Geschichte der neulateinischen Literatur - Korenjak, Martin
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Die neulateinische Literatur umfasst das Schrifttum vom Beginn der Renaissance bis zum heutigen Tag und stellt europaweit die bedeutendste Literatur der frühen Neuzeit dar. Die rasanten politischen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen dieser Epoche von Lissabon bis Moskau und von Island bis Sizilien bilden sich in der neulateinischen Literatur nicht nur ab, sondern wurden durch sie maßgeblich mitgeprägt. Dieses elegant geschriebene Buch bietet einen ebenso faszinierenden wie anschaulichen Überblick über die neulateinische Literatur und ihre Wirkmacht. Aus kaum einem Lebensbereich war sie…mehr

Produktbeschreibung
Die neulateinische Literatur umfasst das Schrifttum vom Beginn der Renaissance bis zum heutigen Tag und stellt europaweit die bedeutendste Literatur der frühen Neuzeit dar. Die rasanten politischen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen dieser Epoche von Lissabon bis Moskau und von Island bis Sizilien bilden sich in der neulateinischen Literatur nicht nur ab, sondern wurden durch sie maßgeblich mitgeprägt. Dieses elegant geschriebene Buch bietet einen ebenso faszinierenden wie anschaulichen Überblick über die neulateinische Literatur und ihre Wirkmacht. Aus kaum einem Lebensbereich war sie wegzudenken - aus der Kirche so wenig wie aus der Landwirtschaft, aus der Diplomatie so wenig wie aus den Wissenschaften, aus der Kunst so wenig wie aus der Belletristik. Die Zahl bedeutender neulateinischer Autoren ist Legion - Petrarca, Nikolaus von Kues, Pius II., Celtis, Erasmus, Luther, Calvin, Bodin, Scaliger, Lipsius, Bruno, Bacon, Grotius, Descartes, Kircher, Balde, Leibniz, Newton und viele, viele mehr. Sie alle - aber auch Dichterinnen und Denkerinnen wie Olympia Fulvia Morata und Anna Maria von Schürmann - und ihre Beiträge zum europäischen Geistesleben in neulateinischer Sprache werden in diesem Band, dessen Lektüre keine Lateinkenntnisse erfordert, vorgestellt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 304
  • Erscheinungstermin: 9. März 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 141mm x 27mm
  • Gewicht: 520g
  • ISBN-13: 9783406690327
  • ISBN-10: 3406690327
  • Artikelnr.: 44065617
Autorenporträt
Martin Korenjak, geb. 1971, international renommierter Forscher auf dem Gebiet des Neulateinischen, lehrt als Professor für Klassische Philologie an der Universität Innsbruck.
Inhaltsangabe
Vorwort

Einleitung: Was ist neulateinische Literatur?

Teil I: Geschichte

1 Humanismus und Renaissance (1300-1520)

2 Das Zeitalter der Konfessionalisierung (1520-1618)

3 Das 17. Jahrhundert

4 Die Aufklärung (18. Jahrhundert)

5 Die Moderne (1800 bis heute)

Teil II : Bedeutung

1 Am Anfang war die Bildung: Pädagogik und Didaktik

2 Brücken schlagen: Übersetzung und Brief

3 "Verborum dulcedo": schöne Literatur

4 Geschichte, Geschichtsschreibung, Geschichtsbild

5 Vom Glaubensstreit zur Toleranz: Religion

6 Zwischen Staatsräson und Utopie: Politik

7 Die naturwissenschaftliche Revolution

Ausblick

Anmerkungen

Bibliographie

Zeittafel

Register
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Mit einer gelehrten Besprechung würdigt Hermann Unterstöger Martin Korenjaks Studie über die "Geschichte der neulateinischen Literatur". Zunächst einmal lobt der Kritiker den Professor für Klassische Philologie und Neulatein für sein Verdienst, nicht nur über die Bedeutung des Neulateinischen als Weltsprache zwischen 1400 und 1800 aufzuklären, sondern auch die geistes- und kulturgeschichtliche Wirkung der neulateinischen Literatur zu beleuchten. Interessiert liest der Rezensent, in wie vielen verschiedenen Ausprägungen das Neulateinische erschien; insbesondere aber erfährt er fasziniert, wie weit das Neulateinische Bildung, Literatur, Übersetzung, Briefkultur, Geschichtsbild, Politik, Religion und Naturwissenschaften beeinflusste.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 21.06.2016
Du Klotz, du Holzkopf!
Zwischen 1400 und 1800 war das Neulateinische Haupt-und Weltsprache, seine Literatur die
größte des vormodernen Europa: Martin Korenjak erkundet diesen versunkenen Kontinent
VON HERMANN UNTERSTÖGER
Der Dramatiker, Philologe und Übersetzer Jakob Locher, der sich Philomusus nannte und 1497 von Maximilian I. zum Poeta laureatus gekrönt wurde, dankt seinen Platz in der Geschichte des Neulateinischen unter anderem einer schweren Unbotmäßigkeit. Aus Ärger darüber, dass der Philologe und Dichter Matthias Ringmann alias Philesius Vogesigena – er hat die Bezeichnung „Amerika“ in die Welt gesetzt – sich über sein angeblich schwäbelndes Latein lustig gemacht hatte, verprügelte er diesen. Das war, wie es in Lortzings „Waffenschmied“ heißt, eine köstliche Zeit, weil man in der gebildeten Welt damals das Lateinische so selbstverständlich beherrschte, dass man für allfällige Sottisen schon Nuancen der Aussprache heranziehen musste.
  Sowohl Locher als auch Ringmann lebten und schrieben in der Welt des Neulateinischen, einer Welt, die vielen Heutigen, mögen sie gleich in der Schule Latein betrieben haben, wie eine villa bohemica, ein Böhmisches Dorf vorkommen dürfte. Neulatein klingt in ihren Ohren möglicherweise wie Neusilber, also nach einem Produkt zweiter Ordnung; auch Termini wie Mittellatein und Kirchen- bzw. Küchenlatein mögen sich einstellen. Dabei war das Neulateinische einst eine Haupt- und Weltsprache, und was die daraus hervorgegangene Literatur an geistes-, mentalitäts- und kulturgeschichtlicher Wirkung entfaltete, lässt sich für den Laien kaum abschätzen. Diesem Mangel will die „Geschichte der neulateinischen Literatur“ abhelfen; vorgelegt hat sie Martin Korenjak, Professor für Klassische Philologie und Neulatein an der Universität Innsbruck.
  Das Neulateinische hatte seine größte Zeit zwischen 1400 und 1800. Das verlockt zum Blick nach hinten und vorn, deren einer uns lehrt, dass Neulatein und Mittellatein nicht nur zwei Paar Stiefel sind, sondern dass die Neulateiner, die auf das Latein der späten Republik und frühen Kaiserzeit zurückgingen, dem Mittellateinischen und besonders dem als barbarisch empfundenen Latein der Scholastik auch überaus kritisch gegenüberstanden. Der andere Blick führt zu der nüchternen Erkenntnis, dass es ein vergleichbar lebendiges, präzises und schönes Latein nie wieder geben wird, wobei Korenjak nicht verschweigt, dass das Fach noch heute über Virtuosen wie Fidel Rädle verfügt, dessen Lust am Dichten dem Material entspringt, der, wie er selbst sagt, „sonoren und von zweitausendjähriger Kulturerfahrung getränkten lateinischen Sprache“.
  Welche Fülle an Schriften das Neulateinische vor allem nach der Erfindung des Buchdrucks hervorgebracht hat, kann niemand sagen, auch Korenjak nicht, der die Gesamtzahl der Werke „in die Millionen“ gehen sieht und als einzig sicher festhält, dass wir hier „die mengenmäßig größte Literatur des vormodernen Europa“ vor uns haben. Erstaunt schon die Masse des Geschriebenen, so erstaunt noch mehr dessen Vielfalt. Dass die katholische Kirche ihre Lehrschreiben, übrigens erst seit der Enzyklika „Ubi primum“ von 1740, auf Lateinisch herausgab, ist ja noch nicht verwunderlich, wohl aber, dass der spanische Priester Manuel Martí zur selben Zeit seine „Oratio pro crepitu ventris“ (Verteidigungsrede für den Furz) schrieb, und das „in makellos ciceronischem Stil“.
  Apropos Cicero: Als man begann, im Latein der Römer, der native speaker immerhin, das beste Latein zu sehen und diesem Vorbild nachzustreben, lief die Frage nach dem Ersten unter den nachahmungswürdigen antiken Autoren sehr schnell und eindeutig auf Cicero zu. So erfreulich das für Cicero war, so riskant war es für seine Nachahmer, da in der Prosa schließlich außer Cicero weit mehr modellhafte Autoren verfügbar waren als etwa in der Lyrik, wo Vergil, Ovid und Horaz schon seit dem Mittelalter vergleichsweise sichere Plätze innehatten. Daraus erwuchs eine Debatte, die ihrerseits den sogenannten Ciceronianismusstreit nach sich zog, in den am Ende auch noch Erasmus von Rotterdam eingriff, indem er einer imitatio mit Augenmaß das Wort redete und die strikten Ciceronianer als „Simiae Ciceronis“ (Ciceros Affen) verspottete.
  Korenjak führt auf zwei Wegen durchs neulateinische Universum. (Im Nachwort nennt er dieses Universum einen versunkenen Kontinent, was sich zunächst nach Abschied und Preisgabe anhört, in Wahrheit aber eine Aufforderung ist, sich mit der lateinischen Tradition als mit einem „konstitutiven Faktor“ unserer Vergangenheit erneut auseinanderzusetzen.) Der erste Weg ist ein historischer Abriss, eine Kette von bedeutenden Namen und Werken, von denen dem Laien allenfalls Erasmus und sein „Lob der Torheit“ ein Begriff sein dürfte. Erasmus schrieb „das vielleicht natürlichste und anmutigste Latein seit dem Ende der Antike“. Darüber hinaus hatte er als Humanist, Philologe, Kirchenkritiker und Pazifist gewaltigen Einfluss – und gewaltige Feinde dazu. Martin Luther, gegen dessen Prädestinationslehre sich Erasmus’ Traktat vom freien Willen („De libero arbitrio“) richtete, hasste ihn deswegen mit der ihm eigenen Unbedingtheit. „Wer Erasmum zudrückt
“, sagte er in einer seiner Tischreden, „der würget eine Wantze / welche todt sehrer stincket denn lebendig.“
  Der zweite Weg erschließt die Bedeutung des Neulateinischen für die Bildung, die Übersetzung und Briefkultur, die schöne Literatur, das Geschichtsbild, die Religion, die Politik und die Naturwissenschaften. Um ein Detail herauszugreifen, so hat das Neulateinische auch einen neuen Zugang zu den historischen Quellen eröffnet, mit dem Effekt, dass Begebenheiten und Dokumente, denen man bisher unbesehen Glauben geschenkt hatte, nun ins Zwielicht gerieten. Ein Meilenstein dieser Entwicklung war Lorenzo Vallas Schrift „De falso credita et ementita Constantini donatione“, die sich mit der für den Heiligen Stuhl so überaus günstigen Konstantinischen Schenkung befasste. Dass das eine famose Fälschung war, wusste man schon von Petrarca her. Valla aber ritt nun eine Attacke von frischer rhetorischer Vehemenz, die er selbst da beibehielt, wo es um vermeintlich philologischen Kleinkram geht, etwa darum, dass der Fälscher den unklassischen Begriff satrapes (Beamter) verwendet. „O caudex, o stipes!“, fährt Valla ihn an, also: „Du Klotz, du Holzkopf!“
  Eine nette Bosheit berichtet Korenjak in der Sparte Briefkultur. Der Botaniker Albrecht von Haller stand mit aller Welt in vielsprachiger, auch lateinischer Korrespondenz, und wie es damals der Brauch war, hat er Teile davon als Bücher veröffentlicht. Üblicherweise bearbeitete der Herausgeber auch die Briefe seiner Partner, doch bei Carl von Linné machte er eine Ausnahme. Da er sich mit ihm überworfen hatte, ließ er die vitia styli, die sprachlichen Ungeschicklichkeiten, so stehen, wie Linné sie hingeschrieben hatte.
Martin Korenjak: Geschichte der neulateinischen Literatur. Vom Humanismus bis zur Gegenwart. Verlag C. H. Beck. München 2016. 304 Seiten, 26,95 Euro. E-Book 21,99 Euro.
Die Gesamtzahl der
neulateinischen Werke dürfte
in die Millionen gehen
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"Korenjak has accomplished a great achievement in writing a history of Neo-Latin literature that manages to discuss the important authors, issues, and themes in a well running narrative."
Jan Bloemendal, The Classical Quarterly, 70-2017