Geschichte der Oberpfalz und des bayerischen Reichskreises bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts / Handbuch der bayerischen Geschichte Bd.3/3 - Albrecht, Dieter / Bauer, Christoph / Schmid, Alois / Schmid, Peter / Volkert, Wilhelm / Kraus, Andreas / Schremmer, Eckart / Schmid, Hans / Pörnbacher, Hans (Bearb.)
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Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • 3., neubearb. Aufl.
  • Seitenzahl: 391
  • Deutsch
  • Abmessung: 250mm
  • Gewicht: 910g
  • ISBN-13: 9783406394539
  • ISBN-10: 3406394531
  • Artikelnr.: 05767785
Autorenporträt
Andreas Kraus ist emeritierter Professor für Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ehemaliger Erster Vorsitzender der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Im Verlag C.H. Beck ist von ihm lieferbar: Geschichte Bayerns. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (21988).
Rezensionen
Besprechung von 05.12.2017
Stolzer Stamm aus dunkler Zeit
Die Bayern, was sind die eigentlich? Der Historiker Alois Schmid gibt das „Handbuch der bayerischen Geschichte“ neu heraus – ein Lesegenuss
Jede Fach- und Liebhaberbibliothek beginnt links oben mit ihrem Grundlagenwerk. Für den Überblick. Und zum gelegentlichen Verifizieren. Immer griffbereit.
Ein exponiertes Werk eben, dem sich alle anderen Bücher unterordnen, seien sie noch so lesenswert. Links oben, da fängt die Bibliothek an, man kann diese Stelle auch als Ehrenplatz bezeichnen. In einer Bavarica-Bibliothek gebührt dieser Platz seit fünfzig Jahren dem „Spindler“. Der „Spindler“ hat seinerzeit den „Doeberl“ abgelöst, der wiederum den „Riezler“ ersetzt hatte. Alle waren mal Standardwerke der bayerischen Landesgeschichte. Künftig steht in gut sortierten Bavarica-Sammlungen der „Schmid“ links oben.
Der Münchner Landesgeschichts-Ordinarius Max Spindler hat im Jahr 1967 das „Handbuch der bayerischen Geschichte“ begründet. Sein Name entwickelte sich unter Historikern zu einer Marke wie „der Grotefend“ für sein Zeitrechnungsbüchlein und „der Gebhardt“ für das „Handbuch der deutschen Geschichte“. Generationen von Geschichtslehrern haben sich mit diesem Standardwerk auf ihr Staatsexamen vorbereitet. Nun hat Alois Schmid, Jahrgang 1945, Spindlers Doktorenkel und Nachnachnachnachfolger auf einem der beiden Münchner Landesgeschichtslehrstühle, die Mammutaufgabe mit in seinen Ruhestand genommen, das Handbuch völlig neu aufzubereiten.
Den ersten von rund vier Bänden hat Schmid nun selbst herausgegeben, wobei er erst einmal einen Sponsor suchen musste. Ausgerechnet im selbstbewussten Bayern fanden sich keine öffentlichen Mittel für dieses Projekt! Alois Schmid tat sich also mit dem Münchner Volkswirt Hans-Ulrich Wegener zusammen, einem geschichtsbegeisterten Finanzier, der das neue Handbuch mit einer fünfstelligen Summe aus seiner Privatschatulle unterstützte. In anderen Bundesländern gelten solche Standard-Geschichtswerke als wissenschaftspolitische Prestigeobjekte. Ihre Finanzierung würden sich die zuständigen Minister niemals nehmen lassen. Allerdings ist zur Ehrenrettung des zuständigen CSU-Politikers Ludwig Spaenle festzuhalten, dass die Entscheidung gegen die Finanzierung des Handbuchs unter seinem in kulturellen Dingen überforderten Vorgänger gefallen war, einem FDP-Mann und Zahnarzt.
Was macht nun Schmids Handbuch wichtiger, moderner, besser als die Vorgänger-Ausgabe von Spindler, nach deren Erscheinen Riezlers achtbändige „Geschichte Baierns“ aus dem 19. Jahrhundert und Doeberls 1906 begonnene „Entwickelungsgeschichte Bayerns“ in großen Teilen überholt waren? Aus einem reinen Arbeitsbuch ist ein Lese- und Arbeitsbuch geworden. Schon durch die optische Gestaltung liest es sich flüssiger, die gewaltigen Fußnoten-Apparate sind in den Anhang gewandert. Dadurch wirkt der Text sehr kompakt – auf 511 Seiten hat Schmids Autorenteam alles Wesentliche über dieses Land von der Vor- und Frühgeschichte bis zum ausgehenden 12. Jahrhundert abgehandelt.
Selbstverständlich musste die Geschichte Bayerns nicht neu geschrieben werden. Denn an der Quellenlage hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten wenig verändert. Mit den meisten Neuigkeiten wartet die Münchner Vor- und Frühgeschichtlerin Amei Lang auf, die sich auf Grabungsberichte aus den vergangenen zwanzig Jahren stützen kann. Der Boden birgt eindeutig mehr Enthüllungen über die Geschichte Bayerns als durch schriftliche Quellen erwartet werden darf. Denn wo soll heute noch eine mittelalterliche Chronik zum Vorschein kommen, die nicht längst bekannt und durchgeforscht ist?
Amei Lang verweist zum Beispiel auf die Kritzeleien in Höhlenablagerungen nahe Bamberg, die Forscher im Jahr 2011 entdeckten. Die Menschen der Älteren Steinzeit, wahrscheinlich waren es Jäger, ritzten als Fruchtbarkeitssymbole stilisierte Frauenfiguren in den Sinter. Für Lang erschließt sich aus der Art dieser Kleinkunst, dass es unter den Menschen schon 11  000 Jahre vor Christus über weite Teile des Kontinents hinweg Kontakte gab.
Besonders dankbar wäre die bayerische Landesgeschichte den Archäologen für weitere sachdienliche Hinweise zur Herkunft jenes Völkleins, das im frühen Mittelalter als Bajuwaren in die Geschichte trat. Dass ausgerechnet ihre Herkunft im Dunkeln liegt, ist den stolzen Bayern ein Graus. Der Mediävist Roman Deutinger räumt mit den Stammesmythen auf. Nachfahren der keltischen Bojer? „Nimmt heute niemand mehr ernst.“ Eingezogen aus Armenien und von Julius Caesar niedergerungen? „Eher eine gelehrte Konstruktion.“ Abkömmlinge eines älteren Germanenvolkes? „Rein spekulativ.“ Deutinger sieht dieses Gebiet als Einwanderungsland – als Ziel diverser Gruppen, die aber schon lange vor dem 6. Jahrhundert angekommen waren, aber dann eine „äußerlich erkennbare gemeinsame Identität“ entwickelten.
Schon früh war diese Kultur vom Christentum geprägt. Die Stammesführer engagierten charismatische Geistliche wie die Heiligen Korbinian, Rupert und Emmeram, um dieses Land zu ordnen. Für Korbinian, den sagenhaften Bärenbändiger und ersten Bischof von Freising, fand die Forschung indes Quellen, mit denen sich nun auch seine Lebensdaten feststellen ließen.
Es sind Details wie dieses, die sich in den vergangenen fünfzig Jahren in die Geschichte fügten und nun im Handbuch Niederschlag finden. Die Texte lesen sich ausnahmslos flüssig, obwohl die Autoren einräumen, dass vieles „völlig im Dunkeln“ bleibe, „nahezu unmöglich zu bestimmen“ oder manche „Frage kaum zufriedenstallend zu beantworten“ sei. Der „Spindler“ beziehungsweise jetzt eben der „Schmid“ bleibt zuverlässiger als jedes Internet-Lexikon. Wikipedia etwa platziert Herzog Arnulfs Ruhestätte im Regensburger Kloster St.  Emmeram. Allein, schreibt Roman Deutinger, „das Grab ist unbekannt“. Bei einer Neuauflage in fünfzig Jahren könnte sich das ändern.
RUDOLF NEUMAIER
Alois Schmid (Herausgeber): Handbuch der bayerischen Geschichte. Band I, 1. Das Alte Bayern. Von der Vorgeschichte bis zum Hochmittelalter. Verlag C.H. Beck, München 2017. 726 Seiten, 49,95 Euro. E-Book 39,99 Euro.
Was andere Bundesländer als
Prestigeobjekt betrachten, bezahlt
hier ein Privatmann
Die zugewanderten Menschen
entwickelten im 6. Jahrhundert
eine gemeinsame Identität
Bären- und Bayernbändiger: Der heilige Korbinian wirkte im 8. Jahrhundert als christlicher Missionar.
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