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westeraccum
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Sauerland

Bewertungen

Insgesamt 224 Bewertungen
Bewertung vom 24.02.2023
Peschka, Karin

Dschomba


ausgezeichnet

Karin Peschka hat ein eigenwilliges und wunderbares Buch geschrieben, eigenwillig sowohl im Stil als auch in der Interpunktion. Das alles lässt Raum für eigene Gedanken und Ergänzungen, nicht alles wird ausgesprochen und schwingt doch in der Erzählung mit.
Angesiedelt ist das Buch in der Kleinstadt Eferding an der Donau, eine Stadt wie viele andere in den 1950er Jahren, drei Gasthöfe, eine Kirche, einen Dechanten und seine Haushälterin, einen Querulanten und einen Einfältigen und drumherum viel Volk, das gern schwätzt und unter dem sich Neuigkeiten blitzartig verbreiten. So auch die Nachricht von dem seltsamen Mann, der halb nackt auf dem Friedhof zwischen den Gräbern tanzt: Dschomba, wie man ihn hier nennt, ein Serbe, der auf dem "Serbenfriedhof" nach Spuren seines verschollenen Bruders sucht.
In einer zweiten Zeitebene erfährt man etwa zwanzig Jahre später, dass die zehnjährige Tochter des Dorfwirts heimlich für den inzwischen alten Mann schwärmt, sie fühlt eine unbestimmte Verbindung mit ihm.
Peschka ist selbst in Eferding als Wirtstochter aufgewachsen und hat sicher viele ihrer Erfahrungen in diesem Buch verarbeitet, das macht das Buch sehr authentisch. Die Figuren sind so lebensecht, dass sie in jeder Kleinstadt zu finden sind. Man sieht sie vor sich, die reichen Bauern, ihre herausgeputzten stattlichen Frauen, die einfachen Leute in der Siedlung, die Messdiener, den Polizisten...
Durch die eindringliche Sprache wird das Buch aber ganz besonders lesenswert, ich konnte kaum aufhören zu lesen. Man taucht tief in die Geschichte ein, fühlt und hofft mit den Hauptpersonen. Auch wenn man einige Seiten braucht, um sich in den Stil einzulesen, so hat gerade die Sprache eine tiefe Eindringlichkeit, die mir sehr gefallen hat.
Ein wirklich schönes und berührendes Buch!

Bewertung vom 04.02.2023
Coenen, Antonia;Juranek, Philipp

Vogel entdeckt - Herz verloren


ausgezeichnet

Birder - das sind die Leute, die mit Fernglas, Kamera und Gummistiefeln durch Wald und Flur stapfen und versuchen möglichst seltene Vögel zu finden. Seltsame Typen! So sind die beiden Autoren des Buches Antonia und Philipp nicht. Sie beobachten zwar Vögel und fotografieren oder filmen sie auch, doch für sie steht nicht die Seltenheit eines Tieres im Vordergrund, sondern die Freude am Beobachten und die Erhaltung der Lebensräume.
In diesem Buch schildern sie ihre Beobachtungen anhand von 14 ausgesuchten Beispielen vom seltenen Ortolan bis zur überall sichtbaren Meise.
Dabei schreiben sie locker und gut lesbar und man erfährt nicht nur Wissenswertes über Vögel und ihre Lebensweise, sondern auch kleine Erinnerungen aus der Kindheit und über den Schutz der Vögel. Fotos ergänzen das Buch, mal in Profiqualität, mal eher wie ein zufälliger Schnappschuss.
Das Buch ist eher ein Lesebuch, bei dem man mal ein Kapitel liest, es dann wieder weglegt und ein paar Tage später wieder zur Hand nimmt. Das macht das Lesen sehr entspannt.
Obwohl ich eigentlich viel über Vögel weiß, so konnte ich doch noch etwas lernen und das Lesen hat mir viel Spaß gemacht, da ich es direkt mit meiner Realität abgleichen konnte. Aber auch Neulingen öffnet es die Augen für die Schönheit der Natur und macht sensibler für alles, was um uns herum kreucht und fleucht.
Ein sehr schönes Buch!

Bewertung vom 04.02.2023
Wolf, Klaus-Peter

Ostfriesengier / Ann Kathrin Klaasen ermittelt Bd.17


sehr gut

Der 17. Fall für Ann Kathrin Klaasen beginnt explosiv, denn bei der Amtseinführung der neuen Polizeidirektorin in Aurich fliegt der Wagen von Dirk Klatt in die Luft. Zum Glück wird niemand verletzt, doch wenig später ist Klatt tot, erschossen am Fenster seiner Ferienwohnung. Auch ein weiterer Mitarbeiter der Polizei wird wenig später getötet und man fragt sich, ob jemand einen Krieg gegen die ostfriesische Polizei führt. Ann Kathrin Klaasen glaubt an einen Verräter in den eigenen Reihen, denn ihre Ermittlungen werden immer wieder ausgebremst. Zur selben Zeit verschwindet eine Mitarbeiterin von Café ten Cate mit ihrem Kind, wurde sie bedroht? Eine mörderische Jagd beginnt. Ich bin ein großer Fan von Ostfriesland und den Krimis, die dort spielen, denn immer wieder erkenne ich die Orte und die Menschen. Das macht die Krimis von Wolf für mich besonders interessant. Auch in diesem Buch gibt es wieder viel Lokalkolorit, auch wenn Wolf es manchmal mit der Schleichwerbung etwas übertreibt. Das Buch ist spannend, allerdings mit vielen Bezügen zu den vorigen Büchern. Es ist daher hilfreich, wenn man weiß, wer Dr. Sommerfeldt ist und was Rupert sonst alles anstellt. Apropos Rupert, er scheint ja doch etwas (zu) vernünftig geworden zu sein... Insgesamt aber ist das Buch ein echtes Lesevergnügen für alle Ostfrieslandkrimifans und alle, die es noch werden wollen!

Bewertung vom 25.01.2023
Köhlmeier, Michael

Frankie


gut

Eine "All Age Road Novel"? Was soll das sein? Diese Werbung macht mich zuerst einmal misstrauisch.
Das Buch handelt von dem 14jährigen Frank, der mit seiner Mutter ein eher zurückgezogenes Leben führt, bis eines Tages der Großvater nach 18 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird und die Mutter sich verpflichtet fühlt, sich um ihn zu kümmern. Damit gerät das Gleichgewicht in der kleinen Familie aus den Fugen, zumal der Großvater sich seltsam benimmt und Frank zugleich von ihm angezogen wie auch abgestoßen ist. Als er Frank eine Pistole gibt, ist der Junge vollkommen überfordert.
Man erfährt wenig über den Großvater, so wie auch Frank immer wieder rätselt und mehr wissen will. Michael Köhlmeier erzählt die Geschichte aus Franks Sicht, in einer einfachen Sprache mit einigen philosophischen Einsprengseln. Das alles bleibt aber eher oberflächlich und rätselhaft.
Was will uns der Dichter mit dem Buch sagen? Das weiß ich auch nach dem Ende der Lektüre nicht und bleibe ratlos zurück.

Bewertung vom 12.01.2023
Läckberg, Camilla

Kuckuckskinder / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.11


ausgezeichnet

Camilla Läckbergs Krimis aus der schwedischen Kleinstadt Fjällbacka sind immer gut geschrieben und interessant, aber dieses Buch ist bisher das beste der Reihe. Während der berühmter Schriftsteller Henning Bauer zusammen mit seiner Frau und vielen Freunden die Goldene Hochzeit feiert, wird einer seiner Freunde in einer Kunstgalerie ermordet. Wenige Tagespäter findet man Bauers Sohn und dessen kleine Kinder erschossen auf. Patrik Hedström muss ermitteln, was besonders schwierig ist, weil seine Frau Erica Falck mit der Schwiegertochter der Bauers befreundet ist. Erica recherchiert für ein neues Buch und plötzlich finden sich Berührungspunkte zu dem aktuellen Fall. Das Buch ist sehr spannend, zumal es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit gibt und man sich fragt, welche der Figuren einen Bezug zu einer Transperson hatte, die in den Rückblicken die Hauptrolle spielt. Auch die immer wieder überraschenden Wendungen lassen die Spannung bis zum Schluss nicht abfallen. Dazu ist es natürlich wie die anderen Bücher von Läckberg sehr gut geschrieben und die Hauptfiguren sind wie alte Bekannte, deren Leben man verfolgt. Hier gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

Bewertung vom 05.12.2022
Groschupf, Johannes

Die Stunde der Hyänen


sehr gut

In Berlin ist ein Feuerteufel unterwegs, der immer wieder Autos in Brand steckt. Bei seinem ersten Versuch stirbt beinahe ein Mensch, der Pole Radek. Danach läuft er mit weißen Klamotten durch den Kiez, predigt Enthaltsamkeit und hat zu Gott gefunden. Der Brandstifter Maurice hat es auch schwer, seine Eltern gehörten einer strengen Sekte an, die an die Zeugen Jehovas erinnert, und er liebt Britta, die ihn aber kühl behandelt. Romina dagegen, die junge Polizistin, wird in ihrem neuen Dezernat geschnitten und bemüht sich darum endlich wahrgenommen zu werden. Sie freundet sich mit Jette, einer Reporterin, an, die von ihrem Freund geschlagen wird. Also eine ziemlich unübersichtliche Gemengelage!
Das Buch ist gut lesbar geschrieben und auch spannend. Der Autor dringt sehr intensiv in das Leben seiner Personen ein, das Buch ist auch spannend. Allerdings ist es schon sehr vollgepackt, auf 260 Seiten werden alle Probleme Berlins angesprochen und abgehandelt. Das war mir persönlich manchmal einfach zu heftig. Ich kann allerdings nicht beurteilen, ob es realistisch ist.

Bewertung vom 25.11.2022
Klüpfel, Volker;Kobr, Michael

Der große Coup des Monsieur Lipaire / Die Unverbesserlichen Bd.1


sehr gut

Klüpfel und Kobr gehen nach den zahlreichen Kluftinger-Krimis mal ganz neue Wege. Und das sieht man auf den ersten Blick, denn nach den eher düsteren Klufti-Covern ist dieses hier farbenfroh und heiter. Besonders gut gefallen mir die drei Lesebändchen in den französischen Nationalfarben, denn die Handlung ist in Südfrankreich angesiedelt, Sonne statt Allgäuer Nebel, lockere Heiterkeit statt Erdenschwere....
Allerdings hält der Inhalt leider nicht, was das Cover verspricht. "Der große Coup des Monsieur Lipaire"? Ne, eher ein ein zwar witziges, aber dilettantisches Herumgerenne, auch wenn die einzelnen Figuren in ihrer Unterschiedlichkeit durchaus Charme haben und es manchen lustigen Slapstick gibt.
Klüpfel und Kobr schreiben wie immer gut lesbar, aber das Buch zieht sich, es kommt einfach nicht auf den Punkt und die Spannung hält sich sehr in Grenzen. Dann taucht auch noch ein geheimnisvoller Unbekannter auf, der den Fall von außen betrachtet und immer wieder mit guten Tipps hilft.
Mich hat das Buch nicht überzeugt, die beiden Autoren bleiben weit unter ihren Möglichkeiten. Es soll wohl eine Fortsetzung geben. Ob ich mir die antue? Wahrscheinlich eher nicht.
Vier Punkte gibt es nur mit viel gutem Willen, vor allem für den Schreibstil und die Buchgestaltung. Ansonsten ist noch viel Luft nach oben.

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Bewertung vom 21.11.2022
Nesbø, Jo

Blutmond / Harry Hole Bd.13


ausgezeichnet

Dies ist schon der 13. Fall für Harry Hole, einen Mann, der in seinem Leben Höhen und Tiefen erlebt hat. Nun ist er aber an einem wirklichen Tiefpunkt angelangt, nach dem Tod seiner Frau und seines besten Freundes will er sich in Los Angeles zu Tode trinken und ist auf dem besten Weg in die Obdachlosigkeit. Die Rettung naht in Gestalt von Lucille, die wegen ihrer Schulden bedroht wird und der er helfen möchte, weil sie ihn an seine Mutter erinnert. Doch dann wird er von Katrine Bratt zurück nach Oslo gerufen, wo ein Milliardär unter Mordverdacht steht. Das ist die Chance, auch Lucille zu helfen.
Ich halte dieses Buch für eines der besten der Reihe, es ist sehr vielschichtig und berührt viele Probleme unserer Zeit. Immer wieder wendet sich das Blatt, der Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus und man weiß bis zum Schluss nicht, welche der Frauen mit dem Mörder zusammen ist und damit in Lebensgefahr schwebt. Dazu ist die Mordmethode sehr seltsam und unheimlich.
Ein großartiges und sehr spannendes Buch, das man nicht aus der Hand legen kann. Leider aber auch mit einem Cliffhanger, der die Zeit bis zum nächsten Band sicherlich sehr lang werden lässt.

Bewertung vom 16.11.2022
Jensen, Jens Henrik

EAST. Welt ohne Seele / Jan Jordi Kazanski Bd.1


gut

Eigentlich lese ich nicht gern Agententhriller, aber bei diesem habe ich eine Ausnahme gemacht, weil ich die "Oxen"-Reihe von Jensen so spannend fand.
Aber leider wurde ich enttäuscht.
Die Hauptrolle spielt in diesem Buch der ehemalige Agent Jan Jordi Kazanski, der nach einem schweren Schicksalsschlag dem Alkohol verfallen ist und suspendiert wurde. Da er gut polnisch spricht, wird er aber reaktiviert und nach Krakau geschickt, um dort eine geheimnisvolle Frau aufzuspüren, die die "Witwe" genannt wird. Er gerät dabei in Lebensgefahr, denn im Hintergrund spielen russische Clans eine undurchsichtige Rolle.
Ich fand das Buch sehr verwirrend durch die Vielzahl der Personen und hatte Probleme den Überblick zu behalten. Jensen schreibt zwar gewohnt routiniert und gut lesbar, aber er springt hin und her und eine stringente Linie konnte ich nur schwer erkennen.
Die geplanten Fortsetzungen werde ich nicht lesen.

Bewertung vom 07.11.2022
Kodiak, Frank

Amissa. Die Überlebenden / Kantzius Bd.3


sehr gut

Der letzte Band der Trilogie um die Stiftung "Amissa", die verschwundenen Kinder aufspüren will, hat es in sich. Rica Kantzius ist nach dem Tod ihres Mannes allein auf der Spur der Verbrecher. Sie sucht nach neuen Spuren, auch in ihrer Heimat Jamaica, doch immer scheinen die Feine einen Schritt voraus zu sein.
Das Buch hat mehrere Erzählebenen. Neben den Ermittlungen gibt es immer wieder Rückblicke auf das geschehen in einem Kinderheim in Rumänien, in denen ein rätselhafter Mann das Sagen hat und die Kinder zu grausamen Tötungsmaschinen heranzieht. Das alles ist professionell und gekonnt geschrieben und zeitweise fast unerträglich spannend. Man merkt, dass sich mit Andreas Winkelmann ein echter Krimiprofi hinter dem Pseudonym Frank Kodiak verbirgt.
Trotzdem hat mich das Buch nicht richtig gefesselt, die Figuren blieben blass. Stellenweise war der Plot sehr grausam und brutal.
Nicht ganz überzeugend, aber lesenswert für alle, die harte Krimis mögen.