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Benutzername: Dreamworx
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Bewertungen

Insgesamt 383 Bewertungen
Bewertung vom 20.10.2019
Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre / Schokoladen-Saga Bd.2
Nikolai, Maria

Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre / Schokoladen-Saga Bd.2


ausgezeichnet

1926 Stuttgart. Nach dem Tod ihres Vaters verlässt die 20-jährige Serafina Berlin und zieht bei ihrem Halbbruder Victor in die „Schokoladenvilla“ in Stuttgart ein, wo Victor, seine Ehefrau Judith und Tochter Vicky sich der jungen Frau annehmen. Schon bald fühlt sich Serafina in der neuen Umgebung wohl, teilt die Begeisterung für Schokoladenköstlichkeiten aus der familieneigenen Manufaktur und hat in Vicky eine Freundin gefunden. Als sie Judiths Brüder, die Zwillinge Karl und Anton kennenlernt, verliebt sich Serafina auf den ersten Blick in Anton. Aber Karl gefällt die junge Frau sehr, was der gespannten Beziehung zu seinem Bruder Anton nicht gerade förderlich ist. Ein Geheimnis, das Serafina plagt, könnte ihr zum Verhängnis werden, wäre da nicht die französische Zufallsbekanntschaft Lilou Roche, die ihr hilft und zu einer echten Freundin wird. Währenddessen kommt es auch in der Schokoladenmanufaktur zu einigen Störungen, die die Familie und das Unternehmen bedrohen…
Maria Nikolai hat mit „Die Schokoladenvilla-Goldene Jahre“ den zweiten Band ihrer „Schokoladenvilla-Trilogie“ vorgelegt, der ebenso zu fesseln weiß wie sein Vorgänger. Der Erzählstil ist flüssig, detailreich, bildhaft und gefühlvoll, so dass sich der Leser sich ihm nicht entziehen kann und ab den ersten Zeilen regelrecht an den Seiten klebt, um sich unsichtbar unter die Akteure zu mischen und die Geschicke der Familien Rothmann und Rheinberger erneut zu verfolgen. Kaum hat sich der Leser in der Villa häuslich eingerichtet, geraten die Ereignisse innerhalb der Familie auch schon in Bewegung mit der Ankunft von Serafina. Der Spannungsbogen baut sich gemächlich auf und steigert sich im Verlauf der Handlung immer weiter in die Höhe aufgrund von Intrigen, Geheimnissen und den dramatischen sowie amourösen Entwicklungen der einzelnen Protagonisten, . Die Autorin versteht es sehr geschickt, die 20er Jahre mit ihrem besonderen Flair wiederaufleben zu lassen, den historischen Hintergrund schön mit der Handlung zu verweben und dem Leser einen Blick in die faszinierende Welt der Schokoladenherstellung zu gewähren, die ihm ein dauerhaftes Lechzen nach diesen Köstlichkeiten beschert, während ihm der Duft von Kakao in der Nase kitzelt. Die Autorin macht in ihrer Geschichte auch die Veränderungen in der Gesellschaft deutlich, so war es Frauen möglich, nicht nur Auto zu fahren, sondern sie erlangten zudem mehr Selbständigkeit, indem sie durch Arbeit ihr eigenes Geld verdienten. Tanzshows und das Cabaret waren erfreuliche Ablenkungen vom Alltag, und auch die Musik im Allgemeinen spielte eine große Rolle. Die Menschen genossen ihr Leben nach dem 1. Weltkrieg in vollen Zügen.
Die Charaktere wurden weiterentwickelt und liebevoll mit Leben gefüllt, sie wirken durch ihre eigenwilligen Eigenschaften sehr realitätsnah und glaubwürdig. Der Leser fühlt sich in ihrer Mitte wohl und nimmt regen Anteil an ihren Schicksalen. Serafina ist eine aufgeweckte und selbstbewusste junge Frau, die allem gegenüber aufgeschlossen ist und das Leben in sich aufsaugt. Die Französin Lilou Roche hat eine freche Natur, ist im Herzen aber butterweich und sehr hilfsbereit. Karl ist ein unsteter Geist, der noch immer in keinem Beruf Fuß gefasst hat, aber mit seinem Wesen den Frauen den Kopf zu verdrehen weiß. Anton ist zielstrebig und hat sich mit eigenen Händen eine Existenz aufgebaut. Vicky ist eine lebenslustige junge Frau, gutmütig und wie ihre Mutter vom Virus der Schokoladenherstellung infiziert. Aber auch Victor, Judith, Hélène, Georg und Elise machen mit ihren Auftritten die Handlung rundum abwechslungsreich und gelungen.
„Die Schokoladenvilla-Goldene Jahre“ ist eine wunderbare Fortsetzung der historischen Familiensaga, der dem Leser nicht nur ein herrliches Kopfkino beschert, sondern auch in alte Zeiten abtauchen lässt und einen Heißhunger auf Schokolade weckt. Absolute Leseempfehlung für ein Goldstück!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.10.2019
Frida Kahlo und die Farben des Lebens
Bernard, Caroline

Frida Kahlo und die Farben des Lebens


ausgezeichnet

Die Mexikanerin Frida Kahlo erkrankte als 6-Jährige an Kinderlähmung und überlebte auch nur ganz knapp einem Busunglück, der sie fürs Leben zeichnete. Frida wusste schon immer ganz genau, was sie wollte, und das war vor allem die Ehe mit dem 20 Jahre älteren Maler Diego Rivera. Sie war schon immer hoffnungslos verliebt in ihn. Obwohl Diego ihr sehr zugetan war, wollte er sich allerdings nicht auf eine Frau festlegen und nahm es mit der Treue nicht so genau, was Frida ihm großzügig verzieh. Die Malerei war nicht nur Diegos Leben, auch Frida erlag schon in jungen Jahren den Farben und der Kunst, wobei sie ein großes Talent und genug Eigensinnigkeit bewies und dadurch bereits bekannte Malergrößen auf sich aufmerksam machte, da Frida nicht nur die Gabe besaß, sich durch exzentrische bunte Kleidung in Szene zu setzen, sondern auch durch ihre Bilder zu kommunizieren.
Caroline Bernard hat mit „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ eine packende Romanbiografie vorgelegt, die den Leser nicht nur gedanklich ins Mexiko des letzten Jahrhundert transportiert, sondern auch eine Ausnahmekünstlerin kennenlernen lässt, die die Kunstszene bis heute geprägt hat. Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und fesselnd und bringt dem Leser den Menschen Frida Kahlo sehr nahe. Schon als junge Frau musste Frida einige körperliche Einschränkungen hinnehmen, die Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben hatten. Um die Schmerzen zu kompensieren, malte sie ihre Welt in den buntesten Farben und transportierte mit ihnen ihre Gefühle an die Außenwelt. Die Ehe mit dem wesentlich älteren Diego Rivera war mit Blick auf die Kunst sicherlich eine befruchtende Beziehung für Frida, die sich zuerst an seinem Ruhm maß, um dann aus Riveras Schatten herauszutreten. Die Autorin hat das Leben der Ausnahmekünstlerin sehr gut recherchiert und sie mit ihrer gefühlvollen Erzählweise wieder zum Leben erweckt. Der historische Hintergrund der Zeit von 1907 bis 1954 ist ebenfalls sehr schön mit der Handlung verwebt, wobei sich die Autorin auch auf alte Briefe und Tagebuchauszügen bedient, um nah an der Realität zu bleiben.
Die Charaktere sind sehr lebendig und glaubhaft dargestellt, lassen ihre Handlungen und Entscheidungen realitätsgetreu und authentisch wirken. Der Leser darf die Frau und Künstlerin Frida bei ihrem Schaffen beobachten, ihre Zweifel und Ängste miterleben, aber auch ihre Eigensinnigkeit, ihre Emotionalität sowie ihre Stärke, allen Widrigkeiten zu trotzen. Frida kämpft mit ihren eigenen Dämonen, die durch die körperlichen Schmerzen hervorgerufen werden, aber sie kämpft auch für ihren Mann Diego, der es mit der Treue nicht so genau nimmt, wenngleich er seine Frau vergöttert. Frida ist laut, offen, brutal ehrlich mit einem exzessiven Hang zu bunten Farben, die sie nicht nur auf die Leinwand bannt, sondern in die sie auch ihren geschundenen Körper hüllt. Sie ist nicht nur durch ihre Kleidung eine auffällige Erscheinung, sondern ihre markanten Augenbrauen sowie ihre schwarzen Augen sind ihr Markenzeichen.
Mit „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ hat die Autorin eine wunderbare Homage in Form einer Romanbiografie abgeliefert, die nicht nur durch einen farbenprächtigen und einfühlsamen Erzählstil zu fesseln weiß, sondern diese besondere Malerin regelrecht wieder zum Leben erweckt. Ein Buch für wunderschöne Lesestunden, das eine absolute Leseempfehlung verdient!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.10.2019
Mörderische Gischt
Pettrey, Dani

Mörderische Gischt


ausgezeichnet

Tennyson Kent, genannt Teni, ist Polizistin bei der Wasserschutzpolizei und reist auf die familieneigene Insel Talbot, weil sie dort heiraten möchte. Doch dann kommt alles ganz anders, denn ihr Verlobter löst plötzlich die Verbindung und dann stirbt auch noch ihre Cousine Julia, zu der sie ein besonders enges Verhältnis hatte seit dem Tod ihrer Eltern. Die merkwürdigen Umstände von Julias Tod rufen Tennysons Polizisteninstinkt wach und sie will der Sache auf den Grund gehen. Unterstützt wird sie dabei von Callen Frost, einer alten Liebe, der als Ermittler arbeitet. Schon bald kristallisiert sich Julias Tod als Mord heraus. Als ein Sturm aufzieht, der ein Verlassen der Insel unmöglich macht, sind Tennyson und Callen auf sich allein gestellt bei der Suche nach dem Täter. Der scheint es allerdings auf Tennyson abgesehen zu haben…
Dani Pettrey hat mit „Mörderische Gischt“ einen fesselnden und spannenden Kurzroman vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig, packend und bildhaft, der Leser taucht schnell in die Handlung und darf sich unsichtbar an die Seite von Tennyson und Callen stellen, Jagd auf einen Mörder zu machen. Die Autorin versteht es geschickt, die Beschreibungen von Landschaft und Stimmung so bildhaft zu schildern, dass der Leser die einerseits prickelnde Atmosphäre spürt, die immer wieder leichte Gänsehaut verursacht, sowie die unwirtlichen Wetterbedingungen klar vor Augen hat, die einen die Flucht in wärmere Gefilde wünschen lässt. Auch den christlichen Aspekt lässt die Autorin sehr schön in ihre Geschichte einfließen. Hilfsanrufe zu Gott sowie kleine Gebete zeugen von dem Vertrauen, den richtigen Weg gezeigt zu bekommen und nicht allein zu sein in ausweglos erscheinenden Situationen.
Lebendige Charaktere, die mit ihren glaubhaft dargestellten individuellen Eigenschaften überzeugen können, schaffen Nähe zum Leser, der mit ihnen hofft und bangt, die Lage zu einem guten Ausgang zu führen. Tennyson ist nach außen eine toughe Frau, selbstbewusst und durchsetzungsstark. Doch innerlich ist sie einsam und unsicher, ob sie die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Aber sie nimmt ihr Leben selbst in die Hand und kämpft für die, die ihr am Herzen liegen. Callen ist ein freundlicher und offener Mann, der seinen Beruf sehr ernst nimmt und wie ein Pitbull den Spuren folgt und nicht locker lässt, bis er ein befriedigendes Ergebnis hat.
„Mörderische Gischt“ ist ein spannender Kurzkrimi, der mit einer bildhaften Erzählweise dem Leser sehr unterhaltsame Lesestunden beschert. Absolute Leseempfehlung!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.10.2019
Zimtgebäck und Winterküsse
Wright, Colleen

Zimtgebäck und Winterküsse


sehr gut

Jeanne und Tim betreiben mit Hilfe von Iris und viel Liebe und Engagement die Pension „Evergreen Inn“ in Vermont, doch sie drohen ihren Lebenstraum aufgrund finanzieller Probleme zu verlieren. Beide hoffen, dass sie mit der Ausrichtung von Hannahs Hochzeit, die über Weihnachten in ihrem Haus stattfinden soll, den dringend benötigten Aufschub bekommen. Ein ungewöhnlich starker Schneesturm weht ihnen mit Hanna und ihrer Familie sowie Kinderbuchautorin Molly nicht nur Reservierungsgäste ins Haus, sondern auch unvorhergesehene Besucher wie Witwer Marcus mit seinen kleinen Töchtern, ein älteres Ehepaar sowie den Briten Geoffrey, der alles genau unter die Lupe nimmt. Während Jeanne ihre Gäste auf das Herzlichste verwöhnt ihnen so manche Leckerei serviert, während Iris‘ Enkel Luke in der Pension aushilft, lässt Bräutigam Trevor die Hochzeit platzen…
Colleen Wright hat mit „Zimtgebäck und Winterküsse“ einen wunderschönen Weihnachtsroman voller Liebe, Romantik und etwas Drama vorgelegt, der wie ein modernes Märchen wirkt und gerade deshalb umso mehr verzaubert. Der Erzählstil ist flüssig-leicht, gefühlvoll und bildhaft, der Leser klebt regelrecht an den Seiten und taucht in die wunderbare Winterlandschaft Vermonts, um sich dort als unsichtbarer Gast im schnuckeligen „Evergreen Inn“ einzunisten und dort das Kommen und Gehen der Pensionsgäste und der Eigentümer zu beobachten, während er sich den Duft von köstlichen Brownies und Orange-Limonenwaffeln um die Nase wehen lässt. Nicht nur die Beschreibung der winterlichen Leckereien lassen dem Leser das Wasser im Mund zusammenlaufen, auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Gäste untereinander sind so warmherzig geschildert, dass dem Leser das Herz aufgeht. Die Autorin bedient sich verschiedener Themen in ihrem Roman, so geht es um Existenzangst, das Auseinanderleben, geplatzte Hochzeit, alte Träume und Schreibblockade, aber auch um Freundschaft, alte Jugendliebe und um Kinderwünsche, alles wunderbar verpackt in einer Geschichte, die gleichzeitig das schöne Flair eines familiär geführten kleinen Hotels verströmt, in dem man sich wie zuhause fühlt. Das „Evergreen Inn“ strahlt rundum Magie aus.
Die Charaktere sind liebevoll skizziert und mit Leben gefüllt. Mit ihren individuellen Ecken und Kanten becircen sie den Leser, weil sie glaubwürdig und sehr realistisch wirken, dass man glaubt sie persönlich zu kennen, sie sogar zu seinen Freunden zählt. Jeanne ist der gute Geist der Pension. Sie kocht und backt für ihr Leben gern. Sie liebt es, ihre Gäste zu verwöhnen, doch die Angst, alles zu verlieren, lässt sie öfters melancholisch wirken. Nach außen ist sie stark und aufmunternd. Hannah ist eine junge Frau, die sich selbst aufgegeben hat, um es Trevor in allem recht zu machen. Ihr müssen erst die Augen geöffnet werden. Audrey ist Hannahs eine tolle Freundin, obwohl sie ihren eigenen Mann Jared so schmerzlich vermisst. Trevor ist ein selbstverliebter aufgeblasener Kerl. Marcus ist ein liebevoller Vater für Bailey und Audrey, aber auch er braucht jemanden fürs Herz. Luke ist ein Naturfreak und liebt seine Oma Iris von Herzen. Geoffrey ist ein etwas snobistisch und unterkühlt erscheinender Brite, der alles ganz genau wissen will und sein Geheimnis zu wahren weiß. Molly ist eine einsame Seele mit Schreibblockade, die sich dem Leben wieder zuwenden muss, um Geschichten zu erzählen. Aber auch die übrigen Protagonisten bringen zusätzlichen Zauber und Wärme in die Geschichte.
„Zimtgebäck und Winterküsse“ ist ein absolutes Wohlfühlbuch, der Leser findet sich nicht nur in winterlicher Stimmung mit einer Menge Aromen in der Nase wieder, sondern darf den Zauber der Weihnacht mit den Protagonisten erleben. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.10.2019
Die Hoffnung zwischen den Zeilen
Olofsson, Elin

Die Hoffnung zwischen den Zeilen


schlecht

Nachdem Ulrikes Verlobter Johannes gefallen ist und sie nach dem Zweiten Weltkrieg Briefe von einer Elsa an ihn fand, macht sie sich von Hamburg auf die Reise in den kleinen schwedischen Ort Krokom, um sich diese Elsa mal genauer anzusehen und herauszufinden, was es mit dieser Brieffreundschaft auf sich hat. Schon bald vertraut Elsa Ulrike viel zu viel aus ihrem Leben an, was diese dazu benutzt, Elsa unter Druck zu setzen…
Elin Olofsson hat mit „Die Hoffnung zwischen den Zeilen“ einen von der schwedischen Presse hoch gepriesenen „historischen“ Roman vorgelegt, dessen Lob der Leser schon nach wenigen Kapiteln überhaupt nicht nachvollziehen kann. Der Erzählstil ist flüssig, allerdings dauerhaft eher unterkühlt und sachlich. Es fehlt das Gefühlvolle, dass es dem Leser leicht macht, in die Handlung abzutauchen und sich mit den Protagonisten zu verbrüdern, denn es entstand keinerlei Kopfkino. Die Autorin verliert sich in detailreichen Beschreibungen, gibt auch einen Rückblick über vergangene Ereignisse, aber die Geschichte an sich ist unausgegoren und seltsam konstruiert, so dass sie für den Leser überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Die Briefe, die eigentlich der Anstoß der Reise sind, verschwinden im Nichts. Dafür wird sich in Nebensächlichkeiten ergangen, die keinerlei Sinn ergeben. Auch der geschichtliche Hintergrund ist mehr als dürftig zu nennen, dabei wird vom Leser gerade dieser bei einem historischen Roman erwartet. Schon jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, dass Buch abzuservieren, doch es kommt noch schlimmer!
Die Charaktere sind durchweg farblos, oberflächlich und unsympathisch dargestellt, sie verursachen beim Leser ein unangenehmes Gefühl. Solche Menschen möchte man nicht kennen und auch von ihrem Leben möglichst nichts erfahren, denn sie tun sich durch Eigenschaften hervor, die eigentlich nur fragwürdig zu nennen sind. Ulrike ist ein ganz spezielles Exemplar von Frau, sie hintergeht, sie stiehlt, sie ist zudringlich. Ihr Oberstübchen muss defekt sein, und doch gelingt es ihr, andere unter Druck zu setzen oder auszunutzen. Elsa ist das komplette Gegenteil, zu hilfsbereit, irgendwie zu aufopfernd, zu gutmütig, zu leichtgläubig, weshalb Ulrike leichtes Spiel mit ihr hat und Elsa dabei noch ruhig bleibt wie ein Schaf auf dem Weg zur Schlachtbank. Auch die weiteren Protagonisten können nicht überzeugen und die Handlung etwas farbiger gestalten.
„Die Hoffnung zwischen den Zeilen“ ist eine gefühllose, nichtssagende und konstruierte Geschichte mit schrecklichen Protagonisten und jedweden historischen Hintergrund. Dieser Roman ist nicht das Papier wert, auf dem er gedruckt wurde. Was für eine Verschwendung, schade!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.10.2019
Am Ende die Hoffnung / Eine Familie in Deutschland Bd.2
Prange, Peter

Am Ende die Hoffnung / Eine Familie in Deutschland Bd.2


ausgezeichnet

1939. Der Krieg schlägt seine Schneisen durch die deutsche Bevölkerung und verschont auch die Familie Ising in Fallersleben bei Wolfsburg nicht. Während Hermann mit seiner Frau Dorothee um den am Down Syndrom erkrankten Willy bangt, den sie in einer Heimeinrichtung untergebracht haben, fürchtet Charly um ihren jüdischen Mann Benny. Georg, der älteste Sohn der Isings, hat sich in Ungnade gebracht und wird daraufhin an die Front strafversetzt. Edda ist einige Zeit mit Leni Riefenstahl für die Dokumentation des Polen-Feldzuges unterwegs, geht dann aber nach Frankreich und schließt sich dort dem Widerstand an. Derweil bekommt Horst als eingefleischter Anhänger der Nazis immer mehr Macht und Befugnisse, wobei ihn seine Frau Ilse tatkräftig unterstützt. Wer von der Familie wird am Ende des Krieges noch am Leben sein und die Möglichkeit haben, seine Träume in die Tat umzusetzen?
Peter Prange hat mit „Eine Familie in Deutschland-Am Ende die Hoffnung“ die Fortsetzung über die Familie Ising im Wolfsburger Land vorgelegt, der an Spannung, Dramatik sowie exzellent recherchiertem historischen Hintergrund dem Vorgänger „Eine Familie in Deutschland-Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“ in nichts nachsteht. Während der erste Teil sich mit der Familie zur Vorkriegszeit beschäftigte, so nimmt er den Leser nun mit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945, wo dieser den einzelnen Mitgliedern der Isings folgt und währenddessen das komplette Gefühlsbarometer durchlaufen wird. Prange, der sich immer wieder durch eine akribische Recherche in seinen Romanen auszeichnet, legt auch in dieser Geschichte wieder besonderen Wert auf Genauigkeit des historischen Hintergrunds. Durch den mitreißenden und bildhaften Erzählstil erlebt der Leser während der Lektüre nicht nur wahres Kopfkino, sondern hat auch das Gefühl, Geschichte mitzuerleben, obwohl ihn von der damaligen Zeit 80 Jahre trennen. Alles wirkt so glaubhaft und real, die Angst der Bevölkerung ist greifbar, die Unterdrückung und Verfolgung durch die Nazis nahezu furchtbar, die Bespitzelung unter Freunden, Nachbarn, selbst unter Familienmitgliedern geradezu unerträglich. Neben der wachsenden Verzweiflung blitzt aber immer wieder ein winziger Hoffnungsschimmer auf, sei es durch eine helfende Hand oder eine gute Nachricht, an denen die Menschen sich festklammerten, um irgendwie zu überleben.
Die Charaktere wurden vom Autor weiter entwickelt und wirken so real und glaubwürdig, als würde der Leser sie persönlich kennen. Gerade ihre Differenziertheit erlaubt es, dass der Leser sich den einen so nahe fühlt und mit ihnen leidet, hofft und bangt, während er bei anderen für ihr Verhalten und Tun keinerlei Verständnis aufbringen kann, aber trotzdem immer wieder ihre Beweggründe hinterfragt. Besonders Charly und Ehemann Benny sowie Edda ragen als Protagonisten besonders heraus, deren Schicksal dem Leser besonders ans Herz geht. Dafür kann er dann seine ganze Abneigung auf Horst und seine Frau Ilse übertragen, die als getreue Nazis für einige Situationen sorgen, bei denen einem die Luft wegbleibt. Gilla ist eine Figur für sich, eine Jüdin, die alles tut, um ihre Liebsten zu retten, doch sich vom Weg abbringen lässt und alles verliert. Man würde heute auch sagen, sie hat sich verzockt. Die Gefühle für sie sind ambivalent, denn als Leser kann man leicht urteilen, solange man nicht in der Situation steckt. Aber auch die Schicksale von Carl, Georg, Adolf, Dorothee und Hermann gehen unter die Haut und lassen diese Geschichte so authentisch wirken wie sonst keine andere.
„Eine Familie in Deutschland-Am Ende die Hoffnung“ ist ein würdige Fortsetzung. Nach der Lektüre dieses Buches weiß man zu schätzen, wie gut es uns heutzutage geht und dass wir uns das durch niemanden zerstören lassen sollten. Prange hat hier ganze Arbeit geleistet und wieder ein Meisterwerk abgeliefert, niemanden kalt lässt, sondern mitnimmt in die dunkelste deutsche Geschichtszeit. Absolute Leseempfehlung – Chapeau, besser geht es nicht!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.10.2019
Die Sterne über Venedig
Beyer, Anja Saskia

Die Sterne über Venedig


sehr gut

Nicola lebt seit kurzem von ihrem Schauspieler-Ehemann getrennt, der eine Affäre mit einer Kollegin angefangen und sie damit sehr vor den Kopf gestoßen hat. Als die Nachricht aus Venedig kommt, dass ihre Nonna schwer krank ist, eilt Nicola mit ihrer 12-jährigen Tochter Lotta aus Berlin in die geheimnisvolle Lagunenstadt, um ihrer Mutter Gina und ihrer Nonna Miranda beizustehen. Dort trifft sie auch auf ihre jüngere Schwester Cati, die sie seit längerem meidet, ohne dass Nicola den Grund dafür kennt. Als sie ihre Enkelinnen um sich hat, erzählt Miranda ihnen von ihrem Streit mit ihrer eigenen Schwester Alessia, der seit 70 Jahren schwelt und bis heute zu einer völligen Funkstille zwischen den beiden führte. Dabei erfährt Nicola auch von der Vergangenheit ihrer Nonna, als diese während des Zweiten Weltkrieges als Stafette tätig war und mit den Partisanen gegen die Deutschen kämpfte. Mit ihren Erzählungen hofft Miranda, dass Cat und Nicola ihre Unstimmigkeiten endlich beilegen. Nicola erlebt einen ereignisreichen Aufenthalt in Venedig, denn nicht nur die alte Familiengeschichte fasziniert sie, sondern die Begegnung mit einem jungen Arzt…
Anja Saskia Beyer hat mit „Die Sterne über Venedig“ einen fesselnden Roman mit teilweise historischem Hintergrund vorgelegt, der nicht nur mit einem alten Familienschicksal punkten kann, sondern auch mit seinem flüssig-leichten und bildhaften Schreibstil dem Leser ein wunderbares Kopfkino in der pittoresken und geheimnisvollen Stadt Venedig beschert, während er sich von der Lektüre vereinnahmen lässt. Schon mit den ersten Zeilen darf er sich Nicola unsichtbar an die Fersen heften, um sich einen Eindruck von ihrem Leben und ihrem Gemütszustand zu verschaffen und durch sie die restlichen Familienmitglieder, allesamt starke Frauen, kennenzulernen. Die Autorin erzählt ihre Geschichte über zwei Zeitebenen, wobei der eine sich mit der Gegenwart um Nicola und ihren Besuch in Venedig beschäftigt, während der andere die Zeit ab 1942 beleuchtet und Mirandas Einsatz als Stafette für die italienischen Partisanen während des von Nazi-Deutschen besetzten Venedigs wiederspiegelt. Beide Handlungsstränge laufen parallel und geben einen guten Einblick in die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Familie, die sowohl damals zwischen den Schwestern Miranda und Alessia als auch heute zwischen Cat und Nicola schwierig sind bzw. waren. Sowohl die Streitpunkte zwischen den alten Schwestern als auch die Unstimmigkeit der jungen werden nach und nach enthüllt und ergeben ein vollständiges Bild.
Die Charaktere sind schön ausgestaltet und mit Leben angefüllt. Individuelle Ecken und Kanten verleihen ihnen Glaubwürdigkeit und Authentizität, so dass der Leser sich gern in ihrer Mitte niederlässt und bei einem italienischen Espresso ihren Gesprächen lauscht. Nicola ist eine sympathische und stolze Frau. Sie besitzt die Impulsivität der Italienerinnen, ist ein absolutes Muttertier und möchte am liebsten nur Harmonie um sich herum. Sie ist streng mit sich selbst, aber auch mit anderen, doch ihr Herz sitzt am rechten Fleck. Miranda ist eine alte Grand Dame, die schon als junge Frau nach ihren Überzeugungen gelebt und sich dabei auch immer wieder in Gefahr gebracht hat. Sie ist ebenso störrisch wie großherzig. Cat ist wirkt oftmals schnippisch und unfreundlich, manchmal regelrecht kalt und verletzend. Dass dies eine Fassade für die eigene Schuldhaftigkeit ist, stellt sich erst spät heraus. Diego ist Mirandas Hausarzt, der mit seinem Charme die Frauen um den Finger wickelt, ohne dass es ihm wohl wirklich bewusst ist. Aber auch Renzo, Gina, Lotta und Alessia tragen ihren Teil dazu bei, dass die Handlung bis zum Schluss rundum packend bleibt.
„Die Sterne über Venedig“ sorgt mit einer komplexen Geschichte und einem lebhaften Kopfkino für wunderbare Lesestunden. Fans von Familiengeschichten vor historischem Hintergrund, in denen auch die Liebe noch Platz hat, werden dieses Buch verschlingen. Verdiente Leseempfehlung!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.10.2019
Inselglück im Schneegestöber (eBook, ePUB)
Deckner, Anni

Inselglück im Schneegestöber (eBook, ePUB)


gut

Dieses Weihnachtsfest scheint ein Alptraum zu werden, denn Semra hätte nie gedacht, dass sie von jetzt auf gleich allein sein würde. Sie hätte nie damit gerechnet, dass ihr Freund sie wegen einer Jüngeren sitzenlässt. Semra entscheidet sich für einen Tapetenwechsel und nimmt sich zwei Wochen Auszeit von ihrer kleinen Flensburger Schneiderei, die sie auf Sylt verbringen möchte. Die kühle, raue und einsame Insellandschaft erscheint ihr gerade richtig für ihre gedrückte Stimmung. Aber die verzieht sich langsam, als die Insel ihren ganz eigenen Charme bei Semra spielen lässt, wobei auch deren Bewohner sich langsam in ihr Herz schleichen, vor allem einer…
Anni Deckner hat mit „Inselglück im Schneegestöber“ einen kurzweiligen Liebesroman vorgelegt, der mit einem flüssigen, gefühlvollen und bildhaften Schreibstil überzeugt. Von Beginn an begleitet der Leser Semra, muss die schmerzvolle Trennung ebenso miterleben wie ihre Verzweiflung in Folge dieser unvorhersehbaren Ereignisse. Die Autorin fängt mit ihren farbenfrohen Beschreibungen das winterliche Inselgefühl sehr schön ein, vor dem inneren Auge entstehen Bilder von mit Schnee bedecktem Sandstrand, während eine steife Brise einem um die Nase weht, sowie die schön gedeckten Reetdächer der Häuser, die schon bei ihrem Anblick ein wohliges Gefühl vermitteln und man gern im Inneren eines solchen Schmuckstücks gemütlich an einem offenen Kamin sitzen möchte bei Tee und Kluntjes. Auch die Inselbewohner geben der Handlung eine besondere Atmosphäre und hinterlassen ein Wohlgefühl bei der Lektüre. Überhaupt vermittelt die ganze Geschichte ein Gefühl von Weihnachtsmärchen der modernen Zeit.
Die Charaktere sind realitätsnah gezeichnet und laden mit ihren lebendigen Ecken und Kanten dazu ein, sich ihnen anzunähern und mit ihnen zu fühlen. Semra ist eine patente Frau, die beruflich auf eigenen Beinen steht. Sie ist zutiefst verletzt ob des Vertrauensbruches ihres ehemaligen Freundes, traf es sich doch völlig unvorbereitet. Semra ist zurückhaltend und sensibel, doch sie lässt sich nicht unterkriegen und gewinnt mit jedem Tag mehr Zuversicht und einen positiven Blick auf die Dinge, die sie erwarten. Rick ist ein freundlicher und ehrlicher Mann. Nicht nur mit seiner Hilfsbereitschaft ist er bei den Inselbewohnern beliebt, der eine oder andere schüttet ihm auch sein Herz aus. Als Besitzer eines Pubs hat er gutes Gespür in Bezug auf seine Gäste. Aber auch die weiteren Protagonisten stützen die Handlung mit ihren Auftritten.
„Inselglück im Schneegestöber“ ist ein kurzweiliger Roman, der den Leser in vorweihnachtliche Stimmung versetzt, während er sich gedanklich auf der Insel Sylt den Wind um die Nase wehen lässt und den Protagonisten folgt. Nette Auszeit mit Leseempfehlung!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.10.2019
Das Weihnachtswunder von Hope Street
Heatherington, Emma

Das Weihnachtswunder von Hope Street


sehr gut

Ruth Ryans unterhält die Menschen mit ihrer Radiosendung und auch mit einer Zeitungskolumne. Bei ihr können sich all diejenigen melden, die etwas auf dem Herzen haben und Ruth steht mit Rat und Tat zur Seite. Doch dann stirbt kurz nach Weihnachten ihr geliebter Vater, der sich liebevoll um sie und ihre Schwester gekümmert hat, nachdem die Mutter sie alle von einem Tag auf den anderen hat sitzen lassen. Er lebte schon einige Zeit aufgrund eines Schlaganfalls und beginnender Demenz in einem Heim. Sein Tod wirft Ruth völlig aus der Bahn, sie braucht lange, bis sie sich davon erholt. Fast auf den Tag genau ein Jahr später will Ruth Weihnachten ausfallen lassen, da läuft ihr Michael über den Weg, der sie auf eine Idee bringt und damit ihr Leben verändert…
Emma Heatherington hat mit „Das Weihnachtswunder von Hope Street“ einen unterhaltsamen und berührenden Roman vorgelegt, der den weihnachtlichen Gedanken auf schöne Weise erzählt. Der Schreibstil ist flüssig und eingängig, der Leser findet sich schnell an Ruth Seite wieder und darf einen Teil ihres Lebens mit ihr verbringen, der für sie nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch voller Weihnachtsstimmung, wie man sie sich wünscht. Die Autorin vermittelt Ruths Schmerz über den Tod ihres Vaters auf glaubhafte und gefühlvolle Weise, ebenso lässt sie den Leser an einem besonderen Weihnachtsessen teilnehmen, das in der heutigen Zeit genauso mancherorts stattfindet, wo sich Menschen zusammenfinden, die das Fest ansonsten einsam und allein verbringen müssen. Gerade diese Tage sind ein Fest der Familie, aber wenn man keine mehr hat, aus welchen Gründen auch immer, muss man nicht allein sein, sondern gewinnt vielleicht auf diesem Wege neue Freunde. Die Autorin bringt unterschiedliche Leute mit ihren Sorgen und Nöten an einen Tisch, ihre Schicksale sind alle einzigartig und doch sehen diese innerhalb einer Gruppe etwas weniger dramatisch aus, denn es gibt mitfühlende Seelen, die einen in diesem Moment auffangen. Die Stimmungen hat die Autorin mit ihrem Erzählstil sehr schön eingefangen.
Die Charaktere sind vielfältig skizziert und spiegeln die unterschiedlichsten Typen wieder. Sie wirken durchweg lebendig, realistisch und vor allem glaubhaft. Ruth ist eine sympathische Protagonistin. Sie ist offen und ehrlich, besitzt Einfühlungsvermögen und die nötige Sensibilität, um die Sorgen anderer ernst zu nehmen und etwas zur Lösung beizutragen, ohne platt und aufgesetzt zu wirken. Für sie selbst ist der Tod des Vaters noch immer eine offene Wunde, der Schmerz darüber ist noch nicht verheilt. Aber Ruth strahlt auch positive Energie aus, sie ist eine starke Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und weiß, dass das Gute, was man anderen zuteilwerden lässt, irgendwie auch zu einem zurückkommt. Aber auch Michael, Nicholas, Marian und die weiteren Gäste machen das Weihnachtsessen zu einem Erlebnis der besonderen Art.
„Das Weihnachtswunder von Hope Street“ ist ein berührender Roman über Hoffnungen, Träume, Nächstenliebe und vor allem über Fremde, die voneinander lernen und füreinander da sind zu einer Zeit, an denen einem die Familie am meisten fehlt. Schöne Lektüre, die eine Leseempfehlung verdient!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.10.2019
Weihnachten auf Carnton
Alexander, Tamera

Weihnachten auf Carnton


ausgezeichnet

1863 Tennessee. Die schwangere Aletta Prescott ist seit kurzem Witwe, da ihr Mann sein Leben im Bürgerkrieg verlor. Sie hat sich noch nicht von dem schweren Schlag erholt und versucht, für ihren 6-jährigen Sohn Andrew stark zu sein. Mit ihrer Arbeit als Näherin verdient sie den Lebensunterhalt, doch dann verliert sie ihre Stelle und mit ihr auch das Dach über dem Kopf. Doch dann bietet sich eine Möglichkeit aus dem Dilemma, eine Stellenanzeige für eine Köchin für das Herrenhaus Carnton macht Aletta Mut. Tatsächlich darf sie sofort den Job sofort antreten und hat für sich und ihren Sohn kurz vor Weihnachten erst einmal eine sichere Unterkunft. Die Begegnung mit dem verwundeten Captain Winston erhellt Alettas Tage, denn sie findet den Soldaten ebenso sympathisch wie der kleine Andrew…
Tamera Alexander hat mit „Weihnachten auf Carnton“ einen wunderschönen historisch angehauchten Roman vorgelegt, der den Leser von Beginn an zu fesseln weiß. Der Schreibstil ist flüssig-leicht und gefühlvoll, der Leser darf sich in die Zeit des amerikanischen Sezessionskrieges versetzen lassen und in ein Herrenhaus einziehen, um mitzuerleben, wie sich die junge Witwe Aletta neuen Herausforderungen stellt. Die Konfrontation mit dem Kriegsgeschehen ist zwar nicht direkt Teil des Geschehens, doch die Autorin schildert in bildhafter Weise die Sorgen und Nöte der zurückgebliebenen Frauen, die Angst um ihre Ehemänner oder Söhne haben. Ebenso erlebt der Leser die große Zahl von Soldaten, die sich von ihren Verwundungen erholen müssen, um dann wahrscheinlich wieder in den Krieg ziehen zu müssen. Der Zusammenhalt der Frauen und die gegenseitige Unterstützung werden sehr schön dargestellt, auch die Wohltätigkeitsauktion ist eine Herausforderung, die nicht nur organisatorisches Geschick verlangt, sondern auch die Gabe der Nächstenliebe in sich birgt. Der christliche Gedanke ist hier also allgegenwärtig.
Die Charaktere sind liebevoll und lebendig ausgestaltet, sie überzeugen durch Glaubwürdigkeit, individuelle Ecken und Kanten sowie Authentizität. Der Leser fühlt sich in ihrer Mitte sofort wohl und kann mit ihnen bangen, hoffen und fühlen. Aletta ist eine freundliche Frau, die nicht nur hilfsbereit ist, sondern auch kräftig mit anpacken kann. Sie ist zurückhaltend, bescheiden und dankbar, aber auch optimistisch und voller Hoffnung. Captain Winston ist ein Mann, dem seine eigene Verwundung und somit das ganze Drumherum auf die Nerven geht. Er hat im Krieg viel erlebt, was ihn verfolgt, gerade deshalb ist er empfänglich für eine positive Sicht. Andrew ist Alettas Sohn, ein aufgeweckter kleiner Kerl, der nicht nur wissbegierig ist, sondern auch die Herzen zu erobern weiß. Aber auch Tempy oder Mrs. McGavock bringen auf ihre eigene Art zusätzlichen Unterhaltungswert in die Geschichte.
„Weihnachten auf Carnton“ ist ein gefühlvoller Roman, der für eine kurzweilige Lektüre sorgt und zudem den christlichen Weihnachtsgedanken in sich trägt. Genau richtig fürs Herz und als Einstimmung für die kommende Adventszeit. Absolute Leseempfehlung!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.