Jesus der Hund - Lang, Bernhard
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Dieses Buch beleuchtet die deutsche Parteienlandschaft von den Einzelstaaten her und spannt dabei den Bogen von der Entstehung der Parteien bis heute. In einleitenden Aufsätzen werden die Geschichte der Parteien, die Transformation der ehemaligen Staatsparteien der DDR sowie das derzeitige Parteiensystem und sein Wandel analysiert. Im Anschluss daran stellen ausgewiesene Experten die Parteien in den einzelnen deutschen Ländern dar.…mehr

Produktbeschreibung
Dieses Buch beleuchtet die deutsche Parteienlandschaft von den Einzelstaaten her und spannt dabei den Bogen von der Entstehung der Parteien bis heute. In einleitenden Aufsätzen werden die Geschichte der Parteien, die Transformation der ehemaligen Staatsparteien der DDR sowie das derzeitige Parteiensystem und sein Wandel analysiert. Im Anschluss daran stellen ausgewiesene Experten die Parteien in den einzelnen deutschen Ländern dar.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1957
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 239
  • Erscheinungstermin: 24. August 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 123mm x 20mm
  • Gewicht: 240g
  • ISBN-13: 9783406606298
  • ISBN-10: 3406606296
  • Artikelnr.: 29010254
Autorenporträt
Bernhard Lang, geb. 1946, lehrt als Professor für Altes Testament und Religionswissenschaft an der Universität Paderborn und der University of St. Andrews in Schottland. Mit seinem Buch "Der Himmel. Eine Kulturgeschichte des ewigen Lebens" (zusammen mit C. McDannell) ist er international einem großen Publikum bekannt geworden.
Inhaltsangabe
Einleitung: Der große Durchbruch

Erster Teil

Der Gottesmann

Jesus als
elijanischer Prophet

1 Die Schule des
Propheten Elija

2 Leben in der Nachfolge
Elijas und Elischas

Zweiter Teil

Der Hund des Himmels

Jesus als
kynischer Philosoph

3 Die
kynische Schule und ihr jüdischer Zweig

4 Die
kynische Lebensform

5 Das Weltbild der
Kyniker

6 Religion und
Religionskritik

7 Das
gesellschaftliche Wirken

8 Jesus der Hund
         Kyniker und Kaiser in vier Jahrhunderten

Epilog: Die Aktualität der kynischen
Philosophie

Anhang

Lebensdaten kynischer Philosophen

Antike Zeugnisse über den Kynismus

Abkürzungen

Anmerkungen

Literatur

Bildnachweis

Dank

Register
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 21.12.2010

Wie man aus einem jüdischen Propheten einen griechischen Hippie macht
Wallend sei der Bart, lang das Haar und scharf der Spott über die zufriedenen Bürger: Der Religionswissenschaftler Bernhard Lang stellt Jesus in die Tradition des Kynismus

Wer dieses Buch des in Paderborn lehrenden Religionswissenschaftlers und Alttestamentlers Bernhard Lang zur Hand nimmt, reibt sich zunächst verdutzt die Augen: Hatten wir nicht gerade Jesus als Juden sehen gelernt, der sich mit seiner Predigt nur vor dem Hintergrund des palästinischen Judentums um die Zeitenwende verstehen lässt?

Nein, behauptet Lang. Das jüdische Erbe bei Jesus sei "nicht stark ausgeprägt". Nur weniges in seinem Leben und seiner Lehre habe einen "klaren Hintergrund in Tempel, Synagoge und Heiliger Schrift". Zwar habe er sich an dem alttestamentlichen Propheten Elija orientiert, diesen aber de facto mit dem kynischen Philosophen Diogenes gleichgesetzt. Nur vom Spötter in der Tonne her erschließe sich Jesu Auftreten und Lehre in ihrer ganzen Eigenart.

Dieses kynische Erbe sei allerdings in der frühchristlichen Literatur "verdrängt und unkenntlich" gemacht worden. Die Gründe hierfür lägen in der "Verbürgerlichung der Jesusbewegung" sowie in der Angst vor dem revolutionären Pathos der Kyniker. In der modernen Forschung "nach dem Zweiten Weltkrieg" (gemeint ist wohl die Schoa) habe es hingegen als "politisch opportun" gegolten, "Jesus ausschließlich als Juden zu würdigen und seine hellenistischen Wurzeln zu vernachlässigen". So sei der kynische Hintergrund von Erscheinung und Lehre Jesu nicht erkannt und gewürdigt worden.

Nun ist der Beweis für den Kynismus Jesu schon aus methodologischen Gründen nicht ganz einfach: Denn wenn das verbürgerlichte Christentum alle Hinweise auf Jesu kynische Verwurzelung getilgt hat, wie kann man diese dann überhaupt rekonstruieren?

So besitzen wir denn auch kein einziges Zeugnis darüber, dass Jesus oder seine Anhänger Schriften oder Philosophen dieser Schule gekannt hätten. Um dieses Problem zu umgehen, versucht Lang in Anknüpfung an angelsächsische Forscher aus Erscheinungsformen, die den Kynikern und der Jesusbewegung gemeinsam sind - asketische Lebensführung, Wanderexistenz und ein unerschrockenes Auftreten gegenüber den Mächtigen -, auf geistesgeschichtliche Abhängigkeiten zu schließen. Dafür sind die genannten Phänomene aber viel zu unspezifisch: Das Ideal des anspruchslosen, seine Leidenschaften kontrollierenden Weisen haben auch die Stoiker und Platoniker vertreten.

Aus den unterschiedlichsten Teilen des Römischen Reiches hören wir in der Antike von Wanderphilosophen. Diese sind allerdings kaum alle Kyniker gewesen, es sei denn, man wollte unter Kynismus nichts anderes verstehen als eben eine Existenz als obdachloser "Intellektueller". Ein solcher ist Jesus ohne Zweifel gewesen. Das macht ihn aber noch nicht zum Träger einer spezifischen Form philosophischer Bildung und damit auch nicht zu einem bisher übersehenen Erben der Kyniker.

Langs These passt bei Jesus auch deshalb nicht, weil es mit dessen Askese jedenfalls im Bezug auf Essen und Trinken nicht so weit her gewesen sein dürfte. Man warf ihm vor, er sei ein "Fresser und Weinsäufer". Wenn ein solcher Vorwurf sogar in den Evangelien überliefert ist (Matthäus 11,19; Lukas 7,34), dürfte er wohl mehr als nur ein Körnchen Wahrheit enthalten. Lang sieht das auch und ist daher gezwungen anzunehmen, Jesus habe einer "liberalen Schule" des Kynismus angehört.

Die Urgemeinde war auch gewiss keine kynische "Kommune im Jerusalemer Stadtviertel der Wohlhabenden", wie Lang unbekümmert behauptet. Abgesehen davon, dass aus der Apostelgeschichte hervorgeht, dass die meisten Mitglieder dieser Gemeinde tatsächlich mittellos waren und die "Gütergemeinschaft" demnach nichts anderes als gemeinsame Mangelverwaltung gewesen sein dürfte, übersieht Lang auch, dass die hier gepflegte Armenfürsorge im Kynismus gerade kein Vorbild hat.

Lang geht schließlich sogar so weit, das Letzte Abendmahl Jesu als kynisches Opfer zu deuten, und unterschlägt dabei, dass Jesus selbst dieses Abendmahl "als Feier eines ,neuen' Bundes mit Gott" verstanden hat, "der darauf zielt, Gottes Willen den Menschen unmittelbar ins Herz zu legen" (Gerd Theißen/Annette Merz) - alles Elemente, die man bei den Kynikern vergeblich sucht.

Am Ende dieses Buches ist Jesus vom jüdischen Propheten zum griechischen Hippie mutiert, der mit wallendem Bart und langen, ungewaschenen Haaren durch die Lande zieht und das selbstzufriedene Bürgertum mit kessen Sprüchen aufmischt.

Da ist man bei jenen von Lang ridikülisierten Forschern, welche das Besondere dieser Gestalt im Kontext eines alttestamentlich geprägten Judentums zu beschreiben suchen, doch viel besser aufgehoben.

WOLFRAM KINZIG

Bernhard Lang: "Jesus der Hund". Leben und Lehre eines jüdischen Kynikers.

Verlag C.H. Beck, München 2010. 240 S., Abb., br., 12,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Der Basler Theologe Niklaus Peter hat sich von dem für Uneingeweihte missverständlichen Titel nicht abschrecken lassen und sich dann gern von Bernhard Langs Studie über die Parallelen zwischen kynischer Philosophie und jüdisch-christlicher Lehre aufklären lassen. Als erkenntnisreich lobt der Rezensent Langs Vergleich kynischer Ideale, wie sie beispielsweise Diogenes vorgelebt und gelehrt hat, mit dem Wanderpredigerdasein Jesu, den der Autor in der Nachfolge des armen Wanderpropheten Elija und Johannes des Täufers sieht. Auf die in seinen Augen "zeitgeistigen" Anknüpfungen an Foucault und Sloterdijk hätte Peter zwar getrost verzichten können. Dafür lobt er den Blick des Autors auf Jesus als "jüdischen Kyniker" für seine Frische und findet, dass sich hier eine faszinierende und wirklich neue Facette der "Zentralgestalt des Christentums" zeigt. Neben den Gemeinsamkeiten hätte der Rezensent allerdings nichts dagegen gehabt, wenn Lang sein Augenmerk auch auf Unterschiede gerichtet hätte.

© Perlentaucher Medien GmbH