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'This book is dynamite' - ROBERT GILDEA, author of Empires of the Mind A searing, landmark study of the British Empire that lays bare its pervasive use of violence throughout the twentieth century. Sprawling across a quarter of the world's land mass and claiming nearly seven hundred million people, Britain's empire was the largest in human history. For many, it epitomized the nation's cultural superiority, but what legacy have we delivered to the world? Spanning more than two hundred years of history, Caroline Elkins reveals an evolutionary and racialized doctrine that espoused an unrelenting…mehr

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Produktbeschreibung
'This book is dynamite' - ROBERT GILDEA, author of Empires of the Mind A searing, landmark study of the British Empire that lays bare its pervasive use of violence throughout the twentieth century. Sprawling across a quarter of the world's land mass and claiming nearly seven hundred million people, Britain's empire was the largest in human history. For many, it epitomized the nation's cultural superiority, but what legacy have we delivered to the world? Spanning more than two hundred years of history, Caroline Elkins reveals an evolutionary and racialized doctrine that espoused an unrelenting deployment of violence to secure and preserve British imperial interests. She outlines how ideological foundations of violence were rooted in Victorian calls for punishing indigenous peoples who resisted subjugation, and how over time this treatment became increasingly systematised. And she makes clear that when Britain could no longer maintain control over the violence it provoked and enacted, Britain retreated from its empire, destroying and hiding incriminating evidence of its policies and practices. Drawing on more than a decade of research on four continents, Legacy of Violence implicates all sides of the political divide regarding the creation, execution, and cover-up of imperial violence. By demonstrating how and why violence was the most salient factor underwriting both the empire and British imperial identity, Elkins explodes long-held myths and sheds a disturbing new light on empire's role in shaping the world today.
Autorenporträt
Caroline Elkins is a professor of history and of African and African American studies at Harvard University and the founding director of Harvard's Centre for African Studies. She is the recipient of numerous awards, including a Fulbright and an Andrew W. Mellon Fellowship. Her first book, Britain's Gulag: The Brutal End of Empire in Kenya, was awarded the Pulitzer Prize for General Nonfiction. Her research for that book was the subject of the award-winning BBC documentary Kenya: White Terror. She also served as an expert in the historic Mau Mau reparations case, brought against the British Government by survivors of violence in Kenya. She is a contributor to the New York Times Book Review, Guardian, Atlantic, Washington Post and New Republic. She lives in Watertown, Massachusetts.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 22.07.2022

Wer sich für Rechte und Freiheit starkmachte, galt als Terrorist
Im System der legalisierten Gesetzlosigkeit: Caroline Elkins zeigt, dass Gewaltexzesse über Jahrhunderte eine Selbstverständlichkeit britischer Herrschaft waren

Prinzessin Elisabeth befand sich gerade auf einer Reise in der damaligen britischen Kolonie Kenia, als ihr Vater, König George VI, im Februar 1952 unerwartet starb. Bald darauf folgte sie ihm als Staatsoberhaupt Großbritanniens. Unlängst konnte Elisabeth II. ihr siebzigjähriges Thronjubiläum feiern. Und Kenia ist bereits seit nahezu sechs Jahrzehnten unabhängig. Doch das Ende der dortigen britischen Herrschaft wirft bis heute seine Schatten. Ein ungemein brutaler Dekolonisationskrieg brach aus, kurz nachdem Elisabeth ihre Reise abbrechen musste, um zum Totenbett ihres Vaters nach London zu eilen.

Mit massiver Härte agierte die britische Kolonialverwaltung gegen die Mau-Mau-Revolte, die vor allem vom Volk der Kikuyu getragen wurde. 95 getöteten Europäern, davon 32 Zivilisten, standen über zwanzigtausend tote Afrikaner gegenüber. Während des gut sieben Jahre dauernden Krieges wurden mehr als eintausend Einheimische auf der Grundlage von hastig verabschiedeten Antiterrorgesetzen gehenkt, weit mehr als in jedem anderen kolonialen Konflikt.

Rund siebzigtausend Einheimische saßen ohne Prozess oft für mehrere Jahre in Gefängnissen und Internierungslagern, in denen die Regierung sie rigorosen "Umerziehungsprogrammen" unterwarf. Weit über hunderttausend Menschen wurden "umgesiedelt": Das britisch beherrschte Kenia war in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ein brutaler Polizeistaat.

In ihrer vor siebzehn Jahren publizierten, mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Studie "Imperial Reckoning. The Untold Story of Britain's Gulag in Kenya" hat die in Harvard lehrende Historikerin Caroline Elkins eindringlich das britische Gewaltregime und vor allem das Lagersystem im spätkolonialen Kenia beschrieben. Sie entwarf ihr in zornigem Ton gehaltenes Buch als eine Art persönliche Entdeckungsreise einer anfangs naiven jungen Wissenschaftlerin, die zur kompromisslosen Anklägerin kolonialer Gewaltexzesse wurde. In diesem Zusammenhang schien Elkins den Eindruck erwecken zu wollen, sie habe als Erste die britischen Gräueltaten in Ostafrika aufgedeckt.

Ihr Buch stieß auf große, freilich geteilte Resonanz. Während zahlreiche Kommentatoren lobten, sie habe endlich das "Schweigegelübde" durchbrochen, durch welche die Diskussion über britische imperiale Gewalt bis dahin geprägt gewesen sei, kritisierten besonders Fachkollegen ihren ostentativen Gestus einer Kreuzritterin, deren offenkundig überzogene Zahlen - sie sprach etwa von eineinhalb Millionen zwangsumgesiedelten Kikuyu - zum Teil auf schlampigen Methoden und dubiosen mündlichen Aussagen beruhten. Elkins habe lautstark offene Türen eingerannt.

Die Historikerin ließ jedoch nicht locker. Ihr Buch hatte einige Kikuyu ermutigt, mithilfe einer Anwaltsfirma die britische Regierung auf Entschädigungen zu verklagen, und Elkins trat in dem dann folgenden Verfahren als Gutachterin auf. An dessen Ende sah sich der damalige Außenminister William Hague im Juni 2013 veranlasst, im Abgeordnetenhaus sein Bedauern darüber auszudrücken, dass Tausende Kenianer in den Fünfzigerjahren unter britischer Herrschaft Opfer von Foltern und anderen Misshandlungen geworden waren. Ferner kündigte er an, dass die Regierung an über fünftausend Kenianern Entschädigungen zahlen werde - die erste offizielle Entschuldigung eines britischen Regierungsvertreters an die Opfer kolonialer Verbrechen.

Und noch etwas kam im Verlauf des Gerichtsfalles ans Licht: Die Kolonialverwaltung hatte, bevor sie Kenia verließ, nicht nur zahlreiche kompromittierende Akten zum Mau-Mau-Krieg verbrannt, sondern weiteres Material nach England geschafft und dort in geheime Magazine in der Nähe von Northampton eingelagert. Dieser Vorgang wurde von der Regierung in London lange bestritten, konnte nun aber nicht mehr geleugnet werden. Historiker konnten bisher unbekannte Dokumente, die Belege für die Folterpraktiken der Briten in Kenia lieferten, erstmals systematisch auswerten.

Zu ihnen zählte Caroline Elkins, und diese Akten und der Umgang mit ihnen bilden die Grundlage für das abschließende Kapitel ihres neuen Buches, einer umfassenden Gewaltgeschichte des britischen Weltreiches. In den Abschnitten zu Kenia aktualisiert sie die Ausführungen ihrer früheren Studie und sieht sich in ihrer damaligen drastischen Darstellung eines kolonialen Terrorregimes bestätigt und ihre Kritiker Lügen gestraft. "Legacy of Violence" geht jedoch weit darüber hinaus. Im Detail und anhand zahlloser Beispiele, die von Indien über Jamaika bis zu Irland, Palästina, Malaya und eben Kenia reichen, dokumentiert sie, dass Gewalt nicht ein gelegentliches, sondern grundlegendes Merkmal britischer Herrschaft in der Welt über viele Jahrhunderte darstellte. Die in der Studie präsentierten empirischen Befunde lassen an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig.

Noch schwerer wiegt, was Elkins das System der "legalisierten Gesetzlosigkeit" nennt. Die Rechtsstaatlichkeit, von den Briten so nachdrücklich als Kennzeichen moderner westlicher Zivilisation und Säule der Demokratie gepriesen, übersetzte sich in den Kolonien als Gebrauch von kodifizierten Regeln, die Freiheiten in der Regel beschnitten, nicht erweiterten, Landraub legitimierten und den beständigen Fluss von schlecht oder gar nicht bezahlten Arbeitskräften in die kolonialen Minen und Plantagen sicherten. Falls die Gesetze ihren Zweck einmal nicht erfüllten, zögerte das Empire nicht, den Ausnahmezustand und das Kriegsrecht auszurufen und auf diese Weise seine Gouverneure mit enormen Machtbefugnissen auszustatten. Widerstand gegen das koloniale Regime wurde so zu einer verbotenen Aktivität und definierte jene, die für ihre Freiheit und mehr Rechte kämpfen, als Kriminelle und Terroristen.

Dieses System verschärfte sich noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Neben Kenia sticht insbesondere Malaya hervor, wo die britische Regierung zur "Eindämmung" kommunistischer Aktivitäten die chinesische Bevölkerung zu "Fremden" erklärte, sie aus ihren Dörfern vertrieb, ihre Agrarflächen zerstörte und sie mit Zwang in neuen, umzäunten und stark bewachten Siedlungen einpferchte. Die Techniken der Unterdrückung, Überwachung, Enteignung und Erniedrigung wurden kopiert und verfeinert und reisten mit den Kolonialbeamten und -offizieren, die innerhalb des Kolonialreichs von einem Posten und zum anderen zogen. Ähnliches gilt für Strategien, Beweise der Gewaltpolitik verschwinden zu lassen. Nicht nur im Falle Kenias begannen Offizielle, als das Ende der britischen Herrschaft unabwendbar schien, Dokumente auszusortieren, an geheime Orte zu verlagern oder zu verbrennen.

Viele der von Elkins geschilderten Gewaltexzesse in den verschiedenen Teilen des Imperiums sind von der historischen Forschung bereits eingehend thematisiert worden. Gleichwohl entfaltet ihre Zusammenschau eine besondere Wucht. Zeichnet die Autorin ein einseitiges Bild? Sie vermeidet mit guten Gründen eine Aufrechnung der Gewalt mit dem Hinweis auf die Schulen, Wasserleitungen und die Elektrizität, die die Briten in ihre Besitzungen gebracht haben.

Ihr geht es nicht zuletzt darum, der in Großbritannien noch oder wieder verbreiteten Sicht vom Empire als etwas, "auf das wir stolz sein können", mit Empirie und Nachdruck entgegenzuhalten, dass die Ideologie des "liberalen Imperialismus" mit einem rassistischen Überlegenheitsanspruch einherging und Eroberung, Repression, eklatante Gewalt und Gesetzlosigkeit rechtfertigte. Dabei sind ihr so manche Ambivalenzen der britischen Kolonialherrschaft entgangen. Aber nach der Lektüre des Buches sollte klar sein, dass jene, die wie der Historiker Niall Ferguson behaupten, das britische Weltreich habe die "globale Wohlfahrt" erhöht und als Agentur für freie Märkte, Rechtsstaatlichkeit und vergleichsweise rechtschaffene Regierungen gewirkt, auf dem Holzweg sind. ANDREAS ECKERT

Caroline Elkins: "Legacy of Violence". A History of the British Empire.

Alfred A. Knopf, New York 2022. 8 96 S., geb., 39,50 Euro.

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