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Juden waren über Jahrhunderte verfolgte Außenseiter. Die Gründung des Staates Israel sollte endlich eine ganz normale Heimat für sie schaffen. Doch heute sieht sich der jüdische Staat selbst in der Rolle des misstrauisch beobachteten Außenseiters. Michael Brenner erklärt, wie es dazu kommen konnte. Er verwebt auf meisterhafte Weise die politische und gesellschaftliche Entwicklung Israels mit der Geschichte seiner Selbstentwürfe, Träume und Traumata. Nur wer diese Tiefendimension kennt, kann das große kleine Land, das immer wieder die Welt in Atem hält, wirklich verstehen.…mehr

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Produktbeschreibung
Juden waren über Jahrhunderte verfolgte Außenseiter. Die Gründung des Staates Israel sollte endlich eine ganz normale Heimat für sie schaffen. Doch heute sieht sich der jüdische Staat selbst in der Rolle des misstrauisch beobachteten Außenseiters. Michael Brenner erklärt, wie es dazu kommen konnte. Er verwebt auf meisterhafte Weise die politische und gesellschaftliche Entwicklung Israels mit der Geschichte seiner Selbstentwürfe, Träume und Traumata. Nur wer diese Tiefendimension kennt, kann das große kleine Land, das immer wieder die Welt in Atem hält, wirklich verstehen.
  • Produktdetails
  • Verlag: C.H.Beck
  • Seitenzahl: 288
  • Erscheinungstermin: 28.01.2016
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406688232
  • Artikelnr.: 44501568
Autorenporträt
Michael Brenner ist Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München und Direktor des Center for Israel Studies an der American University in Washington, DC. Daneben nimmt er viele weitere Funktionen wahr, u.a. als Internationaler Präsident des Leo Baeck Instituts und ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bei C.H.Beck erschienen von ihm u.a. "Kleine jüdische Geschichte" (2008) und "Geschichte der Juden in Deutschland. Von 1945 bis zur Gegenwart" (Hg., 2012).
Inhaltsangabe
Die Sehnsucht nach Normalität

Ein Staat wie jeder andere?

Ein Volk wie jedes andere?

Vom Außenseitervolk zum Außenseiterstaat

1. Am Scheideweg: 1897

Winter in Berlin

Frühling in Wien

Sommer in Basel

Herbst in Wilna

Winter in Odessa

2. Der Traum vom Siebenstundenland (1897-1917)

Pogromland

Altneuland

Hebräerland

3. Die nationale Heimstätte (1917-1947)

Die Autonomielösung

Die Einstaatenlösung

Die Zweistaatenlösung

Die Fata-Morgana-Lösung

4. Vom Traum zur Wirklichkeit (1947-1967)
Ein Staat wie jeder andere oder ein Licht unter den Völkern?

Wer ist Jude im jüdischen Staat?

Ein neues Kanaan?

5. Von der Wirklichkeit zum Traum (1967-1995)

Der siebte Tag

Siedlerträume

Friedensträume

Endzeitträume

6. Das globale Israel

Zwischen Israel und der Diaspora

Das Neuland

Die neuen Israelis

Die zwei Gesichter Israels

Dank

Anmerkungen

Literatur

Bildnachweis

Personenregister
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Ronen Steinke kennt Michael Brenner als führenden Forscher zur Geschichte der deutschen Juden, der sich mit tagesaktuellen Kommentaren zurückhält. So auch im Buch. Stattdessen bietet der Autor laut Ronen eine Ideengeschichte israelischer Selbstentwürfe. Wenn darin jüngere politische Desillusionierungen als Themen langer Historie erkannt und ursprüngliche jüdische Sehnsüchte sichtbar gemacht werden, scheint das Steinke erhellend. Nicht zuletzt, da Brenner konzentriert und stilistisch glanzvoll schreibt, wie er erklärt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 15.02.2016
Die desillusionierte Gesellschaft
Die geistigen Väter des Staates Israel würden heute bei keiner führenden Partei in Jerusalem mehr unterkommen.
Der Historiker Michael Brenner beschreibt eindrucksvoll, wie schon vor 1948 immer mehr Träume zerplatzten
VON RONEN STEINKE
Theodor Herzl, der geistige Vater des Staates Israel, stellte sich einen Vielvölkerstaat vor. Herzl malte sich aus, dass Juden, Muslime und Christen darin völlig gleichberechtigt leben würden. Es würde Opern geben wie in Paris, schrieb er, Zeitungen wie in London und Cafés wie in Wien, einschließlich Salzstangerln. „Nur Fundamentalisten aller Art sind ausgeschlossen.“ In seinem herrlich versponnenen utopischen Roman „Altneuland“, erschienen 1902, aus dem nun der Münchner Historiker Michael Brenner genüsslich zitiert, machte Herzl sich sogar lustig über jüdische Eiferer; der Bösewicht in dem Roman ist ein engstirniger Rabbiner namens Dr. Geyer.
  Herzls damaliger Gegenspieler vom rechten Flügel des Zionismus, Wladimir Jabotinsky, der Mann, der heute von der rechtskonservativen Likud-Partei als geistiger Gewährsmann verehrt wird, war zwar mehr General als Romancier. Er wünschte sich ein Groß-Israel. Aber sogar er wollte darin mit Arabern auf Augenhöhe leben. „In jeder Regierung, in der ein Jude Ministerpräsident ist, soll der stellvertretende Ministerpräsident ein Araber sein“, schrieb er 1940, „und umgekehrt.“
  Man ist versucht, sich den Negev-Sand aus den Augen zu reiben: Heute sind dies Positionen, mit denen die beiden Männer bei keiner der staatstragenden Parteien Israels mehr unterkommen würden. Weshalb ein Kommentator der liberalen Tageszeitung Haaretz neulich fragte, ob denn die überall Defätisten witternde Netanjahu-Regierung eigentlich ahne, was für radikale Peaceniks sich hinter all den Herzl-Straßen und Jabotinsky-Plätzen im Land verbergen.
  Das ist das Thema des Buchautors Michael Brenner. Die Idee eines jüdischen Staates ist noch vergleichsweise jung. Aber sie hat sich schon rapide gewandelt seit ihren Anfängen. Brenner ist der derzeit führende Forscher zur Geschichte der deutschen Juden. Mit Kommentaren zur Tagespolitik, auch zum Nahost-Konflikt, hat er sich stets zurückgehalten und wer erwartet, dass er es hier nun anders hält, wird enttäuscht – oder überrascht? Brenners neues Buch heißt zwar enzyklopädisch „Israel“. Es ist aber in Wahrheit, viel spezieller, eine Ideengeschichte israelischer Selbstentwürfe. Die Desillusionierung von vormals politisch links Stehenden erscheint hier nicht erst als Phänomen der jüngeren Zeit, als Symptom des Intifada-Frusts, sondern als Grundthema mit einer langen Historie. Das macht das Buch so erhellend in Zeiten, da man Israels Friedensfreunden praktisch monatlich dabei zusehen kann, wie sie nach rechts rücken – der ruhmreichen alten Arbeitspartei Israels ebenso wie der erst vor wenigen Jahren als progressive Kraft gegründeten Zukunftspartei.
  Im Untertitel des Buches ist vom „Traum“ eines jüdischen Staates die Rede. Auch das zionistische Gedicht „Hatikva“ (Die Hoffnung), das 1948 zur Staatshymne gemacht wurde, beschwört eine „zweitausend Jahre alte Hoffnung“, die nun endlich in Erfüllung gehe. Historisch ist das höchstens halb richtig, wie Brenner in seinen ersten drei Kapiteln in Erinnerung ruft: Für die meisten Juden stand lange eine ganz andere, eine sogar konträre Sehnsucht im Vordergrund. Sie träumten von der Emanzipation, vom Leben als gleichberechtigte Bürger ihrer Heimatländer vor allem in Europa, vom Ende der zyklisch wiederkehrenden mörderischen Pogrome. Die Zionisten standen dafür, aus diesem Traum aufzuwachen. Gebt es auf, riefen sie ihren Leidensgenossen zu. Kein Maß an Anpassung und Nettigkeit wird je genügen, um euch Sicherheit zu bringen. Herzl und Jabotinsky waren von Europa desillusioniert, früher als andere, allein darin bestand ihre – allerdings sehr respektable – Pionierleistung.
  Träume platzten noch viele: Brenner beschreibt, hoch konzentriert und in glänzendem Stil, wie die Desillusionierten immer weitere Illusionen hinter sich ließen. Die Vorstellung, dass die arabische Mehrheit in Palästina die jüdische Minderheit brüderlich unterstützen würde, weil diese einen modernen Rechtsstaat einschließlich Opern und Salzstangerln in den Nahen Osten bringen wollte? Hochmütig – und in Flammen aufgegangen schon in den Dreißigerjahren, als die jüdisch-arabischen Bündnisse gegen die britischen Kolonialherren sich verkrachten. Die Erwartung, dass die Palästina-Hälfte, welche die UN den Juden 1948 zusprach, wenigstens sicherer sein würde als Europa, war da schon weniger naiv. Aber auch diese Erwartung ging im Gefechtslärm unter, 1948, als Israel gleich am ersten Tag von allen Seiten her angegriffen wurde.
  Das plötzliche Anwachsen Israels auf seine dreifache Größe infolge des Sechstagekriegs 1967 nennt Brenner, recht wohlwollend, nicht eine Landnahme, sondern eine „zweite Staatsgründung“. Jetzt war dies kein kleiner verwundbarer Staat mehr, sondern ein kleiner verwundbarer Staat mit einem üppigen Verteidigungsring drum herum, bestehend aus besetztem Gebiet.
  Die führenden Denker waren da noch immer areligiös wie einst der Wiener Theodor Herzl. Erst von den Siebzigerjahren an wurde ihr irdisches Überlebensprojekt allmählich stärker mit auch religiösen Rechtfertigungen aufgeladen, parallel zum Erstarken des politischen Islam ringsherum und befördert durch die Bevölkerungsexplosion der ultra-orthodoxen Juden. Und vielleicht auch, weil manche in der Gesellschaft der Desillusionierten sich irgendwann neue Träume suchen, die nicht mehr in Europa wurzeln.
Viele Erwartungen
der aus Europa Gekommenen
gingen im Gefechtslärm unter
  
  
Michael Brenner,
Israel. Traum und Wirklichkeit des jüdischen Staates.
Von Theodor Herzl bis heute.
Verlag C.H. Beck 2016, 288 Seiten, 24,95 Euro.
Als E-Book: 19,99 Euro.
Sinnbild der Sehnsucht nach einer gemeinsamen Heimat: Viele Juden beten regelmäßig an der Klagemauer in Jerusalem. In die Ritzen und Spalten werden Gebete, Wünsche und Danksagungen gesteckt.
Foto: YANNIS BEHRAKIS/Reuters
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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"Eine konzise und äußerst gut lesbare Einführung in die Ideen- und Kulturgeschichte des Zionismus und Israels."
Stefan Vogt, H-Soz-Kult, 23. Juni 2017

"Erhellend in Zeiten, da man Israels Friedensfreunden praktisch monatlich dabei zusehen kann, wie sie nach rechts rücken."
Ronen Steinke, Süddeutsche Zeitung, 15. Februar 2016