Die Päpste - Fuhrmann, Horst
Zur Bildergalerie
12,95 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

Das Papsttum erscheint den einen als raffiniert ausgeklügelte Herrschaft über Menschen und Seelen mit durchaus despotischen Zügen, den anderen als Verwirklichung eines göttlichen Auftrags.
Der Historiker Horst Fuhrmann erzählt in diesem Buch die spannungsreiche Geschichte der Päpste und des Papsttums mit dem Blick auf das Wesentliche; er charakterisiert Selbstverständnis und herausragende Gestalten dieser zweitausend Jahre alten Institution. Rund 200 ausführlich kommentierte Abbildungen veranschaulichen die Papstgeschichte von Jahrhundert zu Jahrhundert.…mehr

Produktbeschreibung
Das Papsttum erscheint den einen als raffiniert ausgeklügelte Herrschaft über Menschen und Seelen mit durchaus despotischen Zügen, den anderen als Verwirklichung eines göttlichen Auftrags.

Der Historiker Horst Fuhrmann erzählt in diesem Buch die spannungsreiche Geschichte der Päpste und des Papsttums mit dem Blick auf das Wesentliche; er charakterisiert Selbstverständnis und herausragende Gestalten dieser zweitausend Jahre alten Institution. Rund 200 ausführlich kommentierte Abbildungen veranschaulichen die Papstgeschichte von Jahrhundert zu Jahrhundert.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1590
  • Verlag: Beck
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 330
  • Erscheinungstermin: 17. September 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 125mm x 25mm
  • Gewicht: 323g
  • ISBN-13: 9783406641442
  • ISBN-10: 340664144X
  • Artikelnr.: 35981508
Autorenporträt
Horst Fuhrmann, langjähriger Präsident der 'Monumenta Germaniae Historica' und em. Professor für Geschichte an der Universität Regensburg, war bis 1997 Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Inhaltsangabe
Vorbemerkung

Einführung
Von der Dauerhaftigkeit des Papsttums
Über das Wesen der Kirchen- und Papstgeschichte
Zur Darstellungsform: Papsttum und Päpste

Teil I
Gestalt des Papsttums



Einige Grundtatsachen
Papstname und Heiligkeit des Papstes
Der volle Papsttitel
Die materiellen Grundlagen des Papsttums: Kirchenstaat, Spenden, Anlagevermögen
Das Papsttum als göttliche Stiftung
Petrus in Rom
Die Suche nach dem Petrusgrab
Der petrinische Auftrag und die Gefahr des Episkopalismus
Der Papst und das allgemeine Konzil



Die Wahl des Papstes
Das erste Jahrtausend
Das Papstwahldekret von 1059: Die Kardinäle als Wähler
Das Aufkommen der Konklaveordnung
Eine Papstwahl heute
Das Papsttum in den Endzeitberechnungen

Teil II
Gestalten des Papsttums



Das erste Jahrtausend
Die lückenlose Reihe der Petrusnachfolger
Die beiden "Großen" der Papstgeschichte: Leo I. und Gregor I.
Der Verkünder der päpstlichen Vollgewalt: Leo I. (440–461)
Leo und der Sturz des Hilarius von Arles
Papst Leo und Bischof Hilarius in der Legende
Die römische Kirche als Hort rechten Glaubens
Rom in päpstlichem Schutz
Musterpapst in mönchischer Demut: Gregor I. (590–604)
Abkehr von der heidnischen Antike – Hinwendung zum christlichen Mittelalter
Die Anfänge päpstlicher Mission
Fürsorge und Besitz der römischen Kirche
Die Erschöpfung nach dem heiligen Gregor I.
Das abendländische Kaisertum eine päpstliche Stiftung? Leo III. und Karl der Große
Der Papst über dem sündhaften König: Nikolaus I. (858–867)
Das Tal des 10. Jahrhunderts



Auf dem Weg zur päpstlichen Weltherrschaft
Glauben heißt dem Papst gehorchen: Gregor VII. (1073–1085) und die Kirchenreform
Zur Person Gregors VII. und zu seinem Sendungsbewußtsein
Der Akt von Canossa (1077)
Der gescheiterte Sieger
Kein Heil außerhalb der römischen Universalkirche: Die Verrechtlichung der Kirche bis Innozenz III. (1198–1216)
"Geringer als Gott, aber größer als der Mensch"
Der Ausbau der Herrschaftsinstrumente: Ordnung, Gesetz, Besitz
Der deutsche Thronstreit und die Fehlleitung des Vierten Kreuzzuges (1204)
Neue religiöse Bewegungen
Bonifaz VIII. (1294–1303): auf der Höhe päpstlicher Weltherrschaft?
Irdische Macht und himmlische Gewalt
Bonifaz VIII. und Philipp IV. von Frankreich: Theokratie gegen modernen Staat
Das Attentat von Anagni (1303): Der Anfang vom Ende
Die "babylonische Gefangenschaft" der Päpste in Avignon
Das "Große Abendländische Schisma"



Päpste der Reformation, Päpste der Reform, Päpste der Anpassung
Der Weg zur Glaubensspaltung
Das Kraftgenie der katholischen Reform: Sixtus V. (1585–1590)
Vernichtung der Banditen, Ordnung der Finanzen, Ausbau der Stadt Rom
Das Bild des Tyrannen
Die "römischen Päpste" des 17. und 18. Jahrhunderts zwischen Absolutismus und Aufklärung
"Ach, du fängst die Welt nicht mehr": Päpste der Restauration



Das Vatikanische Zeitalter oder das Ende des Kirchenstaates und die neuen Dogmen
Vom Liberalen zum "Gefangenen des Vatikans": Pius IX. (1846–1878)
Das Dogma der "Unbefleckten Empfängnis Mariens" (1854) und der Kampf gegen "die Hauptirrtümer der Zeit" (1864)
Das Erste Vatikanische Konzil 1869/70 als Fortführung des Konzils von Trient (1545–1564)
Ignaz von Döllingers Kampf gegen den Ultramontanismus und das "Papalsystem"
Die Dogmen des päpstlichen Universalepiskopats und der päpstlichen Unfehlbarkeit als Werk Pius` IX.
No Splendid Isolation: Das Papsttum bis zu den Lateranverträgen Pius´ XI. (1922–1939)
Merkmale des Vatikanischen Zeitalters



Der Übergang zu neuer Kraft
Johannes XXIII. (1958–1963), der Papst der Überraschungen
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965)
Ein neues Kardinalskollegium, ein neues Bischofsamt
"Machen wir den Spaltungen ein Ende" – die Öffnung des Papsttums
Johannes Paul II: Ökumenische Wende und/oder katholische Rückbesinnung?
Die Weltkirche als "polnisches Modell"?
Das Attentat
Von der "Unbeirrbarkeit" des Papstes
Nur noch ein Papst?



Ein Blick durch die Zeiten. Papstgeschichtsschreibung einst und jetzt
Die Lage
Das Papsttum: ein übernationales Thema
Der Einbruch der Reformation
Die katholische Antwort
Die kritische Sichtung und Sicherung der Tradition
Protestantische Besinnung
Leopold Rankes Papstgeschichte als Ereignis
Die europäische Resonanz und die gespaltene Aufnahme in Italien
Papstgeschichtsschreibung und konfessionelle Polarisierung
Ludwig Pastors "Geschichte der Päpste"
"Der heilige Stuhl hat nichts zu verbergen": Die Öffnung des Vatikanischen Archivs
Die letzten großen Werke deutscher Papstgeschichtsschreibung
Der Papsthistoriker zwischen den Stühlen
Von der "ungebrochenen Kraft" des Papsttums

Anhang
Die Papstliste: Päpste, Gegenpäpste und von der Schwierigkeit der Zählung
Register
Bildquellennachweis
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.11.1998

Hände falten, Goschen halten
Horst Fuhrmanns erbauliche Geschichte der Päpste

Anläßlich des zwanzigsten Jahrestages seines Amtsantrittes wurde dem Papst die große Gnade zuteil, drei Fragen an Gott richten zu dürfen. Also frug er: "Wird der Zölibat abgeschafft werden?", und erhielt die Antwort: "Nicht, solange du Papst bist!" Weiters wollte er wissen: "Werden Frauen zum Priesteramt zugelassen?", und Gott antwortete: "Nicht, solange du Papst bist!!" Schließlich wollte Karol Wojtyla noch etwas erfahren: "Wird wieder ein Pole Papst werden?", und Gott sprach: "Nicht, solange ich Gott bin!!!"

Gaudete, Fideles! Habemus librum! Habemus etiam librum papalem, qui ad scientiam non adspirat! Wieder ist eine Papstgeschichte erschienen. Horst Fuhrmann, ehemaliger Präsident der Monumenta Germaniae Historica sowie der bayerischen Akademie der Wissenschaften, der bislang eher angenehm durch Werke wie "Einladung ins Mittelalter" auffiel, hat sich nun zu einer Neubearbeitung seiner Geschichte der Päpste von 1980 entschlossen.

Doch dieses sein Werk, obschon es aus seinem wissenschaftlichen Gebiet hervorzuwachsen scheint, arbeitete er doch zum Beispiel über die sogenannte Konstantinische Schenkung, die pseudoisidorischen Dekretalen, eine Sammlung angeblicher frühchristlicher Papstbriefe, allerdings allesamt aus dem neunten Jahrhundert, wenn nicht noch jünger, oder die Entstehung des Kirchenstaates, ist eine Zwittergeburt, ist nicht Fleisch noch Fisch.

Man käme gar nicht auf die Idee, jemanden heutzutage nach seiner Konfession zu fragen, wenn er nicht so penetrant darauf hinwiese. Also gut, Horst Fuhrmann ist Protestant, wenn auch ohne besonderen Bekenntnisdrang, wie er kokett hinzufügt, und schreibt trotzdem über Päpste! Und sowohl Hitler als auch Mussolini bewunderten die katholische Kirche wegen ihrer straffen Organisation. Auch Stalin war Zögling eines Priesterseminars! Das alles aber sagt uns noch nicht wirklich viel, wollen wir über eine Geschichte, die nur mehr aus Anekdoten besteht, hinauskommen.

Genau das leistet aber dieses Buch nicht oder wenn, dann nur ansatzweise und sehr eklektisch. Der Autor hat zwei Gesichter. Als stichelnder Kritiker setzt er sich in Szene. "Geschichtsschreibung bestätigt, was man ohnehin weiß", spöttelt er. Sogar Karlheinz Deschner, der Gottseibeiuns des frommen Katholiken, wird zitiert, wenngleich er auch im mehr als knappen Register dann nicht aufzufinden ist. Aber bisweilen sinkt Fuhrmann in haltloser Bewunderung in die Knie. Ein Satz wie: "Der Erfolg des ersten Kreuzzugs (...) ist in den folgenden Jahrhunderten nie mehr überboten worden", drückt einen Machtpositivismus aus, der die Opfer der abendländischen Expansion in jene Unsichtbarkeit zurückstößt, aus der Steven Runciman sie gerettet hatte.

Das völlige Fehlen von Literaturangaben kann auch nicht durch ein Kapitel über "Papstgeschichtsschreibung - einst und jetzt" wettgemacht werden, soll irgendein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit gewahrt bleiben, den man eigentlich vom Verlag C. H. Beck erwarten darf, selbst wenn der Autor sein Buch nur als "orientierende Übersicht" verstanden wissen will.

Zu wenig schließlich erfährt man darüber, daß das Amt des Papstes, ursprünglich ja nichts weiter als das eines Bischofs von Rom (bekanntlich hat in Italien bis weit in die Neuzeit herein jede Stadt einen Bischof, sonst ist sie eben keine Stadt), erst im fünften Jahrhundert erfunden wurde, als dieses Gemeinwesen verlottert und schon lange nicht mehr die Hauptstadt eines Reiches war. Nichts liest man davon, daß es abgesehen vom Fehlen von Beweisen für die Anwesenheit eines Simon Petrus in Italien, geschweige denn in Rom, auch keinerlei historische Beweise für dessen physische Existenz überhaupt gibt.

Auch auf den unterschiedlichen Grad der Anerkennung von päpstlichen Allmachtsansprüchen im Heiligen Römischen Reich und auf der anderen Seite in Frankreich oder England weist Fuhrmann nur am Rande hin. So ist ein Papsttum ohne französische Unterstützung seit dem elften Jahrhundert (sofern man dann schon von Frankreich und Deutschland sprechen darf) eigentlich nicht wirklich vorstellbar, doch Fuhrmann bleibt einem imperial-zentristischen Blickwinkel verhaftet.

Es bleibt dem Rationalisten in uns also nur die schwache Hoffnung, daß die Prophetie des (Pseudo-)Malachias aus dem sechzehnten Jahrhundert doch ein Körnchen Wahrheit enthält und uns vom Jüngsten Gericht nur noch ein Papst nach dem jetzigen trennt. Dann kann endlich Schluß sein mit Päpsten und Papstbüchern. MARTIN LHOTZKY

Horst Fuhrmann: "Die Päpste". Von Petrus zu Johannes Paul II. C. H. Beck Verlag, München 1998. 305 S., 191 Abb., geb., 48,- DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr