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Im Herbst 1911 brachen der Norweger Roald Amundsen und der Brite Robert Falcon Scott von ihren Basislagern am Rande des antarktischen Kontinents auf, um jenen entlegenen Punkt der Erde zu erreichen, auf den noch kein Mensch seinen Fuß gesetzt hatte - den geographischen Südpol. Jahrelang hatten sie sich auf diese Expedition vorbereitet und zahllose Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, um ihren Traum zu verwirklichen, den viele ihrer Landsleute mit ihnen träumten. Beide hatten bereits reiche Erfahrungen im Eis gesammelt, doch waren es zwei Männer, die kaum unterschiedlicher hätten sein können.…mehr

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Produktbeschreibung
Im Herbst 1911 brachen der Norweger Roald Amundsen und der Brite Robert Falcon Scott von ihren Basislagern am Rande des antarktischen Kontinents auf, um jenen entlegenen Punkt der Erde zu erreichen, auf den noch kein Mensch seinen Fuß gesetzt hatte - den geographischen Südpol. Jahrelang hatten sie sich auf diese Expedition vorbereitet und zahllose Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, um ihren Traum zu verwirklichen, den viele ihrer Landsleute mit ihnen träumten. Beide hatten bereits reiche Erfahrungen im Eis gesammelt, doch waren es zwei Männer, die kaum unterschiedlicher hätten sein können. Amundsens Ziel war klar: er wollte um jeden Preis der Erste sein, der am Pol steht; Scott verstand sich als Leiter einer Gruppe von Wissenschaftlern mit vielfältigen naturkundlichen Interessen, die selbstverständlich ebenfalls die ehrgeizige Hoffnung hegten, als Erste den fernsten Süden zu erreichen.
Christian Jostmann erzählt in diesem reich bebilderten Buch die wechselhafte Geschichte der Antarktisforschung, beschreibt eindrucksvoll die Fremdheit und Monstrosität eines großartigen Naturraums, liefert immer wieder erhellende Charakterskizzen der Protagonisten und gestaltet literarisch meisterhaft den epischen Stoff eines der letzten großen Entdeckerabenteuer der Menschheit - eines Abenteuers, das jenen, die sich darauf eingelassen haben, jedes Opfer abverlangt, einigen sogar den Tod.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Beck C. H.
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: 26.08.2011
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406620959
  • Artikelnr.: 37355566
Autorenporträt
Christian Jostmann ist Historiker, Autor zahlreicher Bücher und schreibt regelmäßig für das Feuilleton der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Er hat sich für «Das Eis und der Tod» viele Jahre in die Literatur zur Polarforschung und speziell zur Expeditionsgeschichte der Unternehmungen von Robert F. Scott und Roald Amundsen eingearbeitet. Dank seiner reichen Literaturkenntnis und dank seiner erzählerischen Fähigkeiten war es ihm möglich, dieses gleichermaßen informative, spannende und literarisch gestaltete Buch über die Eroberung des Südpols zu schreiben.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.12.2011

Für Gott, König und Vaterland
Vor 100 Jahren erreichte Roald Amundsen den Südpol vor seinem Konkurrenten Robert F. Scott – zum Jubiläum gibt es neue Bücher über den dramatischen Wettlauf
Es erscheint zuerst als eine Art Wahn, dieses Streben nach einem imaginären Punkt in einer Weltgegend, die menschen- und lebensfeindlicher nicht gedacht werden kann. Aber Roald Amundsen, der erfolgreiche Erste am Südpol, und Robert Falcon Scott, der unglückliche, am Ende dem Tode geweihte Nachzügler, verstanden ihre Expeditionen als heroische Taten: für ihre Könige und Vaterländer, für die Wissenschaft, endlich für den eigenen Ruhm. Da das Unternehmen aber zum Wettlauf geriet zwischen dem in Arktis und Antarktis erprobten Abenteurertyp Amundsen und dem ebenfalls antarktisgeprüften, aber anderen Traditionen verbundenen Marineoffizier Scott, gewann das Rennen, das vor genau 100 Jahren entschieden wurde, den Charakter eines Zweikampfes höchst verschiedener Persönlichkeiten hinzu.
Die Tragödie von Scotts Expedition, die den Pol vier Wochen nach den Norwegern erreichte und deren Rückweg in der tödlichen Katastrophe aus Kälte, Hunger und Durst endete, hat dem Ganzen eine geradezu epische Dimension gegeben. Dazu trug ein Dokument entscheidend bei: Als man Scott und seine Leute acht Monate nach ihrem Tod entdeckte, fand sich neben Abschiedsbriefen auch sein Tagebuch. Dessen eindringlicher Ton, der die „Erzählung“ trägt bis zu den letzten Eintragungen, hat das Geschehen in der Antarktis emotional nachhaltig geprägt. Amundsens Darstellung seines Erfolges hat dagegen in der Rezeption der Zeitgenossen und später eher kühlen Respekt geerntet.
Die Unausweichlichkeit von Scotts letzten Sätzen lässt auch heute niemanden unberührt: „Freitag, 29. März. Seit dem 21. März hat es unaufhörlich aus Westsüdwest und Südwest gestürmt. Wir hatten am 20. noch Brennstoff, um jedem zwei Tassen Tee zuzubereiten, und trockene Kost auf zwei Tage. Jeden Tag waren wir bereit, nach unserem nur noch 20 Kilometer entfernten Depot zu marschieren, aber draußen vor der Zelttür ist die ganze Landschaft ein durcheinanderwirbelndes Schneegestöber. Ich glaube nicht, dass wir jetzt irgendwie auf Besserung hoffen können. Aber wir werden bis zum Ende aushalten, freilich werden wir schwächer und der Tod kann nicht mehr fern sein.
Es ist ein Jammer, aber ich glaube nicht, daß ich noch weiter schreiben kann.
R. Scott
Letzte Eintragung: Um Gottes Willen – sorgt für unsere Hinterbliebenen!“
In der Edition Erdmann ist nicht nur eine gekürzte Fassung von Scotts Tagebuch erschienen, sondern auch eine geraffte Version des Berichtes seines „Widersachers“ Amundsen. Dessen Ton klingt im Moment des Triumphes zwar zurückhaltend, sogar untertreibend, aber plötzlich auch pathetisch: „Nachdem wir haltgemacht hatten, traten wir zusammen und beglückwünschten uns gegenseitig. (. . .) Nach dieser ersten Handlung schritten wir zur zweiten, der größten und feierlichsten der ganzen Fahrt – dem Aufpflanzen unserer Flagge. (. . .) Fünf raue, vom Frost mitgenommene Fäuste griffen nach der Stange, hoben die wehende Fahne auf und pflanzten sie auf – als die einzige und erste auf dem geografischen Südpol. ,So pflanzen wir dich, liebe Flagge, am Südpol auf und geben der Ebene, auf der er liegt, den Namen ,König Haakon VII.-Land!‘“
Beide Originaltexte sind den zum Jubiläum herausgekommenen Büchern über diese Expeditionen überlegen, weil sich in ihnen der Geist jener Tage unmittelbar spüren lässt, die Verschiedenartigkeit der Protagonisten und deren grundsätzliche Entscheidungen. Scott wie Amundsen sahen sich unbewusst immer selbst im Mittelpunkt. Sie verstanden sich, wie verschieden auch immer, als Helden, als Eroberer.
Allerdings ordnete Amundsen alles seinem Ziel und der Nachricht, er habe als Erster den Pol betreten, unbedingt unter. Seine wissenschaftlichen Interessen standen hinter der reinen Sensation, der Gewinner des Wettlaufs zu sein, zurück. Daher wurden ihm später Hinterlist, Rücksichtslosigkeit, sogar Unfairness gerade von britischer Seite vorgeworfen. Dagegen hatte sich Scott immer als Offizier verstanden, der für sein ganzes Team Verantwortung übernahm. Die Unterschiede zwischen beiden lassen sich auch am Umgang mit den Zugtieren ausmachen: Amundsen setzte dank seiner Erfahrungen bei Grönlands Ureinwohnern auf Schlittenhunde, die aber nicht nur ziehen sollten, sondern beim Rückweg auch als Fleischreserve für die übrigbleibenden Tiere und die Menschen zu dienen hatten. Scott baute dagegen, trotz schlechtester Erfahrungen während der früheren Antarktisexpedition unter Shackleton, wieder auf Ponys, die bald der Kälte zum Opfer fielen. Die Pferde aber ähnlich wie Amundsen seine Hunde zu behandeln, lag ihm trotz Notwendigkeiten fern.
Der kriegerische Gestus des Eroberns, Siegens, Triumphierens – oder aber aus dem gleichen Denken eben das Unterliegen, Verlieren und Gedemütigtsein – lässt sich leicht aus einer Zeit nationaler Rivalitäten, chauvinistischer Aufplusterungen und nationalistischer Bornierungen verstehen, die schließlich im Ersten Weltkrieg explodierten. Die Antarktis und der Südpol galten als letzte Entdeckungen im alten, heroischen Sinn. Das mobilisierte individuellen wie nationalen Ehrgeiz und Siegeswillen.
Auch hundert Jahre später überwiegt in den meisten Veröffentlichungen zum Jubiläum das Pathos eines Heldenepos – da wird erneut erobert, gekämpft, gesiegt oder verloren. Ein typisches Beispiel liefert die Autorin Diana Preston mit ihrer Darstellung der Scott-Expedition. Im Vorwort preist sie nicht nur den Tagebuch-Schriftsteller und sein auch für heutige Schuljungen in Großbritannien vorbildliches männlich-heldisches Ethos, sie skizziert auch das für die dramatische Nacherzählung so günstige Gefälle zwischen dem zielgerichteten „kalten“ arktischen Profi Amundsen und dem hochgemuten britischen Kapitän, dem im besten sportlichen Sinne Amateur Scott, den von Anfang an das Missgeschick begleitete. Am Ende schildert sie ihre Besuche in Scotts Hütten, die heute noch in der Antarktis stehen und auf Restaurierung warten. Prestons persönliche Eindrücke an diesen Orten bringen wohltuende Distanz zum damaligen Geschehen, das sie zuvor eindringlich, wenn auch etwas altmodisch gestaltet: „Man bekommt einen Kloß im Hals, wenn man sich die Habseligkeiten derer ansieht, die nicht mehr zurückkehrten. Aber auch wenn man an diejenigen denkt, die hier warteten und vergeblich hofften . . .“
Christian Jostmann stellt sachlich Norweger und Engländer gegenüber und organisiert sein Buch als übersichtliche Parallelmontage. Dagegen widmet sich Reinhold Messner, natürlich als bekannter Arktisfahrer und Antarktisdurchquerer bei diesem Jubiläumsreigen unvermeidlich, dem Hundeführer Hjalmar Johansen. Der hatte einst Fridtjof Nansen auf dem Weg zum Nordpol begleitet, kam nach der Rückkehr mit dem Ruhm nicht zurecht und verfiel dem Alkohol, bis er sich bei Amundsens Expedition gleichsam wieder fing. Doch nach einer harten Auseinandersetzung, die Amundsen als Meuterei missverstand, weswegen er Johansen aus der Expedition ausschloss, endete dieser große Polarmann in Suff und Selbstmord. Messner versucht dieses Leben eines Verlorenen als Icherzählung, doch sie bleibt ziemlich flach. – Amundsen, Scott – wie sagt der Prediger im Alten Testament: „Es war alles eitel und Haschen nach Wind.“
HARALD EGGEBRECHT
ROALD AMUNDSEN: Die Eroberung des Südpols 1910-1912. Mit einem Vorwort von Fridtjof Nansen. Textauswahl u. Redaktion Gernot Giertz. Edition Erdmann im Marixverlag, Wiesbaden 2011. 240 Seiten, 24 Euro.
ROBERT FALCON SCOTT: Letzte Fahrt. Kapitän Scotts Tagebuch. Tragödie am Südpol 1910-1912. Hrsg. v. Ernst Bartsch. Edition Erdmann im Marix Verlag, Wiesbaden 2011. 316 Seiten, 24 Euro.
DIANA PRESTON: In den eisigen Tod. Robert F. Scotts Expedition zum Südpol. Deutsch von Sylvia Höfer. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011. 352 Seiten, 22,99 Euro.
CHRISTIAN JOSTMANN: Das Eis und der Tod. Scott, Amundsen und das Drama am Südpol. Verlag C. H. Beck, München 2011, 320 Seiten, 19,95 Euro.
REINHOLD MESSNER: Pol. Hjalmar Johansens Hundejahre. Malik im Piper Verlag, München 2011. 301 Seiten, 19,99 Euro.
Die Unausweichlichkeit
von Scotts letzten Sätzen lässt auch
heute niemanden unberührt
Auch heute überwiegt das
Helden-Pathos: Es wird erobert,
gekämpft, gesiegt oder verloren . . .
Im Jubiläumsreigen darf
natürlich Reinhold Messner
auch nicht fehlen
Moment des Triumphes: Am 14. Dezember 1911 stand Roald Amundsen am Südpol – auf diesem berühmten Foto ist er ganz links zu sehen, mit Mitgliedern seiner Expedition, vor dem Zelt, auf dem die norwegische Flagge weht. Die wissenschaftlichen Interessen standen hinter der reinen Sensation zurück, der Gewinner des Rennens zu sein. Foto: dapd
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