Benutzer
Benutzername: 
YukBook
Wohnort: 
München

Bewertungen

Insgesamt 315 Bewertungen
Bewertung vom 24.06.2023
König, Mina

Die Modemacherin von Paris - Mit ihren Kleidern verzauberte Elsa Schiaparelli die Menschen. Für ihr Glück und ihr Kind musste sie kämpfen. ¿


ausgezeichnet

In einem Fernsehbericht hatte ich das erste Mal von der italienischen Modeschöpferin Elsa Schiaparelli gehört und war beeindruckt von ihrem ausgefallenen Stil. Daher war ich sehr neugierig, in diesem Roman mehr über sie zu erfahren. In der Modebranche Fuß zu fassen, ist schwer genug. Elsa Schiaparelli jedoch hatte, als sie 1922 von New York nach Paris zog, darüber hinaus für ein krankes Kind zu sorgen. Die Autorin dringt tief in die Gefühle, Wünsche und Zweifel der Protagonistin ein. Der Zwiespalt zwischen Elsas beruflichem und künstlerischem Ehrgeiz einerseits und der Sorge um die Tochter, die dringend eine Therapie benötigt, um besser gehen zu können, ging mir sehr nahe.

Ich erinnere mich jetzt noch an viele Szenen, in denen Elsa mit ihrem Temperament, ihrer rebellischen Art und Schlagfertigkeit die konservative Gesellschaft aufmischte. Das Entsetzen über Elsas gewagte Kreationen konnte ich mir bildlich vorstellen. Mit ihren originellen Ideen, ihrem Tatendrang und Selbstbewusstsein ist sie mir immer mehr ans Herz gewachsen.

Mina König bereichert die Geschichte über Elsas hürdenreichen Weg von ihrer Anstellung im Kaufhaus Galeries Lafayette bis zu ihrem großen Durchbruch durch reale Zeitgenossen wie Francis Picabia, Man Ray und ihre Gegenspielerin Coco Chanel und versetzt uns in die damalige Kunst- und Modeszene, in der die Avantgardisten und die Verfechter des klassischen Stils aufeinanderprallten. Nach "Miss Hollywood" und "Mademoiselle Oppenheim" ist dies die dritte spannende Romanbiografie von ihr, die ich innerhalb weniger Tage verschlungen habe.

Bewertung vom 20.06.2023

Sehnsucht Skandinavien


ausgezeichnet

Bücher von Astrid Lindgren, ABBA-Songs, dänische TV-Serien und Städtetrips nach Kopenhagen und Stockholm haben mein Faible für die skandinavischen Länder stetig verstärkt. Von dem Titel dieses Hörbuchs fühlte ich mich daher sofort angesprochen und hoffte, meine Wissenslücken besonders in Richtung Norwegen, Finnland und Island ein wenig zu schließen.

Die akustische Reise beginnt auf zwei Rädern in Dänemark auf Fünen, wo wir erfahren, wie weit die Bedeutung des schon oft gehörten Ausdrucks „Hygge“ reicht. Hellhörig wurde ich bei dem Namen Arne Jacobsen, der unter anderem den berühmten Egg Chair und das Kopenhagener Hotel Royal entworfen hat. Mir gefiel, dass in vielen Beiträgen nicht nur die Orte vorgestellt, sondern auch die Menschen mit einbezogen werden und zu Wort kommen – wie zum Beispiel die Hotelmitarbeiter, die sich mit dem Gebäude und dem Design von Jacobsen emotional verbunden fühlen.

Vom Museum of Failure in Helsingör oder dem größten Supermarkt der Welt in Ullared hörte ich zum ersten Mal. Das Ambiente wird so authentisch vermittelt, dass ich das Gefühl hatte, selbst durch die Regalreihen zu schlendern. Ein Kapitel widmet sich ausführlich der finnischen Saunakultur, die in einem viel größeren Maß zelebriert wird als ich dachte. Ich habe auf dieser sehr abwechslungsreichen Reise viele Kunst-, Architektur- und Naturhighlights kennengelernt, die ich unbedingt live erleben möchte, und konnte dabei in das typisch skandinavische Lebensgefühl eintauchen.

Bewertung vom 17.06.2023
Burton, Nina

Notizen aus dem Sommerhaus


ausgezeichnet

Mit Ameisen, Eichhörnchen, Amseln oder Bienen habe ich im Alltag nur flüchtige Begegnungen. Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, werde ich künftig sicher genauer hinsehen, wenn ich auf unserer Terrasse eine Ameisenstraße oder beim Spaziergang ein Vogelnest entdecke.

Schauplatz des Memoirs von Nina Burton ist ein schwedisches Sommerhaus, das die Autorin renovieren lässt. Während sie die Arbeiten überwacht, nimmt sie ihre kleinen tierischen Mitbewohner innerhalb und außerhalb des Hauses unter die Lupe und erzählt uns allerlei Staunenswertes. Mit großem Respekt habe ich beispielsweise den Arbeitstag einer Hummel verfolgt. Die Navigationskünstler schaffen bis zu sieben Flügen am Tag und vierhundert Blüten bei jeder Runde! Fasziniert hat mich auch die Sprache der Bienen, die sich durch verschiedene Tanzarten auf den Waben über Richtung, Flugzeit und Qualität der Blüten informieren und sich auf die Weise eine umfassende Naturbeschreibung liefern.

Nina Burton stellt uns außerdem die Arbeiten bekannter Forscher wie Carl von Linné und Charles Darwin vor und erklärt naturwissenschaftliche Zusammenhänge sehr verständlich. Indem sie beschreibt, wie sich die Tiere bei ihr häuslich einrichten und Parallelen zwischen der menschlichen und tierischen Gemeinschaft zieht, gewinnt man einen leichten Zugang zu ihrem umfangreichen Wissen. Dabei rückt sie den Platz, den wir Menschen neben den vielfältigen Lebewesen, die um uns existieren, einnehmen in die richtige Perspektive. Der lehrreiche und von Poesie durchzogene literarische Ausflug lässt sich am besten im Garten oder auf einer Picknickdecke genießen!

Bewertung vom 05.06.2023
Pourchet, Maria

Feuer


ausgezeichnet

Ein Roman, der unter anderem für den Prix Goncourt nominiert und in Frankreich ein Bestseller war, macht neugierig. Das Thema Ehebruch mag banal erscheinen, doch Maria Pourchet bringt eine ganz individuelle Note ein. Zum einen schreibt sie in der zweiten Person, so dass man sich direkt angesprochen fühlt und sofort in das unheilvolle Geschehen hineingezogen wird. Zum anderen schreibt sie schonungslos direkt, scharfzüngig, zuweilen sarkastisch.

Ich habe mir immer vorgestellt, dass in einer Amour Fou beide Seiten mit gleicher Intensität hineinschlittern, doch hier ist es anders. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive von Laure, einer verheirateten Uni-Dozentin, und dem alleinstehenden Investmentbanker Clément, so dass das Ungleichgewicht immer deutlicher wird. Während sich Laure mit Haut und Haaren ihrer Begierde hingibt, zu allem bereit ist und ihre Familie und Kollegen belügt und betrügt, ist Clément der Zögernde, der Skrupel hat, Grenzen setzt, immer wieder einen Rückzieher macht und andere in sein Geheimnis einweiht.

So assoziiere ich den gut gewählten Titel vor allem mit der weiblichen Hauptfigur, die durch ihre Besessenheit und Fixierung auf Clément einen Flächenbrand auslöst. Zum Glück stürzt sich ja nicht jeder, der in einer Krise steckt, gleich in eine Liebesaffäre, doch die Leere, die sich in einem festgefahrenen Leben auftut, und der Wunsch, sich wieder lebendig zu fühlen, beschreibt Maria Pourchet so eindringlich und fesselnd, dass sie sich gut nachvollziehen lassen.

Bewertung vom 09.05.2023
Hamilton, Hugo

Echos der Vergangenheit


sehr gut

Nicht nur Romanfiguren, auch ein Buch kann spannende Abenteuer erleben wie Hugo Hamilton zeigt. Er macht eine Erstausgabe von „Die Rebellion“ von Joseph Roth zum Erzähler. Sie entkam 1933 nur knapp der Bücherverbrennung und wanderte seitdem durch viele Hände, die ihre Spuren hinterlassen haben. Eine handgezeichnete Karte auf der letzten Seite, auf deren Spur sich die aktuelle Besitzerin macht und nach Berlin reist, bildet den Spannungsbogen der Geschichte.

Die Idee ist sehr originell, anhand eines Buches den Verlauf historischer Ereignisse und menschlicher Schicksale auf verschiedenen Zeitebenen zu verknüpfen. Dabei kommt auch der Held des Romans Andreas Pum, ein Kriegsveteran und Drehorgelspieler, nicht zu kurz. Berührt hat mich die komplizierte Beziehung zwischen Joseph Roth und seiner Frau Friederike, die Hugo Hamilton ebenfalls einfließen lässt. Es ist schade, dass die Erzählstimme des Buches, das emotional und physisch einiges erleiden muss und sein bewegtes Schicksal mal packend, mal humorvoll mit uns teilt, über längere Strecken von der Bildfläche verschwindet.

Bewertung vom 03.05.2023
Maatman, Verena

Die rebellische Pianistin. Das Leben von Johanna Kinkel


ausgezeichnet

Bei der Suche nach interessanten Büchern landet man manchmal wahre Glückstreffer. So ein Fall war für mich dieser Roman. Kein Wunder, enthält er doch viele Zutaten, die mich begeistern: eine historische Frauenfigur, noch dazu mutig und rebellisch, Klaviermusik, Dichtung, Salonnières und geschichtliche Ereignisse.

Von Johanna Kinkel hatte ich bisher noch nie etwas gehört. Mit 11 stand für sie fest, Pianistin und Komponistin zu werden, doch natürlich hatten Frauen Anfang des 19. Jahrhunderts statt zu musizieren das Kochen und Nähen zu erlernen, um eine gute Partie zu finden. Dass sie in einem Kochkurs eine Melodie für ein Sauerbratenrezept erfand, um es sich besser zu merken, machte sie mir gleich sympathisch.

Ohne ihren Musiklehrer und Förderer Franz Anton Ries, der auch Beethoven unterrichtet hatte, hätte Johanna wohl kaum ihren Traum verwirklichen können. Atemlos verfolgte ich, wie sie die Leitung eines Gesangsvereins in Bonn übernahm, zum Studium nach Berlin zog, engen Kontakt mit Fanny und Felix Mendelssohn hielt und zu einer der begehrtesten Pianistinnen in den Berliner Salons wurde. Sie komponierte nicht nur Lieder, sondern schrieb auch Gedichte, Erzählungen und Essays, war mit Annette von Droste-Hülshoff und Bettina von Arnim befreundet und gründete mit ihrem Ehemann einen Dichterkreis.

Verena Maatman stellt in dieser spannend erzählten Romanbiografie neben Johannas außerordentlicher Begabung auch ihr Engagement für Frauenrechte heraus. Ich habe nicht nur eine in Vergessenheit geratene bewundernswerte Pianistin, Komponistin und Poetin kennengelernt, sondern auch Interessantes über die Demokratiebewegung vor 175 Jahren erfahren.

Bewertung vom 26.04.2023
Villard, Sophie

Mademoiselle Eiffel und der Turm der Liebe (eBook, ePUB)


sehr gut

Paris ohne den Eiffelturm kann man sich nur schwer vorstellen - genauso wenig, dass viele Künstler wie Guy de Maupassant oder Charles Garnier massiv gegen den Bau protestierten. All das und viele weitere interessante Hintergründe erfährt man in diesem Roman. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der berühmte Erbauer Gustave Eiffel, sondern seine titelgebende Tochter und Privatsekretärin Claire.

Die Autorin verschränkt familiäre Ereignisse bei den Eiffels mit der Entstehungsgeschichte des Turms, wobei mich Letzteres mehr interessierte. Es ist spannend, die einzelnen Bauphasen zu verfolgen, welche Ideen der Ingenieure dabei umgesetzt wurden, auf welche technischen Schwierigkeiten und personellen Widerstände die Familie stieß und welche finanziellen Risiken sie einging.

Wie es zur engen Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Otis kam und wie ein amerikanischer Journalist das Geschehen hautnah begleitete, waren für mich auch bereichernde Elemente in der Geschichte. Die Vorbereitungen für die Weltausstellung 1889 machen den damaligen Fortschrittsgeist förmlich spürbar. Claires Eifersucht auf Elisabeth Otis und ihr Bemühen, wieder Schwung in ihre Ehe zu bringen, fand ich allerdings übertrieben.

Ich muss zugeben, dass ich schon oft in Paris, aber noch nie auf dem Eiffelturm war, und möchte das nach der Lektüre unbedingt nachholen!

Bewertung vom 22.04.2023
Uhle, Christian

Wozu das alles?


ausgezeichnet

Die Flut der Ratgeber zur Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung erwecken fast den Eindruck, darin bestehe der Sinn des Lebens. Für Christian Uhle ist dies jedoch nur einer von mehreren Bausteinen für ein sinnvolles Leben. Die übrigen erläutert der Philosoph in diesem Buch.

Er nähert sich dem vielschichtigen Thema, indem er vier zentrale Auslöser von Sinnkrisen unter die Lupe nimmt: Erfahrungen von Ziellosigkeit, Vergänglichkeit, Gleichgültigkeit und Fremdheit. Anhand vertrauter Alltagsszenen beschreibt er typische menschliche Empfindungen so treffend, dass ich oft das Gefühl hatte, er spricht mir aus der Seele. Anschließend zeigt er Wege auf, wie wir diese negativen Erfahrungen überwinden und sowohl der Welt als auch unserer Existenz einen Sinn abgewinnen können.

Ich kam mir vor wie auf einer Zeitreise, denn der Autor schlägt eine Brücke von Erzählungen aus der Antike, die die Sinnsuche thematisieren über den französischen Existenzialismus bis hin zu aktuellen Trends wie Unternehmenspurpose und New Work. Einiges war mir schon bekannt, aber die Art und Weise wie er psychologische und soziologische Erkenntnisse einbezieht und die Wechselwirkungen zwischen dem Ich, den Mitmenschen und der Welt in den Mittelpunkt stellt, haben mir gut gefallen. Sogar Ansätze wie eine spielerische Haltung im Leben und die Offenheit für den Zauber der Welt finden in seiner Theorie ihren Platz.

Dabei geht Christian Uhle tastend, differenzierend und sehr strukturiert vor, so dass man seinen Gedanken gut folgen kann. Nun verstehe ich, warum der Appell, seine Träume zu verwirklichen und authentisch zu leben, auch ins Negative kippen und eine Sinnkrise auslösen kann. Das Buch hat mir viele solcher Aha-Erlebnisse und Denkanstöße beschert und zählt zu meinen Lesehighlights!

Bewertung vom 11.04.2023
Simon, Teresa

Zwischen den Zeilen / Die Repoterin Bd.1


ausgezeichnet

Da ich schon in einigen Münchner Zeitungsredaktionen gearbeitet habe, interessierte mich besonders das Setting dieses Romans. Die Geschichte spielt Anfang der 1960er Jahre in München und handelt von Marie Graf, die davon träumt, Gesellschaftsreporterin zu werden. Dabei haben ihre Eltern eine ganz andere Laufbahn für sie vorgesehen, nämlich Pharmazie zu studieren und die familieneigene Apotheke zu übernehmen.

Um ihr Ziel zu erreichen, muss Marie große Opfer bringen, doch sie bleibt hartnäckig, bis sie endlich ihre ersehnte Praktikantenstelle bei der Zeitung „Der Tag“ bekommt. Am Arbeitsplatz erfährt sie sowohl Unterstützung von kompetenten Mentoren als auch Neid und Missgunst durch alt eingesessene überhebliche Reporter. Die gut ausgearbeiteten Charaktere mit ihren teils altmodischen Auffassungen, ihr damaliger Lebensstil und die vielen bekannten Schauplätze wie das Grünwalder Stadion, das Deutsche Theater oder das Hotel Vier Jahreszeiten machen das Geschehen sehr authentisch.

Auch wenn ich selbst die Klatschspalten in Zeitungen meist überspringe, hat es mir großen Spaß gemacht, die Heldin auf glamouröse Events zu begleiten und sie dabei zu beobachten, wie sie mit viel Geschick Stars wie den Kessler Schwestern oder Pierre Brice überraschende Bekenntnisse entlockt. Nach dem Cliffhanger am Ende bin ich gespannt, wie ihre Karriere im zweiten Teil der Romandilogie weitergeht.

Bewertung vom 04.04.2023
Da Costa, Mélissa

Apfeltage


ausgezeichnet

Mit dem Verlust eines geliebten Menschen geht jeder anders um. Die Protagonistin Amande mietet ein abgelegenes Haus in der Auvergne und zieht sich völlig zurück. Es wird zunächst nur häppchenweise enthüllt, was ihr zugestoßen ist und warum sie ihr altes Leben hinter sich lassen will.

Ich habe schon einige Romane über Menschen gelesen, die nach einer schweren Krise wieder allmählich in ihr Leben zurückfinden, doch diese Geschichte hat mich besonders berührt. Ich bin gleich eingetaucht in Amandes neue Umgebung, ihre Gedanken und Erinnerungen. Die Autorin beschreibt mit viel Feingefühl und einem Blick fürs Detail ihre kleinen Fortschritte sowie Rückschläge bei der Trauerbewältigung. Anfangs bringt Amande selbst ein Schmetterling, der in ihr abgeschottetes Haus hinein flattert, völlig durcheinander. Es ist immer wieder ein vorsichtiges Hinauswagen, um zu sehen, wofür sie bereit ist und wofür noch nicht.

Es geht auch um die Kraft, die ihr Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und vor allem die Natur geben. Beides findet Amande dank der Notizen auf Wandkalendern, die von der ehemaligen Besitzerin des Grundstücks stammen. Die Arbeit im verwahrlosten Garten wird dadurch nicht nur zu einer Beschäftigung, die sie vom Schmerz ablenkt, sondern etwas, was ihre Lebensfreude wieder weckt. Dieser warmherzige Roman sensibilisiert für die Schönheit und Vergänglichkeit des Lebens, die Bedeutung von menschlichen Beziehungen und weckt die Vorfreude auf den Frühling.