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Insgesamt 1463 Bewertungen
Bewertung vom 11.04.2023
George, Nina

Das Bücherschiff des Monsieur Perdu


sehr gut

Witzig, dass in der "Enzyklopädie der kleinen Gefühle" auch die gescheiterte Lesebeziehung beschrieben wird. Denn genauso empfand ich dieses Buch passagenweise. Alles an diesem Buch hat mich auf den ersten Blick angesprochen, aber dann hat es einfach nicht gefunkt zwischen uns. Bis ungefähr zur Hälfte des Buches stand ich kurz vor dem Abbruch, jetzt zum Schluss bin ich aber froh, die Geschichte doch bis zu Ende verfolgt zu haben, denn die Story steckt so voller Herzensgüte, dass man sie einfach lieben muss. Jeder sollte einen literarischen Apotheker haben, um die Maladie des Lebens zu heilen.

Zum Inhalt: Vier Jahre ist es her, dass Buchhändler Jean Perdu sein Bücherschiff verließ und den Job als literarischer Apotheker an den Nagel hing um seinen großen Liebe in die Provence zu folgen. Doch als sich in seinem und dem Leben seiner engen Freunde eine Art herzschwere breit macht, wagt Perdu ein letztes Abenteuer und bringt sein Schiff zurück nach Paris. Eine Reise voller Begegnungen beginnt, die nicht nur Peruds Leben bereichern soll.

Ich fand es ziemlich schwer, in die Geschichte reinzukommen. Am Anfang fand ich die Zwischenkapitel der „Großen Enzyklopädie der kleinen Gefühle“ noch ein nettes Gimmick. Später habe ich sie nurnoch überflogen, da sie meinen Lesefluss gestört haben und für mich auch nicht immer ganz stimmig zu den vorangegangenen Kapiteln gepasst haben. Die eigentlich Hauptgeschichte der Reise des Bücherschiffs nach Paris mochte ich nämlich eigentlich ganz gerne und wollte schon wissen, wie diese ausgeht. Nachdem der holprige Start in die Haupthandlung geglückt war, hat mich die Gesichte so ab circa der Hälfte richtig mitgerissen, was an den vielen tollen Charakteren liegt, die Perdu auf seiner Reise trifft und die nicht zur sein Leben bereichern, sondern auch das Leseerlebnis.

Was entsteht ist eine Geschichte mit ganz viel Herz in der das Schicksal Menschen zusammenbringt, die nicht wussten, dass sie einander brauchen um sich wieder ganz zu fühlen. Es werden großartige, emotionale Momente geschaffen, die mich zu Tränen gerührt haben.
Schön war es auch, den Wandel zu verfolgen, den die Bücher und Perdu als literarischer Apotheker in den Menschen ausgelöst haben. Ich bin während der Lektüre auf ein paar altbekannte Bücher gestoßen, bei denen ich mich gefreut habe, dass sie hier Nennung erfahren haben, habe mir aber auch neue Leseanregungen mitgenommen. Am Ende der Geschichte war ich dann doch traurig, das sie vorbei war und hätte gerne noch länger verweilt.

Bewertung vom 11.04.2023
Etzold, Veit

Die Zentrale / Laura Jacobs Bd.2


gut

Ich muss vorab einmal sagen, dass mich „Die Filiale“ damals nicht so richtig überzeugt hatte, weil ich es schon stark konstruiert fand, dass eine einfache Angestellte plötzlich zur privaten Topermittlerin rund um Bankenbetrug wird. Trotzdem fand ich die Idee hinter „Die Zentrale“ so ansprechend, dass ich an der Reihe drangeblieben bin. Wenn man mit dem Konzept und Wording schon bekannt ist, kommt man auch deutlich leichter rein. Zudem fand ich die Story diesmal deutlich spannender, auch wenn ich das private Ermitteln einer Zivilistin immer noch nicht so richtig glaubwürdig finde.

Zum Inhalt: nachdem Laura den Bankenskandal ihres Arbeitsplatzes aufgedeckt und schlimmeres verhindert hat, wurde sie in die Zentrale nach Frankfurt befördert. Dort kommt sie einem größeren Komplott auf die Schliche, der auch Einfluss auf ihre Heimat und damit sie selbst hat. Und gerät wieder ins Fadenkreuz der Hintermänner.

Ich kann Laura und auch ihren Mann leider nach wie vor irgendwie nicht leiden. Wo Thomas nur durch kurzsichtige Naivität und Egoismus bei mir aneckt, komme ich mit Lauras Einstellung ihrer Ehe gegenüber, aber auch mit ihrem Auftreten nicht klar. Ich verstehe auch wie schon in Band 1 einfach nicht, wie Laura Zugang zu allen möglichen Informationen und vertraulichen Daten bekommt und fast im Alleingang eine riesige Verschwörung aufdeckt. Dass sie dabei auch noch über eine potentielle Affäre nachdenkt, macht sie mir einfach unsympathisch.

Die Thematik, auch rund um die Morde, fand ich in diesem Buch deutlich ansprechender und spannender als in Band 1. Das Tempo zieht im Verlauf des Buches ordentlich an und hetzt das private Ermittlerteam der Bank quer durch Deutschland und Liechtenstein. Die Auflösung, soweit man sie denn in diesem Buch schon bekommt, wirkte auf den ersten Blick erstmal schlüssig konstruiert. Das Ende ist wieder als offener Cliffhanger gestaltet, weshalb ich vermutlich auch den Folgeband lesen werde, weil ich gerne einen klaren Abschluss hätte.

Insgesamt finde ich die Fortsetzung solide und sogar interessanter umgesetzt als den Vorgänger. Trotzdem wirkt es wieder stark konstruiert und für mich wenig realitätsnah, sodass ich auch dieses mal wieder keinen Zugang zur Protagonistin Laura gefunden habe.

Bewertung vom 06.04.2023
Graßhoff, Marie

Der stille Planet / Der dunkle Schwarm Bd.2


gut

„Der dunkle Schwarm 2- der stille Planet“ knüpft direkt an die Ereignisse aus Band 1 an und nimmt uns wieder mit in die dystopische Welt von Hackerin Atlas. Für mich wollte dieses Buch zu viel auf zu wenig Seiten und hat dadurch in meinen Augen seinen Fokus verloren. Als Fortsetzung interessant, aber für mich deutlich schwächer als sein Vorgänger.

Zum Inhalt: Mit der Zerschlagung von Hypermind sollte eigentlich Ruhe in Atlas Leben einkehren, aber diese stellt immer häufiger Probleme mit ihrem ADIC fest. Und dann gesteht auch noch Bennie einen Mord, den er eigentlich gar nicht begangen haben kann und Atlas Welt gerät mal wieder ins Straucheln. Zusammen mit alten Freunden und temporären Verbündeten, geht sie der Sache auf den Grund.

Was bei Marie Graßhoff immer unglaublich stark ist und wovon auch dieses Buch wieder wahnsinnig profitiert, ist das Worldbuilding. Nochmal mehr als in Band 1 erlebt der Leser die bedrückende Enge der Sublevels und den krassen Gegensatz der privilegierten Highlevels, in denen man Sonnenlicht spüren und den Himmel sehen kann. Diese Schilderung der Lebensumstände sind immer sehr atmosphärisch und sehr bildlich beschrieben. Generell liest sich das Buch wieder fantastisch, ist flüssig geschrieben, baut immer wieder Tempo und Spannung auf und geizt nicht mit überraschenden Enthüllungen.

Was mir in dieser Geschichte aber ein bisschen gefehlt hat war der rote Faden, der sich gefühlt immer wieder verloren hat. Es wurden Nebenschauplätze eröffnet und oft hatte ich das Gefühl, dass eine Handlung nur stattfand, um Seiten zu füllen, aber keinen tiefen Nutzen für den Fortgang der Handlung hatte. Scheinbar zentrale Themen bleiben dadurch auf der Strecke, wodurch das Buch für mich auch ein sehr unbefriedigendes Ende fand.

Auch die Entwicklung der Figuren im Vergleich zu Band 1 blieb eher rudimentär. Waren zum Ende von Band 1 die Übertragung von Noahs Bewusstsein in einen Androiden und Juliens Löschung prekäre Themen, so wurden diese im zweiten Band nun kaum aufgegriffen und verarbeitet. Auch die Beziehung zwischen Noah und Atlas blieb auf der Strecke und machte für mein Gefühl sogar eher wieder einen Schritt zurück. Damit fehlten mir einfach essentielle Punkte, auf die ich mich bei diesem Buch wirklich gefreut hatte.

Insgesamt funktioniert die Fortsetzung natürlich, hat bei mir aber nicht das Gefühl zurückgelassen, dass ich Band 3 unbedingt lesen müsste, sollte er denn erscheinen.

Bewertung vom 04.04.2023
Glattauer, Daniel

Die spürst du nicht


sehr gut

„Die spürst du nicht“ ist ein gleichwohl tragisches, wie thematisch brisantes Buch, das indirekt die Frage aufwirft, was ein Leben wert ist. Und ob denn jedes Leben gleichviel wert ist. Die Geschichte hallt nach und regt zum Nachdenken an.

Zum Inhalt: Grünenpolitikerin Strobl-Marinek fährt mit ihrer und einer befreundeten Familie in den Ferien in eine toskanische Villa. Dem Image zuliebe sogar mit dem Zug. Mit im Gepäck die neuste Freundin ihrer Tochter Sophie- ein somalisches Flüchtlingskind. Doch dann passiert ein Unglück und die heile Welt der Familie steht Kopf.

Den Schreibstil fand ich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, die Wortwahl manchmal prätentiös und zu ausgewählt. Die beiden Familien wirken in ihrer Urlaubsidylle fast schon überheblich und im krassen Kontrast zu den wenigen Worten der Familie von Aayana. Trotzdem wirkt die Geschichte in sich sehr stimmig erzählt, hier wird halt ein solides Gesamtkonzept geschaffen.
Was mir stilistisch total gut gefallen hat, sind die Medienbeiträge, sowie die Reaktionen darauf die im klassischen Foren-Format gehalten sind und vom empörten Aufschrei, über den Gutmenschen bis zum Internettroll die Bandbreite an Internet-Stereotypen wiedergeben. Die Haupthandlung wird dadurch natürlich immer wieder durchbrochen, mich hat es im Lesefluss aber nicht gestört.

Nicht nur das Thema Flüchtlingskrise, sondern auch Flucht an sich, wird hier sehr eindringlich aufgearbeitet und auf intensive und bedrückende Art rübergebracht. Die Geschichte von Aayanas Familie ist furchtbar tragisch, umso mehr tut es in der Seele weh zu erleben, wie die Familie Stück für Stück auseinanderfällt. Und dabei in der eigenen Geschichte selbst gefühlt nur die Funktion einer Randfigur übernimmt. Ob das so gewollt war, darüber kann ich jetzt nur spekulieren. Tatsächlich hätte mir ein Fokus auf der Familie und ihrem Verarbeiten der Situation und der Umgang mit der medialen Wirkung des Falls vermutlich noch besser gefallen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn ich es sehr speziell finde und mich dadurch auch mit einer Empfehlung schwer tue, denn diesen Stil und diese Art des Erzählens muss man halt mögen, um Zugang zur Geschichte zu finden.

Bewertung vom 03.04.2023
Kopka, Franzi

Der Preis der Gier / Gameshow Bd.1


ausgezeichnet

„Game Show- der Preis der Gier“ ist eine gelungene Mischung aus Survival- und Klassendystopie, wie man es schon aus Formaten wie Divergent oder Tribute von Panem kennt. Das Weltensystem funktioniert ganz ähnlich wie in diesen Geschichten und wie auch dort verbirgt sich hinter den Kulissen ein schreckliches Geheimnis.

Zum Inhalt: nach einem Verrat durch ihren eigenen Vater muss Cass im sozialen System von den Platins zu den Red absteigen, und wird damit von einer Gamblerin zur Gamerin degradiert. Nun muss sie in tödlichen Spielen nicht nur um ihr Leben, sondern um Coins spielen, um die Chance zu bekommen im sozialen System wieder aufzusteigen. Dabei trifft sie auf unerwartete Verbündete und macht eine erschütternde Entdeckung.

Das Weltensystem und die Sozialstruktur sind sehr interessant, aber auch wahnsinnig grausam und haben mich stark an „Tribute von Panem“ erinnert. Am Anfang waren mir Cass und ihre Freundin in ihrer naiven heilen Welt fast schon unsympathisch, aber Cass zeigt im Verlauf der Geschichte, was sie drauf hat. Sie ist stark, mutig, lässt sich nicht unterkriegen und bietet ordentlich Paroli. Sie ist eine Protagonistin, mit der man sehr leicht mitfiebern kann und ihre Gefühle und Gedanken wirken immer nachvollziehbar und sehr nahbar.

Die Spiele sind sehr vielfältig und total interessant beschrieben. Besonders die Art der Fallen und ihre Auswirkungen rangieren gefühlstechnisch bei mir zwischen Faszination und Ekel. Trotzdem muss man einfach weiterlesen, weil es auf voyeuristische Art sehr spannend ist. Dazu kommt noch eine Prise Drama in der Unterkunft der NoClans und mit Love Interest Jax.

Die verschiedenen Schicksale von Cass Verbündeten sind teilweise wirklich ergreifend. Diese emotionalen Stellen bieten einen starken Kontrast zur Grausamkeit der Spiele und der konstruierten Welt an sich. Insgesamt für mich eine gelungene Mischung, die eine packende Gesamtstory voller Verrat, Zweifel, Kampfgeist, Freundschaft und Liebe ergibt.

Bewertung vom 31.03.2023
Winn, Alice

Durch das große Feuer


ausgezeichnet

Ich weiß gar nicht, wie ich meine Gefühle zu diesem Buch in Worte fassen soll. Unbeschreiblich. Unbegreiflich. Unfassbar tragisch. Und so unglaublich nahbar. Kriegsgeschichten gibt es viele, aber ich glaube ich habe noch keine gelesen, die derartiges Schrecken mit derartiger Poesie und Schönheit vereint.

Zum Inhalt: Ellwood und Gaunt wachsen wie viele privilegierte Sprosse im England des frühen 20. Jahrhunderts auf und besuchen gemeinsam eine Privatschule für Jungen. Als der Krieg sich verschärft, melde sich der großgewachsene, schroffe Gaunt zum Kriegsdienst. Um kein Feigling zu sein. Und um vor seinen Gefühlen für Ellwood wegzulaufen. Doch genau wie diese, folgt auch Ellwood ihm an die Front.

Ellwood und Gaunt sind einfach fantastische Protagonisten. Genau so, wie Jungen in dem Alter sein sollten- voller Übermut und Tatendrang, unbedacht und hungrig nach dem Leben. Es fiel mir so wahnsinnig leicht mit ihnen mitzufühlen- die Euphorie und den Schmerz. Der innere Wandel, den beide im Laufe der Geschichte durchmachen ist geradezu greifbar und tut fast schon körperlich weh. Und dann diese endlose Liebe, die alle Hindernisse zu überwinden scheint, sogar den Tod. Ich habs geliebt und jede einzelne Seite verschlungen.

Obwohl es ein glaublich starkes Stilelement ist, habe ich die Zeitungsbeiträge meist nur überflogen, einfach weil ich so sehr in der Geschichte drin war, dass ich Angst hatte einen bekannten Namen zu lesen und diese beklemmende Schwere, die mit den Listen und Nachrufen einhergehen, wirklich sehr authentisch transportiert wurde.

Die Geschichte strotzt vor bildgewaltigen Szenen aus dem Schützengraben, angefüttert von Angst und Anspannung. Aber sie ist auch voller Kameradschaft, unerwarteter Freundschaften und Heldenmut. Ich konnte das Buch nicht weglegen, so gebannt war ich von der Geschichte und dem Schicksal von Elly und Gaunt. Eine wirklich berührende Story, die ich wärmstens weiterempfehle.

Bewertung vom 31.03.2023
Teige, Trude

Als Großmutter im Regen tanzte


sehr gut

„Als Großmutter im Regen tanzte“ ist ein großartiger Titel für diese fantastische Geschichte, in der es um die Familie Geschichte einer Norwegerin geht, die sich im zweiten Weltkrieg in einen Deutschen verliebt hat. Es ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, die mir sehr gut gefallen hat.

Zum Inhalt: als Juni das Haus ihrer verstorbenen Großeltern ausräumt, findet sie ein Foto von ihrer Großmutter, dass sie mit einem deutschem Soldaten zeigt. Juni beginnt ihre Familiengeschichte aufzusuchen- auf der Suche nach Antworten auf Fragen aus der Vergangenheit und nach einem Weg für sich selbst für die Zukunft.

In diesem Buch wird die bewegende Geschichte dreier Generationen Frauen aus Junis Familie erzählt, auch wenn der Fokus ganz klar auf ihrer Großmutter Tekla liegt, deren Liebe zu einem deutschen Soldaten sie alles gekostet hat. Und die trotzdem nicht den Mut verloren hat, weiterzumachen und sich selbst ein Leben aufzubauen. Es ist eine beeindruckende Geschichte einer starken Frau, die den Widrigkeiten des Lebens trotzt und ihr Glück findet.

Das Buch ist an vielen Stellen keine leichte Kost, besonders die Schrecken der russischen Besatzung in Deutschland sind teilweise sehr beklemmend und erschreckend geschildert und direkt bekommt man als Leser Mitleid mit den Betroffenen.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, in denen abwechselnd Juni und ihre Großmutter die Hauptrollen übernehmen. Das Leben der Mutter wird immer mal wieder angekratzt, aber kaum vertieft, obwohl auch sie unmittelbar von Tekla Lebensentscheidungen betroffen war.

Die Geschichte ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die mich streckenweise wirklich mitgenommen und betroffen gemacht hat. Einen Stern Abzug gibts für die Rahmenhandlung der Gegenwart, die nicht nur sehr vorhersehbar, sondern in meinen Augen auch stark romantisiert ist und nicht authentisch wirkt.

Bewertung vom 31.03.2023
Goodwin, Sarah

Stranded - Die Insel


sehr gut

Jeder kennt diese hypothetische Frage danach, was man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Aber was, wenn es dabei ums blanke Überleben geht? „Stranded“ greift diesen Gedanken auf und verpackt ihn in einen nervenaufreibenden Spannungsroman, der aber auch ein paar Längen hatte.

Zum Inhalt: Maddy will ihr altes Leben hinter lassen und bewirbt sich für eine Survival-Realityshow, die das Ende der Welt nachstellen soll, wobei es darum geht ein Jahr lang auf einer abgeschlagenen Insel zu überleben. Was als witziges Projekt beginnt wird schnell bitterer ernst, denn die Rationen sind knapp und plötzlich droht die Stimmung zu kippen.

Tendentiell greift das Buch ein Konzept auf, dass es in abgewandelter Form ja tatsächlich bereits als TV-Formate gibt, dementsprechend war das Konfliktpotential der Situation sehr vorhersehbar. Prinzipiell zeigt das Buch auf, wie Moral und vernunftgesteuertes Handeln zu kippen drohen, sobald eine Extremsituation eintritt.

Das Buch ist durchweg aus Maddys Sicht geschrieben, die quasi nach ihrer Rettung in einem Interview die Geschehnisse wiedergibt, die der Leser als Rückblenden erfährt. Das ist nett gemacht, wäre aber nicht unbedingt notwendig gewesen, da die Präsenz-Perspektive kaum zusätzliche Einblicke liefert. Die chronologische Erzählung hätte für mein Empfinden vollkommen ausgereicht.

Die Konflikte und Fallstricke des neues Lebens auf der Insel waren durchaus interessant und spannend zu lesen. Trotzdem hatte ich das Gefühl dass es immer mal wieder Redundanzen gab bzw. die Handlung auf der Stelle trat. Klar passiert in über einem Jahr auf einer Insel nicht immer was spannendes, aber die Spannungskurve flachte dadurch immer mal wieder ab. Hier wurde in meinen Augen einiges an Potential verschenkt, vor allem nach Auffinden der ersten Leiche.

Insgesamt fand ich die Geschichte schon aufgrund der diffizilen Charaktere und der „was wäre wenn“ Situation sehr ansprechend. Man bangt schon mit Maddy mit und überlegt wie man selber handeln würde. Trotzdem hätte es spannungstechnisch gerne knackiger und weniger vorhersehbar sein dürfen.

Bewertung vom 31.03.2023
Raabe, Marc

Der Morgen / Art Mayer-Serie Bd.1


ausgezeichnet

Wer Thriller liebt, kommt an Marc Raabe eigentlich nicht vorbei. Ich war schon großer Fan der Tom Babylon-Reihe und habe mich nun auf diesen neuen Reihenauftakt sehr gefreut.
Kleiner Wehmutstropfen an diesem Buch: es hat einen schwarzen Farbschnitt, welcher allerdings etwas unangenehm riecht und die Seiten kleben dadurch sehr stark zusammen, teilweise war es richtig schwer diese voneinander zu lösen. Ansonsten kann ich nur sagen: Hochspannung und Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite, Band 2 dürfte gerne jetzt schon erscheinen.

Zum Inhalt: Ein Auffahrunfall an der Siegessäule und eine unbekleidete Leiche auf der Ladefläche des Unfallautos. Was von vornherein mehr als tragisch erscheint, entwickelt schnell politisch Brisanz als klar wird, um wen es sich bei der Toten handelt. Und nicht nur das, der Täter hat einen Hinweis auf dem Bauch der Toten hinterlassen- die Adresse des Bundeskanzlers. Es beginnt eine Hetzjagd durch Berlin, die droht, alte Wunde aufzureißen.

Art Mayer ist ein raubeiniger, aber überaus kompetenter Ermittler, der sich an einem Fall festzubeißen weiß und der aufgrund seiner Art und Auslegung moralischer Grundsätze aber auch gerne mal aneckt. Trotzdem bekommt der Leser auch die fürsorgliche, herzensgute Seite Mayers präsentiert, die ihm im Übrigen fantastisch zu Gesicht steht. Mayer ist für mich ein Protagonist, mit dem ich mitfiebern und mitfühlen kann, weil er eine Geschichte hat, eine Hintergrundstory die ihn verwundbar und überaus menschlich macht.

Die Geschichte wird in zwei Zeitachsen erzählt, in Rückblenden erfährt man viel über Art selbst und wie er zu den anderen handelnden Personen steht. Das hat mir richtig gut gefallen, denn diese Rückblenden sind nicht nur ein interessanter Einblick ins Arts eigene Geschichte und seinen Charakter, die gesamte Storyline der Vergangenheit ist wahnsinnig spannend und ich könnte mir vorstellen, dass sie für weitere Bücher auch nochmal relevant wird.

Der Fall selbst ist sehr packend konstruiert. Marc Raabe legt hier nicht nur ein ordentliches Tempo vor, es steckt auch eine schlüssig konstruierte Geschichte dahinter, die sehr glaubwürdig erzählt wird. Vor allem die Einbindung der Medien, das Zusammenspiel der unterschiedlichen Polizeiapparate und das zweischneidige Schwert, wenn es darum geht, wer der Verdächtige ist, wirkten sehr authentisch und wirklich fesselnd.

Ein sehr spannendes Buch, mit einem sehr interessanten Thema rund um alte Loyalitäten, vergrabene Erinnerungen und die Frage nach der Schuld.

Bewertung vom 28.03.2023
Savas, Anna

Hold Me / New England School of Ballet Bd.1


ausgezeichnet

„Hold me“ ist ein eindringlicher Young Adult Roman, der nicht nur mit einer sanften Liebesgeschichte, sondern auch viel Tragik punktet. Es geht um die Themen Familie, Verlust und Neuanfänge. Eine mitreißende Geschichte, die für YA-Maßstäbe übermäßig nachhallt.

Zum Inhalt: mit der Zusage an der New England School of Ballet geht für Zoe ein Lebenstraum in Erfüllung, denn schon immer wollte sie nichts als Tanzen. Doch beim Pas de deux trifft sie auf Jase- den Jungen, den sie geliebt hat, den Jungen den sie verletzt und ignoriert hat. Und plötzlich geht gar nichts mehr. Und auch Jase ist alles andere als erfreut, Zoe wiederzusehen. Aber dann hängt ihrer beider Tanzkarriere plötzlich von einander ab. Werden ihre Gefühle ihnen im Weg stehen- oder sie retten?

Richtig cute fand ich die Idee mit den geheimen Wahrheiten auf versteckten Zetteln zwischen den beiden Protagonisten. Diese werden auch immer wieder eingestreut und präsentieren der Geschichte einiges an Offenheit und Verletzlichkeit und tragen maßgeblich zur emotionalen Tiefe bei.

Es hat mir gefallen, wie vielfältig die Storyline war. Es ging nicht nur ums Tanzen, das vordergründig ein zentrales Thema zu sein schien. Über das Tanzen wird wahnsinnig an privaten Konflikten transportiert, was ich toll umgesetzt fand. Ich mochte die detaillierten Hintergrundgeschichten, die die beiden Protagonisten bekommen haben und ihre jeweiligen Sorgen und Probleme, die obwohl sie unterschiedlich angesiedelt waren, doch eine Verknüpfung geschaffen haben.

Das vorsichtige annähern der beiden hat mir sehr gut gefallen und ich mochte, dass es Ups und Downs gab, die die beiden sehr nahbar gemacht haben. Gefühle wurden hier wahnsinnig gut transportiert, genauso wie die Hilflosigkeit, wenn man mit den Gefühlen anderer bezüglich einem selbst konfrontiert wird.

Was mir richtig gut gefallen hat und sehr authentisch rüberkam ist, dass die Probleme am Ende des Buches nicht auf wundersame Weise verpufft sind. Stattdessen hat innerhalb der Storyline eine realistische Entwicklung stattgefunden.

Eine wirklich schöne Geschichte mit viel Herzschmerz aber auch vielen süßen Momenten zum Dahinschmelzen.