Russische Staatsgewalt und polnischer Adel - Ganzenmüller, Jörg
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Die Teilungen Polens waren in der Geschichte des Russischen Reichs die größte territoriale Expansion nach Westen. Die Zaren standen fortan vor der Aufgabe, eine historische Region in ein autokratisch verfasstes Imperium einzugliedern. Dazu sollte der polnische Adel mit seinem ausgeprägten ständischen Bewusstsein in den russischen Dienstadel integriert werden. Zudem musste das unterverwaltete Zarenreich in den annektierten Gebieten eine staatliche Bürokratie etablieren. In beiden Fällen war man auf die Kooperation des polnischen Adels angewiesen. Die Studie nimmt eine russisch-polnische…mehr

Produktbeschreibung
Die Teilungen Polens waren in der Geschichte des Russischen Reichs die größte territoriale Expansion nach Westen. Die Zaren standen fortan vor der Aufgabe, eine historische Region in ein autokratisch verfasstes Imperium einzugliedern. Dazu sollte der polnische Adel mit seinem ausgeprägten ständischen Bewusstsein in den russischen Dienstadel integriert werden. Zudem musste das unterverwaltete Zarenreich in den annektierten Gebieten eine staatliche Bürokratie etablieren. In beiden Fällen war man auf die Kooperation des polnischen Adels angewiesen. Die Studie nimmt eine russisch-polnische Perspektive ein und versucht somit, die lange Zeit vorherrschenden nationalen Sichtweisen aufzubrechen und beiden Seiten gerecht zu werden.
  • Produktdetails
  • Beiträge zur Geschichte Osteuropas Bd.46
  • Verlag: Böhlau
  • Seitenzahl: 425
  • Erscheinungstermin: Juli 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 236mm x 164mm x 38mm
  • Gewicht: 831g
  • ISBN-13: 9783412209445
  • ISBN-10: 3412209449
  • Artikelnr.: 35572666
Autorenporträt
Jörg Ganzenmüller ist Privatdozent an der Universität Jena und vertritt dort den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte.
Inhaltsangabe
EINLEITUNG
1. Das Problem: Die Integration einer ständisch verfassten Region Europas in ein autokratisch regiertes Imperium
2. Ein Raum und seine Eingesessenen: Zur territorialen und chronologischen Eingrenzung des Gegenstandes
3. Einseitige Konfliktgeschichte und teleologische Meistererzählung: Zum Forschungsstand
4. Integration und Staatsausbau: Fragestellung und methodisches Vorgehen
I. ZWISCHEN ELITENKOOPTATION UND STAATSAUSBAU:

DIE INTEGRATION DES POLNISCHEN ADELS IN DIE AUTOKRATISCHE ORDNUNG DES ZARENREICHES
1. Die Szlachta als grundbesitzende Elite der Westgouvernements: Adelspolitik und Verwaltungsreformen unter Katharina II. (1772-1796)
1.1. Die symbolische Integration des polnischen Adels: Herrschaftswechsel und Treueid nach der ersten Teilung Polens
1.2. Staatliche Adelsregistrierung und adlige Selbstverwaltung: Widersprüche in Katharinas Unifizierungspolitik
1.3. Homogenisierung durch Dezimierung? Die Masse des verarmten Kleinadels und das Umsiedlungsprojekt Platon Zubovs
1.4. Von der Abstammungsgemeinschaft zum grundbesitzenden Landadel: Polnische Vorläufer und europäische Vorbilder einer Adelsreform
1.5. Die Suche nach den Merkmalen von Adligkeit: Katharina II. und der Beginn einer pragmatischen Adelsrevision
2. Restriktive Adels- und liberale Polenpolitik: Brüche und Kontinuitäten in der Herrschaft Pauls I. (1796-1801)
3. Aufbruch und Enttäuschung: Ausweitung der Elitenkooptation versus polnische Hoffnungen auf Eigenstaatlichkeit unter Alexander I. (1801-1825)
3.1. Das Provisorium als Dauerzustand: Die Stagnation der Adelsrevision
3.2. Im Dienste des Zaren für Polen? Die Reichskarrieren polnischer Adliger in St. Petersburg und die Frage nach den Grenzen eines künftigen polnischen Staates
3.3. Nagelprobe für die Loyalität: Der polnische Adel und die Napoleonische Herausforderung
4. Von der pragmatischen zur normativen Integrationspolitik: Der Novemberaufstand 1830 und die Adelspolitik Nikolaus' I
4.1. "So leicht beredt und stets bereit, Ruszu verleumden und zu hassen": Der Novemberaufstand als Wendepunkt in der russischen Wahrnehmung der Szlachta
4.2. Das Ende eines Dauerprovisoriums: Der Abschluss der Adelsrevision in staatlicher Regie
4.3. Bestechung und Betrug - Willkür und Ehrverletzung: Das wachsende Misstrauen von russischer Staatsgewalt und polnischem Adel im Zuge der Adelsrevision
5. Zusammenfassung
II. VON DER STÄNDISCHEN KORPORATION ZUR "STAATLICHEN VERANSTALTUNG"? DIE TRANSFORMATION DER POLNISCHEN LANDTAGE IN RUSSISCHE ADELSVERSAMMLUNGEN
1. Vermögen, Dienst und Rang: Die Implementierung zarischer Normen durch die Einschränkung des Wahlrechts
2. Oligarchische Veranstaltung oder Repräsentationsorgan des Adels? Die Wahlbeteiligung in den Adelsversammlungen der Westgouvernements
3. Von ständischen Korporationen zu "staatlichen Veranstaltungen"? Die Transformation der sejmiki zu Adelsversammlungen des Zarenreiches
3.1. Politische Leitbilder und gesetzliche Normen von Katharina II. bis Nikolaus I
3.2. Von der symbolischen Aneignung zur politischen Integration: Die politische Praxis der Adelswahlen als Aushandlungsprozess zwischen Zentrum und Peripherie
3.3. Von einer ständischen Interessenvertretung zur staatlichen Wahlveranstaltung: Die Disziplinierung der sejmiki durch die Autokratie
4. Unerfahrene Jünglinge oder ausgemusterte Militärs? Soziale Zusammensetzung und Karrieremuster der Wahlbeamten
5. Zusammenfassung
III. STAATSAUSBAU UND HERRSCHAFTSPRAXIS IN DER POLNISCHEN PROVINZ: DIE ETABLIERUNG DER ZARISCHEN STAATSGEWALT IN DEN WESTGOUVERNEMENTS
1. Das Vordringen der Staatsgewalt auf die lokale Ebene: Aufbau und Ausbau von Verwaltungsstrukturen in den Westgouvernements
1.1. Vereinheitlichungsbestrebungen und Gouvernementsreform: Herrschaftswechsel und Staatsausbau unter Katharina II
1.2. Stärkung der Staatsgewalt und Wahrung polnischer Traditionen: Die widersprüchliche Politik Pauls I
1.3. Russische Staatsgewalt mit polnischen Amtsträgern: Der