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Dreamworx
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Berlin

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Insgesamt 1380 Bewertungen
Bewertung vom 23.11.2019
Teichert, Mina

Das Glück liegt unterm Weihnachtsbaum


ausgezeichnet

Endlich! Die 35-jährige Elin kann die Weihnachtszeit kaum noch erwarten, denn für sie ist es die schönste Jahreszeit. Außerdem verbringt sie die Tage immer mit ihrer Familie und ihrer Großmutter in ihrem kleinen Heimatdorf. Auch diesmal macht sie sich wieder auf den Weg, im Gepäck jede Menge selbstgemachter Schneekugeln für den Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt und kriecht bei ihrer Schwester Mieke, deren Familie und Oma Erna unter. Als ihr Onkel ihr einen kleinen Bassetwelpen aus seinem Wurf schenkt, ist sie erst etwas verunsichert, doch schon bald hat das kleine Wesen ihr Herz gestohlen, bekommt den Namen George und wird per Foto auf Instagram verewigt. Während ein Unbekannter online auf das Foto reagiert und sich mit Elin in Verbindung zu setzt, weil er ebenfalls solch einen kleinen Welpen besitzt, hat auch Nachbar Oliver einen der Hündchen von ihrem Onkel übernommen. Oliver ist zwar recht ansehnlich, aber nicht wirklich Elins Fall, oder doch?
Mina Teichert ist mit „Das Glück liegt unterm Weihnachtsbaum“ ein wirklich wunderbarer und witziger Weihnachtsroman gelungen, der das Leser Herz beglückt und gleichzeitig auf die kommenden festlichen Wochen einstimmt. Der Schreibstil ist flüssig-leicht und mit herrlichem Humor gespickt, der den Leser schnell in die Handlung entführt und an Elins Seite eine turbulente Zeit verleben lässt. Schon bei der Auswahl ihrer Protagonisten beweist die Autorin ein glückliches Händchen, denn der Leser fühlt sich in Elins herzlicher und lauter Familie sofort rundum wohl. Die weihnachtliche Atmosphäre sticht in diesem Buch besonders hervor, denn hier wird nicht nur bildhaft die verschneite Umgebung, sondern auch die wunderschöne Dekoration nebst Christbaum beschrieben. Aber auch der Duft nach frisch gebackenen Plätzchen und Glühwein schleicht sich durch des Lesers Nase, während er die Seiten durch seine Finger gleiten lässt, dem gelebten Chaos der Familie folgt und ihm nebenbei so mancher Weihnachtsohrwurm nicht aus dem Kopf geht.
Die Charaktere wurden von der Autorin mit viel Liebe zum Detail entworfen und mit Leben versehen. Der Leser hat das Gefühl, den einen oder anderen aufgrund ihrer liebenswerten Macken persönlich zu kennen, weshalb er sofort Nähe zu ihnen aufbauen kann. Elin ist eine freundliche und herzliche Frau, die einen guten Humor sowie großen Familiensinn besitzt und selbstbewusst wirkt. Schwester Mieke hat mit ihrer pubertierenden Tochter und den 5-jährigen Zwillingen alle Hände voll zu tun, denn das Chaos ist nicht weit, vor allem bei den Jüngsten nicht. Oma Erna hat die 80 überschritten und leidet an beginnender Demenz, ihre Sprüche zu jeder Gelegenheit sind unbezahlbar, denn allein dadurch bekommt man schon krampfartige Lachanfälle. Aber sie hat auch ein Geheimnis, dass sie bisher streng gehütet hat. Oliver ist der Hausnachbar und bringt in Elin keine guten Erinnerungen hervor. Er hat eine etwas eigenwillige Art, die nicht jedermanns Fall ist, doch seine Geheimwaffe ist sein Charme. Aber auch der fellige George erobert das Leserherz im Sturm und setzt der Geschichte seine eigene Note auf.
„Das Glück liegt unterm Weihnachtsbaum“ ist ein zauberhafter Weihnachtsroman mit viel Liebe im Gepäck. Spannung und Witz sowie ein altes Geheimnis lassen den Leser die Zeit vergessen, die Seiten hastig umblättern und sich in der Geschichte verlieren, während die Weihnachtszeit so richtig eingeläutet wird. Ein sehr stimmungsvolles Buch, das eine absolute Leseempfehlung verdient hat!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.11.2019
Whitmore, Felicity

Die vergessenen Stimmen von Chastle House


ausgezeichnet

Die 27-jährige Dione Dearing ist ein berühmter Popstar, doch ihr Leben ist ein Alptraum. Sie kann kaum einen Schritt allein unternehmen geschweige denn eigene Entscheidungen treffen, immer wieder wird sie von den Anweisungen anderer, aber vor allem von ihrer Mutter, eingeschränkt und wie eine Geisel behandelt. Ein Brief von einem Unbekannten lässt Dione den Mut aufbringen, endlich aus ihrem fremdbestimmten Leben auszubrechen und nach England zu reisen, wo sie sich auf den Familienbesitz Chastle House begibt und sich fortan den Namen Diana gibt. Sie genießt die Ruhe und Abgeschiedenheit, aber vor allem die Möglichkeit, endlich mal den Anforderungen anderer zu entkommen. Während sie sich mit den Einheimischen langsam anfreundet und ihr Herz an Chastle House und den Farmer Aiden verliert, erfährt sie auch nach und nach von der Geschichte des alten Familiensitzes und dessen geheimnisvollen Fluch…
Felicity Whitmore hat mit „Die vergessenen Stimmen von Chastle House“ wieder einen sehr unterhaltsamen und spannenden Roman vorgelegt, dessen Geschichte sich über mehrere Zeitebenen erstreckt und den Leser mit einem flüssigen, bildhaften und atmosphärischen Erzählstil regelrecht in die Handlung katapultiert, wo er sich mit Dione in dem alten Familiensitz wiederfinde, dessen Mauern so einiges verbergen und vieles erzählen könnten. Mit wechselnden Perspektiven, die den Leser von der Gegenwart um Dione in die Vergangenheit zum einen zu Henry und Katherine und zum anderen zu Hatty führen, steigert die Autorin nicht nur die Spannung, sondern lässt den Leser auch immer wieder um das Verhältnis der verschiedenen Protagonisten untereinander rätseln. Gut dosiert und mit steigendem Spannungslevel setzen sich nach und nach die Puzzlesteine zusammen und enthüllen den alten Familienfluch, der endlich gebrochen werden will. Jeder einzelne Zeitstrang ist für sich faszinierend, und die Autorin hat diese wunderbar miteinander verbunden. Geschickt eingewebte Wendungen lassen den Leser immer wieder aufs Neue rätseln, welche Richtung die Geschichte wohl nimmt und wird am Ende doch von der Auflösung überrascht. Die Handlung lässt wirklich keine Wünsche offen in Bezug auf Spannung und Verlauf.
Die Charaktere sind liebevoll und detailliert ausgearbeitet, mit ihren individuellen Ecken und Kanten wirken sie realitätsnah und glaubwürdig. Der Leser kann seine Sympathien gerecht verteilen und mit den Protagonisten hoffen, bangen, leiden und fiebern. Dione ist eine talentierte Frau, die Zeit ihres Lebens unter der Knute ihrer Mutter stand, die sie ausgenutzt, bevormundet, belogen und betrogen hat. Sie wirkt für ihr Alter zu Beginn sehr naiv, doch ändert sich das im Handlungsverlauf. Katherine ist eine starke und mutige Frau, die für ihre Zeit recht unkonventionell auftrat, in Ehemann Henry aber die Liebe ihres Lebens fand. Hatty ist eine vom Schicksal gebeutelte Frau, die eine schwere Bürde auf sich nimmt, an der sie zerbricht. Diones Mutter Monica ist eine selbstsüchtige Person, die mit aller Macht ihren Willen durchsetzen will. Aber auch Claire, Henry, Aiden sowie Marc spielen nicht unerhebliche Rollen in dieser Geschichte und heizen die Spannung mit ihren Auftritten weiter an.
„Die vergessenen Stimmen von Chastle House“ ist ein sehr unterhaltsamer und atmosphärischer Roman um ein altes Familiengeheimnis, dessen Auflösung erst auf den letzten Seiten preisgegeben wird. Spannungsgeladen und über mehrere Zeitebenen ist es ein wunderbarer Schmöker, den man nicht aus der Hand legen kann. Absolute Leseempfehlung!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.11.2019
Moyes, Jojo

Wie ein Leuchten in tiefer Nacht


ausgezeichnet

1937 Kentucky. Die Engländerin Alice ist frisch verheiratet mit Ehemann Bennett van Cleve und folgt ihm in seine amerikanische Heimat, wo sie in der Kleinstadt Baileyville in Kentucky landen und ein Zimmer im Haus ihres Schwiegervaters beziehen, der ein einflussreicher Bergminenbesitzer ist und dies auch alle einschließlich Alice spüren lässt. Um die Leere ihrer Tage zu füllen und sich nützlich zu machen, meldet sich Alice freiwillig bei den Bibliothekarinnen der Packhorse Library, nach einem von Eleonore Roosevelt initiierten Projekt, um entlegen wohnende Bürger und Nachbarn per Pferd mit Büchern zu versorgen. Schon bald lernt Alice nicht nur die Gemeinschaft und sich anbahnenden Freundschaften mit den anderen Frauen schätzen, sondern auch die neugewonnene Freiheit, ihren sonst so trostlosen Alltag mit Leben zu füllen und ihre neue Heimat besser kennenzulernen…
Jojo Moyes hat mit „Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“ einen wunderbaren Roman mit historischem Hintergrund vorgelegt, der sich völlig von den sonst von ihr gewohnten Geschichten unterscheidet. Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und atmosphärisch dicht, die Handlung ist tiefgründig und lässt den Pioniergeist wieder aufleben. Kaum mit der Lektüre begonnen, taucht der Leser in die raue Berglandschaft Kentuckys ab und darf sich mit mutigen Frauen auf einige Abenteuer einlassen, die ihre Aufgabe als Buchausträgerinnen sie in die entlegensten Gegenden führt und zur damaligen Zeit nicht ungefährlich war. Aus verschiedenen Blickwinkeln erfährt der Leser vom Leben der einzelnen Frauen. Die Autorin hat gut recherchiert und verwebt nicht nur den historischen Hintergrund sehr schön mit ihrer Geschichte, sondern lässt den Leser durch farbenfrohe Beschreibungen der Örtlichkeiten auch wunderbare Bilder vor dem inneren Auge entstehen. Teilweise hat es etwas vom Wilden Westen, wo allerdings die Frauen die Hauptrollen spielen. Das harte Leben auf dem Land und die damaligen Vorstellungen von Hierarchie innerhalb der Familie, die oftmals gewaltsam ausgetragen wurde, werden hier ebenso thematisiert wie Rassismus und schlechte Arbeitsbedingungen. Auch die Skepsis vor etwas Neuem und dessen Anfeindung ist hier gut herausgearbeitet worden. Aber allen voran erzählt die Autorin eine Geschichte von Frauen, die sich behaupten und eine Stärke besitzen, sich gegen alle Widrigkeiten in den Weg zu stellen. Der Spannungsbogen liegt während der gesamten Handlung auf einem überdurchschnittlichen Niveau.
Den Charakteren wurde regelrecht Leben eingehaucht, sie besitzen realistische Ecken und Kanten, wirken glaubhaft und authentisch. Der Leser fühlt sich vor allem den Protagonistinnen nahe und kann ihre Gefühle und Gedanken gut nachvollziehen. Alice hat sich mit einer überhasteten Heirat in eine Lage gebracht, der sie eigentlich davonlaufen wollte. Zu Beginn noch naiv und unbedarft, entwickelt sie sich zu einer selbstsicheren und mutigen Frau, die sich zur Wehr zu setzen weiß. Marge O’Hare ist unverheiratet, lebt aber in wilder Ehe, was damals einem Skandal gleich kam. Sie ist eine unkonventionelle und starke Frau, die eher wie ein Mann wirkt. Beth hat eine Menge Humor und ist nicht auf den Mund gefallen. Alice‘ Schwiegervater Geoffrey ist ein unerträglicher Tyrann und Kontrollfreak, der seine Position dazu nutzt, jedem seinen Willen aufzudrängen. Sein Sohn Bennett ist seine Marionette und benimmt sich Alice gegenüber schäbig und gleichgültig. Aber auch Isabelle, Sophia und Kathleen spielen eine große Rolle in dieser Geschichte und lassen sie rundum gelungen wirken.
„Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“ ist ein wunderbarer und gefühlvoller Roman vor historischer Kulisse, in dem neben starken Frauen und der Liebe vor allem die Freundschaft eine große Rolle spielt. Ein absoluter Pageturner mit herrlichem Kopfkino, der eine tiefgründige Geschichte an den Leser bringt! Verdiente Leseempfehlung, einfach wunderbar!!!

5 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.11.2019
Scharer, Whitney

Die Zeit des Lichts


ausgezeichnet

1929. Das erfolgreiche Fotomodell Elizabeth Lee Miller ist gerade einmal 22 Jahre alt, als sie beschließt, von New York nach Paris zu gehen, um dort eine Karriere als Fotografin zu beginnen, denn das war schon immer ihr Traum. In Paris fühlt sich Lee erst einmal einsam, bis sie auf einer Party dem älteren bekannten Portraitfotografen Man Ray begegnet, der sie als Assistentin einstellt und ihr das Rüstzeug für ihren Traumberuf bietet. Doch bald schon entspinnt sich zwischen den beiden eine Liebesbeziehung, die allerdings immer wieder von Rays Eifersuchtsattacken überschattet wird. Es dauert einige Zeit, bis Lee die Reißleine zieht und sich von Ray trennt, um unabhängig und ehrgeizig ihren eigenen Weg zu verfolgen. Im Zweiten Weltkrieg arbeitet sie als Militärkorrespondentin für die US-Army, dokumentierte die Befreiung der KZs Dachau und Buchenwald und lieferte Bildmaterial von der Invasion der Alliierten sowie der Befreiung von Paris…
Whitney Scharer hat mit „Die Zeit des Lichts“ einen sehr unterhaltsamen und packenden Roman vorgelegt, in dem sie Fiktion mit Tatsachen brillant vermischt und dem Leser nicht nur die Lebensgeschichte der Künstlerin, sondern auch die Person Elizabeth Lee Miller sehr nahe bringt, während sie gleichzeitig den damaligen Zeitgeist in ihrer Handlung wieder lebendig werden lässt. Der Schreibstil ist flüssig, bildgewaltig und fesselnd, der Leser gleitet an die Seite der jungen Frau, um unsichtbar ihren Fußabdrücken zu folgen und neben ihrem beruflichen Engagement auch ihr privates Leben kennenzulernen, wobei sowohl der Kampf mit ihren inneren Dämonen als auch der als Frau beeindruckt. Scharer zeichnet das Bild einer Frau, die als Kind missbraucht und im weiteren Leben von Männern immer wieder nur für deren eigene Ziele benutzt wird, jedoch durch ihre Durchsetzungskraft und Hartnäckigkeit sowie mit eigenem Talent etwas erreicht hat in einer Welt, die von Männern regiert und in der Frauen eine eigene Karriere verweigert wird. Die Autorin hat nicht nur bildhaft die Pariser Zeiten eingefangen, sondern transportiert auch deren Atmosphäre an den Leser weiter. So lernt er das brotlose Dasein eines Künstlers ebenso kennen wie die ausufernden Partys. Wechselnde Erzählperspektiven lassen den Leser eine Rückschau sowie ein Resümee der Künstlerin erleben, zeigt aber auch ihre innere Gefühlswelt auf.
Glaubwürdig und sehr authentisch hat Scharer ihre Charaktere gestaltet, sie sprühen vor Leben und machen es dem Leser leicht, sich der Hauptprotagonistin verbunden zu fühlen. Elizabeth Lee Miller ist schon in jungen Jahren durch ihre Modelltätigkeit eine bekannte Persönlichkeit. Doch das ist ihr zu oberflächlich, sie träumt vielmehr davon, etwas Eigenes zu erschaffen. Sie besitzt nicht nur Mut, sondern vor allem Durchsetzungsvermögen und Kampfgeist, der sie immer wieder antreibt. Aber auch einen gewissen Hang zum Egoismus kann man ihr nicht absprechen. Das Trauma des Missbrauchs in der Kindheit sowie die immer wiederkehrende dominierende Rolle der Männer in ihrem Leben haben sie geprägt und sie zu einer entschiedenen Frau gemacht, die aber anhand der Dinge, die sie im Krieg erlebt und dokumentiert hat, der optimistischen Lebensfreude beraubt wurde.
„Die Zeit des Lichts“ lässt den Leser nicht nur in eine vergangene Epoche abtauchen, sondern vor allem eine interessante Persönlichkeit näher kennenlernen, die ihrer Zeit weit voraus war. Hier wurden Fiktion und Wirklichkeit so fließend vermischt, dass der Leser während der Lektüre das Gefühl hat, Elizabeth Lee Miller gegenüberzusitzen und ihren Erlebnissen zu lauschen. Absolute Leseempfehlung für ein wunderbares Buch!

4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.11.2019
Laurin, Ruben

Das weiße Gold der Hanse


sehr gut

1232 Lübeck. Nach einem Piratenüberfall auf das Schiff seines Vaters überlebt der junge Bertram in letzter Sekunde. Allerdings kostet ihn der Vorfall sein Gedächtnis und seinen Namen. Nur mit Hilfe der jungen Rebecca, die ihn Moses tauft, bleibt er am Leben und gelangt gemeinsam mit ihr nach schweren Jahren nach Lübeck. Bald kann Moses dort bei einem Kaufmann in die Lehre gehen. Als junger Mann heuert er dann auf einem Hanseschiff an, um möglichst viel Abstand zwischen sich und eine junge Frau zu bringen, in die er sich unglücklich und hoffnungslos verliebt hat. Viele Jahre kreuzt Bertram auf den Meeren und ist nicht nur den unberechenbaren Gezeiten ausgesetzt. Als er in einer brenzligen Situation keinen Ausweg mehr sieht, leistet er den Schwur, dass er, sollte er überleben, sich für die Schwächsten der Gesellschaft einsetzen und ihnen Obdach geben würde. Er regt den Bau des Heiligen-Geist-Hospitals an…
Ruben Laurin hat mit „Das weiße Gold der Hanse“ einen unterhaltsamen und informativen historischen Roman vorgelegt, dessen flüssiger und bildhafter Schreibstil den Leser sofort ins deutsche Mittelalter abtauchen lässt, um dort die Hanse sowie den ungewöhnlichen und spannenden Werdegang des Handelsherren Bertram Morneweg kennenzulernen, der als einer der Stifter und Initiatoren des Heiligen-Geist-Hospitals in Lübeck gilt. Über zwei sich wechselnde Zeitebenen erfährt der Leser zum einen von Bertrams Jugendjahren ab dem Jahr 1232, andererseits erlebt man ihn im Jahr 1275, wo er sein Leben Revue passieren lässt. In der dem damaligen Zeitalter angepassten Erzählstil darf der Leser sich aufgrund der farbenfrohen Schilderungen des Autors während der Lektüre ein genaues Bild über die Lebensverhältnisse der Bevölkerung, die Handelswege sowie über die Örtlichkeiten machen. Der Autor hat akribische Recherche betrieben und lässt die tatsächliche Persönlichkeit Bertram Morneweg mitsamt dem historischen Hintergrund wieder lebendig werden, wenn auch mit einiger künstlerischer Freiheit. Auch seine Verbundenheit zum christlichen Glauben ist sehr gut herausgearbeitet sowie seine sich selbst auferlegte Verpflichtung, etwas zurückzugeben. Die Geschichte wirkt nicht nur wie eine Art Biografie, sondern vereint auch einiges an Spannung und Abenteuer in sich. Der Titel des Romans ist allerdings irreführend und unpassend.
Die Charaktere sind zeitgemäß angelegt und ausgestaltet, sie wirken realitätsgetreu und vor allem glaubwürdig, weshalb es dem Leser nicht schwer fällt, ihnen gespannt auf ihren Wegen zu folgen. Bertram ist als junger Bursche schon ein zäher Kamerad, der sich allen Widrigkeiten in den Weg stellt und nie den Mut verliert, wenn das Schicksal ihn erneut beutelt. Er ist selbstbewusst und besitzt Ausdauer sowie eine gewisse Hartnäckigkeit. Trudi ist eine sture Frau, die immer und überall ihren Kopf durchsetzen muss, was sich am Ende für sie auszahlt. Zudem ist sie eine treue Seele, die diejenigen beschützt, die sie liebt. Aber auch Rebecca, Schwester Victoria oder Matthias spielen in dieser Geschichte eine große Rolle und sorgen für so einige Überraschungsmomente.
„Das weiße Gold der Hanse“ ist ein unterhaltsamer historischer Roman, der einen guten Einblick in die Hanse und ihre Verbindungen gibt sowie das Leben im Mittelalter wiederspiegelt. Spannend erzählt und kurzweilig zu lesen, was eine Leseempfehlung verdient!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.11.2019
Carsta, Ellin

Der zerbrechliche Traum / Die Hansen-Saga Bd.4


ausgezeichnet

Nachdem Luise ihre Liebe verraten hat, kehrt Hamza zurück in seine Heimat Kamerun, um dort all das anzuwenden, was er gelernt hat. Allerdings wird es ihm nach seiner Rückkehr dort nicht leicht gemacht, zu sehr ist er durch seine lange Abwesenheit und sein Auftreten einigen ein Dorn im Auge. Als sich auf der Plantage ein Unglück ereignet und es zu Auseinandersetzungen kommt, gerät er mitten zwischen die Fronten. Währenddessen kann es Luise gar nicht schnell genug gehen, nach der Geburt der mit Hans gemeinsamen Tochter Viktoria ihre Arbeit im Hamburger Kontor wieder aufzunehmen. Dort muss sie allerdings feststellen, dass Richard in Bezug auf die Geschäfte anscheinend ein wesentlich geschickteres Händchen hat als sie, was ihr Vater wohlwollend zur Kenntnis nimmt und Luise um ihre eigene Position im Kontor fürchten lässt. In Wien grämt sich Therese nach Karls Tod und benötigt dringend einen Tapetenwechsel, der sie zurück zu ihrer Familie nach Hamburg führt. Aber auch Martha verursacht einige Unruhe…
Ellin Carsta hat mit „Der zerbrechliche Traum“ den vierten Teil ihrer historischen Familiensaga um die Hansens vorgelegt und spinnt deren Leben ab dem Jahr 1894 spannend weiter. Der Schreibstil ist flüssig-leicht, bildhaft und fesselnd, so dass der Leser sich schnell wieder unter die Familienmitglieder mischen kann, die bereits anhand der Vorgängerbände zu liebgewonnenen Freunden zählen, um deren Schicksale mitzuverfolgen. Carsta lässt den Leser gedanklich wieder auf Reisen gehen, denn die Austragungsorte ihrer Geschichte pendeln zwischen Wien, Hamburg und Kamerun und umfasst einen Zeitrahmen von wenigen Monaten. Spannend legt die Autorin hier den Fokus auf die Ereignisse in Kamerun, wo sich die Gegner kämpferisch gegenüber stehen. Aber auch die Entwicklung ihrer Charaktere schreitet weiter voran und lässt einige Schlussfolgerungen zu, wie es wohl weitergehen wird. Dabei steht Luisa eindeutig im Mittelpunkt. Der Spannungslevel ist gleichbleibend im oberen Mittelfeld angesetzt und zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung.
Die Charaktere sind durchweg sehr lebendig gestaltet und unterstehen einer ständigen, glaubhaften Entwicklung, so dass der Leser sich in ihrer Mitte unter liebgewonnenen Freunden fühlt und mit ihnen hofft, bangt und leidet. Luisa hat sich zu einer verantwortungsvollen, liebenden Ehefrau und Mutter gemausert, die aber auch ihre Aufgabe im Kontor liebt. Als starke Persönlichkeit übernimmt sie vielfältige Aufgaben und versucht, alles unter einen Hut zu bringen. Therese macht eine schwierige Phase durch, die ihre Kräfte aufzehren, aber sie muss für ihren Sohn stark bleiben. Aber auch Robert und Hamza sind unverzichtbar in dieser Serie, auf Karl muss leider in Zukunft verzichtet werden.
„Der zerbrechliche Traum“ ist ein spannender und unterhaltsamer vierter Teil rund um die Hansen-Familie. Wer die Vorgängerbände noch nicht kennt, sollte unbedingt diese unbedingt in der vorgegebenen Reihenfolge lesen, denn erst, wenn man alle Zusammenhänge kennt, wird diese Geschichte zur Sucht und zum Genuss. Verdiente Leseempfehlung!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.11.2019
Lund, Carina

Die Toten von Helgoland (eBook, ePUB)


sehr gut

Der 37-jährige Jonas van Dorn war früher mal Polizist, nun baut er sich gerade eine eigene Privatdetektei auf, bei der ihn sein Freund und Vermieter Elmar „Elliott“ Kramer tatkräftig unter die Arme greift. Als Jonas von einem verzweifelten Vater engagiert wird, seine seit 4 Wochen auf Helgoland vermisste Tochter, eine 31-jährige Journalistin namens Franziska Leschinsky, aufzuspüren, reist das frischgebackene Ermittlerduo auf die Nordseeinsel, um ihren Auftrag in Angriff zu nehmen. Während die örtliche Polizei bei Franziskas Verschwinden von Selbstmord ausgeht, sind Jonas und Elliott gar nicht davon überzeugt, denn schon bald erfahren sie, dass es bereits zwei unglückliche Todesfälle gegeben hat. So drehen sie auf der Insel jeden Stein um und fördern Dinge zutage, die sie langsam aber sicher auf die Spur des Täters bringen…
Carina Lund hat mit „Die Toten von Helgoland“ einen ganz passablen Regionalkrimi vorgelegt, der den Leser mit einem flüssig-leichten Schreibstil auf eine Reise nach Helgoland einlädt, wo er sich dem charakterlich sehr unterschiedlichen Ermittlerduo an die Fersen heftet, um ihnen bei ihrer Spuren- und Tätersuche über die Schulter zu sehen. Die farbenfrohen Beschreibungen der Inselörtlichkeiten sowie deren Bewohner lassen den Leser sich schnell wohlfühlen und das Inselleben in sich aufsaugen. Die Autorin hat ihren Kriminalfall nicht nur mit einigem Humor, sondern auch mit dem nötigen Lokalkolorit gespickt, was der Geschichte eine gewisse Authentizität verleiht. Zudem lässt sie den Leser aufgrund gut angelegter Recherche historisches Hintergrundwissen zukommen, dass sie mit ihrer Handlung gut verknüpft hat. Geschickte Wendungen lassen den Leser lange im Dunkeln tappen, wohin die Reise wirklich geht und auch die Enttarnung des Täters birgt eine Überraschung. Miträtseln ist hier absolut gewollt und sorgt für den gewünschten Unterhaltungseffekt. Der Spannungslevel liegt aufgrund der gemächlichen Erzählweise im mittleren Feld und steigert sich auch nicht sehr.
Die Charaktere sind sehr realistisch ausarbeitet. Mit ihren glaubhaften Ecken und Kanten wirken sie authentisch und wie aus dem Leben gegriffen, so dass der Leser ihnen ihre eigenen Sorgen und Probleme abnimmt und sich in sie hineinversetzen kann. Jonas van Dorn wirkt wie ein Eigenbrötler eher zurückhaltend und unnahbar, was auch in seiner Vergangenheit begründet sein mag, die er noch nicht verarbeitet und unter den Folgen zu leiden hat. Dagegen ist Elliott der humorvolle Künstler, der sich auch für die Detektivarbeit interessiert und schnell einen Draht zu den Inselbewohnern bekommt. Seine offene und direkte Art lässt andere schnell auftauen, dabei stärkt er Jonas den Rücken, verpasst ihm oftmals auch einen Tritt in den Hintern, damit dieser nicht in Lethargie verfällt. Auch die weiteren Protagonisten sind passend zur Handlung gewählt und machen die Geschichte durchweg unterhaltsam.
Mit ihrem Krimidebüt „Die Toten von Helgoland“ hat die Autorin eine durchaus solide Geschichte abgeliefert, die zum Miträtseln einlädt. Verdiente Leseempfehlung für alle, die sich gern während der Lektüre als Ermittler betätigen wollen.

4 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2019
Barreau, Nicolas

Die Liebesbriefe von Montmartre


ausgezeichnet

5 Jahre ist die schicksalhafte erste Begegnung zwischen Hélène und dem Schriftsteller Julien Azouley her, als sie im Mai auf dem Pariser Cimetière de Montmatre an Heinrich Heines Grab aufeinandertreffen und von da an gemeinsam durchs Leben gehen. Doch nun ist Hélène gestorben und hinterlässt nicht nur einen gebrochenen Julien und den vierjährigen Arthur, sondern auch den Wunsch, von Julien für jedes ihrer Lebensjahre einen Brief von ihm zu bekommen, 33 an der Zahl. Julien ist seit Hélènes Tod nicht mehr in der Lage, auch nur irgendeine Zeile aufs Papier zu bekommen, mit seinem Manuskript ist er schon im Verzug, wie soll er da einen Brief zustande kriegen? Doch als ihm seine Freunde und auch sein Verleger deutlich den Kopf waschen, fließen die Gedanken nur so aufs Papier, und Julien teilt seinen Alltag mit seiner toten Ehefrau, die er dann in einem Geheimfach am Grab versteckt. Als er wieder einmal einen dort ablegen möchte, sind seine Briefe verschwunden, dafür erwartet ihn selbst eine Nachricht…
Nicolas Barreau hat mit „Die Liebesbriefe von Montmatre“ wieder einmal unter Beweis gestellt, welch ein herausragender Geschichtenerzähler er ist. Mit einfühlsamen Worten und einem flüssigen, bildhaften Schreibstil nimmt er den Leser mit den ersten Sätzen gefangen und führt ihn sanft und behutsam durch die Handlung, wobei er dem Leser die gesamte Klaviatur des Gefühlsbarometers abringt. Jeder, der schon einmal den Verlust eines geliebten Menschen zu betrauern hatte, wird sich sofort mit Julien identifizieren können. Die herzergreifende Trauer, die Sorge um den kleinen Sohn, die ständige Hoffnungslosigkeit sind so gut beschrieben, dass nicht nur Julien wie ein Hund leidet, sondern auch der Leser. Erst nach und nach lässt Barreau meisterlich kleine Lichtblicke in das Leben seines Protagonisten dringen, die ganz langsam das Leben von Julien und Arthur verändern, die Schmerzen der Trauer lindern und wieder Hoffnung in deren Herzen bringt. Bittersüß lässt er Vater und Sohn durch die Stadt der Liebe wandeln, an deren Fersen sich der Leser heftet, um das französische Laissez-faire mitzuerleben und in sich aufzusaugen. Die Friedhofsbesuche sowie die Zitate aus Heines Werken lassen die Lektüre sowohl romantisch wie traurig wirken und rühren am Leserherz wie die an Hélène gerichteten Briefe. Barreau vermittelt mit seinen Geschichten auch immer eine Botschaft, diesmal geht es ihm um Hoffnung und den Blick nach vorn.
Die Charaktere sind wunderbar mit Leben gefüllt, sie wirken der Realität regelrecht entsprungen. Julien ist ein umsichtiger und fürsorglicher Ehemann und Vater. Sein Verlust nimmt ihm jede Lebensfreude, doch er bemüht sich, für seinen Sohn stark zu sein. Arthur ist zwar erst 4 Jahre alt, aber er ist nicht nur der Klebstoff zwischen Julien und dem Leben, sondern auch ein Kind, dass Geborgenheit und vor allem Sicherheit braucht. Aber er ist auch weise, denn er wünscht sich Glück für seinen Vater, damit dieser wieder lacht. Alexandre ist Juliens bester Freund, der kein Blatt vor den Mund nimmt und seinem Kumpel auch mal die Meinung geigt. Hélènes Freundin Catherine ist gleichzeitig auch die Nachbarin, die ebenso unter dem Verlust leidet und Julien oftmals mit Arthur unter die Arme greift. Aber auch Juliens Mutter, sein Verleger oder der demente Onkel Paul tragen ihren Teil dazu bei, dass die Geschichte rundum gelungen ist.
Niemand kann auch nur annähernd eine Liebesgeschichte gleichzeitig so traurig und mit so viel Romantik erzählen wie Barreau. Er ist ein Wortspieler ohnegleichen, der immer wieder verzaubert und das Gefühl von Liebe in die Herzen der Leser pflanzt. „Die Liebesbriefe von Montmatre“ ist einfach unglaublich – Chapeau!

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2019
Cox, Natalie

Winterwunder für die Liebe


gut

Es gibt Menschen, die können Weihnachten nicht ausstehen und genau zu dieser Kategorie gehört Charlotte genannt Charlie. Dass ihr Freund Lionel sie gerade hat sitzenlassen, trägt auch nicht zur Stimmungsaufhellung bei, zumal sich zusätzlich ihre Wohnung sprichwörtlich in Rauch aufgelöst hat. Da muss ein wenig Luftveränderung her, und die sollte sich doch bei ihrer Cousine Jezebel auf dem Land im tiefsten Devon eher finden lassen als in London, wo Jez eine Hundepension betreibt, auch wenn Charlie mit Hunden nichts am Hut hat. Kaum dort, wird Charlotte abermals verlassen, diesmal von Jez, die über die Weihnachtsfeiertage lieber mit ihrem Liebsten zusammen sein will. Kurzerhand drückt sie Charlie die Verantwortung für die Pension auf die Nase. Ob das gutgeht? Wenigstens sind die Hundeherrchen ganz interessant, aber auch der Tierarzt ist einen zweiten Blick wert. Wird Charlotte ihre Meinung über Weihnachten ändern?
Natalie Cox hat mit „Winterwunder für die Liebe“ einen Roman vorgelegt, der recht amüsant und unterhaltsam daher kommt, wenngleich er auch nicht mit Tiefgründigkeit punkten kann. Der Schreibstil ist flüssig-leicht und mit einigem Witz gespickt, so dass den Leser eine kurzweilige Lektüre erwartet. Da die Handlung in der Ich-Form erzählt wird, hat der Leser die Möglichkeit, die Hauptprotagonistin Charlotte sehr gut kennenzulernen, da ihre Gedanken- und Gefühlswelt während all der Ereignisse wie ein offenes Buch vor ihm liegt, wobei es auch Abschweifungen in Charlies Vergangenheit gibt, die für den Leser aufschlussreich sind. Die Autorin muss eine Vorliebe für Hunde haben, denn wie sie Charlotte in die Betreibung der Pension hineinwirft und alle Arten von Vierbeinern mit ihr durchgehen lässt, ist einfach tierisch. Allerdings wird der Stress um die Hundeaufsicht und –pflege irgendwann auch etwas langatmig. Dafür kann die Geschichte mit einigen Wendungen und fetzigen Dialogen punkten, die immer mal wieder die Lachmuskeln animieren. Die Romantik kommt dafür in der Handlung eindeutig zu kurz, was definitiv ein Manko ist.
Die Charaktere sind recht nett ausgearbeitet und mit einigen speziellen Eigenheiten ausgestattet, die für Unterhaltung sorgen. Vor allem die Hundedarsteller wachsen einem geradezu ans Herz, sie benehmen sich meist menschlicher als die eigentlichen Protagonisten. Charlotte ist eine Chaotin erster Güteklasse. Sie besitzt eine eigene Art von Humor, aber auch ihre Abschweifungen in ihre Traumwelt sind nicht zu verachten. Jez hat leider nur einen kurzen Auftritt, aber sie wirkt sympathisch, aufgeschlossen und eigen. Tierarzt Cal ist ein eher zurückhaltender und leicht snobistisch wirkender Zeitgenosse, der aber auch eine andere Seite in sich trägt, die weitaus verträglicher und humorvoller ist. Aber auch die weiteren Hundebesitzer und allen voran die Hundeparade, angeführt von Beagle Peggy und Dogge Malcolm, schleichen sich irgendwie ins Leserherz.
„Winterwunder für die Liebe“ ist mehr eine Slapstickkomödie denn eine romantische Weihnachtsliebesgeschichte. Recht unterhaltsam und kurzweilig, doch es fehlt die Romantik und vor allem das Besondere, um im Gedächtnis zu bleiben. Für zwischendurch allemal gut zu lesen.

4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.11.2019
Rygiert, Beate

George Sand und die Sprache der Liebe / Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe Bd.1


ausgezeichnet

Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil wurde 1804 in Paris geboren und als Aurore Dudevand 1836 von ihrem Mann Casimir geschieden, von dem sie schon seit 1831 getrennt lebte. 1831 arbeitet sie bereits beim Le Figaro und teilte ihre Zeit so ein, dass sie immer im Wechsel drei Monate im von ihrer Großmutter geerbten Haus in Nohant und drei Monate in Paris war, um am dortigen gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, sich unters Volk zu mischen und nebenbei ihre Eindrücke und Gefühle in Form von Novellen, Romanen und Theaterstücken zu Papier zu bringen und sich bei ihrem zweiten Roman den Pseudonym-Namen George Sand zu geben, der sich alsbald als ihr neuer Rufname entpuppte. Aurore „George“ fiel nicht nur durch ihren männlichen Kleidungsstil auf, sondern auch an ihrem Verhalten nahm die Gesellschaft Anstoß, denn sie lebte entgegen den gängigen Konventionen und verarbeitete ihre eigenen Lebenserfahrungen in ihren Büchern. Lediglich in der Pariser Bohème-Szene war George ein gern gesehener Gast, denn diese nahm sie so, wie sie war und verziehen ihr auch ihre diversen amourösen Abenteuer wie die Beziehung zu Frédéric Chopin, den sie durch Franz Liszt kennenlernte. George Sands war zeitlebens eine schillernde Persönlichkeit, deren Romane sogar Musiker zu Opern inspirierte.
Beate Rygiert hat mit „George Sand und die Sprache der Liebe“ einen sehr interessanten sowie unterhaltsamen Roman vorgelegt, der sich mit dem Leben der berühmt-berüchtigten Schriftstellerin George Sand über eine Zeitraum von acht Jahren (1831-1839) befasst und dieses dem Leser nahe bringt. Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd, die Autorin laviert den Leser geschickt zwischen die Seiten und lässt ihn ins Frankreich des 19. Jahrhunderts reisen, um die umtriebige Schriftstellerin George und einen interessante Zeitspanne ihres Lebens kennenzulernen. George war eine fleißige Frau, die sich nicht nur als Mutter von zwei Kindern aus den Fängen der Ehe befreite, sondern mit ihrer Schreiberei auch hauptsächlich für den Lebensunterhalt verantwortlich war. Gut recherchiert zeichnet Rygiert das Bild einer emanzipierten Frau, die sich ohne zu jammern oder zu klagen, den Widrigkeiten des Lebens stellte und sich nicht verbiegen ließ. Sie lebte nach ihrer Facon und kümmerte sich nicht um die allgemeine Meinung, in deren Augen sie bestenfalls ein Paradiesvogel oder schlimmstenfalls eine Latrine war, wie Charles Baudelaire nannte. Auch ihre Hilfsbereitschaft und ihr großes Herz lässt Rygiert den Leser mit Sands Beziehung zu Chopin erleben, der, an Tuberkulose erkrankt, von ihr aufopferungsvoll gepflegt wurde. Auch Sands Engagement in Bezug auf die Rechte der Frauen ist eindrucksvoll, denn sie forderte in ihren sozialkritischen Artikeln schon früh, dass Frauen in Bezug auf Beruf und Familie dem Mann gegenüber gleichberechtigt sein sollten.
Mit „George Sand und die Sprache der Liebe“ und akribischer Recherche ist Rygiert ein eindrucksvolles Portrait gelungen, dass die Künstlerin George Sands lebendig werden lässt und dem Leser eine schillernde Persönlichkeit sehr nahe bringt. Absolute Leseempfehlung!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.