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Als die Söhne Borrs am Meeresstrand entlangliefen, fanden sie zwei Baumstämme. Die hoben sie auf und schufen daraus die Menschen. Der Erste gab ihnen Seele und Leben, der Zweite Verstand und Bewegungsfähigkeit, der Dritte äußere Gestalt, Sprechvermögen und die Fähigkeit zu hören und zu sehen. Sie gaben ihnen Kleider und Namen; der Mann hieß Ask, die Frau Embla, und aus ihnen ging das Menschengeschlecht hervor, dem Midgard zur Heimstatt gegeben wurde. Mit diesen Worten beschreibt Snorri Sturluson (1179-1241), der bedeutendste Autor des skandinavischen Mittelalters, in der Edda die Erschaffung…mehr

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  • Größe: 5.19MB
Produktbeschreibung
Als die Söhne Borrs am Meeresstrand entlangliefen, fanden sie zwei Baumstämme. Die hoben sie auf und schufen daraus die Menschen. Der Erste gab ihnen Seele und Leben, der Zweite Verstand und Bewegungsfähigkeit, der Dritte äußere Gestalt, Sprechvermögen und die Fähigkeit zu hören und zu sehen. Sie gaben ihnen Kleider und Namen; der Mann hieß Ask, die Frau Embla, und aus ihnen ging das Menschengeschlecht hervor, dem Midgard zur Heimstatt gegeben wurde. Mit diesen Worten beschreibt Snorri Sturluson (1179-1241), der bedeutendste Autor des skandinavischen Mittelalters, in der Edda die Erschaffung des Menschen. Mag man in diesem kleinen Text noch ferne Anklänge an den christlichen Schöpfungsmythos erkennen, so ist das kein Zufall. Jene Autoren, die uns das Wissen über das nordische Pantheon, die Entstehung der Welt und ihren Untergang, aber auch Kämpfe mit Monstern und andere Abenteuer überliefert haben, kannten die christliche und darüber hinaus die antike heidnische Gedankenwelt. Klaus Böldl erzählt in seinem spannenden Buch die Mythen des Nordens, erhellt aber auch die vielschichtigen kulturellen Rahmenbedingungen, unter denen sie entstanden sind.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Beck C. H.
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: 23.08.2013
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406652202
  • Artikelnr.: 39411980
Autorenporträt
Klaus Böldl lehrt als Professor für Altskandinavistik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Für sein schriftstellerisches Werk wurde er u.a. mit dem Tukan-Preis der Stadt München sowie mit dem Hebbel-Preis ausgezeichnet. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit bilden die Sagaliteratur, altnordische Religionsgeschichte sowie Text- und Bildmedien im spätmittelalterlichen Kontinentalskandinavien. Im Verlag C.H.Beck ist von demselben Autor lieferbar: Ritter und Elfen, Liebe und Tod. Nordische Balladen des Mittelalters (gemeinsam mit Katarina Yngborn, 2011).
Inhaltsangabe
Vorbemerkung

1. Nordische Mythologie und germanische Religion

2. Von Mönchen und Mythen: Island im Mittelalter

3. Alte Götter und mittelalterliche Pergamente: Ein Überblick über die
mythologischen Überlieferungen des Nordens

4. Von den ersten und den letzten Dingen: Kosmogonie, Kosmologie und
Eschatologie der Edda

5. Odin: der Gott der vielen Namen

6. Thor: Himmelsgott und Riesenbezwinger

7. Fruchtbarkeit und Tod: Die Götter des Wanenkreises

8. Der Winterkönig und seine Tochter: Samen als mythische Wesen

9. Vom Pergament zum Computerspiel - der lange Marsch der nordischen
Götter durch die Mediengeschichte

Abkürzungen

Literaturhinweise

Register historischer Gestalten

Register mythischer Gestalten, Gegenstände und Orte

Bildnachweis
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die Quellenlage ist vertrackt. Umso dankbarer ist Tilman Spreckelsen dem Skandinavist Klaus Böldl für seine didaktisch kluge Einführung in die Götterwelt des Nordes, vor allem derjenigen Islands und Norwegens. Böldl stellt die sehr heterogenen Quellen vor, interpretiert sie und bringt sie laut Spreckelsen in eine Systematik, ordnet sie in Phasen und Traditionen und stellt so Beziehungen her. Auf gerade mal 300 Seiten eine reife Leistung, findet der Rezensent. Dass der religiöse Aspekt der Sagen inzwischen keine Rolle mehr spielt, macht für Spreckelsen den Reiz nicht geringer, wenn der Autor ihm die einzelnen Götter vorstellt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 17.01.2014

Ein Hammer für die falsche Liebesgöttin
Klaus Böldls Einführung in die nordische Mythenwelt

Eine der lustigsten Geschichten aus der nordischen Götterwelt geht so: Der mächtige Thor wacht eines Morgens auf und bemerkt, dass sein Hammer verschwunden ist, den er liebevoll "Mjöllnir" ("Zermalmer") getauft hatte und ohne den er nicht einmal halb so mächtig ist wie sonst. Sein Mitgott Loki findet heraus, dass Mjöllnir vom Riesen Thrym gestohlen und tief in der Erde versenkt worden ist. Herausgeben will Thrym ihn nur, wenn er dafür die schöne Liebesgöttin Freyja zur Frau bekommt, was diese empört ablehnt. Loki aber weiß Rat. Und so wirft sich Thor in ein Kleid und verbirgt sein bärtiges Gesicht hinter einem dichten Schleier. Loki aber, ebenfalls verkleidet, gibt die Zofe der vermeintlichen Freyja - und hat an der ganzen Geschichte wahrscheinlich viel mehr Spaß als der missmutige Thor.

Worum es sich bei dieser Geschichte handelt, ist alles andere als offensichtlich: Soll hier dem Bild des betont maskulinen, freundlichen Bauerngottes Thor eine neue Facette hinzugefügt werden? Handelt es sich bei dieser Travestie um das typische Produkt einer Spätzeit, in der traditionelle Rollenmuster verkaspert werden? Geht es darum, die einst mächtigen Götter als machtlos zu zeigen, wenn ihnen die Attribute ihrer Herrschaft abhandenkommen?

Wer so fragt, kommt um den Hintergrund, vor dem sich die Geschichte abspielt und von dem sie sich womöglich abheben soll, nicht herum. Der Kieler Skandinavist Klaus Böldl hat nun die Einführung "Götter und Mythen des Nordens" vorgelegt. Sie stellt nicht nur die überlieferten Quellen - schriftliche wie nichtschriftliche - vor und interpretiert sie, sondern gewinnt daraus auch eine Art Systematik: Welche Phasen der Tradition gibt es, welche Funktionen kann man quellenübergreifend bei einzelnen Göttern wie Odin, Thor oder Loki feststellen, wie steht es um ihre Beziehungen untereinander? Und wie erklärt man das alles auf etwas über dreihundert Taschenbuchseiten?

Das ist angesichts des heterogenen Ausgangsmaterials eine ebenso schwierige wie verdienstvolle Aufgabe, zumal die Notwendigkeit eines solchen Überblicks schon früh erkannt wurde - und der prächtige Edda-Kommentar des im vergangenen Jahr verstorbenen Klaus von See (F.A.Z. vom 21. September 2013) keineswegs als eine Einführung in diese Welt gedacht ist. "Zumindest im Kern gehen die überlieferten Mythen auf die heidnische Vorzeit zurück, die freilich über keine Schriftkultur verfügte, die eine Aufzeichnung oder gar eine literarische Verarbeitung von Mythen hätte leisten können", schreibt Böldl.

So, wie die entsprechenden Texte dann endlich in schriftlicher Form auf uns gekommen sind, also nach der Christianisierung Islands, die um das Jahr 1000 erfolgte, sind sie allerdings deutlich das Produkt einer späteren Zeit. Eine aktuelle religiöse Relevanz besitzen ihre Inhalte nun nicht mehr, weil die alten Götter ihre Funktion eingebüßt haben. Dafür werden sie interessant, weil sie von einer Vergangenheit berichten, auf die sich Dichter berufen - die sogenannte Snorra-Edda, die der isländische Gelehrte Snorri Sturluson im frühen 13. Jahrhundert kompilierte, berichtet aus der nordischen Götterwelt ausdrücklich, damit darauf anspielende Dichtungen besser verstanden werden können.

Ein wesentliches Verdienst von Böldls didaktisch geschickt aufgebauter und sehr lesbar geschriebener Einführung ist dabei, dass er die Konturen einzelner Götter nachzeichnet, ohne die komplexe, mitunter geradezu widersprüchliche Quellenlage zu verleugnen. Der Schwerpunkt liegt dabei naturgemäß auf isländischen und norwegischen Überlieferungen, aber wo sich auf dem Kontinent Spuren der Götter finden lassen, da werden sie diskutiert. Manches ergibt sich überhaupt erst aus den Beinamen, die Göttern verliehen werden, die sonst in den eddischen Liedern kaum aktiv auftreten - man ahnt eine verschüttete Tradition, die sich nicht mehr rekonstruieren lassen wird. Und natürlich lassen sich viele Widersprüche nicht auflösen. Der schlaue Loki etwa zeigt sich in Angelegenheiten der Götter mal äußerst hilfreich, mal hinderlich und ohne erkennbaren Grund zerstörerisch; am Ende wird es seine Brut sein, die der Götterwelt ihren fulminanten Untergang bereitet.

Was freilich die Rückgewinnung des Hammers angeht, kann sich Thor bei Loki bedanken. Er selbst hätte sich fast verraten, hätte Loki die Dinge nicht noch schnell zurechtgebogen. Dann legt der unvorsichtige Riese seiner Braut den Hammer in den Schoß. Und Thor nutzt ihn wie gewohnt: Sein erstes Opfer ist der Bräutigam.

TILMAN SPRECKELSEN

Klaus Böldl: "Götter und Mythen des Nordens". Ein Handbuch.

Verlag C. H. Beck, München 2013. 316 S., Abb., br., 14,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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