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Gianlorenzo Bernini erwarb seinen Ruhm vor allem als der große Baumeister und Bildhauer des römischen Barock: als Architekt von Petersdom und Petersplatz und als Schöpfer einzigartig bewegter, dramatischer Skulpturen. In seinem langen Leben diente er nicht weniger als acht Päpsten und beeindruckte die Zeitgenossen als Universalgenie. Arne Karsten leuchtet in seiner glänzend geschriebenen Biographie neben dem vielfältigen Werk Berninis auch das soziale und politische Umfeld aus, in dem der Künstler agierte und seine Erfolge feierte. Zugleich erzählt er von den Intrigen, den Exzessen und…mehr

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Produktbeschreibung
Gianlorenzo Bernini erwarb seinen Ruhm vor allem als der große Baumeister und Bildhauer des römischen Barock: als Architekt von Petersdom und Petersplatz und als Schöpfer einzigartig bewegter, dramatischer Skulpturen. In seinem langen Leben diente er nicht weniger als acht Päpsten und beeindruckte die Zeitgenossen als Universalgenie. Arne Karsten leuchtet in seiner glänzend geschriebenen Biographie neben dem vielfältigen Werk Berninis auch das soziale und politische Umfeld aus, in dem der Künstler agierte und seine Erfolge feierte. Zugleich erzählt er von den Intrigen, den Exzessen und Wutausbrüchen des Künstlers, der mit seinen hochgestellten Auftraggebern zwar meisterhaft umzugehen wusste, aber alles andere als ein farbloser Karrierist war.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Beck C. H.
  • Seitenzahl: 272
  • Erscheinungstermin: 03.02.2017
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406704048
  • Artikelnr.: 47439340
Autorenporträt
Arne Karsten, Dr. phil. habil., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und lehrt Geschichte der Frühen Neuzeit an der Bergischen Universität Wuppertal.
Inhaltsangabe
Vorwort

Vorwort zur Neuauflage

Der Schöpfer des barocken Rom

Die zwei Gesichter des Gianlorenzo Bernini

Biographen und Archivare

Anfänge: Die Jahre unter Paul V. und Gregor XV. (1605-1623)

Eine glückliche Kindheit?

Rom zur Zeit Pauls V. (1605-1621)

Frühe Meisterwerke

Aeneas und Anchises

Ein Karriereknick

Der Raub der Proserpina

Ein Bildnis des Künstlers als junger Held

Zwischen den Zeiten: Das erhitzte Konklave des Jahres 1623

Im Glanz des Barberini-Hofes. Bernini und Urban VIII. (1623-1644)

Auf dem Weg nach oben

Die Familie Barberini und ihre Gefolgschaft

Apoll und Daphne

Der Baldachin von St.Peter

Feindschaften

Die Borgia-Krise

Glanzvolle Feste

Die Vierung von St.Peter und Francesco Mochi

Der "Herr der Welt"

Späte Heirat

Francesco Barberini

Castro und die Folgen
Schwierige Zeiten. Die Herrschaft Innozenz' X. (1644-1655)

Unruhige Tage - Das Konklave des Jahres 1644

Dies irae

Die Niederlage seines Lebens

Die Rückkehr des lebenden Toten

Die heilige Teresa und der ehrgeizige Kardinal Cornaro

Auferstehung

Staatsräson im Bild

Der Papst ist tot, es lebe der Papst!
Höhe des Lebens? Die Jahre der Herrschaft Alexanders VII. (1655-1667)

Am Hof des Chigi-Papstes

Der Petersplatz

Die "Scala regia"

Christina von Schweden

Die Galleria Colonna

Sant'Andrea al Quirinale

Die Korsenaffaire

Die Frankreichreise

Die Ludwigs-Büste

Im Dienste der Familie Chigi

Posthume Siege

Der Tod des Widersachers

Dem Ende entgegen

Der Rospigliosi-Pontifikat

Der alte Mann und die Macht

Der Sanierer

"And my ending is despair"

Anhang

Anmerkungen

Italienkarte

Zeittafel

Bibliographie

Abbildungsnachweis

Personenregister
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 19.04.2006

Die göttliche Theatermaschine
Heldenrolle gegen Charaktercharge, Weltmann gegen Weltschmerz: Bernini, Borromini und die Schöpfung des barocken Rom
Im Rom des 17. Jahrhunderts schätzte man vielleicht nur das Theater noch mehr als die Baukunst. Auch Gianlorenzo Bernini, das große Genie dieser Epoche, der Gestalter und Impresario des barocken Rom, war durch und durch ein Theatermensch. Deswegen vor allem lag die Stadt ihm zu Füßen, und deswegen ist es mehr als nur eine hübsche Pointe, dass der römische Hochbarock seine Erfindung sei. „Du bist geschaffen für Rom, und Rom ist geschaffen für dich”, soll Kardinal Maffeo Barberini schon dem Jüngling gesagt haben. Viele Jahre später, der Kardinal regiert nun als Papst Urban VIII., wird Bernini als Baumeister und Bildhauer in päpstlichen Diensten über Entfaltungsmöglichkeiten und Aufgaben verfügen wie vor ihm wohl kein anderer Künstler. Er herrscht über die großen Bauprojekte Roms, vor allem aber über die Ausgestaltung des Petersdoms, wie ein allgewaltiger Theaterdirektor.
Doch dieser uomo universale des 17. Jahrhunderts bewährte sich auch auf den richtigen Theaterbühnen. Er schrieb, natürlich, Komödien, trat gerne und gern gesehen als Schauspieler auf, und als die öffentlichen Bühnen in Rom vorübergehend geschlossen wurden, eröffnete er ein privates Theater. Bernini liebte die Possen, den drastischen Spott und vor allem die spektakulären Bühneneffekte. In diesen „Komödien mit Maschine”, wie sie genannt wurden, erschien am Ende, wenn die Apparaturen auf Höchsttouren liefen, (fast) immer der Tod, schillernd und makaber, und ärgerte die Narren auf der Bühne, „zerschneidet er doch den Faden jeder Komödie und zerstört die Lust am Treiben der Welt”, wie es in einem der Stücke heißt.
Für Francesco Borromini mag die ganze Welt wohl aus Narren bestanden haben - ganz sicher jedenfalls empfand er das Leben nicht wie Bernini als herrliche Posse. Niemand hat ihn je lachen gesehen. Berüchtigt war er für sein „spanisches Gewand”: immer nur sah man ihn, von Kopf bis Fuß, in traurigem Schwarz gekleidet, allein die roten Strumpfbänder und die roten Rosetten auf den Schuhen setzten einen Farbakzent. Vielleicht bevorzugen angehende Architekten deswegen noch heute schwarze Kleidung.
Denn Borromini, der Meister der nervösen, dunklen, bizarren und genialischen Formen, des kühnen Entwurfs, ist so etwas wie eine Märtyrerfigur für den ganzen Berufsstand: Im steten Hader mit den Auftraggebern, unverstanden und ungeliebt, gilt gerade er als der eigentliche, der größte römische Architekt des Barockzeitalters, der nur das Pech hatte, in einer Zeit zu leben, die dem weltmännischen Charme, den versierten Schmeicheleien und trickreichen Manövern des Cavaliere Bernini erlegen war.
Fontänen und Melancholie
Während Bernini schon in seiner Kindheit wegen seiner Kunstfertigkeit als Wunderknabe gefeiert wurde, blieb Borromini, dem Verschlossenen, Jähzornigen und Chimärischen, nur die Rolle des Stiefkinds im barocken Rom. Borromini ist nicht märchenhaft reich gestorben wie sein großer Rivale, sondern einsam und verbittert. Er hat sich umgebracht. Wie ein Samurai hat er sich in sein eigenes Schwert gestürzt. Denn die „Lust am Treiben der Welt”, die sich noch in Berninis pompös-makabren Grabmonumenten äußert, blieb ihm, der seine Architektur als „Studien in praktischer Mathematik” verstand und Geometrie als göttliche Ekstase, gänzlich verschlossen.
Der amerikanische Architekturhistoriker und Journalist Jake Morrissey lässt sein Buch über diese „Rivalen von Rom” mit dem Selbstmord Borrominis beginnen. Darin schließlich kulminiert die Geschichte des jahrzehntelangen Wettstreits zwischen den beiden großen und wegweisenden Baumeistern, die Morrissey ebenso kenntnisreich wie unterhaltsam erzählt. Es ist ein vorzügliches Buch, eng anhand der Quellen geschrieben und klug vor dem Hintergrund der fieberhaften Bautätigkeit im Rom des mittleren 17. Jahrhunderts entfaltet.
Der Kenner mag zwar über das Werk und die architekturgeschichtliche Bedeutung der Protagonisten nichts Neues erfahren, aber Morrissey interessiert sich (und uns) auch viel mehr für die Geschichte, die mit ihrem Wirken im schillernden Kosmos des barocken Rom verbunden ist. Diese - überaus spannende - Geschichte verfügt über ein geradezu theaterreifes Exposé. Denn dieses Rom ist eine zutiefst theatralische Stadt - deswegen vergibt es aber auch die Hauptrolle nur einmal.
Fast immer ist es Bernini, der die Heldenrolle spielt, als ewig lächelnder Hof- und Hausarchitekt der aufeinander folgenden päpstlichen Familien. Über Jahrzehnte besitzt er das prestigeträchtigste Amt: die Leitung der Bauhütte von St. Peter. Borromini dagegen, berüchtigt für seine Launenhaftigkeit und Starrköpfigkeit und dennoch gerühmt für seine originellen Lösungen heikelster Bauaufgaben, muss sich mit der Rolle des Charakterchargen begnügen; es sind vor allem die neuen katholischen Orden, die Jesuiten etwa oder die Oratorianer, die ihn als Architekten engagieren.
Aber Borromini brilliert in diesen Nebenrollen, und für eine Zeit lang, unter Innozenz X., als Berninis Stern zu sinken beginnt, spielt er sich sogar in den Mittelpunkt: Während die Glockentürme, die Bernini auf die Hauptfront St. Peters setzen sollte, halbfertig wieder abgerissen werden - die Fassade, dies behaupten zumindest Borromini und seine Parteigänger, würde unter ihrem Gewicht unweigerlich einstürzen - besitzt dieses eine Mal Borromini die Gunst eines Papstes.
Doch mit einem Sensationscoup, dem Vierströme-Brunnen auf der Piazza Navona, meldet sich Bernini zurück. Es gelingt ihm nicht nur, Borromini bei der Auftragsvergabe durch eben diesen Papst auszustechen, sondern auch noch, Innozenz X. bei der Einweihung des Brunnens besonders zu entzücken. Nachdem der Papst den enthüllten Brunnen erfreut betrachtet und sich schon mit tapfer erduldeter Enttäuschung von Bernini verabschiedet hatte - weil es noch ganz ungewiss sei, wann endlich das Wasser sprudeln könnte -, hörte er beim Fortgehen plötzlich hinter sich die Fontänen spritzen. Um zehn Jahre, so der glückliche Papst, habe Bernini mit dieser Überraschung sein Leben verlängert.
Auch den Neidern und Kritikern gegenüber revanchierte sich Bernini - auf angemessen komödiantische Weise: Als Gerüchte verbreitet wurden, dass auch der Brunnen einsturzgefährdet sei, ließ er diesen vor aller Augen vorsichtshalber statisch sichern - durch Bindfäden, die er zwischen dem Obelisken und den umliegenden Häusern spannte.
Nichts besaß dort und damals mehr Überzeugungskraft, mehr Autorität als der grandiose und virtuose Bühneneffekt. Bernini wurde zum bedeutendsten Künstler Roms, weil er auch ein Meister in diesem Fach war: „der größte und berühmteste Regisseur der römischen Spiele im 17. Jahrhundert” (K. Chledowski). Borromini dagegen, ein ingeniöser Baumeister, war eine Fehlbesetzung auf der Bühne: ein lausiger Schauspieler, eine Katastrophe als Höfling. Nach dem Desaster auf der Piazza Navona verstritt er sich zunehmend noch mit den wohlwollendsten Auftraggebern. Er floh von den Baustellen und versank, wie die Zeitzeugen berichten, in „fiebrige Melancholie”. Erlösung mag er in seinem Selbstmord gefunden haben. Das barocke Rom aber konnte nur eine Erfindung des Weltmanns und Theatermenschen Bernini sein. Rome - c’est le Bernini, hat Rodin einmal gesagt.
Zitternde Glieder des Papstes
Diesem „Schöpfer des barocken Roms” hat Arne Carsten, ein zwar noch junger, aber ausgewiesener Kenner des päpstlichen Hofes in damaliger Zeit, eine eigene Darstellung gewidmet. Sie bietet zugleich mehr und - leider viel - weniger als eine Biografie Berninis. Denn während Carsten den Blick weitet auf die „Umwelt” des Meisters - es sind dies jedoch vor allem die Auftraggeber Berninis, die jeweiligen Päpste und ihre Nepoten - und ebenso fundiert wie kurzweilig den vatikanischen Dschungel durchstreift, wo die Löwen brüllen und sich die Pfauen spreizen, gewinnen Leben und Werk Berninis nur undeutliche Kontur. Seine künstlerische Entwicklung wird allenfalls summarisch behandelt, und das pulsierende, vom Wettbewerb aufgeheizte, zur Höchstleistung herausfordernde Kunstleben Roms gleich völlig ausgeklammert.
Nur die berühmtesten Hauptwerke Berninis, von der atemberaubenden Skulpturengruppe „Apoll und Daphne” bis zu den Kolonnaden des Petersplatzes, erfreuen sich ausführlicherer Würdigungen, die allerdings kaum über gängiges Handbuchwissen hinausgehen oder gar eine eigene Sicht, eine intensivere Durchdringung der künstlerischen Leistung verrieten. Bernini, dem Mann von Welt, dem epochalen Ausnahmekünstler und großen Theatermenschen, kann Karsten letztlich leider nicht soviel Reiz abgewinnen wie den - ja unbestritten ebenfalls reizvollen - vatikanischen Akteuren, deren Persönlichkeit und Wirken er souverän zu skizzieren und pointieren weiß. Das ist schade, denn eine große moderne Biografie Berninis für den deutschen Leser ist lange schon überfällig.
Bernini war nicht nur der Gestalter, er war auch der heimliche Herrscher des barocken Rom: Als Urban VIII. nach seiner Wahl gleich schwer erkrankte und lange Zeit mit dem Tode rang, hat er sich einmal, um die wachsende Unruhe im Volk zu beschwichtigen, mit zitternden Gliedern am Fenster seines Gemaches der Menge gezeigt. In Rom aber kursierten sofort Gerüchte, diese Gestalt sei gar nicht der Papst, sondern eine von Bernini geschaffene machina gewesen - eine Figurine vom großen Meister des Bühneneffekts.
MANFRED SCHWARZ
JAKE MORRISSEY: Göttliches Design oder Die Rivalen von Rom. Bernini und Borromini im Kampf um die Architektur in der Ewigen Stadt. Aus dem Amerikanischen von Michael Haupt. Europa Verlag, Hamburg 2005. 280 S., 19,90 Euro.
ARNE KARSTEN: Bernini. Der Schöpfer des barocken Rom. Verlag C. H. Beck, München 2006. 272 S., 24,90 Euro.
Zwei Baumeister, Rivalen auf engstem Raum: Einen Coup landete Gianlorenzo Bernini (ganz links) mit seinem 1651 fertiggestellten Vierströme-Brunnen, der Fontana dei Fuimi, auf der Piazza Navona in Rom. Neben dem Brunnen entstand wenig später die von seinem Antipoden Francesco Borromini erbaute Kirche S. Agnese in Agone (oben, mit der Brunnenfigur des Rio della Plata). Fotos: AKG/PA, dpa, privat
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.03.2006

Er hat die ganze Welt opernhaft überhöht
Faszination Katholizismus: Arne Karstens Bernini-Buch ist die Gesamtschau einer Epoche / Von Dirk Schümer

Mit Michelangelo, dem Universalkünstler der Renaissance, wurde Gian Lorenzo Bernini zu Lebzeiten regelmäßig verglichen. Ein solcher Vergleich fällt schmeichelhaft aus - für Michelangelo. Denn Bernini, für die imposante Spanne von 1612 bis 1678 maßgeblicher Bildhauer, Architekt, Stadtplaner und Festregisseur am päpstlichen Hof, konnte mehr als achtbar malen, Gedichte schreiben und Opern komponieren. Nicht nur letzteres hatte er Michelangelo voraus, obendrein begründete der umtriebige Künstlersohn Bernini das Genre der politischen Karikatur, indem er Kardinäle, mächtige Minister und sogar den Papst auf urkomische Weise mit einigen Strichen einfing und gnadenlos dem öffentlichen Gespött preisgab. So wurde der eitle und arbeitswütige Höfling zum Wunder seiner Zeit. Arne Karstens Biographie trägt der hochverdienten Wertschätzung Rechnung, mit der Bernini heute als "Schöpfer des barocken Rom" gesehen wird.

Den großen Reiz der Monographie macht die intime Kenntnis aus, mit welcher der Autor Berninis Schaffen in der römischen Sozialhistorie des Barocks verortet. Dabei ist ihm ein veritables Kunstbuch gelungen, das dennoch der Deftigkeit und der Spannung nicht entbehrt - eine fundierte Gesamtschau einer Epoche, die mit den Kriminalromanen des italienischen Autorenduos Monaldi/Sorti derzeit als dekadenter Zeitspiegel entdeckt wird.

Berninis steinerne Kunst steht bildhaft für so manche hybride Volte. So ist der trotzig die Schleuder führende "David" punktgenau in dem Augenblick entstanden, in dem Berninis Förderer, Kardinal Scipio Borghese, wieder zu Kräften kam, nachdem die feindliche Nepotensippe der Lodovisi, deren Papst Gregor XV. 1623 gestorben war, ihn zuvor von den reich gefüllten Töpfen der Macht weggedrängt hatte. Nun sollte den Goliath der Lodovisi-Kardinäle, Lodovico, der Schleuderstein Davids treffen. Was heute wie zeitlose Antiken-Überbietung oder als biblische Reminiszenz wirken mag, war also eindeutig als tagespolitische Kunst intendiert. Das gilt insonderheit bei Büsten papistischer Würdenträger: Kardinal Scipio Borghese bekam seine Verewigung durch Bernini spendiert, als dieser bereits exklusiv für die regierende Barberini-Sippe meißelte. Doch der tumbe und fette Würdenträger, der seine Wesenszüge von Bernini in Stein gemeißelt bekam, mußte damals im Tauziehen zwischen spanien- und frankreichfreundlichen Intriganten für die Barberini-Partei gewonnen werden, wozu der berühmte Künstler als Angestellter sein Scherflein beitrug.

In Karstens überzeugenden und gut formulierten Lesarten erstehen die marmornen Bildwerke als Zeugnisse bewegter Aktualität neu. Der weltberühmte Vier-Ströme-Brunnen auf der Piazza Navona sollte mit seinem Obelisken die päpstliche Weltherrschaft (über Rio de la Plata, Donau, Nil und Ganges) genau in dem Moment versinnbildlichen, da der Westfälische Friede auch noch die letzte Geltung des Kirchenstaates unter Europas Großmächten weggewischt hatte. Neben solchen genau berechneten Auftragswerken, die stets gegen die wechselnden Konjunkturen Berninis bei unterschiedlichen Päpsten durchgesetzt werden mußten, hinterließ das Genie aber auch wenige persönliche Duftmarken. Die Büste seiner glutvollen Geliebten Costanza Bonarelli mit wehendem Schopf und Kulleraugen zeugt von einer fatalen Lebensleidenschaft für diese bereits verehelichte Römerin. Bald nach der Affäre hätte Bernini beinahe seinen Bruder und Mitarbeiter Luigi erschlagen, nachdem er ihn als Liebhaber derselben Costanza in flagranti überrascht hatte. Nur ein päpstlicher Dispens sprach ihn nach dem dramatischen Mordversuch in den Gassen von Rom von allen Strafen frei. Demselben - augenscheinlich hormonell überaktiven - Luigi konnte Bernini dank guter Verbindungen indes viele Jahre später aus der Klemme helfen, als der Bruder mit einem Knaben (nach anderen Quellen: einem Schaf) erwischt worden und unter Todesandrohung aus Rom verbannt worden war.

Karsten schreckt glücklicherweise vor solchen Anekdoten aus dem prallen Leben des barocken Rom nicht zurück; dabei gelingt es ihm - mit ganz ähnlichem Gestus schreibend wie sein literaturhistorischer Kollege Roberto Zapperi -, viel von der Gewaltbereitschaft und von den Ritualen der vormodernen Gesellschaft einzufangen und für die psychologische Deutung seines Künstlers nutzbar zu machen. Bernini unterlag eben nicht nur dem individuellen Druck des ruhelosen, manisch-depressiven Allroundkünstlers, sondern er mußte seine immensen Fähigkeiten mit Inszenierungen seiner Kunst, mit genau berechneten Bonmots und ewigem Antichambrieren im Sozialkosmos Rom zur Geltung bringen und stets seine Auftraggeber bei Laune halten. Wie genial er darin war, zeigt seine überraschende Bewässerung des Navona-Brunnens bei einem Besuch des Papstes auf der Baustelle oder der perspektivische Umbau der unansehnlichen "Scala regia" vom Petersplatz zu den Prunkräumen des Papstes - eine Meisterleistung der Renovierungskunst, die Karsten staunend, quasi mit dem Maßband analysiert.

Das Rom, vor allem das des prunkliebenden Mäzen-Papstes Urban VIII. aus dem Haus Barberini, ersteht bei der Lektüre als grandios jesuitisches Theatrum mundi, in dem vom Sexualleben der Kleinbürger bis zur Weltpolitik der Diplomaten, vom provinziellen Nepotentum der Päpste bis zur christlichen Heilsgeschichte die ganze Welt opernhaft überhöht erscheint. Und sind es nicht genau diese Relikte der Bernini-Welt - die Bühne des Petersplatzes, der überkandidelte Tabernakel, die prunkvollen Papstmessen mit Hermelin-Kostümen - die bis heute weltweit maßgeblich zur Faszination des Katholizismus beitragen?

Wohl weniger Berninis notorische Grandezza, sondern eher die strukturelle Veronkelung der päpstlichen Politik durch immer neue Neffen und illegitime Kinder brachte den Kirchenstaat trotz aller Peterspfennige an den Rand des Ruins, weil jeder aufgestiegene Neukardinal seinen fraglichen Habitus durch Großprojekte der Baukunst oder wenigstens der Grabskulptur für die persönliche Unsterblichkeit aufwerten wollte. Der Firma Berninis, der zahlreiche devote Assistenten beschäftigte, gelang es meist, mit Intrigen und Mobbing allfällige Konkurrenten wie Borromini, der sich am Ende umbrachte, aus dem Feld zu schlagen. Aber es rückten immer neue Künstler an und machten das prächtige Rom zu einem echten Geldgrab. Als Mitarbeiter eines langjährigen und ertragreichen deutschen Forschungsprojektes zur päpstlichen Funeralkunst mit dem schönen Namen "Requiem" kennt sich Arne Karsten auf dem Gebiet der Auftraggeberschaft blendend aus. Rom saß nach der rund sechzigjährigen Alleinherrschaft des zweiten Michelangelo in der Schuldenfalle. Das ist kein Wunder; Karsten rechnet vor, daß allein der Baldachin überm Petersaltar zweihunderttausend Scudi kostete - einen Betrag, der ein Zehntel der päpstlichen Staatseinnahmen ausmachte. "Man stelle sich", sinniert Karsten, "ein Kunstwerk vor, das ein Zehntel des deutschen Bundesetats verschlingen soll." Man stellt sich ein solches Kunstwerk besser nicht vor, denn einen Bernini hatte noch kein deutscher Kanzler zur Disposition.

Aber weil in der Geschichte nur selten die Schönheit, aber öfter schon die wirtschaftliche Vernunft siegt, sanierte der knausrige und kunstfeindliche Clemens X. den zerrütteten Etat systematisch. Wir Nachgeborenen können von Glück sagen, daß Bernini da bereits sein Bestes geleistet und nur mehr vier Jahre zu leben hatte. Der Schöpfer dauerhaften päpstlichen Ruhms wurde in Santa Maria Maggiore unter einer schmucklosen Platte zur Ruhe gebettet - ein neuer Michelangelo zwar, aber ein Bürgerlicher mit den sozialen Beschränkungen seines Standes allemal.

Arne Karsten: "Bernini". Der Schöpfer des barocken Rom. Verlag C. H. Beck, München 2006. 272 S., 51 Abb., 2 Karten, geb., 24,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

" Höchst reizvoll findet Dirk Schümer diese Monografie nicht nur wegen der "intimen Kenntnis" mit welcher Arne Karsten hier Berninis Schaffen "in der Sozialhistorie des Barocks verortet", sondern auch aufgrund der "Deftigkeit und Spannung", die diese Epochenschau dem Leser zu bieten hat. Laut Schümer gelingt es dem Autor in seinen "überzeugenden, gut formulierten Lesarten" und mittels Anekdoten aus dem "prallen Leben des barocken Rom", zu zeigen, dass die marmornen Bildwerke oft tagespolitischen Ereignissen oder bestimmten Ritualen der damaligen Gesellschaft geschuldet sind. Der Schritt zur psychologischen Deutung des Künstlers in der soziologischen Gemengelage ist nicht weit und der Autor geht ihn, wie Schümer anerkennt, schreibend mit dem Gestus eines Roberto Zapperi und immer wieder das Maßband hervorholend, wenn er die architektonischen Resultate besichtigt. Am Ende steht der Rezensent staunend vor einem "jesuitischen Theatrum mundi", in dem "die ganze Welt opernhaft erhöht erscheint". Und erkennt schließlich im Bühnenbild Berninis gar einen maßgeblichen Beitrag "zur Faszination des Katholizismus".

© Perlentaucher Medien GmbH"