Der Bauernjörg - Blickle, Peter
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Kaiser Karl V. hat ihn als Retter des Reiches gepriesen - Georg Truchsess Freiherr zu Waldburg. Als Oberster Feldhauptmann eines Fürstenheeres hat er den größten Aufstand niedergeworfen, den Europa vor der Französischen Revolution erlebt hat. Peter Blickle entwirft in seiner fulminanten Geschichte des Bauernjörg ein dramatisches Panorama des Bauernkriegs. Erstmals werden der Verlauf des Bauernkriegs in Süddeutschland und das Ringen um seine Legitimierung detailliert beschrieben. Anhand meisterhaft erzählter Episoden zeigt Peter Blickle das Hauptproblem des Konflikts: Machtdenken verbietet es…mehr

Produktbeschreibung
Kaiser Karl V. hat ihn als Retter des Reiches gepriesen - Georg Truchsess Freiherr zu Waldburg. Als Oberster Feldhauptmann eines Fürstenheeres hat er den größten Aufstand niedergeworfen, den Europa vor der Französischen Revolution erlebt hat. Peter Blickle entwirft in seiner fulminanten Geschichte des Bauernjörg ein dramatisches Panorama des Bauernkriegs. Erstmals werden der Verlauf des Bauernkriegs in Süddeutschland und das Ringen um seine Legitimierung detailliert beschrieben. Anhand meisterhaft erzählter Episoden zeigt Peter Blickle das Hauptproblem des Konflikts: Machtdenken verbietet es den Herren, sich mit den berechtigten Anliegen ihrer Untertanen auseinanderzusetzen. Georg Truchsess von Waldburg ist nicht nur Vollstrecker dieser arroganten Mentalität des Adels, er selbst fördert sie durch die ihm eigene Kriegslüsternheit. Viele prägnante Zitate lassen ein lebendiges und anschauliches Charakterbild entstehen, das den Bauernjörg als autoritären militärischen Führer, robusten Politiker und begabten Redner zeigt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 586
  • Erscheinungstermin: 11. Februar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 153mm x 34mm
  • Gewicht: 850g
  • ISBN-13: 9783406675010
  • ISBN-10: 3406675018
  • Artikelnr.: 41719260
Autorenporträt
Peter Blickle lehrte bis zu seiner Emeritierung als Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bern.
Rezensionen
Besprechung von 10.03.2015
Bluten sollen
die Würmer
Peter Blickle über den Mann, der
1525 die Bauern niedermetzelte
Zu den Monstern, die das Abendland retteten, zählt Jörg Truchsess von Waldburg. Als blutrünstiger Killer ist er von Chronisten überliefert, als Retter sah ihn Papst Clemens VII. und übermittelte dem siegreichen Feldherrn im August 1525 per Breve seinen innigsten Dank. Ohne den Truchsess, insinuierte der Pontifex, hätten die Häretiker das ganze Abendland auf den Kopf gestellt. Auch von Kaiser Karl V., der sich im spanischen Toledo über die Vorgänge im Reich unterrichten ließ, kam eine Urkunde voller Lob nach Oberschwaben. Der mächtige Habsburger rühmte die Tapferkeit des Jörg Truchsess, gegen einen „gefährlichen Aufruhr“ sein Leben aufs Spiel zu setzen, um wieder Frieden und Ordnung herzustellen im Heiligen Römischen Reich. Häretiker? Gefährlicher Aufruhr? Jörg Truchsess bekämpfte keine finsteren Mächte. Es waren Bauern, die um ihre Freiheit kämpften. Um Menschenrechte.
In dieser Geschichte steckt Stoff für eine epische Erzählung. Der Verlockung, die Gliederung des großartigen Materials einer Dramaturgie unterzuordnen, um den Lesern Nervenkitzel zu bereiten, widersteht Peter Blickle. Der Historiker zieht die nüchterne Betrachtung vor, die Abhandlung. Zeit seines akademischen Wirkens erforscht Blickle, 76, die Bauernaufstände zu Beginn des 16. Jahrhunderts. An seinen Büchern kommt nicht vorbei, wer sich mit Menschenrechten und ihrer Entwicklung befasst. Denn zwischen Spartakus und Französischer Revolution gibt es neben den Bauernkriegen nicht viele kämpferische Erhebungen unterdrückten Volkes. Ohne die Bauern und die Motive ihrer Proteste außer Acht zu lassen, fokussiert Blickle diesmal jedoch den Frontmann der Unterdrücker: Georg Truchsess.
„Der Bauernjörg“ – Blickle hat dem Buch ausgerechnet den Titel gegeben, den der Volksmund dem Truchsess in späteren Jahrhunderten verpasste. Heute klingt er eher nach einem Stallburschen als nach einem Heerführer. Der Truchsess, 1488 in das Geschlecht der Freiherren von Waldburg-Zeil mit Sitz im heutigen oberschwäbischen Landkreis Ravensburg geboren, suchte schon früh den Kontakt zu den Fürsten im Reich. Mit 22 erschien er auf der politischen Bühne, als er bei Herzog Ulrich von Württemberg anheuerte, um erstmals aufständische Bauern in die Schranken zu weisen. Nicht immer war das Schwert sein erstes Mittel – auch am Diplomatentisch erwies sich der Truchsess als passabler Stratege. Dieses Geschick bewies er in München als Unterhändler des Bayernherzogs. Sein Widerpart war der Humanist Dietrich von Plieningen, der die Krawalle der Wutbauern rechtfertigte: Wenn ein Würmlein von einem gewaltigen Tier „gedruckt wirdet“, so krümme es sich von Natur aus – „das ist dem Menschen auch zugelassen“.
Für Jörg Truchsess waren die Rebellen tatsächlich Würmer. Die Lehre eines gewissen Luther nährte ihre Keckheit. Bauernaufstände und Reformation – das nahm Jörg als ein und dasselbe Übel wahr. Seine Entschlossenheit prädestinierte ihn für das Amt des Feldhauptmannes im Heer des Schwäbischen Bundes. Dass die Bauern gegen die Willkür ihrer Herren aufbegehrten, wertete er als Landfriedensbruch – und damit als Kriegsgrund.
Peter Blickle schildert den Ablauf der Gefechte minutiös. Zumeist waren die Streitkräfte des Bundes zahlenmäßig weit überlegen und sie verfügten über gut ausgebildete Kriegsreiter. Die Gegner schenkten sich nichts: In Weinsberg nahmen Bauern Adelige gefangen und jagten sie durch die Spieße – Spießrutenlaufen war ebenso demütigend wie dann auch tödlich. Die Leichname schlachteten sie aus, indem sie ihnen Fett herausschnitten, um damit das Leder der Schuhe und Schwertscheiden einzuschmieren. Die Vergeltung folgte: Jörg Truchsess ließ die Täter bestialisch niedermetzeln. Einen Musikanten, der früher an seiner Tafel und nun beim Spießrutenlauf seines Verwandten den Zink geblasen hatte, ließ Jörg wie einen Ochsen braten. Er selbst entzündete das Feuer. Wie viele Bauern der Bauernjörg auf dem Gewissen hat, konnte selbst Kaiser Karl V. nur mutmaßen. Mal schrieb er von „vill tausend bosshafftigen Bawren“, mal von „etlich hunderttausend man“. So oder so, es waren unzählige.
RUDOLF NEUMAIE R
Peter Blickle: Der Bauernjörg. Feldherr im Bauernkrieg. Georg Truchsess von Waldburg. Verlag C.H. Beck, München 2015. 586 Seiten, 34,95 Euro. E-Book: 29,99 Euro.
Tötete er Tausende?
Oder Hunderttausende? Der
Kaiser dankte ihm
Vergeltung: Einen Musikanten ließ Jörg Truchsess braten.
Abb. aus dem Buch
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Bauernjörg, das klingt eigentlich nach Stallbursche, meint Rudolf Neumaier, doch lernt er von dem Historiker Peter Blickle, dass es sich bei Jörg Truchsess von Waldburg um einen blutrünstigen Heerführer handelte, der mit großer Grausamkeit die Bauernaufstände niederschlug. Eines der "Monster, die das Abendland retteten", spottet Neumaier mit Blick auf den überschwänglichen Dank, den Papst und Kaiser ihrem treuen Vasallen spendeten. An den Arbeiten des unermüdlichen Blickles, meint der Rezensent, kommt nicht vorbei, wer sich mit Bauernaufständen befassen will, und das sollte man schon deshalb tun, weil sich zwischen Spartakus-Aufstand und Französischer Revolution die Unterdrückten nicht oft erhoben haben.

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"Über Jahrzehnte hat [Peter Blickle] sich so gründlich und ertragreich mit dem Thema befasst wie kein anderer."
Stephan Speicher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Juli 2015