Haus ohne Augenbrauen - Muscheler, Ursula
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Eine etwas andere Architekturgeschichte
Das 20. Jahrhundert war auch in der Architektur das Jahrhundert der Experimente, des ständigen Neubeginns, der sich wandelnden Visionen für eine bessere Zukunft. Die neuen Bauten sollten eine menschenwürdigere Welt vorwegnehmen oder sozialen Experimenten als Hülle dienen. Ursula Muscheler erzählt die Geschichten von zwanzig dieser Bauten - entworfen von den großen Architekten des Jahrhunderts wie Frank Lloyd Wright und Adolf Loos, Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier und Hans Scharoun. Wie Loos' "Haus ohne Augenbrauen" in Wien, so…mehr

Produktbeschreibung
Eine etwas andere Architekturgeschichte

Das 20. Jahrhundert war auch in der Architektur das Jahrhundert der Experimente, des ständigen Neubeginns, der sich wandelnden Visionen für eine bessere Zukunft. Die neuen Bauten sollten eine menschenwürdigere Welt vorwegnehmen oder sozialen Experimenten als Hülle dienen. Ursula Muscheler erzählt die Geschichten von zwanzig dieser Bauten - entworfen von den großen Architekten des Jahrhunderts wie Frank Lloyd Wright und Adolf Loos, Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier und Hans Scharoun. Wie Loos' "Haus ohne Augenbrauen" in Wien, so erregten sie alle Aufsehen in ihrer Zeit und wirkten stilprägend für die Zukunft. Das Buch läßt die Bauherren und Architekten mit ihren Ideen und Hoffnungen auftreten, erläutert ihre Neuerungen und schildert die meist gespaltene Reaktion der Zeitgenossen.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1773
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 255
  • Erscheinungstermin: September 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm
  • Gewicht: 250g
  • ISBN-13: 9783406548017
  • ISBN-10: 3406548016
  • Artikelnr.: 22826836
Autorenporträt
Ursula Muscheler, in Stuttgart promovierte Architektin, betreibt ein Architekturbüro in Düsseldorf. Gleichzeitig ist sie eine versierte Kennerin und Vermittlerin der Architekturgeschichte.
Rezensionen
Besprechung von 27.12.2007
Als Stalin in der Metro festsaß
Ursula Muscheler erzählt Architekturgeschichten aus dem 20. Jahrhundert
Menschen interessieren sich meist für andere Menschen. Wer ein größeres Publikum für das Thema Baukunst gewinnen will, ist also gut beraten, die Architekten und Bauherren ähnlich plastisch zu schildern wie ihre Gebäude. Kurzweilig und kenntnisreich gelingt das Ursula Muscheler mit ihrem Buch „Haus ohne Augenbrauen”, in dem sie „Architekturgeschichten aus dem 20. Jahrhundert” erzählt. Auf jeweils wenigen Seiten stellt die promovierte Architektin einen von zwanzig epochalen Bauten vor, lässt die Verantwortlichen und ihre Zeitgenossen zu Wort kommen und skizziert die Ideen und Debatten, die sie bewegten.
Ein dankbarer Stoff ist das titelgebende „Haus ohne Augenbrauen”. Ein für sein Entstehungsjahr, 1911, schockierend schmuckloses Wohn- und Geschäftshaus, das der Architekt Adolf Loos zur Empörung vieler Wiener und des greisen Kaisers gegenüber der Hofburg am Michaelerplatz errichtete. Zwar hat es einen marmorverkleideten Sockel mit Säulen und ein Traufgesims. Doch dazwischen erstreckt sich eine nüchterne Lochfassade ohne Fensterdekor, die dem Bau seinen Schmähnamen einbrachte und ihn zur Ikone der Moderne machte. Während die Wiener Presse wetterte und der Gemeinderat eine schönere Fassade verlangte, gab Loos sich unbeeindruckt in seiner Ablehnung überflüssiger Ornamente – wohl auch dank der Unterstützung der Bauherren, die dem fast Vierzigjährigen zum Auftrag für sein „erstes Haus” verholfen hatten. Tatsächlich aber sorgte die Aufregung für den Ausbruch eines alten Magenleidens bei Loos, der fortan jahrelang nur von „Schinken und Schlagobers” lebte, wie Muscheler den Memoiren seiner Frau entnahm.
Loos’ scharfzüngige Kritik machte auch vor dem Bauhaus nicht halt: denn „wenn ein Gebrauchsgegenstand in erster Linie nach ästhetischen Gesichtspunkten geschaffen wird, ist er ein Ornament, mag er auch noch so glatt sein.” Zitate wie dieses helfen, die Architekten über die Geschichten hinweg in Beziehung zu setzen und ein differenziertes Bild der Moderne zu gewinnen. So erscheinen Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe – der eine mit den Bauhaus-Bauten in Dessau (1925-1928) vertreten, der andere mit der mondänen Villa Tugendhat in Brünn (1930) – fast als Antipoden innerhalb der Richtung des Neuen Bauens. Gropius der fortschrittsgläubige Weltverbesserer, Mies der Lebemann und Ästhet. Dazu passen die zitierten, Mies zugeschriebenen Aussprüche: „Ich baue einfach – koste es, was es wolle” oder „Wenn meine Bauten für die Arbeiter zu teuer sind, warum gibt man ihnen denn nicht mehr Lohn?”
Lust am Aufbau
Im Arbeiterstaat Sowjetunion dagegen galt die Moderne bald als dekadent. Der neue offizielle Stil war eklektizistisch, beim Prestigeprojekt einer Metro für Moskau sollten unterirdische Paläste für das Proletariat entstehen. Unter einfachsten Bedingungen legten neben Tausenden Arbeitern und Freiwilligen auch die Verantwortlichen, Lasar Kaganowitsch und Nikita Chruschtschow, Hand an. Jungkommunisten ersetzten nach einer Säuberungsaktion „2000 Arbeiter, die die Lust am Aufbau des Sozialismus (...) vermissen ließen”, schreibt Muscheler. Die Einweihung der ersten Metrolinie 1935 musste dennoch um 14 Tage verschoben werden, bei einer Testfahrt saß Stalin eine Stunde im Tunnel fest.
Das Buch schließt mit James Stirlings Neuer Staatsgalerie in Stuttgart. Zwischen ihrer Eröffnung 1984 und der Fertigstellung der ersten Moskauer Metro vergingen fast fünfzig Jahre. Was beide Bauwerke vereint, ist die Skepsis gegenüber der Moderne. Mit der Postmoderne, zu deren emblematischen Bauten Stirlings Museum zählt, erhielt die Geschichte einen neuen Stellenwert, in Form von Architekturzitaten. Ein Paradigmenwechsel, der besonders die Fachwelt erregte, wie Muscheler anhand der Rezeption des Gebäudes verdeutlicht.
Für die experimentierfreudigen, zukunftsfrohen Jahrzehnte davor präsentiert sie unter dem Stichwort „Radikale Vielfalt” mit Bauten Le Corbusiers, Kisho Kurokawas oder Lucien Krolls prägnante Beispiele. Geschichten zur Stilvielfalt des restlichen Jahrhunderts bleibt das Buch schuldig. Muscheler, die mit „Die Nutzlosigkeit des Eiffelturms” bereits „eine etwas andere Architekturgeschichte” seit der Antike vorlegte, bleibt also Stoff genug für einen weiteren Band. FRANK THINIUS
URSULA MUSCHELER: Haus ohne Augenbrauen – Architekturgeschichten aus dem 20. Jahrhundert. Verlag C. H. Beck, München, 255 Seiten, 12,95 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Angetan zeigt sich Rezensent Frank Thinius von Ursula Muschelers "Architekturgeschichten aus dem 20. Jahrhundert". Die Darstellung von zwanzig epochalen Gebäuden von Adolf Loos' schmucklosem Wohn- und Geschäftshaus gegenüber der Wiener Hofburg am Michaelerplatz über Walter Gropius' Bauhaus-Bauten in Dessau und Ludwig Mies van der Rohes Villa Tugendhat in Brünn bis zu James Stirlings Neuer Staatsgalerie in Stuttgart lobt Thinius als abwechslungsreich und profund. Dabei attestiert er der Autorin, von den Architekten und Bauherren ebenso lebendig zu erzählen wie von ihren Gebäuden. Zudem lasse sie die Verantwortlichen und ihre Zeitgenossen zu Wort kommen und skizziere die Ideen und Debatten, die sie bewegten. Darüber hinaus gelingt es Muscheler in seinen Augen, die verschiedenen Architekten miteinander in Beziehung zu setzten und so ein "differenziertes Bild" der Moderne zu gewinnen.

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