Ein Anblick, der Wibke Bruhns nicht mehr loslässt. Wer war dieser Mann, den sie kaum kannte, der fremde Vater, der ihr plötzlich so nah ist? Die lange Suche nach seiner, ja auch ihrer eigenen Geschichte führt sie zurück in die Vergangenheit: Die Klamroths sind eine angesehene großbürgerliche Kaufmannsfamilie und muten wie ein Halberstädter Pendant zu den Buddenbrooks an. Unzählige Fotos, Briefe und Tagebücher sind der Fundus für ein einzigartiges Familienepos.
  • Produktdetails
  • Ullstein Taschenbuch Bd.36748
  • Verlag: ULLSTEIN TB
  • Erw. Ausg.
  • Seitenzahl: 387
  • Erscheinungstermin: Oktober 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 120mm x 27mm
  • Gewicht: 296g
  • ISBN-13: 9783548367484
  • ISBN-10: 3548367488
  • Artikelnr.: 13348015
Autorenporträt
Bruhns, Wibke
Wibke Bruhns wurde 1938 in Halberstadt geboren. Als erste Frau präsentierte sie 1971 die »heute«-Nachrichten, später ging sie als Stern-Korrespondentin nach Israel und in die USA und wurde Kulturchefin des ORB. Heute lebt sie als freie Autorin in Berlin.
Rezensionen
Besprechung von 19.02.2004
Der verlorene Vater

WIDERSTAND. Die Journalistin Wibke Bruhns hat ein Buch über Hans Georg Klamroth geschrieben, jenen Major der Reserve aus großbürgerlicher Kaufmannsfamilie in Halberstadt, der zu den Männern des 20. Juli gezählt wird. Dabei hatte der Abwehroffizier nie an der eigentlichen Attentatsplanung teilgenommen, war nur "Mit-Wisser, nicht Mit-Täter". So sieht es die 1938 geborene Tochter, die jüngste von fünf Kindern. Ihre Schwester Ursula heiratete 1943 den vierzehn Jahre älteren Oberstleutnant Bernhard Klamroth, einen Vetter zweiten Grades von Hans Georg. Bernhard war ein enger Vertrauter des Hitler-Gegners Generalmajor Hans Stieff und besorgte gemeinsam mit Albrecht von Hagen den Sprengstoff für das Attentat. Ein Treffen der beiden Klamroths mit Stieff und Claus von Stauffenberg Anfang Juli 1944 sollte Hans Georg zum Verhängnis werden, weil er danach weder seinen Schwiegersohn Bernhard noch die anderen Verschwörer ans Messer lieferte. Bernhard wurde am 21. Juli 1944, Hans Georg am 25. Juli verhaftet - dazwischen kam noch am 22. Juli Bernhards und Ursulas Sohn zur Welt. Mitte August verurteilte der Volksgerichtshof Bernhard und Hans Georg als Hochverräter zum Tode. 35 Jahre später sah Wibke Bruhns in einer Fernsehdokumentation ihren Vater vor dem Volksgerichtshof, aber erst nach dem Tode von Mutter Else im Jahr 1987 begann sie, über sein Leben zu recherchieren: "Heute weiß ich, daß viele der 20.-Juli-Witwen gegenüber ihren Kindern geschwiegen haben. Es war ein Schweigen, wo Fragen sich verbot. Die Zumutung wurde von beiden Seiten vermieden." Sie erzählt die Geschichte ihrer Familie vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, leidet nachträglich innig mit der Mutter an den Eskapaden des Vaters, dem sowohl Ehefrauen aus befreundeten Familien als auch Au-pair-Mädchen nicht nur zu Füßen liegen wollten. Die Eltern waren in der NSDAP und setzten große Hoffnungen auf den "angebeteten" Hitler; bei der Mutter kamen nach dem Judenpogrom 1938 erste Zweifel am Regime auf, beim Vater während des Dänemark-Einsatzes 1940/41. Mehrfach wirft die Tochter ihnen nun vor, daß sie sich wohl zu sehr um Deutschlands Ehre und viel zuwenig um das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus gesorgt hätten. Immerhin endet die eindrucksvolle, den Leser mitreißende und durch die zitierten Familienpapiere quellennahe Vatersuche versöhnlich: "Ich habe von dir gelernt, wovor ich mich zu hüten habe. Dafür ist ein Vater da, nicht wahr? Ich danke dir." (Wibke Bruhns: Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie. Econ Verlag, München 2004. 396 Seiten, 22,- [Euro].)

rab.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
"Eine faszinierende Mischung aus privater Chronik, zeitgeschichtlichem Report und persönlicher Indentitätssuche" Der Spiegel

"Ein berührendes, persönliches Buch" Berliner Zeitung

"Eine große Leistung" Süddeutsche Zeitung

Besprechung von 22.03.2004
Suchbild mit Vater
Wibke Bruhns fragt nach einem Helden und findet eine Familie, die tiefe Einblicke in die deutsche Geschichte bietet
Andere Familien sammeln Briefmarken oder züchten Rosen. Die Familie Klamroth aus Halberstadt hortete Wörter, zehntausende, hunderttausende von Wörtern, festgehalten in Briefen, Tagebüchern, Alben, geronnen zu Geschichten, Liedern, Anekdoten, Liebesschwüren, politischen Erklärungen. Fast 200 Jahre lang sprach der Clan der Klamroths zu Halberstadt im Harz die Sprache des wohlhabenden Bürgertums – ehrbare Kaufleute, hingegeben an Kaiser, Vaterland und Reichswehr, besoffen vom Krieg und offen für die Dolchstoßlegende, demokratiekritische Skeptiker, vorsichtige Antisemiten, begeisterte Nazis.
Wibke Bruhns, geborene Klamroth und erfolgreiche Journalistin, hat sich in all den Hinterlassenschaften ihrer Großväter, Schwestern, Tanten und Ur-Uronkel vergraben und eine so anschauliche wie detailfreudige private Geschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert geschrieben. Gewidmet hat sie das Buch ihrem Vater und seiner Zeit, „Meines Vaters Land”, doch geleistet hat sie weit mehr. Konsequent hat sie den genauen Blick, der sich 1790 auf die Firmengründung „I. G. Klamroth” richtet, beibehalten bis zur Hinrichtung ihres Vaters in Plötzensee im Sommer 1944.
Dabei ist es ihr zwar nicht gelungen, die Motive des Abwehroffiziers Hans Georg Klamroth, der Mitwisser, nicht jedoch Mittäter im Verschwörerkreis des 20. Juli war, zu erhellen. Seine Tagebücher hatte die Gestapo beschlagnahmt, seine Briefe aus den letzten Kriegsjahren sind ungewohnt einsilbig. Und so ist man für einen Augenblick geneigt, ein wenig enttäuscht zu sein von diesem Werk, das im Vorwort vom anfänglichen Vorhaben erzählt: erzählt, wie eine erwachsene Frau von einer Dienstreise heimkehrt, übernächtigt eine Kassette in den Videorecorder schiebt, die das Kindermädchen aufgenommen hatte, und mit dem eigenen, dem fremden Vater konfrontiert ist. Der befindet sich in den Fängen des Roland Freisler vor dem Volksgerichtshof, bespuckt und begeifert von diesem Schergen Hitlers, einsam in einem zu großen Anzug, kurz vor seiner Verurteilung zum Tode durch den Strang. Die Tochter beschließt, sich ihm erzählend zu nähern – aber das gelingt ihr anders, weniger politisch, dafür menschlicher als geplant.
Da, wo die Journalistin den Mann aus dem Kreis des 20. Juli, den mutmaßlichen Nazigegner sucht, da findet sie den Vater. Sie mag ihn nicht besonders, er ist eitel und geschwätzig, aufgeblasen und untreu, aber er hat auch gute Seiten, ist humorvoll und fürsorglich, witzig und charmant. Seine vielen Affären erbittern die Mutter, die Ehe ist bereits gescheitert, als Klamroth an die Ostfront geht, Mutter Else schweigt später beredt über den toten Gatten.
Aber auch Else Klamroth, eine geborene Podeus aus Wismar, hatte sich dem fast zwanghaften Schreiben gewidmet, und so findet Wibke Bruhns viele Jahre später auch eine Mutter wieder, die zu suchen sie so womöglich gar nicht vorgehabt hatte. Sie lernt den fröhlichen, weltoffenen Haushalt der Familie Podeus an der Ostsee kennen, der an eine Märchenwelt aus der guten alten Zeit erinnert mit Spielen und Liedern und Gelächter und natürlich viel Geld. Sie findet eine Frau wieder, erkämpft sie sich nachgerade zurück, die ihr später als verschlossen und spröde erscheint und die doch als großbürgerliche Tochter in den zwanziger Jahren ungewohnt emanzipiert und schlagfertig gewesen sein muss.
Die Journalistin und Tochter wird zur Enkelin, weil sie weiter zurückgeht, sich ihrem Großvater Kurt Klamroth widmet – einem versierten Geschäftsmann mit Kontakten in alle Welt, der seinem Sohn mit Kriegsspielen an der See die Memme austreiben will, der später mit dem Sohn und Geschäftsnachfolger ein inniges Männer-Verhältnis pflegt – und der dazulernt im ersten der zwei schrecklichen Kriege. Er mahnt seinen Sohn, sich nicht zum Krüppel schießen zu lassen, Kaiser hin, Deutschland her, denn „bedenke nur immer, lieber Junge, dass Du nicht Berufssoldat bleiben wirst, sondern dass Dich noch eine sehr große Aufgaben erwartet bei der alten Firma Deiner Väter.”
Die Firma, aber auch Feste, Gäste, Gesellschaften, Hochzeiten, der Alltag in einem großbürgerlichen Haushalt, all das wird verwoben mit kurzen Einschüben über den Fortgang der politischen Entwicklung, über die Wirtschaftskrise und den Krieg („Es geht ja wunderbar vorwärts, nur noch 80 Kilometer von Stalingrad entfernt”, schreibt die Mutter), gewürzt mit Kommentaren der Autorin („bravo, Kurt”, oder „was ist das für eine grenzenlose Hybris”).
Dabei entsteht eine kompakte, fast pedantisch erstellte Mischung. Wie ein alter Film, in sepiabraun eingefärbt, spult er sich vor dem Leser ab und vermittelt einen so subjektiven wie plastischen Eindruck davon, wie das bürgerliche Deutschland dachte, dem die Nazis zwar zu prollig waren, das sich aber doch allzu gern einer Bewegung anschloss, die wieder zu erwecken versprach, was man betrauerte: Größe, Ehre, Überschaubarkeit. Wibke Bruhns ist manchmal zu flapsig, wo sie Zusammenhänge nicht erklären kann, historische Details nicht kennt. Dennoch hat sie mit ihrer Recherchearbeit, ihrer Akribie und ihrer um Distanz bemühten Haltung eine große Leistung erbracht.
CATHRIN KAHLWEIT
WIBKE BRUHNS: Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie. Econ, München 2004. 286 Seiten, 22 Euro.
Trautes Idyll aus der Zwischenkriegszeit: Halberstadt im Harz, wo die Familie der Klamroths Handel mit Übersee betrieb, eine Villa mit Tennisplatz und Wintergarten besaß und heitere Familienfeste im großen Kreis abhielt.
Foto: SZ-Archiv
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Als eindrucksvoll, quellennah und den Leser mitreißend lobt der Rezensent mit dem Kürzel "rab" das Buch der Journalistin Wibke Bruhns über ihren Vater Hans Georg Klamroth, der als Mitglied der Verschwörung des 20. Juli hingerichtet worden war. Kurz werden Biografie und anfängliche Begeisterung der Familie für den neuen NS-Staat und die die immer wieder ambivalente Haltung der Tochter dazu skizziert. Schließlich sieht "rab" die im Buch versuchte "Vatersuche" trotz allem versöhnlich enden.

© Perlentaucher Medien GmbH"