Menschenrechte militärisch schützen - Hinsch, Wilfried; Janssen, Dieter
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Seit Beginn der neunziger Jahre gibt es eine intensive Debatte über die Frage, ob ein militärisches Eingreifen zur Verhinderung schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen legitim, legal und erfolgversprechend sein kann. Im vorliegenden Buch argumentieren die Autoren, daß es gerechtfertigt ist, militärische Maßnahmen zu ergreifen, um eine bedrohte Zivilbevölkerung zu retten. Sie entwickeln Prinzipien und Kriterien für moralisch gerechtfertigte Interventionen und untersuchen anhand konkreter Fälle von humanitären Notsituationen, welche Maßnahmen bei diesen Konflikten geboten sind. Sie plädieren…mehr

Produktbeschreibung
Seit Beginn der neunziger Jahre gibt es eine intensive Debatte über die Frage, ob ein militärisches Eingreifen zur Verhinderung schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen legitim, legal und erfolgversprechend sein kann. Im vorliegenden Buch argumentieren die Autoren, daß es gerechtfertigt ist, militärische Maßnahmen zu ergreifen, um eine bedrohte Zivilbevölkerung zu retten. Sie entwickeln Prinzipien und Kriterien für moralisch gerechtfertigte Interventionen und untersuchen anhand konkreter Fälle von humanitären Notsituationen, welche Maßnahmen bei diesen Konflikten geboten sind. Sie plädieren für die rechtliche Verankerung der humanitären Intervention im Völkerrecht und ihre institutionelle Implementierung in der UN.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1681
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 303
  • Erscheinungstermin: September 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm
  • Gewicht: 294g
  • ISBN-13: 9783406540998
  • ISBN-10: 3406540996
  • Artikelnr.: 20742866
Autorenporträt
Wilfried Hinsch ist Professor für Praktische Philosophie an der RWTH Aachen und Mitglied des Wissenschaftsrats.
Dietrich Janssen hat über Kriegslegitimation in der Frühen Neuzeit promoviert. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Philosophischen Institut der Universität des Saarlandes.
Rezensionen
Besprechung von 03.09.2007
Humane Einmischung
Eine Studie über die militärischen Interventionen
Humanitäre Interventionen sind keine Erfindung unserer Zeit. 1860 wurden 6000 französische Soldaten nach Syrien in Marsch gesetzt, um mögliche Massaker an den christlichen Maroniten zu verhindern. 1823 war Lord Byron in Griechenland an der Spitze einer britischen Truppe, um das Land der Griechen nicht mehr nur mit der Seele zu suchen, sondern zu befreien. Die USA befanden sich in einer Humanitätsintervention, als sie in Kuba die dortige Zivilbevölkerung gegen die spanischen Truppen schützen wollten. So war ihre Motivation. 1948 verkündeten die UN die Völkermordkonvention, die sogar die militärische Intervention gegen einen vom Weltsicherheitsrat erklärten Genozid gebieterisch vorschreibt. Viele UN-Missionen sind gescheitert.
Die Autoren arbeiten als Philosophen und Politik-Wissenschaftler. Das Buch bietet eine Mischung von akademischer und politischer Untersuchung. Es verliert sich im ersten Teil (Prinzipien gerechter humanitärer Intervention) in der ausführlichen historischen und völkerrechtlichen Herleitung der Legitimität solcher Interventionen. Gut herausgearbeitet wird der Widerspruch zu dem seit dem Westfälischen Frieden allein gültigen Prinzip der Souveränität der Einzelstaaten.
Die Autoren beschreiben vier ausgewählte Fälle militärischer Einsätze: die „zögerliche Intervention in Bosnien-Herzegowina” 1991–1995; dann die Intervention „mit falschen Mitteln” im Kosovo, die bis heute noch nicht ausgeräumten Zweifel an dieser eben nicht durch den UN-Sicherheitsrat mandatierten Intervention werden ausführlich diskutiert; dann wird der Fall einer erfolgreichen Intervention Australiens vorgestellt: auf den Salomonen-Inseln 2003, von denen in Deutschland kaum jemand etwas weiß. Der vierte Testfall: die lange ausgebliebene Intervention in dem westsudanesischen Darfur.
Diese Einzelkapitel sind gediegene Einführungen in die genannten Konfliktfälle. Dramatischer ist der Fall der ausgebliebenen Intervention in Ruanda, wo mehr als 800 000 Genozid-Tote zu beklagen waren. Es wird nicht die wirklich erfolgreiche Intervention der UN in Ost-Timor in einem eigenen Kapitel vorgestellt. Der große erste Blauhelm-Versuch Anfang der 60er Jahre der Völkergemeinschaft in der unabhängig gewordenen Republik Kongo, um die Abspaltung von Katanga zu verhindern, endete in einem halben Desaster, wobei unter bis heute nicht geklärten Umständen der damalige UN-Generalsekretär Dag Hammerskjöld ums Leben kam.
Dennoch – das Buch wirkt wie die Vorbereitung eines viel größeren und umfassenderen Kompendiums zu einer Thematik, mit der wir in den nächsten Jahren weiter kräftig als Leser und Bürger konfrontiert werden. RUPERT NEUDECK
WILFRIED HINSCH / DIETER JANSSEN: Menschenrechte militärisch schützen. Ein Plädoyer für humanitäre Interventionen. C.H. Beck München 2006. 303 Seiten, 14,90 Euro.
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