Europa und die Revolution (eBook, PDF) - Gregorovius, Ferdinand
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Ferdinand Gregorovius (1821 - 1891) gehörte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein zu den meistgelesenen deutschsprachigen Historikern - als politischer Publizist jedoch ist er noch weitgehend unbekannt. Seine Leitartikel für die "Neue Königsberger Zeitung" sind nicht nur spannende Zeitdokumente, sondern zugleich sprachliche Meisterwerke. "Europa und die Revolution" heißt der letzte von 92 Leitartikeln, die Ferdinand Gregorovius von Mai 1848 bis Juni 1850 für die "Neue Königsberger Zeitung" verfasst hat. Der Blick auf Europa durchzieht die Artikelfolge von Beginn an wie ein Leitmotiv - denn der…mehr

Produktbeschreibung
Ferdinand Gregorovius (1821 - 1891) gehörte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein zu den meistgelesenen deutschsprachigen Historikern - als politischer Publizist jedoch ist er noch weitgehend unbekannt. Seine Leitartikel für die "Neue Königsberger Zeitung" sind nicht nur spannende Zeitdokumente, sondern zugleich sprachliche Meisterwerke. "Europa und die Revolution" heißt der letzte von 92 Leitartikeln, die Ferdinand Gregorovius von Mai 1848 bis Juni 1850 für die "Neue Königsberger Zeitung" verfasst hat. Der Blick auf Europa durchzieht die Artikelfolge von Beginn an wie ein Leitmotiv - denn der junge Journalist verstand die 1848er-Revolution konsequent als ein europäisches Ereignis. Zusammen genommen bilden die Artikel ein politisches Manifest, in dem sich die Träume und Hoffnungen der Revolutionszeit spiegeln.

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  • Produktdetails
  • Verlag: C.H.Beck
  • Seitenzahl: 463
  • Erscheinungstermin: 29.08.2017
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406705939
  • Artikelnr.: 47614683
Autorenporträt
Dominik Fugger ist Leiter der Johann-Gottfried-Herder-Forschungsstelle am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Zusammen mit Nina Schlüter hat er bei C.H.Beck bereits den Band Briefe nach Königsberg (2013) von Ferdinand Gregorovius herausgegeben. Karsten Lorek war von 2010 bis 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt.
Inhaltsangabe
Einführung
Den Ereignissen einen Sinn geben. Ferdinand Gregorovius und seine Leitartikel für die Neue Königsberger Zeitung Leitartikel - 1848
Leitartikel - 1849
Leitartikel - 1850 Anmerkungen zur Einführung
Anmerkungen zu den Leitartikeln Kritischer Bericht Literaturverzeichnis Dank Personenregister Ortsregister
- Staatlich verfaßte Gemeinwesen / Provinzen
- Städte
- Landschaften / Landstriche / Geographische Begriffe
- Ethnien / Volksgruppen Sachregister
- Öffentliche Erklärungen und offizielle Dokumente (in chronologischer Folge)
- Kampfhandlungen
- Körperschaften / Kongresse / Versammlungen
- Zeitungen / Zeitschriften 1848 Der Entwurf der Preußischen Verfassung II
29. Mai 1848 Nr. 6 Deutsch-Französische Wahlverwandtschaften
6.Juni 1848 Nr. 12 Deutschland und Preußen
21.Juni 1848 Nr. 24 Das föderirte Deutschland
22.Juni 1848 Nr. 25 Die Ohnmacht Oestreichs inmitten der Slavenwelt
29.Juni 1848 Nr. 31 Der Panslawismus und Rußland
6.Juli 1848 Nr. 37 Ein Blick auf Italien
9.Juli 1848 Nr. 40 Das Landvolk, die kleinen Städte und ihr Verhältniß zur politischen Intelligenz
2. September 1848 Nr. 87 Zur Preußenfrage I. Was war Preußen?
7. September 1848 Nr. 91 Die Donaufürstenthümer
16. September 1848 Nr. 99 Zur Preußenfrage II. Was soll Preußen sein?
17. September 1848 Nr. 100 Die Crisis Ungarn's
27. September 1848 Nr. 108 Ein Wort des Friedens an den Soldatenstand
30. September 1848 Nr. 111 Die Einfälle der Republikaner in Baden
4. Oktober 1848 Nr. 114 Die italienische Frage
12. Oktober 1848 Nr. 121 Wien und das Gericht der Völker
17. Oktober 1848 Nr. 125 Der Völkercongreß
22. Oktober 1848 Nr. 130 1648 und 1848. Das zweihundertjährige Jubiläum des westphälischen Friedens
28. Oktober 1848 Nr. 135 Der Kampf um Wien
2. November 1848 Nr. 139 Rußlands Stellung zur Freiheit der Völker
10. November 1848 Nr. 146 Frankreich's 10. Dezember und Deutschland's 18. Brumaire
16. November 1848 Nr. 151 Ultima ratio
21. November 1848 Nr. 155 Die Beschlüsse der Frankfurter Nationalversammlung vom 20. November und unser Recht
29. November 1848 Nr. 162 Politisches Intermezzo
3. Dezember 1848 Nr. 166 Oesterreich in seinem gegenwärtigen geschichtlichen Prozesse I
17. Dezember 1848 Nr. 178 Oesterreich's Stellung zu Deutschland II
20. Dezember 1848 Nr. 180 Die römische Revolution
29. Dezember 1848 Nr. 187 1849 Vergangenheit und Zukunft
1.Januar 1849 Nr. 1 Die russisch-österreichische Allianz
9.Januar 1849 Nr. 8 Nordamerika
14.Januar 1849 Nr. 13 Die Lage Deutschlands I
27.Januar 1849 Nr. 24 Die Lage Deutschlands II 28.Januar 1849 Nr. 25 Die Lage Deutschlands III
30.Januar 1849 Nr. 26 Der Nationalismus
13. Februar 1849 Nr. 38 Allgemeine Weltlage I
17. Februar 1849 Nr. 42 Allgemeine Weltlage II
18. Februar 1849 Nr. 43 Allgemeine Weltlage III
20. Februar 1849 Nr. 44 Die römische Revolution
3. März 1849 Nr. 54 Die deutschen Grundrechte
7. März 1849 Nr. 57 Die russische Politik
11. März 1849 Nr. 61 Der 18. März
18. März 1849 Nr. 67 Die Lombardei und Ungarn
29. März 1849 Nr. 76 Der piemontesische Krieg
14. April 1849 Nr. 88 Die Politik Preußens
21. April 1849 Nr. 94 Die deutschen Könige
29. April 1849 Nr. 101 Die Ungarn, ihre Verhältnisse und die Folgen ihrer Siege I
5. Mai 1849 Nr. 105 Die Ungarn, ihre Verhältnisse und die Folgen ihrer Siege II
9. Mai 1849 Nr. 108 An das Volk in der Provinz
10. Mai 1849 Nr. 109 Der deutsche Bürgerkrieg und seine Ursachen I
23. Mai 1849 Nr. 119 10 Verzeichnis der Leitartikel Der deutsche Bürgerkrieg und seine Ursachen II
25. Mai 1849 Nr. 121 Die historischen Verhältnisse der Pfalz am Rheine
31. Mai 1849 Nr. 125 Die Verlegung der National-Versammlung nach Stuttgart
13.Juni 1849 Nr. 136 Die Politik Frankreichs und Italien I
29.Juni 1849 Nr. 150 Die Politik Frankreichs und Italien II
30.Juni 1849 Nr. 151 Der baierisch-österreichische Gegenbund I
21.Juli 1849 Nr. 169 Der baierisch-österreichische Gegenbund II
22.Jul
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.03.2018

Echte Kosmopoliten sind nicht neidisch
Wie Ferdinand Gregorovius in der „Neuen Königsberger Zeitung“ die Revolution von 1848 kommentierte
Was für ein Glück! Die Gesellschaft hat „in einem großherzigen Zuge alle Schranken mittelaltriger Kastenunterschiede umgestürzt (. . .), wir leben in der endlich hereingebrochenen Zeit, wo das Volk die Gesetze gibt, weil es die Geschichte macht“. Es ist Ende Mai 1848, Ferdinand Gregorovius schreibt seinen ersten Leitartikel für die Neue Königsberger Zeitung. Ein großer Ton ist gewählt.
Zum 2. Januar 1849 sieht der Autor auf das vergangene Jahr zurück, „als hätten wir ein ganzes Jahrhundert gelebt“. Das alte Jahr hat das „Kainszeichen“ dem Menschen „von der Stirn gewischt, indem es sein Menschenrecht heiligte. Es hat die Schranken zwischen den exclusiven Ständen niedergerissen, (. . .) es hat den Menschen als Menschen anerkannt.“
Doch schon im März 1849 sieht sich Gregorovius genötigt, eine „klägliche Energielosigkeit“ zu konstatieren, an der die deutsche Einheit scheitern werde. So kam es. Gregorovius löste sich aus den deutschen Verhältnissen, 1852 ging er nach Italien, das seine neue Heimat wurde. In Erinnerung ist er vor allem durch seine große und großartige „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter“ geblieben.
Ferdinand Gregorovius, 1821 in Ostpreußen geboren und dort auch aufgewachsen, hatte in Königsberg Theologie und Philosophie studiert, promoviert bei dem Hegel-Biografen Karl Rosenkranz. Dass Gregorovius während der Revolution als Journalist für die Neue Königsberger Zeitung gearbeitet hat, das wusste man seit Langem, und auch die redaktionelle Chiffre, unter der er schrieb, das Zeichen des Wassermanns, ist seit 1941 entschlüsselt. Aber die Neue Königsberger Zeitung galt seit dem Krieg als verloren. Erst nach 1989 wurde bekannt, dass sich das Exemplar der Königsberger Universitätsbibliothek in einem Archiv im polnischen Olsztyn (Allenstein) erhalten hat. Nun haben Dominik Fugger und Karsten Lorke alle Leitartikel von Gregorovius ungekürzt herausgegeben und mit einer Einleitung und ausgezeichneten Anmerkungen versehen.
Eine solche Edition ist etwas für Wissenschaftler und Liebhaber, aber nicht nur. Wie ein Mann der Linken die Revolution beobachtete, das ist auch für Nichtspezialisten interessant. Die Verfassungsfragen im engeren Sinn, vor allem die Grundrechtsdogmatik, über die sich die Frankfurter Nationalversammlung so lange die Köpfe zerbrach, beschäftigt unseren Chronisten wenig, auch das Staatsorganisationsrecht ist nicht seine Sache. Er ist auf ganz elementare Weise der Mann der Freiheit, der Völkerverständigung und der Nation. Die scheint ihm die natürliche Organisationsform des Politischen: „Die Völker reihen sich nach ewigen Gesetzen der Anziehung im System des Weltganzen zu nationalen Ordnungen.“
Wohl stehe der Begriff der Nationalität nicht „im diplomatischen Lexikon der Kabinettspolitik“, aber das spricht eben gerade gegen diese. Die Diplomatie und ihr „völkertödtendes System des europäischen Gleichgewichts“ empören Gregorovius immer wieder. Denn nichts sei „natürlicher, als daß die Nationen das einfache Princip stammlicher und sprachlicher Zusammengehörigkeit zur Voraussetzung des zu erwartenden neuen Staatensystems machten“.
Für die Revolutionsepoche war diese Frage von so großer Bedeutung, weil es darum ging, wer zu dem vereinten Deutschland gehöre. Vor allem Preußen und Österreich waren wacklige Kandidaten, weil sie auch außerdeutsche Länder einschlossen.
„Österreich will deutsch, aber es will auch österreichisch sein“, das sah Gregorovius als ein derzeit unlösbares Problem an, in einem Augenblick, zu dem die Völker „noch nicht auf dem Punkt angelangt sind, wo sie das Gedächtniß für ihre historischen Voraussetzungen glücklich verloren haben“. Man hört den geschichtsphilosophischen Optimismus heraus, fragt sich aber zugleich, was wohl Nationen sein können, wenn sie denn „das Gedächtniß für ihre historischen Voraussetzungen glücklich verloren haben“.
Womöglich noch interessanter der Fall Preußen, eine Reich ohne „Nationalkern“. Die moderne Sicht hält es gerade für einen Vorzug, über die nationalen Gesichtspunkte die egalitäre Idee von Staat und Recht zu stellen, ein konstruktives, das heißt freies Moment. Der Gedanke ist Gregorovius nicht fremd. Preußen sei „durchaus ein „Gedanken- oder Principstaat gewesen; das ist allerdings eine große Ehre, aber ein kleiner Vortheil“.
Der „energische Wille und die kräftige Einsicht seiner Herrscher“ habe zuletzt nichts als eine „mechanische Zusammensetzung“, das „todte Räderwerk der Administration“ hervorgebracht. „Der Staat der Bevormundung war der todte Staat; der Lebensstrom ging nur von oben nach unten.“ Das Mechanische greift Platz, wo die Demokratie nicht wirkt, und deren oberster Grundsatz muss ein, dass „wie im athenischen Staate ein jeder Bürger ohne Ausnahme am Staate arbeiten soll“. Deshalb haben Demokratien „ein möglichst gleiches Maß der Bildung zur Bedingung ihrer Existenz und ihres kräftigen Fortgangs“. Das Ideal der Nation als Gemeinschaft freier Menschen verführt Gregorovius nicht zu nationalem Hochmut. Voller Sympathie schaut er auf Polen und Ungarn, Italien und Frankreich. „Nicht neidisch sind wir, weil echte Kosmopoliten.“ Und wenn er einen regelrechten Abscheu gegen Russland hegt, so ausdrücklich allein gegen die Herrschaft des Zaren, nicht gegen die Russen.
Gregorovius gehörte wie die Neue Königsberger Zeitung zur politischen Linken. Er begrüßt den sinkenden Einfluss der Kirchen, er setzt auf die bürgerliche Selbsttätigkeit und lässt seine Forderung nach Freiheit und Gleichheit nicht bei der Rechtsgleichheit, in der Sphäre des Staates enden: „Die sociale Erlösung des Menschengeschlechts ist noch unterdrückt durch das Monopol, durch den Reichthum und durch die Aristokratie der Bildung.“ Dabei ist er völlig unborniert. Alte Standpunkte revidiert er, wo neue Tatsachen auftreten, nicht ohne dies zur Sprache zu bringen.
Das macht seine Leitartikel so aufschlussreich: Ein Blick in frühes, gedankenstarkes, dabei jederzeit irritables Nachdenken über Demokratie, Freiheit und Gleichheit, über die Nation und die Verständigung der Nationen. Man liest es mit Bewunderung und nicht ohne Neid auf den hegelgespeisten Optimismus: „Was die Gegenwart leidet, macht die Zukunft schön.“
STEPHAN SPEICHER
Er ist auf ganz elementare Weise
der Mann der Freiheit, der
Völkerverständigung, der Nation
Ferdinand Gregorovius: Europa und die Revolution. Leitartikel 1848–1850. Herausgegeben von Dominik Fugger und Karsten Lorek. Verlag C. H. Beck, München 2017. 463 Seiten, 48 Euro. E-Book 39,99 Euro.
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"Das macht seine Leitartikel so aufschlussreich: Ein Blick in frühes, gedankenstarkes, dabei jederzeit irritables Nachdenken über Demokratie, Freiheit und Gleichheit (...) Man liest es mit Bewunderung." Stephan Speicher, Süddeutsche Zeitung, 5. März 2018