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Am Anfang der neuzeitlichen Psychiatrie in Deutschland stand die Idee der Aufklärung, dass der Mensch mit Vernunft begabt und zur Freiheit geboren sei. Mithin konnten auch Wahn- und Irrsinnige nicht länger von Dämonen und teuflischen Geistern besessen sein. Sie waren erbarmungswürdige Wesen - Kranke, denen mit Humanität und ärztlicher Kunst geholfen werden müsse. Zwei miteinander verflochtene Entwicklungslinien treten dabei hervor: Die eine führt von der Erfahrungsseelenkunde Berliner Kantschüler über die psychische Heilkunde der romantischen Medizin zur naturwissenschaftlich fundierten…mehr

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Produktbeschreibung
Am Anfang der neuzeitlichen Psychiatrie in Deutschland stand die Idee der Aufklärung, dass der Mensch mit Vernunft begabt und zur Freiheit geboren sei. Mithin konnten auch Wahn- und Irrsinnige nicht länger von Dämonen und teuflischen Geistern besessen sein. Sie waren erbarmungswürdige Wesen - Kranke, denen mit Humanität und ärztlicher Kunst geholfen werden müsse. Zwei miteinander verflochtene Entwicklungslinien treten dabei hervor: Die eine führt von der Erfahrungsseelenkunde Berliner Kantschüler über die psychische Heilkunde der romantischen Medizin zur naturwissenschaftlich fundierten Psychiatrie, inspiriert vom Fortschrittsglauben des bürgerlichen Zeitalters. Die andere führt von den Narrenkästen der mittelalterlichen Städte über die Zucht- und Tollhäuser des aufgeklärten Absolutismus zu den Heil- und Pflegeanstalten des 19. Jahrhunderts.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Beck C. H.
  • Seitenzahl: 352
  • Erscheinungstermin: 17.10.2014
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406667916
  • Artikelnr.: 41636992
Autorenporträt
Der Historiker Dietrich Geyer, geb. 1928, war bis zu seiner Emeritierung Ordinarius und Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte an der Universität Tübingen. Zahlreiche Veröffentlichungen zur osteuropäischen Geschichte. Er ist ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Inhaltsangabe
Inhalt

VORREDE

1. AUFKLÄRUNG UND MENSCHENLIEBE

Psychiatrie als Kopfgeburt der neuen Zeit - Medizin und

Öffentlichkeit - Erfahrungsseelenkunde - Streit der

Fakultäten - Alte und neue Konzepte - Verkehrsformen

2. IRRESEIN ALS AKADEMISCHES PROBLEM

Johann Christian Reil

Von Ostfriesland nach Halle an der Saale - Psychische
Kurmethoden -

Magazin für die psychische Heilkunde - Franzosenzeit -

Von Halle nach Berlin - Fortwirkung

Eschenmayer und
Autenrieth in Tübingen

Johann Christian August Heinroth in
Leipzig

Alexander Haindorf in Heidelberg
und Münster

Friedrich Nasse in Bonn

Zeitschrift für psychische Aerzte

3. DAS IRRENHAUS ALS STAATSANSTALT

Anfänge im kurmärkischen Neuruppin

Bayreuth unter Langermann

Berlin und die Irrenabteilung der Charité

Waldheim und Sonnenstein im Königreich Sachsen

Irrenpflege im Königreich Bayern

4. KARRIEREMUSTER UND MUSTERANSTALTEN

Maximilian Jacobis Weg nach Siegburg

Albert Zeller: Reisen nach Winnenthal

Von Stuttgart nach Hamburg - Großbritannien zwischen

London und Edinburgh - In Rouen und in Paris - Von Berlin
über

Leipzig und Dresden zum Sonnenstein - Nach Prag und zurück -

Die Heilanstalt in Winnenthal

Christian Roller: Pforzheim, Heidelberg, Illenau

5. PSYCHIATRIE UND GESELLSCHAFT

Wege zur Professionalisierung

Reformarbeit im Vormärz - Vereinsbildung und Fachpublizistik

- Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie -

Erfolge und Hindernisse

Abschied von den Vätern

Wilhelm Griesinger - Kiel und
Kairo

6. REVOLUTION UND REVOLUTIONSDEUTUNGEN 1848 / 49

Psychiater in turbulenter Zeit - Medizinalreformen
- Leidenschaften

und Affecte: Dietrich Georg
Kieser - Ätiologie der

politischen Aufregung: Carl Friedrich Flemming - Semantik
des Wahnsinns:

Heinrich Damerow - Revolution als
psychische

Epidemie: Rudolf Leubuscher -
Politik als Medizin im Großen:

Rudolf Virchow

7. EXKURSION IN RICHTUNG GEGENWART

Dimensionen der Veränderung - Psychiatrie in Zeiten moderner

Barbarei - Von der Nachkriegszeit zur Psychiatriereform -

Sozialpsychiatrie - Wege der Forschung

ANMERKUNGEN

LITERATURHINWEISE

PERSONENREGISTER
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Ein spannendes Thema, dessen sich Dietrich Geyer in "Trübsinn und Raserei" annimmt, findet Sylvia Staude: "Die Anfänge der Psychiatrie in Deutschland", wie das Buch im Untertitel heißt, erzählt anhand ihrerer bedeutendsten Persönlichkeiten wie Johann Christian Reil, Wilhelm Griesinger und Albert Zeller, bietet der Rezensentin eine unterhaltsame und anregende Lektüre. Zumals sich der Autor als "feiner, erfrischender Stilist und sorgfältiger Schreiber" erweist, wie Staude anerkennend feststellt. Gerade für Laien ist das Buch gut verständlich, worin allerdings auch die einzige Schwäche liegt, die die Rezensentin auszusetzen hat: dass nämlich die Personalisierung bisweilen in "kaum belegbare Charakterisierungen" abschweift.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.09.2014

Als die Blödsinnigen Nebensache waren
Der Umgang mit psychisch Kranken ist kein Ruhmesblatt - das gilt auch für Dietrich Geyers Geschichte der Psychiatrie

Johann Christian Reil war "Stadtphysikus" in Halle an der Saale und Medizinprofessor an der dortigen Universität, als er erstmals 1808 in einer offiziellen Abhandlung den Begriff "Psychiatrie" verwendete - in einem langen Zeitschriftenbeitrag. Reil war ein extrem erfolgreicher Arzt, konnte sich eine großzügige Lebensführung leisten. Er lebte in einem Landhaus mit Park, das ihm König Friedrich Wilhelm III. geschenkt hatte.

Dietrich Geyer bezeichnet ihn in seiner soeben erschienenen Abhandlung über die Anfänge der deutschen Psychiatrie als begnadeten Lehrer und bescheinigt ihm eine ans "Genialische rührende Forschernatur". Aber: Mit "Narren, Wahn- und Blödsinnigen" kam Reil kaum in Berührung, lediglich dann, wenn er im "Bürgerspital, das er auch dirigierte, einige Exemplare dieser ... Menschenkinder zu Gesicht bekam". Die Beschäftigung mit dem, was dank Reil später als Psychiatrie eine der wichtigsten Fachdisziplinen der Medizin wurde, war nur "eine seiner vielen Leidenschaften". So fängt es an - Psychiatrie als Nebenbeschäftigung und ohne Zuwendung zu den Kranken selbst -, und so geht es weiter.

Das berühmt gewordene "Authenriethsche Zimmer" ist ein anderes Beispiel. Es diente dazu, Tobsüchtige "auf schickliche Art zu bändigen"; es war beheizt, aber Ofen und Fenster konnte der Kranke nicht erreichen, weil weißgestrichene, vorsorglich abgerundete Holzpalisaden ihn davon abhielten. Alles war so gesichert, dass sich der Zimmerinsasse nicht verletzen konnte. Dieses Vorzeigeprojekt einer seinerzeit modernen Psychiatrie bildete den Kontrapunkt zu den früheren dunklen Verliesen, in denen die Geisteskranken in ihren eigenen Exkrementen lagen. Bis fast zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts galt es als Nachweis von Fortschrittlichkeit, wenn eine Irrenanstalt ein solches Zimmer besaß.

Entworfen wurde es von dem Tübinger Anatomen und Chirurgen Johann Heinrich Ferdinand Authenrieth. Der bekannte jedoch freimütig, dass er sich mit den "Menschen, denen die Vernunft abhandengekommen war", nicht beschäftigen wollte. Ein weiterer Gelehrter, dessen "tadellose Umgangsformen" Geyer hervorhebt, stand offenbar auch im "Ruch der Praxisferne", immerhin formulierte er brillant, wenn er über Seelenstörungen schrieb. Und selbst Maximilian Jakobi, der später beträchtlichen Einfluss als Anstaltsleiter haben sollte, musste im Alter von fünfundvierzig Jahren erst in einer Art Schnellkurs Irrenarzt werden, "um das von ihm ersehnte Direktorat" der Siegburger Anstalt bei Bonn zu erhalten - das war 1825. Im Irrenhaus der Stadt München ließ sich der von 1803 bis 1835 amtierende Johann Baptist Sax nur einmal die Woche blicken, ansonsten widmete er sich einer einträglichen Privatpraxis.

Und Christian Wilhelm Hufeland, Leibarzt des Königs und Leiter der Charité, plazierte Äußerungen über das Irrenwesen, um Präsenz in allen Fachdisziplinen zu demonstrieren; praktisch befasst hat er sich damit kaum. Sammelt man an den richtigen Stellen in dem Buch des 1994 emeritierten Historikers, könnte man die Anfänge der deutschen Psychiatrie als Kopfgeburten von Nichtpraktikern, als Zuflucht für Ärzte, die gutdotierte Posten haben wollten, oder von solchen, die nur bei den neuesten Theoriedebatten mitmischen wollten, deuten. Das ist natürlich arbiträr, aber es ist nicht willkürlicher als andere Deutungen, da das Buch selbst keine bereithält. Geyer versammelt zwar die wichtigen Protagonisten der Psychiatriegeschichte, er arbeitet regelrecht eine Namensliste mit Kurzbiographien ab, aber einen roten Faden der Ideengeschichte bietet er dem Leser nicht.

Dazu werden die verwendeten Begriffe zu wenig geklärt, dazu springt er zu oft hin und her, weil Personen, nicht Konzepte die Gliederung vorgeben. Zwar findet die Debatte darüber, ob geistige Erkrankungen heilbar seien oder nicht, immer wieder Erwähnung. Wie enorm wichtig und schulenbildend sie jedoch war, erfährt der Leser nicht, er muss es wissen. Das gilt ebenso für die Entwicklung der Theorien innerhalb der Psychiatrie, etwa der Frage nach der Verursachung und charakteristischen Hinweiszeichen für Geisteskrankheiten. Was der Autor aus Sekundärliteratur und anderen Quellen exzerpiert, kann man auch woanders und oft verständlicher lesen. Insbesondere seine Ausführungen zur Anstaltspsychiatrie reichen an Werke wie zum Beispiel das von Salina Braun ("Heilung mit Defekt", 2009) nicht heran.

Noch dazu lenken Abschweifungen ins Bildungswissen nur vom eigentlichen Thema ab. Was tut es denn zur Sache, wenn es um die Irrenanstalt in Neuruppin geht, dass Schinkel und Fontane in dieser Stadt (später) geboren wurden? Oder warum soll man erfahren, dass Goethe den Phrenologen Franz Josef Gall in Halle aufsuchte? Nur, weil gerade Reil in Halle dran ist, Gall irgendwann auch nach Halle kam und dies dann einen Schlenker zum berühmten Dichternamen erlaubt? Inkonsistent ist überdies der Stil. Wer das Adjektiv "ausgepowert" für Stadt und Mensch verwendet, zu dem passen Ausdrücke wie "perhorreszieren" oder "Panier" eher weniger und umgekehrt.

Unverständlich bleibt auch die Entscheidung, den rund fünfzig Jahren von etwa 1800 bis 1850 noch einen Parforceritt über die Zeitspanne bis heute hinterherzuschicken, obwohl der Autor eigentlich nur über die Anfänge der Psychiatrie berichten wollte. Auf diesen wenigen Seiten krankt die Darstellung der Nachkriegsphase erst recht an der Strategie, Psychiatriegeschichte anhand einiger Personen aufzuziehen, deren Auswahl zudem nicht jedem einleuchten wird und zur reinen Kompilation gerät.

Spätestens wenn der ausgewiesene Osteuropahistoriker Geyer die moderne Psychiatrie als Neurowissenschaft noch mit ein paar Bemerkungen streift, verfestigt sich der Eindruck angelesenen Wissens vollends. Geyer fällt in den Duktus einer Patientenbroschüre oder einer Klinikhomepage. Dass am Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie "sechshundert hochspezialisierte Mitarbeiter (utriusque generis), ein Drittel davon aus dem Ausland", dabei sind, "den Geheimnissen des menschlichen Gehirns ... auf den Grund zu gehen", gar "mit Mäusepopulationen und anderen sprach- und wehrlosen Geschöpfen", wird nur noch von den ganzen "Hundertschaften - Ärzte und Ärztinnen aller Alters- und Besoldungsstufen" übertroffen, die in Tübingen "beieinander" sind.

MARTINA LENZEN-SCHULTE

Dietrich Geyer: "Trübsinn und Raserei". Die Anfänge der Psychiatrie in Deutschland. Verlag C. H. Beck, München 2014. 352 S., geb., 29,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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